Oskar Lafontaine, Chef der Linkspartei, unterstützt ein mögliches Linksbündnis in Hessen - zwischen den Programmen von SPD und Linkspartei gäbe es "große Übereinstimmungen". Im stern.de-Interview spricht er außerdem über seinen politischen Feldzug an der Saar, sein Image, seine umstrittene Frau und seinen aufwändigen Lebensstil.

Gerüchte über eine zweite Dagmar Metzger: Linken-Chef Oskar Lafontaine© Torsten Silz/ddp
Herr Gabriel hat schlecht aufgepasst. Die Linkspartei möchte die Agenda-Politik Gerhard Schröders destabilisieren und sie möchte Hartz IV wegbekommen. Diese Ziele werden wir unbeeindruckt weiter verfolgen. In Hessen gibt es eine große programmatische Übereinstimmung zwischen der SPD und der Linken. Daher ist dort eine Zusammenarbeit sehr gut möglich.
Gabriel ist ein solch wendiger Politiker, dass er sich gewiss nicht vorstellen kann, dass man feste politische Überzeugungen hat. Ich habe die Regierung Schröder verlassen, weil ich mit Sozialabbau und Krieg nicht einverstanden war. Und jetzt sind wir sehr erfolgreich dabei, diese verfehlte Politik der SPD wieder zu korrigieren.
Wir sind eine Partei im Aufbau, insbesondere im Westen. Die hessische Linke hat diesen ersten Schritt der Tolerierung beschlossen, weil sie das in Einschätzung der politischen Situation in diesem Bundesland für richtig hält. Insofern möchte ich daran nicht herummäkeln.
Das Saarland ist das Gegenbeispiel. Wir haben hier gute Aussichten, zweitstärkste Partei hinter der CDU zu werden. Dann wollen wir die Regierung mit der SPD bilden. Doch wir sind auch zu einer Zusammenarbeit mit der SPD bereit, wenn wir nur Juniorpartner werden sollten. Das stürzt die SPD, die keine Linie hat, allerdings in große Schwierigkeiten.
In der SPD-Führung sitzen leider viele Leute, Herr Gabriel beweist das, die heute dies beschließen und morgen das Gegenteil tun. Das ist die Ursache für die Niederlagen und Wählerverluste der SPD in den letzten Jahren.
Gerüchteweise habe ich das gehört. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man so charakterlos sein kann.
Wir in der Linkspartei müssen damit rechnen, dass wir nicht in der Sache, sondern als Person angegriffen werden. Weil unsere Politik so überzeugend ist, dass wir immer stärkeren Zulauf haben an Mitgliedern und in den Wahlumfragen. Wir nehmen das deshalb nicht sonderlich ernst, wenn wir angepöbelt werden.
Demagoge ist, wer Dinge verspricht, die er nicht halten kann. Das tun wir nicht. Wir haben erklärt, dass wir eine Steuer- und Abgabenquote wie der europäische Durchschnitt wollen. Das wären Mehreinahmen von rund 120 Milliarden Euro pro Jahr. Wir können sie kriegen durch Änderungen bei der Vermögens- und Erbschaftssteuer, einen höheren Spitzensteuersatz und eine andere Gewinnbesteuerung. Deshalb machen wir keine Versprechungen, ohne zu sagen, wie wir unsere Politik finanzieren wollen. Demagogen sitzen beispielsweise in der CSU, die Steuererleichterungen fordert, obwohl sie ganz genau weiß, dass das wegen des konjunkturellen Abschwungs zu höheren Schulden führt.
Für die Linke ist das nur ein erster Schritt. Wir fordern, die Pendlerpauschale in einem zweiten Schritt in einen Direktzuschuss umzuwandeln, der zu versteuern ist, damit auch diejenigen, die keine Lohnsteuer mehr zahlen, endlich unterstützt werden bei der Fahrt zur Arbeit. Die brauchen das am nötigsten.
Wenn alle anderen Parteien nur mit persönlicher Diffamierung arbeiten, die Boulevardpresse nur unter der Gürtellinie stänkert und viele Medien sich dem anschließen, ist das kein Wunder. Wenn ich aber sehe, dass ich bei der letzten Infratest-Umfrage denselben Wert habe wie Kurt Beck, dann ist das doch ein hervorragendes Ergebnis.
Es war bedauerlich, dass die hessische SPD nicht alle ihre Leute beisammen hatte, als es darum ging, ihr Wahlversprechen umzusetzen. Das Versprechen war, den Mann abzuwählen, der für eine völlig verfehlte Politik steht, nämlich Roland Koch. Das ist zunächst nicht geschehen, jetzt ist es dank der Linken möglich.
Auch Steinmeier hat dem Beschluss der SPD zugestimmt, dass sie Landesverbände selbst entscheiden, mit wem sie kooperieren. Es wäre inkonsequent, wenn er jetzt sagen würde, ich habe das mit beschlossen, aber nicht so gemeint.
Rein rechnerisch wäre das so. Aber auf Bundesebene stellt sich die Situation ganz anders da. Während wir als Partei der Linken auf Landesebene sehr gut mit der SPD zusammenarbeiten können, läuft da auf Bundesebene nichts. Mit einer SPD, die Hartz IV vertritt und die Agenda 2010, die Rentenkürzungen verteidigt und den Krieg in Afghanistan befürwortet, können wir keine Koalition bilden.
Lesen Sie in Teil II des Interviews, wie Lafontaine seine Sozialpolitik finanzieren will, was er über Saarlands SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas denkt und was er zu seinem eigenen, aufwändigen Lebensstil sagt