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12. Oktober 2009, 10:24 Uhr

Nahles schimpft Lafontaine Steigbügelhalter

Nach der Entscheidung der Grünen für eine "Jamaika"-Koalition mit CDU und FDP im Saarland wird Oskar Lafontaine zunehmend zum Buhmann. Die neue starke Frau in der SPD, Andrea Nahles, attackierte den Linkspartei-Chef scharf. Lafontaine fungiere "als Steigbügelhalter für einen abgehalfterten Ministerpräsidenten".

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Scharfe Angriffe auf Lafontaine: SPD-Vize Nahles© Markus Schreiber/AP

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat Linken-Chef Oskar Lafontaine die Schuld für das Scheitern von Rot-Rot-Grün im Saarland gegeben. "Absicht oder nicht: Lafontaine agiert als Steigbügelhalter für einen abgehalfterten Ministerpräsidenten", sagte Nahles der "Berliner Zeitung". Dem gescheiterten SPD-Landeschef Heiko Maas stärkte Nahles den Rücken. Maas bleibe zu CDU-Ministerpräsident Peter Müller die einzige echte Alternative. "Sein klarer und kompetenter Kurs wird sich auszahlen, auch wenn dieser Schlag wehtut", sagte die designierte SPD-Generalsekretärin.

Der saarländische Grünen-Landeschef Hubert Ulrich hatte die Entscheidung für die Jamaika-Koalition mit FDP und CDU mit erheblichen Zweifeln an der Stabilität einer rot-rot-grünen Regierung begründet und vor allem Linken-Chef Lafontaine Vorwürfe gemacht. Mit einem "Neben-Ministerpräsidenten" könne ein solches Bündnis nicht funktionieren, sagte Ulrich mit Blick auf Lafontaines am Freitag bekannt gegebenen Rückzug vom Vorsitz der Bundestagsfraktion.

Özdemir verteidigt "Jamaika"-Beschluss

Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir wertete die Entscheidung seiner Partei im Saarland für eine "Jamaika"-Koalition als logische Konsequenz inhaltlicher Übereinstimmung. "Ich habe ja schon so manche Koalitionsvereinbarung erlebt und gesehen. Aber das, was uns da versprochen wurde, das gab es bislang nirgendwo", sagte Özdemir im Deutschlandfunk.

Gemeinsam mit CDU und FDP finde im Saarland der von den Grünen geforderte Politikwechsel statt, unter anderem beim Ausstieg aus der Kohle und beim Klimaschutz. Müller stehe mit seiner Unterschrift unter die Sondierungsabmachungen in der Pflicht. "Das ist etwa 100 Prozent das Gegenteil von dem, was Herr Müller bislang als alleiniger Ministerpräsident im Saarland gemacht hat", so der Grünen-Bundesvorsitzende.

SPD-Spitzenkandidat Maas wäre auch ihm lieber als Ministerpräsident gewesen, gestand Özdemir. Doch zur Linkspartei mit dem Vorsitzenden Lafontaine als drittem Partner habe das Vertrauen gefehlt, sagte der Grünen-Chef in der ARD. Im Bund müsse sich die Linke in vielen Bereichen bewegen. "Etwas mehr Verantwortungsbewusstsein und dann wird auch die Option Rot-Rot-Grün eine Option sein, die auf dem Tisch ist", sagte Özdemir.

Trittin: Saarland kein Signal für den Bund

Auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin sieht in der saarländischen "Jamaika"-Entscheidung kein Signal für die Bundespolitik. "Da sehe ich zurzeit eher etwas anderes", sagte Trittin in der ARD. "CDU und FDP gehen daran, den Atommüll zu vermehren." Hinzu kämen aus Grünen-Sicht negative Signale aus den Berliner Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP zum Kündigungsschutz und den Minijobs. "Das ist kein Koalitionsangebot, sondern eine Kampfansage an die Grünen", so Trittin.

Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU), der seit vergangenem Jahr zusammen mit den Grünen die Hansestadt regiert, sieht schwarz-grüne Bündnisse nun auf dem Weg zur politischen Normalität. "Die CDU in Hamburg hat nur gute Erfahrungen mit den Grünen gemacht", sagte von Beust dem "Hamburger Abendblatt". "Mich freut, dass auch andere Länder diesen Weg jetzt einschlagen und wir in Hamburg damit keine Ausnahmeerscheinung mehr sind."

AP/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Nursery (12.10.2009, 19:18 Uhr)
Die Grünen haben sich billig verkauft
Ich habe bisher Grün gewählt doch was die im Saarland betreiben ist nicht mehr vermittelbar.Müller als gescheiterter Ministerpräsident im Saarland hat nichts vorzuweisen.Und den Grünen fällt nicht mehr ein als die allgemein zu verteufelnde Linke zum Sündenbock zu machen.Das ist mir zu einfach.
olga1805 (12.10.2009, 17:19 Uhr)
Als den Ossis das ganze . . . .

Theater zu fettig wurde, sie die Regierung zum Kotzen fanden, was haben die da gleich gemacht ? Ich komme nicht mehr darauf. Wäre hier ja auch nicht mehr möglich, Gründe erspare ich mir.
butcher99 (12.10.2009, 16:18 Uhr)
hallo Frau Nahles
immer hübsch die Fehler bei den anderen suchen, so kommt die SPD bald auf die von der FDP angestrebten 18%, das ist doch was
raptor-xl (12.10.2009, 15:25 Uhr)
gestern war die linke der liebling....
...heute der buhmann. ist doch albern, wenn alles auf lafo einprügelt. in der verpackung linkspartei war vorher auch lafo drin. so wie gysi, stasioffiziere, wahlfälscher, kriminelle, verurteilte, demokratieablehner und sonst was...
wäre es also nicht lafo gewesen, dann irgendein IM, den man bemerkt hätte. die linken müssen den laden sauber machen. alles andere geht nicht...
kralli19 (12.10.2009, 15:05 Uhr)
Koalitionsvereinbarungen...
Ist klar....das goldene vom Himmel versprochen, später wird reinste CDU/FDP-Politik gemacht, die GRÜNEN werden poltern "steht nicht so in der Koa-Vereinbarung", werden aber alles aus Koalitionszwang mit abnicken.
Alternativ würden sie die Regierung dort platzen lassen können und müssten sich dann diffamieren lassen als Kommunistenhelfer usw. Dann lieber doch abnicken und Pöstchen behalten.
just_think (12.10.2009, 13:40 Uhr)
Selbst Schuld
Anderen die Schuld zu geben ist immer leicht. Hätte aber die SPD ein paar Prozent mehr geholt dann wären die Grünen überflüssig gewesen.

Aber eine SPD mit weiterhin einen Herrn Steinmeier an der Spitze wird weiter verlieren. Ich denke das spätestes auf dem Parteitag im November nochmal ein Machangriff erfolgen wird, ja muss, denn die SPD ist so gesplittet das das nicht lange gut gehen kann. Es muss eine Einheit her sonst ist man als sogenannte Volkspartei demnächst bei unter 20 % gelandet.

Was Herr Lafontaine gemacht hat ist sicherlich fragwürdig. Und man fragt sich tatsächlich war es Dummheit oder Berechnung ? Ich denke eher letzteres. Er hat lediglich wahrscheinlich eingesehen das es kein ROT ROT GRÜN geben wird und mit seiner Entscheidung den Grünen in die Hände gespielt und somit seinen Saarländischen "Zieh-Sohn" Heiko Maas noch einen Dämpfer gegeben.



MMSterling (12.10.2009, 12:34 Uhr)
Wie jetzt?
Wenn sich die SPD in Thüringen gegen eine Koalition mit den Ex.Kommunisten und für eine mit der CDU entscheidet, ist das OK. Die Linke ist nämlich unzuverläßich, erfahren wir.

Wenn die Grünen das gleiche aus den gleichen Gründen im Saarland machen, ist es Verrat. Da ist dioe SPD nämlich nicht mit dabei, vermuten wir.

Tja, ich fürchte, der Maschinenstürmerflügel hier muß sich noch etwas gedulden mit der Diktatur des Proletariats.
confused (12.10.2009, 12:09 Uhr)
grün ??
wenn die grünen noch in irgendeiner weise die grüne Partei sind dann war die hl. Maria keine Fr.
Und Fr. Nahles sollte sich erstmal bewusst werden - wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen schmeissen, denn das Glas von dem Glashaus wo die Genossen der SPD drin sitzen zur Zeit ist aus eher Hauchdünnem Glas (siehe letzte Wahlergebnisse).
Die Frage die sich stellt ist wieso wir überhaupt noch wählen wenn im Nachhinein die Parteien sowieso Koalitionen bilden , und mit irgendwem meinen zusammen regieren zu müssen der ein Gegenteiliges Wahlprogramm im Vorfeld hatte. Alles nur noch Betrug am Volk sonst nichts mehr... Time to change
knilch_59 (12.10.2009, 12:09 Uhr)
Der lange Schatten Gerhard Schröders ?
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Da gab es einmal einen Kanzler, der durch rigoroses Durchregieren und Selbstherrlichkeit eines schönen Wahlabends eines großen Bundeslandes eine verabredete Koalition aufkündigte, indem er die Vertrauensfrage stellen und Neuwahlen erzwingen wollte. Und das, ohne seinen Koalitionspartner zu fragen. Damit zwang er den kleineren Bündnispartner sich die Frage zu stellen, inwieweit man der Bündnistreue seiner Partei glauben schenken kann.
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Es war Schröder, der nach der letzten Wahl in NRW ROT/GRÜN als Modell beerdigte und die Grünen dazu brachte, darüber nachzudenken, inwieweit und wo man denn anderweitig auf Brautschau gehen könnte. Es spricht für die Lernfähigkeit des Realo-Flügels der Grünen, diesbezüglich die Hausaufgaben gemacht zu haben. Und ? zumindest Stand heute ? spricht doch einiges dafür, dass im Saarland sogar unter einem CDU-Ministerpräsidenten und mit FDP-Beteiligung in Zukunft jede Menge grüner Ideen verwirklicht werden können.
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Was kann der echten Grünen-Basis denn besseres passieren, als das ökologisches Gedankengut auch stehende Politik im reaktionären Lager wird. Wenn es um Politik statt Pöstchen geht, ist doch der eigenen Sache besser geholfen, wenn alle anfangen diese Karte zu spielen. Keine Totschlagargumente wegen der angeblichen Gefährdung von Arbeitsplätzen mehr, aufbrechen der Lager, ?
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Ich finde den Gedanken spannend, aber trotzdem richtig, dass es in Zukunft keine Leihstimmenkampagnen und Wahltaktik mehr geben soll: Man wählt die Partei um deren Programm willen, nicht um deren Koalitionsabsichten; keine Leihstimmen mehr, sondern jeder für sich! So war das im Grundgesetz und den Landesverfassungen mal gedacht: Kanzler und MinPräs werden ausdrücklich nicht vom Volk gewählt, sondern vom Parlament ? auf der Basis von Koalitionen, die sich ausdrücklich erst nach der Wahl als möglich herausstellen. Dabei gibt es sicherlich Präferenzen, aber keine Aussschlusseritis (auch eine SPD-Erfindung). Es bleibt das Verdienst der SPD, nach den Bundestagswahlen 2005 die mögliche linke Mehrheit ausgeschlagen zu haben und in die Große Kopulation eingestiegen zu sein. Die Grünen haben sich das gemerk(el)t und dementsprechend jetzt richtig gehandelt. Auch das gehört zum langen Schatten von Gerhard Schröder, dem Zeremonienmeister der Selbsthinrichtung der SPD!
nds-universal1909 (12.10.2009, 12:01 Uhr)
Schön Frau Nahles, dass Sie immer...
... eine Person oder eine Sache finden, die am Disaster der SPD Schuld ist.
Einfach jeden Tag in den Spiegel schauen, dann sehen Sie auch eine richtige Person für Fehler Ihrer Partei.
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