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25. September 2008, 06:48 Uhr

Der hilflose Untersuchungsausschuss

Der BND-Untersuchungsausschuss geht in die nächste Runde. Vier Geheimdienstler aus Pullach sollen erklären, ob die Deutschen den Amerikanern Daten im Irak-Krieg zugeliefert haben. Doch die Aufklärung ist zäh - auch weil wichtige Akten fehlen. Von Tiemo Rink

Was wusste er? Außenminister Steinmeier (SPD) vor dem BND-Untersuchungsausschuss© Herbet Knosowski/AP Photo

Politik ist wie Theater, meistens. Es gibt gute und schlechte Aufführungen - und es gibt Logen- und Parkettplätze. Die Abgeordneten, die als Obmänner ihrer Parteien im BND-Untersuchungsausschuss sitzen, haben Pech. Miese Inszenierung - und stark sichtbehinderte Plätze.

Am Donnerstag geht das Stück mit neuer Besetzung in die nächste Runde. Vorige Woche wurden die zwei Spione vernommen, die der BND nach Bagdad geschickt hatte. Diesmal müssen vier Mitarbeiter aus der BND-Zentrale aussagen. Die Fragen sind aber im Wesentlichen immer noch dieselben: Haben die beiden Spione militärische Ziele für die Amerkaner ausgekundschaftet? Was wusste der damalige Kanzleramtschef und heutige Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier über ihr Treiben? Und ist die Bundesrepublik - anders als vom damaligen Kanzler Gerhard Schröder mehrfach beteuert - am Ende doch am Irak-Krieg beteiligt gewesen?

"Höherwertige Militärfahrzeuge"

Obwohl alle fünf Obmänner derselben Inszenierung beiwohnen, ist jetzt schon klar, dass sie höchst unterschiedliche Schlüsse daraus ziehen werden. Nach der Vernehmung der BND-Spione vergangene Woche sagte FDP-Obmann Max Stadler im Gespräch mit stern.de, "dass sehr kriegsrelevante Informationen weitergegeben wurden." Nach Auffassung des Obmanns der Linken, Norman Paech, habe die Vernehmung gezeigt, dass die beiden BND-Beamten auch militärische Ziele weitergeleitet haben.* Ziele, die wenig später von der US-Luftwaffe bombardiert worden seien.

Das genaue Gegenteil behauptet der SPD-Obmann Michael Hartmann. "Wir haben eine weiße Weste" sagt er. Auch nach der Aussage der BND-Agenten gibt es für den Sozialdemokraten nirgendwo einen Hinweis, dass die Angaben "taktisch-operativ an irgendeiner Stelle nutzbar waren für die US-Seite." Im stern war etwas anderes nachzulesen. Demnach meldeten die BND-Agenten am 1. April 2003 zum Beispiel, in einem Rohbau seien "unter Tarnnetzen untergezogen höherwertige Militärfahrzeuge" zu erkennen. Ebenfalls vor Ort: "Soldaten der RG", also der Republikanischen Garden. Auch die Koordinaten teilen die Männer in Bagdad mit:"44 Grad 26 Minuten 02 Sekunden Nord, 33 Grad 18 Minuten 14 Sekunden Ost, Radius ca. 150 Meter." Nutzlose Informationen?

Die CDU und die Staatsräson

Es scheint, als sei der Bundestagswahlkampf mittlerweile eröffnet. Die Opposition, also FDP, Linkspartei und Grünen, wollen die Rolle des SPD-Spitzenkandidaten Steinmeier durchleuchten. Er soll noch dieses Jahr vor dem Ausschuss aussagen. Die CDU hingegen scheint Steinmeier (noch) zu schonen. Nach der vergangenen Sitzung des Untersuchungsausschusses stellte der SPD-Obmann fest, dass die CDU wisse, was "Staatsräson" sei. Und die SPD tut natürlich alles, ihren Spitzenmann aus der Schusslinie zu bringen. Ein Jahr vor der Bundestagswahl soll Steinmeier nicht in die unschöne Debatte verstrickt werden, ob die Deutschen nicht doch beim völkerrechtswidrigen Krieg im Irak mitgemischt haben.

Doch ob Steinmeier tatsächlich mehr weiß als er bisher behauptet - der Untersuchungsausschuss wird es wohl kaum herausfinden. Denn Untersuchungsausschüsse haben ein Problem: Welche Unterlagen für die Obmänner freigegeben werden, entscheidet das Bundeskanzleramt. Für die aktuelle Situation bedeutet das, dass die zu Kontrollierenden entscheiden, was die Kontrolleure wissen dürfen.

Schneeweißes Papier

Was das konkret bedeutet, erfuhr der Grünen-Obmann Hans-Christian Ströbele vor einigen Tagen. Denn es gibt Akten, aus denen hervorgeht, welche Anfragen die US-Streitkräfte an die BND-Agenten in Bagdad hatten. Diese Papiere wurden den Obmänner tatsächlich zugeleitet, allerdings haben sie einen nicht unwesentlichen Nachteil: Der Text wurde unkenntlich gemacht. Begründung: Geheimsache.

"Weiß wie Schnee" seien die Unterlagen, aus denen die Obmänner möglicherweise Rückschlüsse über die tatsächliche Zusammenarbeit von BND und US-Armee ziehen könnten, sagt Ströbele im Gespräch mit stern.de. Eine Situation, die der Linke Paech kurz und trocken zusammenfasst: "Wir werden beschissen."

Suche nach Hussein

Wie wenig Respekt der Untersuchungsausschuss genießt, lässt sich auch am Verhalten der Vorgeladenen ablesen. Nach Angaben der Linkspartei waren die BND-Agenten nicht nur mit der Weitergabe militärischer Ziele, sondern auch mit der Suche nach Saddam Hussein beauftragt. Als sie in der Sitzung vergangene Woche gefragt wurden, wie dieser Auftrag im Detail ausgestaltet war, beließen es die beiden Spione bei einer kurzen, flappsigen Antwort: "Wenn wir den Hussein irgendwo rumlaufen sehen, sollten wir das melden."

*Korrektur: Diese Information wurde in der Ursprungsversion des Satzes fälschlicherweise dem Umfeld des Linken-Obmanns Paech zugeschrieben. Diesen Fehler bitten wir zu entschuldigen. Tatsächlich stammt die Information, wie Norman Paech stern.de bestätigte, von ihm selbst.

Von Tiemo Rink
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
pitiplatsch (26.09.2008, 19:04 Uhr)
Da wird wieder
gelogen vertuscht und verschleiert das sich die Stahlträger biegen. So was wie dieses Subjekt will Kanzler werden, wohin steuert das Land der ehemaligen Dichter und Denker und jetzigen Lügner Schleimer Vertuscher und Feiglinge ? Mir grauts vor der Zukunft.
ecomoc4u (26.09.2008, 11:48 Uhr)
@gisella
...ich kann mich damals noch an das gesicht von ströbele, fischer und shilly erinnern. das war ein ausdruck in etwa wie...
.
...wie konnte unser ganzes NICHT KRIEG bemühen und image durch diesen patzer wieder auf null zurück schrumpfen.
Gisella (25.09.2008, 16:13 Uhr)
Deutschland
und seine Doppelzüngigkeit-Schroeder hat allen mitgeilt-im Wahlkampf-daß Deutschland nicht mitmachen wollte im Invasionskrieg der Amis------aber er hat doch Informationen durch den BND geben lassen.Also, doch mitgemacht.CNN hat nach der Bombardierung eines Bunkers indem sich viele Zivilisten befunden haben , aber der gesuchte Saddam abwesend war-laut und deutlich mitgeteilt, die Infos und Blueprints habe man von Deutschland erhalten. Und das nenne ich Doppelzüngig und verlogen. Warum wird das nicht zugegeben-der Fall ist doch erledigt????
Malt (25.09.2008, 10:26 Uhr)
Eben....
...und nichts hat bisher besser gegen eine Rezession geholfen als ein ordentlicher Krieg, der die Wirtschaft endlich wieder in Schwung bringt! Also: Bei WMF die Topfproduktion auf Stahlhelme umstellen und los geht's... ist doch auch letzlich egal gegen wen's geht!
bayerbienengift (25.09.2008, 10:17 Uhr)
@lazarus
Daemonkreatur: alles scheint heilig...
Taeuschland ist wieder im Krieg. Das gilt es nun zu vertuschen. Aber die Kriegswirtschaft muss brummen. Wir sind Vize-Weltmeister im Waffenexport. Vielleicht bringt uns ja Bush noch einen neuen Krieg. Das war immer so in abgewrackten Kriegswirtschaften.
JanDark (25.09.2008, 09:14 Uhr)
Verschwörungstheorien
Das ist wirklich eine Lachnummer, diese Verschwörungstheorie mit den beiden Spionen, die ganz nomral im Ausland militärische Aufklärung für die BRD gemacht haben, die beim irakischen Geheimdienst akkredetiert haben (in Verschwörungstheoriesprache: auf Seiten Saddam Husseins Deutschland gegen die USA kämpfen lassen), und die vielleicht auch noch als Tripleagent für die USA spioniert haben.
Da hat der Bundesgerichtshof wegen Kriegsbeteiligung am Irak-Krieg im SASPF-Programmierer längst eine deutlichere Sprache gefunden: dort wurde einem Soldaten recht gegegeben, den Dienst an der Tastatur zu verweigern, weil seine Ergebnisse ggf. im völkerrechtswidrigen Irak-Krieg verwenden wollte. Die Generalität hätte aber so gerne wollen wie auch die Frau Merkel, aber weder Schröder noch Steinmeier, noch der kriegslüsterne Fischer haben Soldaten geschickt. Und über die Supporter aus dem hessischen Raum, die den kämpfenden US-Sodlaten massiv logistisch geholfen haben, spricht heurte keiner mehr.
Verschwörungstheorien von BND-Agneten (wie auch die, dass bei Murnaz die US-Regierung Freilassung angeboten hätte, was der BND berichtet, nicht aber die US-Regierung) sind halt spannender und bieten mehr Platz.
Am Rande: wenn die BRD die USA ausspionieren wollte, wie die Krieg führen, um im Falle eines Überfalles durch die gerüstet zu sein (weil man ja auch Saudis beherbergte, die am WTC-Attentat beteiligt sein sollten, wie Atta in Hamburg), dann hätte die BND Spione auch militärische Ziele nach hinten medlen müssen. Das ist deren gesetzlich Aufgabe, im Ausland Aufklärung für die Bundeswehr zu betrieben.
lazarus06 (25.09.2008, 09:04 Uhr)
@gaga007 Ja das gilt besonders für unsere Regierung
Und unsere " DEMOKRATUR" >lautet: es ist nichts so, wie es aussieht
sjm2000 (25.09.2008, 08:55 Uhr)
Dieser Luegner...
... will Kanzler werden, da kann man nur noch auswandern. Aber wohin...???
ecomoc4u (25.09.2008, 08:22 Uhr)
der 9/11 inside experte
scheitert am bart von murat kurnaz.
HAHAHA. was ne lachnummer die pullermänner.
gaga007 (25.09.2008, 08:06 Uhr)
Ein Grundsatz ...
... eines Nachrichtendienstes lautet: es ist nichts so, wie es aussieht - daran wird auch eine aufjaulende Gut-Menschen-Gesellschaft nichts ändern. Warum auch ?
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