Nun dürfen sich auch die Universitäten Aachen, Göttingen, Heidelberg, Freibung, Konstanz und die FU Berlin Elite-Uni nennen - und können mit einem warmen Geldregen rechnen. Im stern.de-Interview analysiert der Hochschulforscher Detlef Müller-Böling, was das Elite-Bohei den Studenten nutzt.

Ein Student im Labor der Uni Freiburg: Sie ist ein heißer Kandidat für die zweite Runde der Exzellenzinitiative© Michael Latz / DDP
Die universitäre Champions League bekommt Zuwachs: Die Technische Hochschule Aachen, die FU Berlin und die Universitäten Göttingen und Heidelberg sind in das Exzellenz-Programm der Bundesregierung aufgenommen worden. Auch die Universitäten Freiburg und Konstanz haben den begehrten Status erhalten. Sie dürfen sich dann - wie jetzt schon die LMU München, die TU München und die TH Karlsruhe - "Elite-Universität" nennen. Damit verbunden sind Fördergelder in Millionenhöhe und ein beträchtlicher Imagegewinn.
Im Rennen sind noch die HU Berlin, die FU Berlin, die Uni Göttingen, die Ruhr-Universität Bochum, die RWTH Aachen und die baden-württembergischen Unis in Heidelberg, Freiburg und Konstanz. Was dabei aber oft übersehen wird: Die Exzellenzinitiative richtet sich an die Forschung und nicht an die Lehre. Und trotz Elitestatus beklagen sich Studenten der letztjährigen Sieger-Universitäten über die teilweise immer noch schlechten Studienbedingungen.
Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh, erstellt jedes Jahr ein viel beachtetes Hochschulranking. Seiner Meinung nach gewinnen Elite-Unis an Ansehen und Geld, sind aber nicht immer erste Wahl bei den Studenten.
Er wird es kaum merken. Die Exzellenzinitiative bezieht sich nicht auf die Lehre, alle Mittel aus der Initiative sind zur Förderung der Forschung gedacht. Das macht sich im Grundstudium oder im Bachelorstudiengang kaum bemerkbar. Erst im Hauptstudium, im Masterstudiengang oder bei den Doktoranden machen sich die Auswirkungen mittelbar bemerkbar.
Die Ausstattung der Universitäten wurde verbessert, es gibt jetzt Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und neue Graduiertenprogramme. Ein Beispiel: Wenn Ihnen als Student gute Labore zur Verfügung stehen, dann haben sie mehr Möglichkeiten in ihrer Arbeit. Und wenn Sie über bessere Kontakte verfügen, dann kann das Ihren Horizont erweitern.
Zahlenmäßig waren die Natur- und Ingenieurswissenschaften weit überproportional vertreten. Das Problem wurde erkannt, und man hat darüber auch beraten. Wie es nun in der zweiten Runde aussieht, das wird sich zeigen. Ich kann nicht in die Glaskugel schauen. Darüber jetzt schon etwas zu sagen, wäre zu früh.
Ja, sicher. Wir brauchen ein Programm, das die Lehre mit Sondermitteln ausstattet. Vielleicht im Rahmen eines neuen Wettbewerbs. Ohnehin sind neue Wege in der Hochschulfinanzierung dringend erforderlich, konkret ein Finanzierungssystem, das die Studentenwanderungen mit einbezieht. Eine Uni, die viele Studenten anzieht, muss auch mehr Geld bekommen...
Nicht unbedingt. Abiturienten richten sich in ihrer Uniwahl sehr stark nach der Qualität der Lehre. Und nicht immer sind die ausgezeichneten Elite-Universitäten in diesem Zusammenhang auch die attraktivsten.
Nicht unbedingt nur auf Deutschland bezogen. Ich glaube, dass es langfristig so etwas wie eine europäische Ivy League geben wird, mit etwa 20 bis 40 Hochschulen. Viel mehr sicher nicht, und da werden auch einige deutsche Universitäten dabei sein. Die Zugehörigkeit zu dieser Oberklasse muss allerdings nicht von Dauer sein. In der europäischen Ivy League der Zukunft wird es Auf- und Absteiger geben.
Wir brauchen in allen Bereichen gute Leistungen. Und die Geisteswissenschaften haben sehr wichtige Funktionen für unsere Gesellschaft: eine Erinnerungs-, eine Ausbildungs- und auch eine Einordnungsfunktion. Sie sind genauso wichtig wie alle anderen Wissenschaften auch.
Ich hoffe, dass alle Entscheidungen, wie bisher auch, nach wissenschaftlichen Kriterien getroffen werden, und nicht nach Länderproporz. In der ersten Runde haben drei Universitäten aus dem Süden gewonnen. Daran sieht man, dass keine Rücksicht auf regionale Empfindlichkeiten genommen wurde.
Vor allen Dingen im Ausland. Es gibt ganz klare Signale, dass man in anderen Ländern auf diese Universitäten fokussiert. Und das ist nicht nur positiv zu sehen. Es kann ja nicht sein, dass nur noch auf drei Hochschulen im Land geschaut wird.
Zur Person Detlef Müller-Böling ist Leiter des in Gütersloh ansässigen Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Das CHE wurde gemeinsam von der Hoschulrektorenkonferenz und der Bertelsmann-Stiftung gegründet. Aufgabe des Institutes sei es die deutsche Hochschullandschaft "zu liberalisieren und modernisieren". Das CHE veröffentlicht unter anderem jährlich ein Ranking der deutschen Hochschulen.