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"Ein niederschmetternder Schlag gegen Frau Merkel"

Der Wahlerfolg der AfD in drei Bundesländern beschäftigt auch Kommentatoren aus dem Ausland. Die internationalen Medien konzentrieren sich dabei vor allem auf zwei Punkte.

In einem Kiosk liegen deutsche und internationale Zeitungen zum Verkauf bereit.

Nicht nur in deutschen Zeitungen, sondern auch in der internationalen Presse sind die Wahlerfolge der AfD ein Thema (Symbolbild)

Die Alternative für Deutschland ist der große Gewinner der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Auch aus dem Ausland schauen politische Beobachter auf die Veränderung der politischen Landschaft und werten den AfD-Erfolg vor allem als Absage an Angela Merkels Flüchtlingspolitik und schauen auf die Auswirkungen der Wahlerfolge auf Europa. Einige Kommentare aus der internationalen Presse:

"The Times", Großbritannien

"Dieser Sieg ist ein niederschmetternder Schlag gegen Frau Merkel, die vor dem Krisengipfel in Brüssel diese Woche auch Probleme hat, ihre Pläne für die Aufteilung von Asylsuchenden über die Europäische Union anderen skeptischen Regierungen zu verkaufen. Die Ergebnisse der Landtagswahlen erhöhen den Druck auf sie, die Zahl der nach Deutschland kommenden Migranten zu senken. Es ist auch das erste Mal, dass eine rechtsgerichtete Partei im modernen Deutschland breite Unterstützung gefunden hat."

"Ouest France", Frankreich

"Ein Tabu, ein Verbot. Eine radikale Unmöglichkeit. Seit 1945 schien kein politischer Raum rechts von der CDU in Deutschland möglich. (...) Seit gestern ist dieser unerreichbare Bereich besetzt von der Partei Alternative für Deutschland (AfD). Vor nicht einmal drei Jahren gegründet, hat die AfD gestern in drei Bundesländern mehr als einen Durchbruch geschafft. (...) Die magische Merkel gibt es zweifellos nicht mehr. (...) Auf gewisse Weise reagiert Deutschland wie andere. Die Flüchtlingskrise bläht die Segel populistischer Parteien."

"El País", Spanien

"Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde von den Wählern abgestraft. Der Vormarsch der ausländerfeindlichen und euroskeptischen AfD bedeutet ein politisches Erdbeben, das durch die Flüchtlingskrise ausgelöst wurde. Für Deutschland und das übrige Europa sind die Wahlergebnisse eine sehr schlechte Nachricht.

Deutschland ist die Lokomotive der europäischen Wirtschaft und in der EU ein unersetzbarer Stützpfeiler. Wenn sich in der öffentlichen Meinung dieses Landes die Ansicht ausbreitet, dass Europa ein Hindernis für den Wohlstand der Deutschen ist und die Ausländer die Schuld an den Schwierigkeiten haben, muss dies alle Demokraten auf dem Kontinent beunruhigen. Für die deutschen Politiker ist es eine Warnung, die sie mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 nicht ignorieren können."

"Rossijskaja Gaseta", Russland

"Die Deutschen haben über Ehrlichkeit oder Prinzipienlosigkeit in der Politik abgestimmt, über das Recht auf nationale Identität, darüber, dass Deutschland ein "ehrlicher Makler" in Europa ist und nicht am "Rockzipfel der USA" hängt, wie es manche Kritiker behaupten.

Langfristig betrachtet haben die Deutschen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt nicht zwischen der AfD und den anderen Strömungen gewählt. Sie hatten die Wahl zwischen Politikern, die in Bezug auf die Migranten mit gesundem Menschenverstand auftreten, und solchen, die aus humanistischen Idealen bereit sind, ihr eigenes Land zu zerstören und die eigene Bevölkerung zu Bedienungspersonal für Millionen Migranten zu machen."

"Nepszabadsag", Ungarn

"Auf der extrem rechten Seite hatten bisher die Parteien mit Neonazi-Einschlag die Protest-Stimmen eingeholt. Das hat sich nun geändert. Die AfD ist keine Versammlung neu-brauner Glatzköpfe, sondern sie kann in der gesellschaftlichen Mitte Stimmen fischen - und zwar in großem Stil, wie es der Super-Wahlsonntag gezeigt hat.
Deutschland ist eine starke liberale Demokratie, aber jetzt muss man sehr aufpassen. Das Übel liegt in der gesellschaftlichen Mitte. An den Grundlagen."

"De Standaard", Belgien

"Auch das starke, stabile, wohlhabende und durch die eigene Geschichte geimpfte Deutschland ist nicht mehr immun gegen den Lockruf des Rechtspopulismus. Das ist die wichtigste Lektion der drei gestrigen Landtagswahlen. Die Alternative für Deutschland (AfD) - die Anti-Europa-Partei, die sich zur Anti-Islam-Partei umwandelte, trat jeweils zum ersten Mal an. Vor einem Jahr schien sie noch auf dem Sterbebett zu liegen. Doch die Flüchtlingskrise bescherte ihr nun einen enormen Erfolg. (...) Zum ersten Mal seit 1945 müssen die Christdemokraten nun rechts von sich einen lebensfähigen Herausforderer tolerieren. Das ist eine bedeutungsvolle Tatsache.

Auch in Deutschland sind die Zeiten vorbei, in denen die zwei großen Parteien, die Christdemokraten und die Sozialdemokraten, unter sich die Macht aufteilten. Alle anderen Schlussfolgerungen aus diesen Wahlen werden dadurch überschattet."

tkr/DPA
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