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15. Oktober 2008, 07:05 Uhr

"Dann muss Ackermann weg"

Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat nach Ansicht des Historikers Hans-Ulrich Wehler in seinem Job versagt: Wenn die Deutsche Bank Staatsgelder in Anspruch nehme, dann müssten Ackermann und der gesamte Vorstand abdanken, fordert Wehler im stern.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann© Picture-Alliance

Der Historiker Hans-Ulrich Wehler hat die Ablösung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gefordert. In einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern sagte er: "Wenn die Deutsche Bank Staatsgelder in Anspruch nimmt, muss Ackermann und der gesamte Vorstand weg. Diese Hasadeure in den oberen Rängen müssen zurücktreten, auch wegen der politischen Wirkung." Schließlich seien auch die Manager im zweiten Glied in der Lage, sofort die Leitung der Bank zu übernehmen.

Dem Bielefelder Historiker zufolge ist die "aberwitzige Fixierung auf 25 Prozent Rendite, die Josef Ackermann der Deutschen Bank verordnet hat, charakteristisch für die Phase einer fehlenden Regulierung der Finanzmärkte. In so einem überhitzten Geschäftsklima treten dann all die Eigenschaften zu Tage, die derzeit beklagt werden: die Habgier, die Fahrlässigkeit, aber auch die Dummheit der beteiligten Banker".

Wehler verwahrte sich im stern dagegen, weiter zu machen wie bisher, nachdem sich die Märkte stabilisiert haben werden: "Wir dürfen nicht in drei Jahren, wenn sich die Wall Street längst beruhigt hat, Ackermann aus seiner Schweizer Hütte zurückholen."

Enttäuscht zeigt sich Wehler über das historische Gedächtnis vieler Wirtschaftsliberaler, die in den vergangenen Jahren mitverantwortlich waren für die Deregulierungswelle. "Als Historiker konnte man da nur sagen: Leute, ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass es einen staatsfreien funktionierenden Markt gibt." Wenn er mit Bankern und Unternehmern diskutiere, sei er oft "erstaunt, wie wenig historisch die denken", sagt Wehler. "Die haben einen Zeithorizont, der maximal ein paar Wochen zurück reicht und dann weit in die Zukunft geht." Nur mit Hilfe solcher Denkbarrieren sei es in den vergangenen Jahren möglich gewesen, an die allein selig machende Wirkung eines freien Marktes zu glauben. Mit Bezug auf den Neoliberalismus sagte Wehler: "Was wir in diesen Wochen erleben ist, dass eine mächtige Gedankenströmung radikal dementiert wird."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 43/2008

Lesen Sie das komplette Interview im neuen stern

Lesen Sie das komplette Interview im neuen stern

 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
JePi (15.10.2008, 16:04 Uhr)
Richtig
...und mit Ackermann müssen die verantwortlichen Spitzenpolitiker abdanken. DANKE, Frau Dr. Merkel und Herr Steinbrück. Sie können gehen.
jackiki (15.10.2008, 15:37 Uhr)
die einzige frage, die...
...ich mir stelle, aus welchem arsch werden die 500 MILLIARDEN euro gezogen? ich dachte immer, man müsste den gürtel enger schnallen! deshalb meine lieben mitbürger, belügen, betrügen und bescheißen wo man nur kann! nur so und nicht anders ;)...
Salzsteuer (15.10.2008, 14:26 Uhr)
Perkins1975
In diesen Fällen beruhten die Zahlen aber ausschließlich auf Tricks die man sonst von Hütchenspielern kennt.
Schrottpapiere teuer in die Bilanz genommen und sich schön und reich gerechnet damit eine dicke Prämie für den Vorstand fließt. Endzeitkapitalismus halt, nach mir die Sintflut.
auwei (15.10.2008, 14:08 Uhr)
@halodri73
Es geht um die moralische Komponente. Die mag Ihnen und einigen anderen egal sein, aber darauf bezog sich Wehler. Dass er etwas ungenau argumentiert, ist richtig - aber der Kern seiner Kritik ist es auch.
Halodri73 (15.10.2008, 12:56 Uhr)
Rechtschreibung
"schlichter" muss es heissen...
Halodri73 (15.10.2008, 12:51 Uhr)
Ach nicht verstanden hab ich das!
Danke und ich dachte schon der MEINT, was er SCHREIBT!
Ja Entschuldigung, wenn der eine Kritik meint, die er WOANDERS formuliert hat, kann ich die ja nicht kennen. MEIN Kommentar bezog sich nur auf den hier vorliegenden Text.
Und der ist nicht unverständlich sondern slichter Blödsinn.
Ganz einfach!
auwei (15.10.2008, 12:46 Uhr)
@halodri73
Offensichtlich haben Sie die Kritik Wehlers nicht so ganz richtig verstanden. Er hat ganz sicher nicht die Performance von Ackermann ins Visier genommen, sondern seine Kritik auf einer Ebene formuliert, die für einen, der das 'sapiens' hinter dem 'homo' inzwischen vollends durch das 'oeconomicus' ersetzt hat, wohl auf ewig unverständlich bleiben wird.
Perkins1975 (15.10.2008, 12:29 Uhr)
@ salzstreuer und endbenutzer
Ich meinte in der Tat Banken wie Goldman Sachs und Lehman Brothers, die IN DER TAT in den letzten Jahren (bezogen auf ihr jeweiliges Geschäftsjahr) entsprechende Renditen erwirtschaftet haben. Dass die Rendite z.B. auf Zehn-Jahres-Sicht nicht mehr so hoch ausfällt (oder vielleicht sogar ins Negative abrutscht), ist natürlich richtig. Üblicherweise werden die Kennzahlen eines Unternehmens aber nur auf Jahressicht betrachtet.
Halodri73 (15.10.2008, 12:24 Uhr)
Ich bezweifle,
daß der Herr Historiker ( ich kenne auch einen, der Geschichte studiert hat. der ist inzwischen eingewiesen!)
auch nur annähernd soviel Geld verloren hat in den letzten Wochen, wie etwa ein Herr Ackermann.
Letzterer war es übrigens, der vor Jahren sämtliche ABS-Papiere ( Asset Backed Securities, wer's nicht kennt ist hier eh im falschen Forum, hier gehts um Wirtschaft!)mit halbfauler Sicherheit abgestoßen hat. Mit dieser Weitsicht hat er die Deutsche Bank zumindet vor dieser Krise bewahrt. Ich kenne den Mann nicht und hab auch gar keine Lust, sein moralisches Grundgerüst zu beurteilen. Sein Auftrag ist, die Aktionäre reich zu machen, ohne seine Mitarbeiter und Kunden unrechtmässig auszubeuten. Zweiteres kann man sicher diskutieren, aber BEZAHLT wird der Mann ja nicht vom Steuerzahler sondern vom Aktionär, gelle?
Und wenn die Regierung dumm genug ist, marode Banken zu sanieren, dann muss sie, um die gesunden nicht zu benachteiligen, mit der großen Gieskanne schütten.
Aber Herrn Ackermann das Recht abzusprechen, Subventionen anzunehmen, ist selbst für einen offenbar geistig nicht ganz klaren Historiker nicht nur unlogisch, sondern - vor allem wenn mit Absicht formuliert - ein Frechheit!
Unseriöser kann kommentierende Berichterstattung kaum passieren, lieber Stern!
utospatz (15.10.2008, 12:15 Uhr)
So ist es nun mal,
wenn Kackermänner und Politik Hand in Hand über Jahre zusammenarbeiten.!
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