. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
26. August 2007, 14:49 Uhr

"Für mich war es ein Stahlbad"

Er kämpft um den CSU-Vorsitz. Er kämpft um sein Privatleben. Er kämpft um seinen Ruf. Seit Anfang Januar steckt Horst Seehofer in der tiefsten Krise seines Lebens. Im stern-Gespräch erzählt der CSU-Politiker von seiner "begnadeten Konstitution" und den vergangenen sieben Monaten: "Das C heißt nicht Unfehlbarkeit" Von Franziska Reich und Stefan Braun

Der CSU-Politiker Horst Seehofer in einer Stahlplastik vor dem Alf-Lechner-Museum Ingolstadt© Volker Hinz

Herr Seehofer, wie geht es Ihnen?

Sehr gut.

Sind Sie glücklich?

Ja.

Was bedeutet für Sie Glück?

Dass ich mich rundum wohlfühle.

Sind Sie stolz, noch mal Vater geworden

zu sein? Die Geburt eines Kindes ist ein Wunder. Ich freu mich, dass alles gut ging.

Ist Ihnen gratuliert worden?

Ja schon, aber meistens mit der Einleitung: Ich weiß gar nicht, ob dir das recht ist.

Wie haben Sie das letzte halbe Jahr erlebt?

Das war ein Stahlbad.

Meinen Sie damit die Suche nach der Antwort auf die Frage: Bleibe ich bei meiner Frau in Ingolstadt, oder entscheide ich mich für ein neues Leben mit Anette Fröhlich und der Tochter in Berlin?

Nein. Man muss auch schwierige Lebenslagen mit Anstand bewältigen. Das Stahlbad war das lückenlose mediale Trommelfeuer.

Trommelfeuer?

Als Politiker wird man immer mit Privatangelegenheiten konfrontiert. Das gehört dazu. Nicht aber, dass Privates instrumentalisiert wird. Bei mir war das teilweise kampagnenartig. Ich möchte die Schlagzeile einer Ausgabe der „Bild am Sonntag“ herausgreifen: „Papa eiskalt“. Ich habe in 40 Jahren nichts Widerwärtigeres erlebt. Ich habe mein Ministeramt in der Zeit der Geburt meiner Tochter voll ausgeübt und wie die allermeisten, die hart engagiert sind, zu wenig Zeit gehabt für das Private. Daraus zu schließen, das ist der Papa eiskalt – das war die giftige Spitze dieser Kampagne. Das hat mit Informationsbedürfnis der Bevölkerung nichts zu tun.

Wie haben Sie das Trommelfeuer

überstanden? Ich habe von Geburt aus eine begnadete Konstitution mitbekommen, körperlich und seelisch. Das ist ein Geschenk. Und ich denke, den Umgang mit solchen Angriffen kann man auch lernen. Spätestens seit meiner schweren Erkrankung 2002 beherrsche ich das optimal.

Ihre lebensgefährliche Herzerkrankung hätte doch auch dazu führen können, dass Sie sagen: Warum tue ich mir das an?

Das wäre Resignation gewesen. Die hilft Ihnen für den Augenblick, aber nicht auf Dauer.

Seehofer kehrte an die Seite seiner Frau Karin zurück© Frank May/ DPA

Es gibt auch andere Politiker, die in private Krisen geraten sind, Gerhard Schröder oder auch Christian Wulff. Wie erklären Sie sich, dass es bei Ihnen so viel härter zur Sache ging?

Ich kann es Ihnen nicht erklären. Vielleicht liegt es auch an mir. Weil ich manchen Medien gegenüber einen Nicht-Kontakt gepflegt habe. Denen habe ich gesagt, ihr schreibt sowieso, was ihr wollt, von mir bekommt ihr dazu nichts.

Haben Sie im vergangenen halben Jahr mal daran gedacht hinzuschmeißen?

Nur ganz am Anfang. Im Januar. Aber als ich das erste Mal mit meiner Familie ausführlich gesprochen habe, haben alle gesagt: Das darfst du nicht tun.

Haben Sie Verständnis dafür, dass Frau Fröhlich vor zwei Wochen Ihre Geschichte öffentlich gemacht hat?

Nach den Veröffentlichungen der letzten Wochen ist mir noch klarer geworden, dass ich meine Sicht der Privatdinge für mich behalten muss.

Aber das heißt: Sie überlassen die Interpretation anderen.

Ja. Ich nehme in Kauf, dass viele Leute Hochämter der Fantasie feiern. Aber das muss ich aushalten. Mein Schweigen ist die beste Lösung für alle Beteiligten.

Das heißt, Ihnen war im Januar klar: Diese Prügel muss ich aushalten.

Ja. Und die halte ich auch aus.

Haben Sie sich verschätzt? Nein, zumal es jeden Monat eine andere Strategie gegen mich gibt. Am Anfang hieß es, ich sollte meine Kandidatur für den CSU-Vorsitz zurückziehen. Dann wollte man die Zeit bis zur Wahl verkürzen. Dann hat man ein paar abenteuerliche Gerüchte gestreut, ich hätte Stoiber erpresst, um Minister zu werden. Dann kam ständig die Forderung: Der muss sich jetzt entscheiden. Und als ich mich für meine Frau entschieden hatte, kam der Vorwurf, das sei nur ein politisches Kalkül. So variiert man die Dinge pausenlos. Aber das kenne ich. So ist es wahrscheinlich nicht nur in der Politik.

Es waren also nicht nur die Medien, sondern auch Ihre politischen "Freunde".

Um das auch mal klar zu sagen: Es geht dabei nur um eine verschwindend kleine Zahl von Journalisten und Medien. Und die haben ihren Ankerplatz bei wiederum einer kleinen Zahl von Politikern. Es sind immer dieselben, die sich äußern, die Gerüchte pflegen. So will man die Angelegenheit frisch halten.

Werfen Sie Erwin Huber und Gabriele Pauli, Ihren Konkurrenten um den CSU-Vorsitz, ein schmutziges Spiel vor?

Nein. Wir gehen korrekt miteinander um.

Haben Sie selbst denn Fehler gemacht?

Ich bin nicht fehlerlos, aber ich sehe nichts Gravierendes. Wenn ich jetzt zurückdrehen könnte auf Januar, würde ich nicht anders agieren.

Vor einem Jahr haben Sie gesagt, Ihre größte Leistung seien Ihre Familie und die Kinder.

Ja. Davon nehme ich nichts weg. So wie die Werte Werte bleiben.

Warum haben Sie so lange für diese Entscheidung gebraucht, ob Sie bei Ihrer Familie bleiben oder nicht?

Das werde ich nie öffentlich begründen, weil das wirklich eine sehr komplexe, private Angelegenheit ist. Die können nur die beurteilen, die sie betrifft. Es ist eine Illusion zu glauben, ich hätte es politisch leichter gehabt, wenn ich mich früher entschieden hätte. Wenn man einen Politiker in der Sache nicht so richtig packen kann, versucht man, eine solche Privatgeschichte eben ewig am Leben zu erhalten. Sie sehen doch, dass es jetzt auch so ist.

Es gibt auch in Ihrer Partei Stimmen, die sagen: Das Problem sind nicht Geliebte und uneheliches Kind. Das Problem ist Ihre Art des Umgangs damit.

Das halte ich für vorgeschoben. Einfach oberflächlich. Die ganze Geschichte ist gerade deshalb ein Problem für manche in meiner Partei, weil es eine ernste Sache war. Das macht die Angelegenheit besonders schwer.

Den Politiker Horst Seehofer kennt man, den Familienvater kannte man auch. Den Liebhaber kennt man nicht, den Zauderer auch nicht. Können Sie verstehen, dass es viele Leute gibt, die Sie nicht mehr verstehen?

Ja. Ich kann verstehen, dass Leute, die seit sieben Monaten nur auf Informationen aus Medien angewiesen sind, Fragen stellen oder sogar an mir zweifeln. Die Alternative aber wäre gewesen, meine Privatsache total aufzublättern. Aber ich werde meine Sicht der Dinge heute und auch in Zukunft nicht abgeben. Das ist politisch ein Handicap, aber privat die beste Lösung.

Was entgegnen Sie den 53 Prozent der Bayern, die laut einer Umfrage glauben, dass Sie sich nur aus politischem Kalkül für die Familie entschieden haben?

Das ist wie immer in der Politik: Die müssen Sie überzeugen.

Mit welchen Argumenten?

Durch die Realität.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 34/2007

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Betonpaul (27.08.2007, 10:44 Uhr)
Charakter
Seehofer ist einer der CSU-Politiker, die Charakter haben und einer derjenigen, der die soziale Verantwortung der Politik kennt und lebt.
Sein Privatleben geht mich und alle anderen überhaupt nichts an. Kein Mensch kann seine privaten und familiären Verhältnisse korrekt beurteilen oder gar bewerten. Schon gar nicht die gierige Journaille, die je nach politischer Einstellung des Verlags einen Politiker nieder- oder hochschreibt.
Die in früheren Tatort-Folgen als "BLÖD"-Zeitung bezeichnete an allererster Stelle, alleine schon wegen der fraulichen Zuneigungen von Friede Springer und unserer gesamtdeutschen Angela.
Allerdings wird Seehofer nicht von CSU-Mitgliedern gewählt, seine Wahl liegt in den Händen der zum Parteitag entsandten Delegierten.
Und da kommt es natürlich darauf an, ob und wie die von ihren Wahlgremien gepolt wurden.
Ich jedenfalls traue Seehofer mehr zu, als dem farblosen, bislang Stoiber-Popo-pinselnden Huber.
Und Beckstein, so er denn Ministerpräsident wird, würde sich im Falle einer Wahl Seehofers auch ganz schnell an diesen heranwieseln.
Aurum (26.08.2007, 14:54 Uhr)
Seehofer
..wäre in der Schmelze gut aufgehoben!
MEHR ZUM ARTIKEL
Horst Seehofer Er will so bleiben, wie er ist

Horst Seehofer zieht sich im Falle einer Niederlage bei der Wahl zum CSU-Vorsitz aus der Politik zurück - so geht das neueste Gerücht. Doch daran sei nichts dran, sagt der Verbraucherminister jetzt und kündigt an: "Ich möchte das bleiben, was ich bin". mehr...

Kommentar Pauli meuchelt Seehofer

Und wieder ist die CSU gut für eine Sensation: Gabriele Pauli will Parteichefin werden, gegen Erwin Huber, gegen Horst Seehofer. Das Komödienstadl geht weiter. Chancen hat die schillernde Rebellin keine, aber sie macht einem der beiden Männer endgültig den Garaus - von Frauen dürfte der nun genug haben. Endgültig. mehr...

Privatleben Seehofer entscheidet sich

Das lange Warten hat ihn viel politisches Kapital gekostet, aber nun hat sich Horst Seehofer daran gemacht, seine privaten Angelegenheiten zu ordnen. Gattin oder Geliebte? Nach monatelangem Zögern hat er sich nun für eine Frau entschieden. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe