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Pianist beruhigt Hooligans mit Helene-Fischer-Hit

Auf dem Taksim-Platz in Istanbul hörte ihm die Welt zu. Zufällig geriet Pianist Davide Martello nun in die Hooligan-Demo in Köln. Und versuchte die Gemüter mit einem Helene-Fischer-Hit zu beruhigen.

  Davide Martello hat mit seinen Songs den Hooligans auf der Demo in Köln stellenweise Einhalt geboten

Davide Martello hat mit seinen Songs den Hooligans auf der Demo in Köln stellenweise Einhalt geboten

Ausnahmezustand in Köln: Randalierende Hooligans toben durch die Rheinmetropole - und mittendrin ein Mann am Klavier, der "Atemlos durch die Nacht" von Helene Fischer spielt. Ein absurdes Szenario. Pianist Davide Martello, der schon auf dem umkämpften Taksim-Platz von Istanbul spielte und gerade durchs Ruhrgebiet tourt, versuchte auf seine Weise die Gemüter in Köln zu beruhigen.

Martello nahm die Luft aus der angespannten Situation

Wie er dem stern berichtete, war er gerade von der Kölner Domplatte, wo er einige Zeit lang spielte, auf dem Weg zurück nach Hause, als er an der Demonstration vorbeikam und die Wasserwerfer der Polizei in Aktion sah. Spontan baute er sein Piano vor der Polizeikette in Sichtweite zu den Hooligans auf und begann zu spielen. "Ich habe mein Verstärker voll aufgedreht. Eigentlich wollte ich direkt rein da, aber die Polizei ließ mich nicht", sagte Martello. Er spielte nicht nur "Atemlos durch die Nacht", sondern auch weitere Schlager. "Die Hooligans reagieren positiv auf solche Songs", weiß der 32-Jährige zu berichten. Und tatsächlich kam nach einer Viertelstunde ein Polizist zu Martello und bedankte sich bei ihm dafür, dass er mit seinem Spiel die Luft aus der angespannten Situation genommen habe.

Am Sonntag hatten sich in Köln insgesamt mindestens 4000 gewaltbereite Fans von teils verfeindeten Fußballclubs mit Rechtsextremen zu einer Demonstration gegen Salafisten versammelt. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Wasserwerfer, Schlagstöcke und Reizgas einsetzte. Mindestens 44 Beamte von Landes- und Bundespolizei wurden verletzt, mehrere Polizeiautos beschädigt. 17 mutmaßliche Gewalttäter kamen in Gewahrsam.

Neue Ausschreitungen "nicht ausgeschlossen"

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger wies nun Kritik am Einsatz der Polizei zurück. "Das Polizeikonzept hat funktioniert", so Jäger im ZDF-Morgenmagazin.

Jäger sagte weiter, die Demonstration sei vom Veranstalter abgebrochen worden. Die Hooligans hätten sich aber geweigert, das Veranstaltungsgelände zu verlassen. Die Polizei habe daraufhin "alle zum Hauptbahnhof geleitet - auch unter Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern bei verschiedenen Auseinandersetzungen". Neue ähnliche Ausschreitungen könne er "nicht ausschließen, weil das Demonstrationsrecht im Grundgesetz verankert ist", sagte Jäger. "Ein einfaches Verbot" sei nicht "ohne Weiteres" möglich.

Es müsste vielmehr das Bundesverfassungsgericht überzeugt werden, "dass hier das Recht auf Demonstration als Grundrecht einzuschränken wäre", sagte Jäger. Dies sei "eine Möglichkeit, falls sich ein solches Bündnis noch einmal zusammentut".

and/DPA/AFP/DPA
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