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14. Juli 2006, 20:12 Uhr

Wie wird man Deutscher?

Im Vorfeld des Integrationsgipfels wird viel diskutiert über Einbürgerung. Deutscher ist man entweder von Geburt an oder weil man einen Antrag auf den deutschen Pass stellt. Doch daran sind gar nicht alle Ausländer interessiert. Von Catrin Boldebuck

Steckt hinter dieser Maske ein echter Deutscher? Rund ein Fünftel der hiesigen Bevölkerung stammt nicht aus Deutschland© Michael Latz/DDP

In Deutschland leben rund fünfzehn Millionen Menschen, deren Familien nicht aus Deutschland stammen. Das ist fast ein Fünftel der Bevölkerung. Bis 2010 wird in den Großstädten jeder Zweite unter 40 Jahren einen Migrationshintergrund haben. Viele der Zugewanderten sind in die deutsche Gesellschaft integriert, doch nur ein Bruchteil von ihnen hat einen deutschen Pass. 2004 wurden knapp 130.000 Ausländer Deutsche.

Ein kurzer Rückblick:

Bis 1990 war es reine Ermessensache der Behörden, ob ein Ausländer eingebürgert wurde oder nicht. Rund 20.000 bekamen pro Jahr einen Pass. 1993 wurde der Rechtsanspruch eingeführt: Ausländer, die länger als 15 Jahre in Deutschland lebten, und Jugendliche zwischen 16 bis 23 Jahren konnten einen Antrag stellen. 2000 wurde das Einbürgerungsrecht liberalisiert. Seitdem können Ausländer bereits nach acht Jahren in Deutschland eingebürgert werden. Die Einbürgerung kostet 255 Euro für Erwachsene, minderjährige Kinder, die mit ihren Eltern zusammen eingebürgert werden, zahlen 51 Euro. Voraussetzungen sind: eine Aufenthaltsgenehmigung, ausreichende Deutschkenntnisse, keine Vorstrafen und ein Job. Wer einen deutschen Pass haben möchte, muss in der Regel seine alte Staatsangehörigkeit abgeben.

Geburtsrecht ist neu

Neu ist, dass Kinder ausländischer Eltern, die in Deutschland zur Welt kommen, zusätzlich zur Staatsangehörigkeit ihrer Eltern automatisch auch die deutsche bekommen können (Geburtsrecht). Erst wenn sie erwachsen sind, müssen sie sich für eine Staatsangehörigkeit entscheiden.

Die Statistik:

In den 90er Jahren hat sich die Zahl der Einbürgerungen verdreifacht: von fast 67.000 auf 250.000 im Jahr 1999. Das liegt zum Teil daran, dass die Zahl der Spätaussiedler, die automatisch einen deutschen Pass erhielten, vom Statistischen Bundesamt mitgezählt wurden.

Wer will Deutscher werden?

Die Türken sind nach wie vor am meisten am deutschen Pass interessiert. EU-Bürger bleiben lieber Franzose, Däne oder Brite. Sie genießen ohnehin viele Rechte hierzulande - auch ohne deutschen Pass. Vor allem junge Leute zwischen 23 und 35 nehmen die bürokratischen Mühen auf sich, um Deutsche zu werden. 2003 stellten sie ein Drittel der Anträge. Viele junge Migranten wollen vor allem aus beruflichen Interessen Deutscher werden.

Rückgehende Tendenz seit fünf Jahren

Seit fünf Jahren geht die Zahl der Einbürgerungen zurück. Eine eindeutige Erklärung dafür haben auch die Experten der Bundesregierung nicht. Zum einen, weil es weniger Zuwanderer gibt, zum anderen werden die Spätaussiedler nicht mehr mitgezählt. Auch der Anteil der Einbürgerungen von Bundesland zu Bundesland ist verschieden. Schließlich ist es auch eine Frage der Politik, wie willkommen sich Ausländer als Neubürger fühlen. Die höchste Prozentzahl hat Schleswig-Holstein mit 2,8, die niedrigste Brandenburg mit knapp 0,5. Wie viele Ausländer einen Antrag gestellt haben und abgelehnt wurden, darüber gibt es keine Statistik.

Von Catrin Boldebuck
 
 
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