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11. Oktober 2009, 19:49 Uhr

Lafontaine spricht von Wahlbetrug

"Wahlbetrug" und "Schacherei" - die Reaktion von SPD und Linke auf die bevorstehende Jamaika-Koalition fällt harsch aus. Vor allem Oskar Lafontaine zeigt sich als schlechter Verlierer.

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Die grüne Basis sagt Ja zu Jamaika© Thomas Wieck/DDP

Im Saarland bahnt sich die bundesweit erste "Jamaika-Koalition" an. Die Grünen sprachen sich auf einem Landesparteitag mit klarer Mehrheit für Koalitionsverhandlungen mit CDU und FDP und damit gegen ein ebenfalls mögliches rot-rot-grünes Bündnis aus. Grünen-Landeschef Hubert Ulrich hatte zuvor seine Empfehlung für "Jamaika" vor allem mit erheblichen Zweifeln an der Stabilität einer rot-rot-grünen Landesregierung begründet.

In diesem Punkt habe Lafontaine mit seinem Rückzug vom Vorsitz der Bundestagsfraktion für letzte Klarheit gesorgt. Grundlage bei den Sondierungsgesprächen mit SPD und Linken sei es immer gewesen, dass Lafontaine Rot-Rot-Grün an der Saar von Berlin aus unter die Arme greifen werde. Mit einem "Neben-Ministerpräsidenten" könne ein Bündnis nicht funktionieren.

"Grüne brechen zentrales Wahlversprechen"

Linken-Chef Oskar Lafontaine warf den Grünen Wahlbetrug vor. Er warf ihnen vor, sie hätten ihr zentrales Wahlkampfversprechen gebrochen, die Regierung von Ministerpräsident Müller abzulösen und SPD-Landeschef Heiko Maas zum Regierungschef zu wählen. "Das Saarland wird in den nächsten Jahren von einer Koalition regiert, die durch Wahlbetrug und Wählertäuschung zu Stande gekommen ist", sagte Lafontaine, der Chef der Linken-Fraktion im Landtag ist. Ulrich sei von Beginn an fest zu einer Koalition mit CDU und FDP entschlossen gewesen. "Das Saarland hat diese Regierung der Wahlbetrüger nicht verdient."

In die gleiche Kerbe haute der saarländische SPD-Chef Heiko Maas: Ulrich habe mit den "Wendehälsen der CDU und der FDP einen Pakt gegen die strukturelle Mehrheit der Wähler geschmiedet" und die Sondierungsphase missbraucht, eine entsprechende Mehrheit zu schmieden. "So verkommt Politik zur Schacherei."

Jamaika-Bündnis könne Brücken bauen

Der Ministerpräsident des Landes, Peter Müller (CDU) begrüßte die Entscheidung der Grünen. Der Generalsekretär der Partei, Stephan Toscani, sagte, das Jamaika-Bündnis könne Brücken über die politischen Lager hinweg bauen und möglicherweise Modellcharakter für die Parteienlandschaften in Deutschland entfalten. Der FDP-Landesvorsitzende Christoph Hartmann sagte, alle Beteiligten beträten Neuland. Bei diesem Projekt gebe es "besondere Chancen, Ökologie und Ökonomie miteinander zu verbinden". Der FDP-Chef kündigte an, im Landesvorstand um Zustimmung zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zu bitten.

Auch CDU und FDP im Bund begrüßten die Entscheidung: "Die Grünen haben sich für stabile Verhältnisse im Saarland entschieden. Es ist zu begrüßen, dass sie sich weigern, als Mehrheitsbeschaffer für rot-rote politische Experimente zu dienen", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte dem "Tagesspiegel": "Wenn die Grünen jetzt im Saarland anders als vergangenes Jahr in Hessen erkennen, dass die Linke unfähig zur Zusammenarbeit ist, dann gehen sie in die richtige Richtung."

Bundes-Grüne respektieren die Entscheidung

Die Grünen in Berlin wollen die Entscheidung respektieren. "Die Ergebnisse der Sondierungen zeigen eine deutliche grüne Handschrift insbesondere bei der Bildungs- und Klimaschutzpolitik", teilten die Bundesvorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir mit. Beide fügten hinzu: "Es handelt sich aber um eine Entscheidung der saarländischen Grünen für das Saarland, die keine Signalwirkung für die Bundesebene hat."

Bei der Landtagswahl Ende August hatte die CDU ihre absolute Mehrheit verloren und nur noch 34,5 Prozent der Stimmen erreicht. Die FDP kam auf 9,2 Prozent, die SPD auf 24,5 und die Linke auf 21,3 Prozent. Damit wurden die Grünen mit 5,9 Prozent zum Zünglein an der Waage.

CDU mit massiven Zugeständnissen

Grünen-Chef Ulrich und die Co-Vorsitzende Claudia Willger-Lambert hatten vor den Delegierten mit den inhaltlichen Zugeständnissen, die die Grünen CDU und FDP abgerungen hätten geworben. Ulrich nannte die Abschaffung der Studiengebühren, den Verzicht auf weitere Kohle-Großkraftwerke, das definitive Auslaufen des Bergbaus, Vorrang des ÖPNV vor dem Straßenbau, eine Reform des Umweltrechts und die Einführung einer Verbandsklage im Tierschutz. Vor allem in der Bildungspolitik habe man im bürgerlichen Lager einen Paradigmenwechsel erreicht. Dazu gehörten ein längeres gemeinsames Lernen in der Schule, ein echtes Wahlrecht zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium und die Abschaffung des Sitzenbleibens bis zum zehnten Schuljahr. Für seine Rede erhielt Ulrich viel Beifall, aber auch Buh-Rufe. Der Chef des Grünen-Kreisverbands Saarbrücken, Tommy Brück, kritisierte Ulrich und sprach von einer "Verhohnepiepelung der Wählerschaft".

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 73)
 
raptor-xl (12.10.2009, 21:06 Uhr)
@Robbespierre
ich sorge schon seit viwelen jahren sehr erfolgreich für meine familie... nix papa und so. der unterschied ist: bildung habe ich wirklich und dazu bin ich wenigstens nicht vom neid zerfressen.
sie dagegen sehen die schuld für das *nichtserreichthaben* immer bei anderen und können sich nicht mal ansatzweise selbstkritisch reflektieren...
raptor-xl (12.10.2009, 20:56 Uhr)
@kabelmann
rechtskonservativ ist bürgerlich... und die stellen noch die mitte. oder sind bei ihnen schon cdu wähler rechtsradikale???
Robbespierre (12.10.2009, 11:47 Uhr)
@ raptor XS
Ihre Kommentare gegen links sind ziemlich unreif. Ich bezweifle, daß Sie schon jemals gearbeitet haben. Eher schon dürften Sie noch auf Papis Kosten studieren und einer rechten Burschenschaft die Ehre erweisen.
olga1805 (12.10.2009, 10:46 Uhr)
Die dümmlichen Fragen . . . . .
warum gibt es soviele Nichtwähler liegen in all diesen Entscheidungen des Wahlbetruges begründet. Ob man grün oder rot wählt man bekommt immer schwarz, Zufall ? Und dann das Maul aufreissen über den angeblichen Wahlbetrug in der DDR. Was ist heut anders ? Wir wählen, und wählen und bekommen CDU/CSU. Schon seltsam, oder ?
kabelmann (12.10.2009, 10:20 Uhr)
@raptor
Nochmal zum Verständnis: Rechtskonservative als Mitte der Gesellschaft betiteln ist maximal gewagt, niemals jedoch richtig.
raptor-xl (12.10.2009, 10:05 Uhr)
@ganzbaf
die grünen sind in der realität angekommen. ausser etwas atomkraft haben die selbst keine umweltambitionen, aber eine große heerschar von wählern, die längst in der mitte der gesellschaft angekommen sind.
und deren wähler wollen keine umverteilungen von etwas geld in immer größere finanzlöcher. denn die müssten sie bezahlen. und diesen punkt begriffen zu haben, unterscheidet sie eben von der hartzIV-partei, die linke. denn die schöpft ihr potential daraus. leuten etwas versprechen, was sie selber nicht haben, aber denen nehmen wollen, die dafür gearbeitet haben... das die wahlergebnisse der linken passend zum anteil der hartzIV-empfänger ist, stand letztens groß im spiegel. und das ist zudem belegbar! daher können leute, die etwas zu verlieren haben, nicht links wählen. das haben die grünen begriffen und muss sich jetzt um die eigene klientel kümmern. vom schwer arbeitenden ökobauern bis zum uniprof.
ganzbaf (12.10.2009, 10:04 Uhr)
Man darf nicht vergessen...

es ist noch nicht lange her, da waren die Grünen GEGEN den Mindestlohn, gegen ein Tempolimut auf BABs und FÜR Hartz IV. (!)

Grün war eben auch durch Rechtskonservsativ / Neolibera unterwandert. (Siehe Metzger und Konsorten.)

Das hatte und hat aber NICHTS mit der Basis zu tun, die mehrheitlich klar links der Mitte steht.
ganzbaf (12.10.2009, 09:57 Uhr)
Die Grünen sind eine linke Partei...

dass hat die Basis erts vor kurzem per Befragung klar gemacht, wo man nichts von Jamaika hält.
In den Grünen haben noch zu viele der alten Agendaritter und Schröderfreunde das Sagen.
MarkyMarc (12.10.2009, 09:36 Uhr)
@kablemann
Klar ist das grotesk. Habe ich nicht bestritten. Aber was ist heute in unsere politischen Landschaft nicht grotesk?
Aber wer die Grünen im Saarland kennt und vor allem das Verhältnis der Spitze zu Lafontaine sollte sich nicht wundern. Das meinte ich mit logischer Konsequenz. Ob die Grünen sich damit einen Gefallen getan haben, kann ich nicht abschätzen.
Ich denke nur es ist das kleinere "Übel" für unsere Land.
raptor-xl (12.10.2009, 09:29 Uhr)
jammertal
der linken und der spd. die grünen sind längst im bürgerlichen lager angekommen. deren wählerschichten zeigen es, denn die sind gutverdienend, besitzwahrend und etwas für die gerechtigkeit tun wollen.
sonst hätte es in hamburg nie geklappt, auch wenn dort der ideologische wahn etwas ausufert. aber nachdem heide von eigenen leuten abgesägt wurde, lügilanti ebenfalls an der eigenen partei scheiterte und thüringen nun vor den linken wegläuft, sollte sich die spd frage, ob sie auf die richtigen pferde setzt. im moment jammern sie alle rum, aber überdenken nicht, warum das so passieren konnte... gescheitert sind spd und linke fast überall an sich selbst.
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