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3. November 2008, 14:08 Uhr

"Ein schlimmer Tag für Hessen"

Die Linkspartei hat der Bundes-SPD vorgeworfen, die vier Abweichler in Hessen in ihrem Verhalten ermutigt zu haben. Mit mehr Unterstützung aus Berlin für Andrea Ypsilanti hätten sich die "Walterlinge" nicht getraut, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Ulrich Maurer, im stern.de-Interview.

Linkspartei, Ypsilanti. Maurer, Walter, Hessen

Geht mit der SPD hart ins Gericht: Ulrich Maurer© Michael Gottschalk/ddp

Herr Maurer, was bedeutet aus der Sicht der Linkspartei das Scheitern von Frau Ypsilanti in Hessen?

Es bedeutet, dass die SPD kein verlässlicher Partner ist für einen Politikwechsel und daher trägt sie auch die Verantwortung für einen schlimmen Tag in Hessen. Der rechte Flügel der SPD durfte die eigene Partei torpedieren. Roland Koch darf damit seine Politik des sozialen Abbaus fortsetzen. Wir sind traurig über diesen Vorgang, aber entschlossen, die Folgen für die Menschen in Hessen zu verhindern.

Sie gehen davon aus, dass Roland Koch im Amt bleibt?

Leider dürfte das der Fall sein. Denn mit dem jüngsten Putsch der vier Abweichler ist das zentrale Versprechen der SPD in Hessen, nämlich Koch abzulösen, auf denkwürdige Weise gebrochen worden.

Was bedeutet das für Ihre Partei?

Wir sind natürlich enttäuscht. Aber die jetzt eingetretene Situation bestätigt uns, dass die SPD derzeit aufgrund ihrer inneren Zerrissenheit kein verlässlicher Partner ist. Mit dieser orientierungslosen SPD ist trotz der neuen Führung ein Politikwechsel in Deutschland nicht möglich. Auch Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier tragen für diese skandalösen Vorgänge Verantwortung. Sie haben sich sehr distanziert zu Frau Ypsilanti verhalten und keinerlei Versuche gemacht, ihr gegenüber Loyalität und Unterstützung durchzusetzen in der hessischen SPD.

Wird die Linkspartei jetzt für Neuwahlen sein, wenn diese Frage in Hessen gestellt wird?

So wie Roland Koch gestrickt ist, wird er versuchen, sich ohne Neuwahlen eine Mehrheit mit seinen neuen Bündnispartnern zu organisieren.

Neue Bündnispartner? Die vier Ypsilanti-Killer?

Das halte ich für denkbar, bei diesen Genossen und ihrer bisherigen täuschenden Verhaltensweisen kann man nichts ausschließen.

Wird der weitere Aufbau der Linkspartei im Westen der Bundesrepublik damit erschwert?

Wir werden jetzt noch mehr Sozialdemokraten einladen, bei uns mitzumachen. Denn es ist doch völlig klar, dass diese SPD nicht mehr zu einer Politik in der Lage ist, mit der man die Dinge zugunsten der Mehrheit der Bürger positiv verändern kann. Ich bin sicher, dass nach diesem hessischen Reinfall auch in den Gewerkschaften die Sehnsucht nach einem verlässlichen Partner erheblich steigen wird. Die Hoffnung auf einen Politikwechsel ist bitter enttäuscht worden.

Halten Sie es für möglich, dass Müntefering und Steinmeier bei den vier Abweichlern Druck ausgeübt haben, gegen Ypsilanti zu operieren?

Was da wirklich gelaufen ist, werden wir erst in einigen Monaten erfahren. Aber natürlich sind die Abweichler durch das Verhalten der SPD-Führung in Berlin seit Monaten bis in die jüngsten Tage hinein ermutigt worden, sich so zu verhalten. So durften sich Walter und seine Leute ermutigt fühlen, denn sie sind ja erprobte Netzwerker, die schon von Gerhard Schröder genährt und gefördert worden sind. Viele von denen sitzen heute in zentralen Führungspositionen bei der SPD und insofern gibt es schon einen Zusammenhang. Wenn die SPD-Führung hinter Ypsilanti gestanden wäre und sie ermutigt hätte, dann hätten sich die Walterlinge nicht getraut.

Hat vielleicht Ihr langjähriger ehemaliger Parteifreund Hermann Scheer vielleicht die hessische SPD überfordert, indem er das Wirtschaftsressort haben wollte?

Das glaube ich nicht. Es war die volle Absicht aller negativ Beteiligten von Berlin bis Wiesbaden den Politikwechsel in Hessen zu verhindern. Deshalb wurde Ypsilanti in die Falle gelockt. Das einzig positive, was sich sagen lässt, ist, dass die Beteiligten sich den politischen Meuchelmord à la Heide Simonis in Schleswig-Holstein verkniffen und sich für die offene Beseitigung am Ende entschieden haben.

Interview: Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
Westerle.Merkwelle (04.11.2008, 19:54 Uhr)
Hier ist der Beweis: Das geplante Komplott
Wie kann jemand am Sonntag ankündigen, was am Montag geschieht?
stern.de/politik/deutschland/:Hessen-SPD-Vize-Koalitionsvertrag/644176.html?id=644176&rendermode=comment
Westerle.Merkwelle (04.11.2008, 19:53 Uhr)
Hier ist der Beweis: Das geplante Komplott
Hier ist der Beweis: Das geplante Komplott
Palatine (04.11.2008, 08:35 Uhr)
sich nicht getraut
Zitat: "......Wenn die SPD-Führung hinter Ypsilanti gestanden wäre und sie ermutigt hätte, dann hätten sich die Walterlinge nicht getraut....."
Hat der Reporter Schütz bei seinem liebedienernden Interview auch nur halbwegs begriffen, was der Typ mit diesem Satz rausgelassen hat? Offenbar nicht - für Herrn Schütz scheint ebenso wie für diesen Herrn Maurer das oberste Gebot eines Bundesbürgers zu sein, "sich nicht zu trauen". Wehe dem, der es wagt, bei den Wir-haben-uns-alle-so-lieb-Genossen aus dem Gleichschritt auszuscheren!
UR63 (03.11.2008, 20:40 Uhr)
@ukiduki
Sie haben ja Recht!
Wenn ich mir die CDU in Meck/Pomm anschaue wird mir schlecht!
Die Chefin (Merkel)FDJ-Sek.
Innenminister Caffier ein Linker!
Diese CDU ist genau so ein Sauhaufen wie die SPD!
Politische Mitte halt!
P.S.Wieso sollte vegefranz die CDU wählen????
ukiduki (03.11.2008, 20:30 Uhr)
wie sie heulen...
... die aasgeier in diesem forum.
man kann ja in der politischen auseinandersetzung unterschiedlicher meinung sein, sollte aber den stil wahren und bei der wahrheit bleiben.
ich komme aus dem osten und habe gesehen, wie die übelsten sed-ler nach der wende ganz schnell ihr toilettenpapier gewechselt haben und in andere parteien gekrochen sind. das war besonders auffällig in der cdu.
ausserdem sollte man sich auch einmal an die ganzen lügereien vom koch errinnern. ich denke da nur an seine unsäglichen wahlpolemiken und den spendenskandal, der immer noch nicht geklärt ist.
ich denke, schmutz hat jede partei mehr oder weniger im keller. sie sollten nicht immer nur mit dem finger auf die anderen zeigen.
ich hege die vermutung, dass in der west-cdu mehr ehemalige sed-ler und blockparteiler sitzen als in der linken im westen.
bin schon gespannt auf den nächsten schmutz von cdu-vegefranz.
vegefranz (03.11.2008, 20:03 Uhr)
Mensch Josh, alter Gutmensch
hab ich doch nie behauptet, daß jeder ein Dummbatz ist, der sich ein Studium neben seiner 100 EUR Handy-Rechung - nicht leisten kann. Aus eigener Erfahrung (habe mal den Fehler gemacht, einen Lehrauftrag anzunehemen) kann ich sagen, daß sich an Universitäten viele Leute tummeln, die dazu weder die Erziehung noch die geistige Eignung mitbringen. Diese Leute könnte man sich der Steuerzahler vom Hals schaffen.
mupfeline (03.11.2008, 19:58 Uhr)
Es hätte noch schlimmer kommen können ....
MORGEN nämlich - oder Heide schon vergessen?
Das Beste wären Neuwahlen - sobald als möglich. Und bitte mit konkreten Aussagen welche Parteien sich für welche Koalitionen offen zeigen.
Diese Regierung - die es nun nicht gibt - die wäre auf einer Riesen-Wahllüge aufgebaut, oder nicht? Wozu also das Gejammer - Frau Yps wurde die Rechnung präsentiert - Basta! Wann sagt endlich jemand der Frau das GENUG nun wirklich GENUG bedeutet ...
Watschdog39 (03.11.2008, 19:57 Uhr)
????? Dieter 7655
""""gebildeter Mensch mehr höhren."""
Tja, das kommt vom zweiten Bildungsweg, es bleibt immer was vom ersten übrig.**g**
Wenn die vier SPD-Abgeordneten nicht gegen ihre Überzeugung handeln ist die sehr ehrenhaft.Sie, wie hier von "Stern" geschehen, als VERÄTER zu bezeichnen ist eine Beleidigung und sollte strafrechtlich verfolgt werden.
Abgeordnete im Land und Bundestag sind in geheimen Abstimmungen ausschließlich ihrem eigenen Gewissen verantwortlich.
Eine Ypsilanti nur um Koch zu entfernen? Der Preis ist zu hoch!
Ich denke, nun, da der Weg frei ist, wird Hessen bald von einer grossen Koalition regiert werden und von einer Frau Ypsilanti wird man nur noch hören wenn man die Liste der Aufsichtsräte einer staatseigenen Institution durchgeht. GEZ oder ähnliches passt besser zu ihr, da fällt ein Dummkopf mehr oder weniger nicht auf.
Sveto (03.11.2008, 19:50 Uhr)
Gibt es also doch noch
vier Anständige in der Landtagsfraktion der Hessen-SPD, die sich einer Zusammenarbeit mit den Verbrechern von der PDSED verweigern. Chapeau!
UR63 (03.11.2008, 19:44 Uhr)
Hab mal eben Nachdenkmüll
angeschaut!
Grrrrrrrrrr!
Erste Überschrift:
Ypsilanti gescheitert. Dies ist keine Demokratie mehr!
Das Parteiorgan NEUES DEUTSCHLAND läßt grüssen!
Und hier im Forum rumkrakelen und Leute auf diese gequirlte Kacke hinweisen!
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