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"Geld allein macht auch nicht glücklich"

Jörg Asmussen gibt seinen hochdotieren Job als Eurobanker auf und kehrt als Staatssekretär nach Berlin zurück. Im stern erzählt er, warum: wegen seiner Töchter.

Von Andreas Hoidn-Borchers und Andreas Hoffmann

  Von Frankfurt nach Berlin, von der EZB in die Politik - und damit wieder näher an seine Familie heran: Jörg Asmussen

Von Frankfurt nach Berlin, von der EZB in die Politik - und damit wieder näher an seine Familie heran: Jörg Asmussen

Kurze Rückblende, in den Juli, die Tage der Frauenfußball-EM. Da konnte man Jörg Asmussen mitten in der Woche am frühen Abend in Berlin treffen, auf einem Zwischenstopp auf seiner permanenten Tour von Frankfurt nach Brüssel nach Athen nach … Jeans, offenes Hemd, gute Laune. Er sah nicht aus wie einer, der im Direktorium der Europäischen Zentralbank sitzt. Aber er konnte einem sehr gut und konzise erklären, wie es weiter gehen würde mit dem Euro, mit Griechenland, mit den Hilfszahlungen. Er kann das wie wenige andere in Deutschland. Ab und zu guckte er auf die Uhr. Er hatte versprochen, pünktlich zu Hause zu sein, bei seinen beiden kleinen Töchtern im Prenzlauer Berg. Auf der Couch lümmeln. Halbfinale gucken. Ein schöner gemeinsamer Abend. Familienleben eben.

Nur, für Asmussen, den Vielflieger und Dauerpendler, war es eine Art Feiertag, eine viel zu seltene Ausnahme. Seit er im Oktober 2011 in die EZB-Spitze entsandt worden war, führte er ein Leben als Teilzeitvater, maximal. Unter der Woche war er weg, an den Wochenenden nicht immer daheim, sondern auf einem Treffen der G 20 oder dem Ecofin. Er ließ es sich nicht anmerken, aber es zehrte an ihm. So wollte er eigentlich nicht leben. Ende des vergangenen Jahres hat er die Konsequenzen daraus gezogen und ist einen ungewöhnlichen Schritt zurückgegangen. Zurück nach Berlin – und zurück in die Position, die er vor seinem Wechsel innehatte. Er ist jetzt wieder nur Staatssekretär. Nur das Ministerium ist ein anderes. Nicht mehr Finanzen, sondern Arbeit und Soziales. Er soll das Riesenressort für seine Parteifreundin Andrea Nahles organisieren und die internationalen Beziehungen pflegen.

Ein Rückschritt - der Familie zuliebe

Es ist eine Entscheidung, die Männer nicht oft fällen. Ein bewusster Karriererückschritt – zugunsten der Familie. "Vorneweg ging es um die beiden Töchter", sagte Asmussen jetzt in einem stern-Interview. "Das Gesamtpaket aus Beruf und Privatem ist einfach besser. Wenn man pendelt, nimmt man nicht regelmäßig am Familienleben teil. Man ist einfach raus." Um wieder rein zu kommen, nimmt der 47-Jährige ordentliche finanzielle Einbußen in Kauf. Er verdient rund 150.000 Euro pro Jahr weniger als bei der EZB. "Ja, ich verzichte auf viel Geld", sagt Asmussen. Aber: "Geld allein macht echt nicht glücklich." Außerdem könne man "auch von einem Staatssekretärsgehalt sehr, sehr gut leben".

Zumindest dürfte es Asmussen jetzt nicht mehr passieren, dass er "am eigenen Geburtstag im möblierten Appartement aufwacht und Müsli mit H-Milch frühstückt, weil der Kühlschrank nichts anderes hergibt". Das fand er "einfach doof". Natürlich werde er auch im neuen Job "weiter hart arbeiten". Aber eben auch "normal am Leben meiner Kinder teilnehmen". Ob ihn andere nun "für ein Vorbild oder einen Vollidioten halten", ist ihm "total wurscht. Ich bin mit mir im reinen." Zu seinen großen Projekten im Arbeitsministerium zählt deshalb neben Mindestlohn und den Änderungen an der Rente auch der Versuch, die Arbeitswelt familienfreundlicher zu gestalten. Für sich selbst hat Jörg Asmussen das fürs Erste ganz gut hingekriegt. Die Fußball-WM der Männer dürften die "Minis", wie er sie nennt, im Sommer wohl öfter mit Papa auf der Couch verfolgen.

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