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21. August 2008, 11:07 Uhr

"Seehofer macht wieder nichts"

Die Kontodaten von schätzungsweise 20 Millionen Deutschen werden illegal gehandelt. Nun will Verbraucherschutzminister Seehofer das Datenschutzgesetz ändern und die Parteien zum Krisengipfel einladen. Die Opposition hat die ergebnislosen Seehofer-Gipfel jedoch satt. Von Tiemo Rink

Datendiebe an die Kette legen: Opposition will schärfere Strafen© Hans Wiedl/dpa

"Erst lange liegen lassen, dann vollmundig ankündigen - und am Ende passiert wieder nichts. Seehofer agiert beim Datenschutz wie beim Gammelfleisch" empört sich Gisela Piltz, Bundestagsabgeordnete der FDP, über Seehofers jüngste Pläne. Wenn es nach dem Verbraucherschutzminister geht, sollen persönliche Daten künftig nicht mehr ohne ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen weitergegeben werden dürfen. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) und Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) haben sich bereits dafür ausgesprochen. Durch eine Reform des Datenschutzgesetzes soll "skrupellosen Geldmachern, die illegal mit persönlichen Daten handeln, das Handwerk möglichst schnell so schwer wie möglich gemacht werden", so der Minister in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung.

"So schwer wie möglich" und "möglichst schnell" - das seien typische Seehofer-Sätze, sagen Oppositionelle. Tatsächlich hat der Minister keinen konkreten Termin zur Reform des Datenschutzgesetzes vorgegeben. Zwar trommele insbesondere Seehofer regelmäßig zu diversen Gipfelgesprächen, Ergebnisse seien jedoch Mangelware. Das - so Piltz zu stern.de - sei "keine Politik, sondern der Gipfel der Politikunfähigkeit".

Unterfinanzierte Datenschützer

Sensible Daten werden nach der Einschätzung von Verbraucherschützern vor allem beim Glücksspiel, beim Internethandel und bei der Teilnahme an Lotterien abgeschöpft. Im Kampf gegen illegalen Datenhandel stehen die Datenschutzbeauftragten beim Bund und in den Ländern jedoch oft auf verlorenem Posten. Während die Speicherkapazitäten von Computern immer größer und die Interessen von Wirtschaft und Staat an einer vollständigen Erfassung von Nutzerprofilen immer ausgeprägter werden, gelten die Etats der Datenschutzbeauftragten als zu knapp.

Das müsste sich aus Sicht der Opposition schleunigst ändern. Silke Stokar, Bundestagsabgeordnete und innenpolitische Sprecherin der Grünen, kritisiert, dass sich Datenschutz "unter der gegebenen Ausstattung auf Stichproben in der Wirtschaft" konzentriere. Eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Datenschützer sei ebenso dringend erforderlich wie die Ausgliederung des Bundesdatenschutzbeauftragten aus dem Innenministerium. "Wolfgang Schäuble und Datenschutz ist ein Widerspruch in sich", so Stokar zu stern.de.

Härtere Strafen gefordert

"Nur die Spitze des Eisbergs" erkennt Jan Korte, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, im aktuellen Datenskandal. Verantwortlich dafür sei einmal mehr die Bundesregierung, die "eine längst überfällige Reform des Datenschutzgesetzes" seit Jahren "verbummelt" habe. Im Kampf gegen kriminelle Datenhändler setzen die Linken auf schärfere Strafen. Bisher beträgt die Höchststrafe 250.000 Euro. Zu wenig, findet Korte: "Wenn man die Gewinnmargen beim illegalen Datenhandel berücksichtigt, sind 250.000 Euro nicht mehr ausreichend".

Würde das geltende Strafmaß ausgeschöpft werden - beim Bundesverband der Verbraucherzentralen würden wohl die Sektkorken knallen. Im Jahr 2006 wurden bundesweit aber nur sechs Unternehmen wegen Verstößen zu Strafzahlungen verurteilt, so ein Sprecher des Verbandes zu stern.de. Das höchste in 2006 verhängte Bußgeld: knapp 20.000 Euro.

Von Tiemo Rink
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Benkku (22.08.2008, 12:15 Uhr)
Ganz oben in der Beliebtheitsskala.
Von dem kann man einfach keine spontane Reaktion erwarten, statt dessen das übliche Wortgeklingel mit Gesetzesvorhaben. Was bei dessen bewährter administrativer Methode herauskommen kann, ist hinreichend bekannt. Zeitschinderei ist dabei der erste Schritt. Den Mann braucht keiner mehr. Selbiges trifft auch für Frau Merkel, Glos, Schavan, Müntefering, Beck und viele andere aus derselben Riege zu.
ganzbaf (22.08.2008, 08:30 Uhr)
Nur lahm...

arschige, korrupte Vollidioten in der Regierung.
Wann kommt die Volksabstimmungs-Demokratie?
endbenutzer (22.08.2008, 08:14 Uhr)
Seehofer ist das Beste Beispiel dafür...
...wie Lobbyisten mittlerweile entscheidenden Einfluss auf die Politik in unserem Land nehmen. Was in anderen Ländern problemlos durchgesetzt wird (z.B. Ampelkennzeichnung, Rauchverbot, ist hierzulande einfach nicht möglich. Die Politik unseres Landes ist mittlerweile entweder machtlos oder durch und durch korrupt geworden. Ekelhaft!
gmathol (22.08.2008, 05:54 Uhr)
Die Deutsche Bank betreibt ein Clearing Center in Bangalore.
Damit sind alle Kontodaten der Deutschen Bank Kunden "international" verfuegbar!
Wer kann da noch entsetzt sein! Wenn moeglich muss man Lastschriften oder Abbuchungen ohne Dauerauftrag sperren lassen.
tagora-sagittara (22.08.2008, 00:10 Uhr)
Seehofer ist eine Nullnummer,..
jedem ist es bewusst,... also warum aufregen??. Hier ist aussitzen angesagt und hoffen das der nächste Verbraucherminister nicht so billig für die Lobbyisten zu haben ist!!
Leseratte79 (21.08.2008, 23:03 Uhr)
Regt Euch nicht auf
Unseren Bonzen Politikern kann es doch egal sein. Hat doch keine Priorität wenn der kleine Bürger verar*** und abgezockt werden. So hat der Bürger sein Einkommen versteuert und das Unternehmen versteuert seine illegale Abzocke- dolle Sache. Aber wehe wenn das Unternehmen seinen "Diebtahl" nicht versteuert...na dann dann dann kommt der böse Onkel Staatsanwalt. Solange man den Staat nicht besche*** und ihm Geld beschert kann man doch machen was man will- gell Herr Seehofer, irgendwo muss ich Gehalt ja her kommen.
520i (21.08.2008, 22:21 Uhr)
LESEBEFEHL
http://www.heise.de/tp/blogs/5/114619
Nursery (21.08.2008, 21:57 Uhr)
Das Heft aus der Hand gegeben
Die Politik hat sich doch längst aus der Verantwortung gestohlen.Man denke nur an die Unglaublichen Zusammenhänge von Schrottimmobilien und Politik.Überall wo lukarative Möglichkeiten bestehen sich die Taschen zu fühlen und die Verantwortung von sich zu schieben ist die Politik nicht weit.Was der herr Seehofer machen könnte ? Endlich wie es in Zivilisierten Ländern üblich ist einen Vertrag schriftlich zu bestätigen, wenn man angerufen wird.Und nicht wie bei uns, wo sich die Bürger dafür noch rechtfertigen müssen das sie bestohlen worden sind.
utospatz (21.08.2008, 20:23 Uhr)
Was soll ein Seehofer denn machen,
außer christlich und sozial zu lachen? Er sieht doch von Oben herab ganz schnell, dass Parteifreunde dabei mitverdienen eventuell.
ritchie (21.08.2008, 19:50 Uhr)
Plinze.
Genau wie sein CSU-Kollege Glos, ist S-hofer ein Plinze vor dem Herren. Ich weiß nicht, warum die CSU trotzdem auch national immer so die Fresse auf hat. Es ist schlimm, die abgefeimtesten Datenbetrüger treffen auf die dümmsten Politiker die wir haben.
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