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1. Februar 2007, 07:54 Uhr

Unsere Super-Türken

Ihre Eltern kamen als Gastarbeiter, ihre Kinder sind erfolgreiche Deutsche. Allen Integrationsproblemen zum Trotz - viele junge Deutsch-Türken haben den beruflichen Aufstieg längst geschafft. Der stern stellt einige von ihnen vor. Von Bernd Volland und Christine Zerwes

Nazan Eckes, 30, TV-Moderatorin: "Perfektes Deutsch gehört zum Job"© Ali Kepenek

1961 war es, da reisten die ersten Anwerber in die Türkei. Männer, die Arbeiter suchten für ein Land, in dem es davon zu wenig gab. Sie sollten für ein paar Jahre in Deutschland bleiben, dann wieder gehen. 750.000 kamen insgesamt, man nannte sie Gastarbeiter.

2006: 2,6 Millionen Türken und Türkischstämmige leben in Deutschland, die Arbeiter hatten ihre Familien nachgeholt oder neue gegründet. Ihre Arbeitslosenquote beträgt heute mehr als 25 Prozent. 18 Prozent der 25-bis 34-Jährigen haben keinen Schulabschluss. Aus dem Gast, der arbeiten sollte, ist ein Problem geworden.

Nur ein Problem? "Auch wenn es zu viele gibt, denen die Integration noch nicht gelingt: Es werden immer mehr, die hier erfolgreich leben und das Land voran bringen", sagt Faruk Sen, Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien. "Es gibt durchaus Grund zu Optimismus."

Die Ursachen der Migrationsprobleme werden in Politik und Medien hinlänglich erörtert: Schlecht gebildete Eltern, die einst kamen, um nach ein paar Jahren wieder in die Türkei zurückzukehren, und sich deswegen kaum um eine deutsche Zukunft für ihre Kinder kümmerten. Deutsche Politiker, die das Wort Integration seinerzeit nicht in den Mund nahmen, weil der Gast ja bald wieder geht. Und heute wird über Parallelwelten geklagt. Soviel zu den Problemen.

"Integrationsleistung muss gewürdigt werden"

"Aber bei allen Schwierigkeiten: Man darf nicht vergessen, die schon erbrachte Integrationsleistung zu würdigen", sagt Sen. Noch immer haben zu viele junge Türken keine abgeschlossene Berufsausbildung, aber im Vergleich der Generationen sind auch Fortschritte zu sehen: Kamen ihre Väter noch als reine Hilfsarbeiter ins Land, um am Band und in Bergwerkschächten zu schuften, so verdienen mittlerweile fast zwei Drittel der unter 30-jährigen Werktätigen ihr Geld als Facharbeiter, Angestellte und Selbständige, wie das Zentrum für Türkeistudien in seiner letzten Umfrage unter Türkischstämmigen in Nordrhein-Westfalen ermittelte.

"Wir haben an den Universitäten 30.000 türkischstämmige Studenten. Menschen, die hier Karriere machen werden", sagt Sen. 2005 gab es 64.600 türkische Selbständige in Deutschland, die Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdreifacht, das hat das Zentrum für Türkeistudien in einer bisher unveröffentlichten Studie errechnet. Sie haben 323.000 Arbeitsplätze geschaffen, setzen 29,5 Milliarden Euro um.

Nur: Die positiven Beispiele werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. "Ich habe es satt, dafür bestaunt zu werden, dass ich es geschafft habe, obwohl mein Eltern doch aus Anatolien kommen", sagt Hatice Akyün, Journalistin und Buchautorin. Gerade jene Türken, die das schon lange erfüllen, was Deutsche in Sachen Integration fordern, leiden besonders unter den Klischees. Über die Hälfte der Türken ist überzeugt, dass ihre Kinder in Deutschland schlechtere Chancen haben als deutsche Kinder. Fast 80 Prozent auch von jenen mit guter Ausbildung klagen über Diskriminierungserfahrungen. Generell haben junge Hochschulabsolventen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Deutschen ohne Einwanderer-Eltern ein fast doppelt so hohes Risiko, arbeitslos zu werden - obwohl sie eine gleichwertige Ausbildung haben.

Wenn man mit erfolgreichen Gastarbeiterkindern spricht, loben sie oft die Aufgeschlossenheit ihrer Eltern. Pinar Yilmaz, 18, deutsche Meisterin im Juniorinnenboxen, sagt: "Ich bin stolz auf meinen Vater, gerade weil er kein Akademiker ist, sondern nur ein Bauer aus Anatolien, der gerade mal vier Jahre auf die Schule gehen durfte. Aber er brachte mir bei, dass man auch in Deutschland etwas werden kann." Pinar Yilmaz macht gerade Abitur, will danach Profiboxerin werden und studieren.

Die Leistung ihrer Eltern sehen junge Türken oft zu wenig gewürdigt. "Unsere Väter", sagt Buchautorin Akyün, "halfen, dieses Land aufzubauen. Aber das wird kaum geschätzt. Ich bin stolz auf sie." Faruk Sen mahnt: "Stolz auf die Eltern ist ein großer Motivator." Es gibt genügend Aufsteigergeschichten in türkischen Familien. In den USA würde man sagen: Es ist der American Dream. Doch die Deutschen pflegen den Stolz auf ihre Migranten nicht allzu sehr. "Dabei sind das Vorbilder, wie sie junge Türken brauchen", sagt Wirtschaftsprofessor Sen. "Man verschenkt Motivationspotenzial." Hoffnungsmacher für Problemfälle.

Qua Klischee müsste auch Zümrüt Gülbay eigentlich ein Problemfall sein. Sie wuchs im Berliner Wedding auf, einem typischen Migrantenviertel, und ihr Vater war keineswegs nur weltoffen, deshalb kam es später auch zum Bruch, als sie mit einem deutschen Mann zusammen sein wollte. Aber auf die Ausbildung der vier Töchter legte er wert. "Wir sollten nicht wie unsere Eltern später am Band arbeiten müssen", sagt Gülbay. Sie schloss nach dem Abitur in sechs Semestern ihr Jura-Studium ab und wurde an ihrem 28. Geburtstag die jüngste Professorin Deutschlands.

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Von Bernd Volland und Christine Zerwes
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
HKNOCH (02.02.2007, 20:44 Uhr)
Was soll das....!!!
Ich glaube kaum das wir Deutschen einer anderen Nation etwas von Integration erzählen sollten. Ich bin die letzten Jahre viel im Ausland unterwegs gewesen. Die die mir am übelsten aufgestoßen sind waren Deutsche die schon seit Jahren in dem jeweiligen Land lebten. Sie kennen sich ja so aus und die Kultur ist ja so toll und faszinierend, aber sie sind stolz darauf in der ganzen Zeit noch nicht einmal den landesüblichen "Frass" gegessen zu haben. Na Super !
Es gibt natürlich Menschen anderer Nationen die auch ich nicht mag, das liegt dann aber an "diesem" einen und nicht an der ganzen Nation. Wir haben nun einmal andere Kulturen und Bräuche, na und! Das ist doch der Grund weswegen wir unseren Urlaub in diesen Ländern verbringen. Natürlich ist es wichtig das ich als Gast die Sitten, Gebräuche und auch die Sprache des Gastlandes respektiere, aber meine Kultur möchte ich doch trotzdem beibehalten dürfen.
Bevor sich also jemand hinstellt und wieder nur etwas verlangt, erst einmal sich selbst fragen wie man es sehen würde wenn es einen selbst betrifft ! Wenn ich aus meinem Auslandsaufenthalt wieder in Deutschland angekommen bin möchte ich spätestens 2 Monate später wieder weg.Völlig aus unseren Kulturkreis heraus. Denn da habe ich oftmals mehr Wärme und Herzlichkeit erfahren als in meinem Heimatland. In diesem Sinne ! CIAO
Hasan (02.02.2007, 17:46 Uhr)
Ermordung ist interessant - Begrabung nicht!
Frage: Warum wurde der Tod von Hrant Dink so ausführlich dargestellt - Seine Begrabung in der sich 100.000 Türken aus ganz Istanbul vereinten wird aber weggelassen. Wie sie seinen Sarg bis in die Krichen trugen wird auch weggelassen. Sehr schlechter Journalismus! Der für ganz Deutschland git in dieser hinsicht. Fairerweise muss man aber noch sagen, dass Stern im Vergleich zum Spiegen und dem Focus noch immer am meisten bei den Türken Wert auf eine "vollständige" Berichterstatung legen...
Q11718 (02.02.2007, 14:49 Uhr)
Gar nicht wie ein Türke....
Den Ausführungen von alibaba ist fast nichts hinzuzufügen, vielleicht noch der womöglich sogar nett gemeinte Spruch von Deutschen, wenn ich mich als Türke "oute": SIE SEHEN GAR NICHT AUS WIE EIN TÜRKE... oder ICH HÄTTE NIE GEDACHT, DASS SIE TÜRKE SIND ... Ich glaube, besser kann ein Mensch nicht zum Ausdruck bringen, dass er sehr stark unter Vorurteilen leidet ...
alibaba1975 (02.02.2007, 11:38 Uhr)
Gedanken zur Integration
Wahrscheinlich sind es die gleichen Medien, die in den letzten Jahren für
Fremdenhass und Kriegstreiberei in Deutschland eingetreten sind.
Bild, Spiegel und Konsorten.
Jetzt machen wir einfach paar hübsche Spots mit sogar Ausländern drin und
spielen die bunte heile deutsche Welt.
Und morgen kommst du trotzdem nicht in ihre Diskotheken und in ihre Cafes
und siehst an der Tankstelle schon weitem die Schlagzeile der Bild, dass Du
Türke Schuld an der Neuwahl bist, an der Wirtschaftsmisere, an der
Pisa-Studie, an Hartz 1-4, an ALG 1-5 und an der Verfettung der Deutschen
durch Döner.
Dann zerren die Deutschen wieder paar Moslems(Terrorverdächtige) aus ihren
Moscheen (Terrorzellen), zeigen dir vor der Sommersaison täglich
Fernseh-Reportagen, wie deutsche Urlauber für ihren Türkei-Urlaub, den sie
für 3,50 Euro gebucht haben, entsetzt nur 4 Sterne-Hotels bekommen haben.
Wie sie einen Deutschen wieder in der bösen Türkei verhaftet haben, weil er
Kulturgüter raus schmuggeln wollte (Der Stein gehört doch meinem
siebenjährigen Sohn und die vier Kilo Kokain meiner zweijährigen Tochter).
Und wie mies die türkischen Flugzeugen gewartet werden. Aber wenn danach
griechische und italienische Flugzeuge vom Himmel fallen, sind die Deutschen
still.
Du bist nicht Deutschland, Du bist Türke!
Mousse T ist Hannoveraner, Erol Sander Münchner, Cem Özdemir Schwabe, aber
der U-Bahn-Schubser, der ist ein Türke.
Die deutschen Medien haben mit unterschwelligen Berichten dafür gesorgt,
dass über den Türken nur negativ berichtet wird. Ganz Europa kann brennen,
es kann gemordet, vergewaltigt und gehetzt werden, aber im Spiegel-Online
kann man großformatig lesen, wie ein Schaf in der Türkei vom Dach gefallen
ist. (Kein Scherz)
Wir Deutschen verdrehen alles, wie es uns passt. Wir erfinden Lügen,
manipulieren, lassen Wahrheiten weg.
Wir Deutsche wissen nicht wo Armenien liegt, haben eigentlich noch nie von
ihnen gehört, wissen nicht welche Sprache sie sprechen, was sie essen und
was sie an Kultur zu bieten haben, aber für den Völkermord an ihnen könnt
doch nur ihr Türken in Frage kommen.
Da sagen wir auch nicht, dass es die Osmanen waren sondern ihr Türken. Wir
sagen schließlich auch nie, dass die Deutschen an der ganzen Scheiße im
zweiten Weltkrieg Schuld sind. Das waren die Nazis. Ein oder zwei Wörter
vertauschen und alles klingt ein wenig anders.
Wir schicken Reporter durchs ganze Land und lassen Dönerbuden nach Reinheit
untersuchen, die fünfzig sauberen zeigen wir dir nicht, den
einundfünfzigsten, den wir dreckig vorfinden hauen wir dir um die Ohren.
Wir zeigen dir auch nicht die Millionen Touristen, die zufrieden aus ihrem
Türkei-Urlaub zurück kommen, wir zeigen dir die zwei Touristen, die
unzufrieden waren.
Wir werfen Euch vor, dass in der Türkei seit zwanzig Jahren keine einzige
Kirche gebaut wurde, dass es über 970 Kirchen für die paar Christen in der
Türkei gibt, verschweigen wir.
Wir werfen euch vor, dass ihr den griechischen Teil von Zypern nicht
anerkennt, aber dass der türkische Teil von Griechenland auch nicht
anerkannt wird, lassen wir weg.
So verdrehen die Medien alles und setzen unseren Konsumenten ein
vorgefertigtes Bild des Türken vor.
Und da glaubt ihr immer noch, dass IHR Deutschland seid?
das zum gedankengut wenn es sich um die klischeetürken handelt....von wegen Supertürken ...
lebowski (02.02.2007, 11:06 Uhr)
Klischees?
"Gerade jene Türken, die das schon lange erfüllen, was Deutsche in Sachen Integration fordern, leiden besonders unter den Klischees." Völker werden meistens über Klischees wahrgenommen. In den USA wurde jahrzehntelang nach WK2 der Deutsche mit dem Nazi gleichgesetzt. Die Amis wiederum galten uns hier als ungebildete Proleten mit Krämermentalität. Polen sind grundsätzlich Autodiebe, Engländer Snobs oder Prolls. Damit, dass man über Klischees wahrgenommen wird, muss man leben, man hat es dafür umso leichter, andere positiv zu überraschen.
Vincent_Vega (02.02.2007, 10:46 Uhr)
Verantwortung der Medien
Einen Teil an der Meinung der Deutschen über Türken bzw. anders-aussehende Ausländer haben auch die Unterhaltungsmedien.
Wenn Ausländer darsgestellt werden, dann meist in Stereotypen.
Dann ist der Türke eben wirklich der Dönerverkäufer, "Ghetto"-Bewohner, oder der Drogendealer, der seine Tochter an den Cousin in der Türkei verheiratet.
Vielleicht ist dies ein schlechtes Beispiel, aber dieses Problem wird nicht entschärft, indem man reißerische Krimis darüber dreht (siehe Hatun aus Berlin -ermordet mit 23J.)
Aber Medien beeinflussen die öffentliche Meinung,können aber auch als Vorbild dienen, und davon merkt man eigentlich zuwenig.
Auslaender (02.02.2007, 09:10 Uhr)
Wie beim Fußball
Wenn 50.000 Zuschauer im Stadion Spaß am Spiel haben, fallen natürlich nur die wenigen auf, die randalieren. So ähnlich ist das auch mit Türken und anderen "Ausländern". Die integrierte Masse bemerkt man kaum noch.
In den fünf Jahren, die ich in Ankara gelebt habe, ist mir noch etwas anderes aufgefallen. Im Durchschnitt sind die Türken in Deutschland konservativer als ihre Landsleute in der alten Heimat. Wenn ich in Ankara genau so viele Kopftücher wie in Berlin oder Köln sehen will, muss ich schon in die religösesten Viertel der Stadt gehen.
Ob man sich in Deutschland über Parallelwelten aufregen muss, ist noch eine andere Frage. Falls man einem Veranstalungshinweis des deutschsprachigen Inselradios Mallorca folgt, kann man sich auch sicher sein, bestimmt keinen Spanier zu treffen.
Hoffer (02.02.2007, 07:41 Uhr)
Schlampig recherchiert
Schade, dass der Artikel so schlampig recherchiert ist.
Zum Einen dürften die genannten Personen den meisten Deutschen unbekannt sein.
Zum Anderen habt Ihr den geläufigsten Erfolgs-Türken vergessen, nämlich den Gründer von Öger Tours: Vural Öger.
mfg
rho
Mensch.Student (01.02.2007, 22:30 Uhr)
Positiv gesehen - Dumm ist äquivalent zu Lernfähig
Jeden Erfolg zu würdigen - sei es noch so klein -ist die Grundlage einer jeden guten Kindeserziehung. Dieses Vorgehen würde auch hervorragend ins Staatswesen passen. Leider handelt sich bei unserem "Papa" um einen der zwar gerne die Erziehung finanziell unterstützt aber erst dann mit dem Kind redet wenn es merkt das es eine Altersvorsorge benötigt ...wir haben viel verpasst - mind. 2 Generationen - aber zu SPÄT IST ES NOCH LANGE NICHT !!!
davehaasters (01.02.2007, 22:18 Uhr)
sorry
bemerkung: wedding ist ein eigentständiger bezirk und gehört nicht zu pankow ... sorry mein fehler
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