Die Krankenversicherung ist teurer geworden. Millionen Kassenmitglieder fragen sich: Wie kann ich jetzt noch sparen? Ein Führer durch den Krankenkassendschungel. Von Andreas Hoffmann und Elke Schulze
Deutschland, Ende Januar 2009. In Tausenden Büros warteten Frauen und Männer neugierig auf ein Stück Papier, einen unscheinbaren Umschlag, etwa 22 mal 11 Zentimeter groß: die erste Gehaltsabrechnung im neuen
Jahr. Millionen Arbeitnehmer waren enttäuscht, als sie die Zahlen studierten. Sie mussten erheblich mehr für die Krankenkasse zahlen als früher.
15,5 Prozent vom Bruttolohn, 7,3 Prozent zahlt der Arbeitgeber, 8,2 Prozent der Arbeitnehmer. So viel wie noch nie. Für alle, deren Einkommen über der Bemessungsgrenze von 3675 Euro im Monat liegt, stieg der Beitrag auf 570 Euro. Ebenfalls Rekord. Und was noch schlimmer ist: Früher gab es einen Ausweg. Mit der Wahl der richtigen Kasse ließen sich einige Hundert Euro im Jahr sparen. Damit war jetzt Schluss. Nun nahmen alle Kassen den gleichen Satz, den Einheitsbeitrag, die gravierendste Folge des neuen Gesundheitsfonds.
Anfang 2010 kam es dann noch schlimmer. Viele gesetzliche Krankenkassen kündigte an, Zusatzbeiträge zu erheben. Und das sogar mit Recht: Die Gesetzlichen können einen Zusatzbeitrag erheben, wenn sie mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen. Als Grund für die Erhöhung geben die Kassen gestiegene Arzthonorare und Einnahmeverluste durch die Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit an. Dagegen wehren können Sie sich nicht. Es bleibt nur die Option eines Kassenwechsels.
Ganz besonders spürt die Folgen, wer früher günstig versichert war, etwa bei der BIG Direktkasse (Beitragssatz 2009: 13,4 Prozent). Ein Durchschnittsverdiener mit 30.000 Euro Einkommen zahlt nun im Jahr 300 Euro mehr, allein für den Arbeitnehmeranteil. Die Mitglieder fragen sich: Ist
es nun egal, wo ich mich versichere, wenn alle gleich viel nehmen? Kann ich irgendwie doch noch Geld sparen, wenn ich die Kasse wechsele? Oder soll ich mich am besten doch privat versichern?
Guter Service und mehr Leistungen
AOK, Barmer und Co. stellten sich auf den neuen Wettbewerb ein. Sie versuchen, mit gutem Service und speziellen Leistungen zu punkten. Sie versprechen Schwerkranken besondere Hilfen, garantieren einen
schnellen Termin beim Facharzt oder Hausbesuche. Andere Kassen gewähren Zuschüsse für die häusliche Krankenpflege oder zahlen im Notfall eine Haushaltshilfe. Wieder andere übernehmen - gegen Aufpreis - die Kosten der Zahnreinigung oder erstatten homöopathische Medikamente.
Der erste Schritt ist, sich selbst genau zu prüfen. Welches Angebot richtig ist, hängt von den eigenen Bedürfnissen ab. Gesunde interessiert anderes als Kranke. Wer unter Diabetes leidet und sich über seinen Arzt ärgert, dem kann zuweilen eine andere Kasse mit einer besseren Behandlung helfen. Wer dagegen selten zum Arzt geht und sparen will, kann einen Teil der Pillenkosten selbst tragen. Dafür erhält er am Jahresende Geld zurück. Manchem ist eine 24-Stunden-Hotline wichtig, dem anderen die Geschäftsstelle um die Ecke oder spezielle Vorsorgeuntersuchungen. "Wo die Versorgung und der Service, gemessen an den jeweils eigenen Ansprüchen, richtig sind, sollte man sich versichern", rät Doris Pfeiffer, Chefin des neuen Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen.
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Mitarbeit: Mathias Rittgerott, Uwe Schmidt-Kasparek