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29. September 2008, 10:11 Uhr

Bangen im Bellevue

Schwierige Zeiten für Bundespräsident Horst Köhler. Durch das CSU-Desaster bei der Landtagswahl werden auch die Machtverhältnisse im Bund unsicherer. Die klare Mehrheit für den Amtsinhaber ist dahin - und das schwarz-gelbe Projekt auf Bundesebene wohl auch. Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Die Wiederwahl Horst Köhlers zum Bundespräsidenten hängt an einen seidenen Faden© Berthold Stadler/DDP

Die tektonischen Verschiebungen in der politischen Landschaft Bayerns erreichen auch den Hausherrn von Schloss Bellevue in Berlin: Bundespräsident Horst Köhler hat für seine Wiederwahl in der Bundesversammlung rein rechnerisch zwar immer noch eine hauchdünne Mehrheit. Doch nun sind auch ein paar unsichere Kantonisten mehr an Bord, wenn am 23. Mai 2009 über das höchste Staatsamt entschieden wird. Möglich ist plötzlich alles.

Kein Befund zur neuen politischen Lage in Bayern wurde am Wahlsonntag schon kurz nach 18 Uhr mit solch bedeutungsschwerer Miene vorgetragen wie der von der "Aufsplitterung des bürgerlichen Lagers": Wo früher die CSU weitgehend allein zu Haus war, muss sie sich die Wählergunst nun mit FDP und Freien Wählern teilen. Doch was aus Unionsmund vorderhand als Beruhigung an die eigene Adresse gedacht war, dass nämlich "Sozis" und "Linke" wenigstens nicht vom eigenen Wahldesaster profitieren konnten, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als wenig tröstlicher Tatbestand. Der Erosionsprozess der Volksparteien hat nun auch Bayern erreicht, ein weiterer Schritt Richtung neuer Unübersichtlichkeit ist getan. Mögen die einzelnen "Lager" noch existieren, in sich beweglicher und somit instabiler geworden sind sie aber allemal. Neue Interessenlagen entstehen so leichter. Neue Konstellationen sind möglich.

Schwarz-gelber Vorbote

Für Horst Köhler ist dies an sich noch kein Drama - nur beruhigt zurücklehnen kann er sich eben auch nicht. Zwar haben Union, FDP ohnehin und nun auch die Freien Wähler signalisiert, ihm zu einer zweiten Amtszeit verhelfen zu wollen. Doch wie verlässlich die "eigene Mehrheit" von 613 oder 614 Stimmen in der 1224 Delegierte umfassenden Bundesversammlung ist, kann heute niemand mit Gewissheit vorhersagen. Zumindest in den ersten beiden Wahlgängen, wo die absoluten Mehrheit nötig ist, ist Köhler deshalb in einem ähnlichen Dilemma, wie demnächst Andrea Ypsilanti in Hessen. Der Erfolg hängt an einem äußerst dünnen Faden - im Schutz der Anonymität darf es keinen Abweichler geben. Und krank werden sollte an diesem Tage tunlichst auch niemand.

Köhlers Problem am 23. Mai 2009 wird noch ein zweites sein: Als Symbol für den Aufbruch in eine neue politische Ära taugt der erste Mann im Staat nicht mehr. Dieses Manöver ist beim letzten Mal gründlich schief gegangen, als der politische Quereinsteiger im Frühjahr 2004 eigentlich als Vorbote einer schwarz-gelben Zukunft herhalten sollte. Doch von einer schwarz-gelben Koalition auf Bundesebene ist die Republik nach dem Ergebnis in Bayern weiter entfernt denn je. Köhler wird sich bei der Wahl deshalb weniger auf politische Symbolwirkung denn auf seinen Amtsbonus verlassen müssen. Und auch ein Paradoxon könne Köhler über die Hürde helfen. Denn die Wahl seiner Mitbewerberin Gesine Schwan würde im linken Lager exakt jene Symbolwirkung entfachen, die ihm vor fünf Jahren versagt geblieben ist. Köhler kann deshalb darauf hoffen, dass die Angst vor der Wirkung einer Schwan-Wahl die eigenen Reihen zusammenhält.

Für Köhler kann das im dritten Wahlgang ausreichen. Es muss aber nicht. Der Bundespräsident wird um sein Amt kämpfen müssen. Für das Superwahljahr 2009 heißt das: Es wird noch einen weiteren Wahlkampf geben.

Ein Kommentar von Axel Vornbäumen
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
covy111 (30.09.2008, 09:30 Uhr)
Mal wieder.....
.....einer dieser flachen Artikel. Es wird immer davon ausgegangen, dass die linke Mehrheit steht. Nur bei dem bürgerlichen Lager scheint immer alles wackelig zu sein. Flach, flacher.....
Taurusfunk (29.09.2008, 22:19 Uhr)
Wen interessierts?
Solange dieses Amt nicht vom Volk gewählt wird mich jedenfalls nicht.
Übrigens wissen 80% der Deutschen nicht wer dieses Amt eigentlich wählt.
Demokratie sieht anders aus.
knilch_59 (29.09.2008, 21:34 Uhr)
Ich bin für Köhler!
Der ist genau wie wir. Erst (als Welbankboss) den Neo-Liberalismus predigen, dann (als Bundespräsi) Kapitalismuskritik zu üben. Das ist DER gelebte Präsident aller Deutschen. Kapitalismus ist geil, solange der Sprit billig ist. Sobald aber die unvermeidlichen Nachteile auftauchen, tauchen wir ab und rufen nach Staat und sozialem Antlitz. Als Präsident aller Deutschen unser Spiegelbild, und auf jeden Fall geeigneter als jemand mit Intellekt und Bildung wie Gesine Schwan. Schließlich hat die BILD-Zeitung auch mehr Leser als die FAZ!
Schnaafpaaf (29.09.2008, 18:42 Uhr)
Die Abwahl BP Köhlers zugunsten einer
Dame, die meint, sie wäre auch mal dran, könnte sich als sehr schwerwiegendes Eigentor für die SPD erweisen. Die SPD-Führung (und sicher auch die Mehrzahl der SPD-Mitglieder und -Wähler) hatte sich bereits für die Wiederwahl des in Deutschland und der Welt hochangesehenen BP Horst Köhler ausgesprochen. Da hat die SPD-Linke Andrea Nahles in einer intriganten Nacht- und Nebelaktion die inzwischen beschäftigungslose G. Schwan aus dem Hut gezaubert und den unsäglichen SPD-Vorsitzenden Kurt B. damit überrumpelt.
Sollte Nahles mit diesem dreisten Manöver Erfolg haben, bekommen wir an der Spitze des Staates jemanden, der ein beliebtes und geachtetes Staatsoberhaupt aus dem Amt drängt, um die eigene Macht- und Geltungssucht zu befriedigen. Pfui Teufel (wenn es so kommen sollte)! Das darf bis zur Bundestagswahl nicht in Vergessenheit geraten.
chrgue (29.09.2008, 18:16 Uhr)
Ich sag Ihnen eines...
...wenn diese Schwadrone Schwan als Bundespräsidentin gewählt wird, lacht uns die Welt aus! Die ist nicht nur hässlich, sondern auch, aber lassen wir das...
Skorti (29.09.2008, 18:00 Uhr)
Verschiebung
Wer behauptet, in Bayern habe das sogenannte bürgerlich Lager nicht verloren, es wäre nur eine andere Verteilung, kann nicht rechnen.
ca. 17% Verlust bei der CSU und ca. 11% Gewinne bei FW und FDP zusammen macht für dieses Lager immerhin einen Verlust von 6%.
undjetztnochder (29.09.2008, 17:55 Uhr)
Naja...
mir scheint, der Artikelschreiber hat da einiges durcheinander geworfen. Also erstens ist die Hauptaufgabe des Bundespräsidenten die Repräsentation unseres Landes - das, was anderswo Könige oder Kaiser tun. Der Präsident ist somit Präsident aller Deutschen - und eben nicht der verlängerte Arm einer Partei. Somit hat er sich auch aus der aktuellen Tagespolitik rauszuhalten, und das haben unsere Präsidenten der letzten Jahrzehnte auch getan - was nicht heißt, dass sie keine eigene Meinung haben dürfen.
Um das Amt des Bundespräsidenten nicht zu beschädigen und um keinen "schwachen" ersten Mann im Staat zu haben, sind Kampfabstimmungen unüblich - anders als sonst in der Politik. Man einigt sich im Vorfeld, die Abstimmung selbst ist dann meist eine wenig spannende Formsache. Es würde mich doch sehr wundern, wenn das in der Bundesversammlung im Mai 2009 anders läuft. Köhler ist unser Bundespräsident auch für die nächsten 5 Jahre.
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