Die Preise für Getreide und Reis explodieren und Menschen hungern. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, verrät im stern.de-Interview ihre Lösungsansätze: Subventionen streichen, ökologische Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklungspolitik betreiben.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast fordert Strategien gegen den Hunger© Gero Breloer/DPA
Ein bis zwei Mal pro Woche. Natürlich nur Bio- und Neulandfleisch.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gesagt, dass es ein Problem sei, dass Inder und Chinesen nun mehr Fleisch essen würden. Das ist zynisch. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen.
Meine Empfehlung ist, weniger Fleisch zu essen - und besseres. Die Verbraucher können ein Zeichen setzen: für ökologisch produzierte Nahrungsmittel.
Die Biospritproduktion ist ein Problem, aber nicht das einzige. Frau Wieczorek-Zeul benutzt die Debatte für ein Ablenkungsmanöver. Ihr Ministerium fördert viele große Staudämme und Straßen - aber nur 3,1 Prozent der Mittel fließen in den ländlichen Raum. Auf dem Land leben aber 70 Prozent der Menschen, die Hunger leiden. Die Leute brauchen Zugang zu Wasser und Saatgut. Darum sollte sich die Entwicklungshilfeministerin kümmern.
Das stimmt nicht! Genmanipulierte Pflanzen laugen die Böden aus und die Chemikalien, die für den Anbau gebraucht werden, verschmutzen die Umwelt. Auf Dauer sinken die Erträge wieder. Wir müssen - und das merken inzwischen ja auch die Chinesen - viel ökologischer wirtschaften. Und das Saatgut für genmanipulierte Pflanzen müssen die Bauern jährlich für viel Geld bei den großen Agrogentechnik-Konzernen immer wieder neu kaufen.
Ach, Seehofer geht es doch nur um Masse statt Klasse. Außerdem folgt das der Ideologie: Wir Deutschen bauen mehr an und exportieren in alle Welt. Damit fördern wir nur umweltschädliche Transporte, die CO2 raus blasen und den Klimawandel vorantreiben. Nein, die Devise muss heißen: Die Menschen sollen sich von Produkten der Region ernähren, in der sie leben.
Die EU-Exportsubventionen sollten wir lieber heute als morgen ersatzlos streichen. Bei den derzeitigen Weltmarktpreisen brauchen wir sie sowieso nicht mehr.
Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, 10 bis 20 Prozent der direkten Subventionen zu kürzen und in Programme für den ländlichen Raum zu zahlen. Die Gelder dürfen dann nur noch für spezielle Maßnahmen genutzt werden. Zum Beispiel für den Klimaschutz. Oder für den klugen Umgang mit Wasser. Aber dieses EU-Vorhaben blockiert Seehofer, dabei wäre es ein richtiger Schritt.
Wir Grünen wollen die Subventionen runterkürzen auf eine Basisprämie. Das könnten 50 Prozent der jetzigen Subventionen sein. Der Rest wird nur ausgezahlt, wenn jemand ökologisch und nachhaltig wirtschaftet.
Wer die Subventionen plötzlich auf Null senkt, gefährdet Arbeitsplätze. Außerdem darf man nicht glauben, dass die Länder außerhalb der EU mitziehen würden. Wir hätten also einen extrem verzerrten Wettbewerb.
Völlig richtig. Die Grünen fordern deshalb schon lange, die Hartz-IV-Regelsätze anzuheben. Politiker wie Jürgen Rüttgers wären gut beraten, sich damit mal zu beschäftigen. Aber wir müssen auch aufpassen, dass hier kein Schindluder getrieben wird: Der Preis eines Brötchens ist nur zu zehn Prozent vom Getreidepreis abhängig. Da werden auch Kosten reingemogelt, die nicht auf die Landwirtschaft zurückzuführen sind. Da ist Seehofer als Verbraucherminister gefragt.
Wir müssen Geld schicken, um die Not zu lindern. Aber das darf kein Ablasshandel sein - nach dem Motto: Entschuldigung, wir geben Euch diese Woche was, nächste Woche sind wir aber wieder weg. Deshalb müssen wir über Strategien gegen den Hunger reden, über nachhaltige Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklungspolitik.