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21. Februar 2008, 08:26 Uhr

"Auch Gefängnis wäre angemessen"

Die Steueraffäre um Postchef Klaus Zumwinkel stößt auch der CDU zunehmend sauer auf. Es sei ein "verheerender" Vorgang, sagte der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm zu stern.de. Deshalb seien auch Gefängnisstrafen für die Steuersünder angemessen. Von Hans Peter Schütz

Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm hält Gefängnisstrafen für Steuersündern für angemessen© Michael Urban/ DDP

In der CDU wächst das Entsetzen über die Steuerhinterziehungs-Affäre Zumwinkel. Wenn am Ende der Aufklärung nicht nur Geldstrafen für die Beteiligten stünden, sondern auch Gefängnis, dann "ist das angemessen". Was da geschehen sei, "ist kein Kavaliersdelikt". Diese Position vertrat im Gespräch mit stern.de der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm, der zum konservativen Flügel der CDU zählt.

Schönbohm sprach im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Steuerfahndung gegen mehrere hundert Verdächtige in der Bundesrepublik von einem "verheerenden" Vorgang. Schönbohm: "Es ist deswegen verheerend, weil dieser Betrugs- und Steuerhinterziehungsvorwurf zusammen fällt mit einer Diskussion, dass jene Teile der Bevölkerung unter uns, die regelmäßig zur Arbeit gehen, die regelmäßig Steuern zahlen, die fleißig sind, sich sozusagen immer oberhalb des Mindesteinkommens oder an der Obergrenze Mindesteinkommen bewegen...das Vertrauen nach oben verlieren." Dann gehe verloren, was unsere Gemeinschaft ausmacht. In diesem Zusammenhang spiele auch der Gedanke der Leitkultur eine Rolle, betonte Schönbohm. Es sei dabei wichtig, dass die Eliten "vorbildhaft" sein müssten.

"Möglicherweise Freiheit entziehende Maßnahmen"

Mittelfristig fordert Schönbohm, dass überlegt werden müsse, wie "das deutsche Steuerrecht auch mal so geändert wird, dass es gerechter wird und dass dann auch tatsächlich alle Steuern zahlen". Auf die Frage, ob denn Steuerhinterzieher im großen Stil nicht ebenso hinter Gitter gehörten wie die zwei Jugendlichen, die in der Münchner U-Bahn einen Rentner fast tot geprügelt hatten, antwortete Schönbohm: Es kann sein, dass man bisher zu schnell zu einer Vereinbarung gekommen ist, gegen Zahlung einer hohen Geldbuße den Sachverhalt nicht weiter zu verfolgen." Er erwarte allerdings am Ende der juristischen Aufarbeitung der Affäre "möglicherweise Freiheit entziehende Maßnahmen".

Im Zusammenhang mit dem Thema Jugendkriminalität, um das es zuletzt sehr ruhig geworden ist, kündigte Schönbohm in seiner Funktion als Vorsitzender der Innenministerkonferenz an, dass Ende April entsprechende Vorschläge gemacht werden, um das Problem zu lösen. Seiner Meinung nach ist "die Jugendgewalt zu hoch und die Jugendkriminalität auch".

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
ganzbaf (22.02.2008, 09:30 Uhr)
Bist eben ein...
voll kasser Durchecker. Was soll ich dir da noch groß vormachen?... ;-P
.
Aber, bist du jetzt auch für die vollumfängliche Direktdemokratie, oder nich?
;-DD
ganzbaf (21.02.2008, 12:28 Uhr)
Wer von Eliten spricht....

meint in der Regel doch nur sich selbst... ;-P
Eliten halten sich für sauschlau und unersetzlich. Dabei erklären sie sich praktischerweise gleich selbst zu deren Angehörigen. (Also ungefähr so, wie ein Halodri...;-))
Aufgrund dieser "Selbsteinschätzung", bzw. Übwerschätzung fordern sie dann Privilegien, Sondertstatus, Besserbezahlung und Besserstellung, alles Dinge, die einem fortschrittlichem Demokratiegedanken zuwiederlaufen. Zumal diese selbsternannten Eliten erwiesenermaßen noch nie etwas auf Dauer Positives erschaffen haben...
;-PP
bernie-abg (21.02.2008, 12:21 Uhr)
Bei all dem...
...herumlamentieren der Politiker, darf man nicht vergessen, daß diese höchstens darüber sauer sind, daß ihr schönes "System" mal wieder öffentlich geworden ist.
Halodri73 (21.02.2008, 12:17 Uhr)
Lieber Ganzbaf,
langsam wirste langweilig.
Eine Demokratie kommt ohne Eliten gar nicht aus. Das, was du beschreibst, ist Sozialismus. Nicht Demokratie. Aber in unserem Land darf ja jeder seine Meinung haben. Auch du. Das ist ja das schöne daran...
:-)
Zum Thema:
ich finde auch, daß empfindliche Geldbußen und saftige Aufschläge auf die Nachzahlungen die Steuersünder a) viel härter treffen ( nämlich am Geldbeutel) und b) der Allgemeinheit zu gute kommen. Mit dem Geld kann man ja mehr Platz für Gewaltverbrecher im Knast schaffen, von denen auch ich mich deutlich eher berdroht fühle, als von Steuersündern.
ganzbaf (21.02.2008, 11:50 Uhr)
Eliten sind IMMER Abzocker.

Und eine Diktatur ist die Reinform des Elitegedankens!
Eine Demokratie kommt aus der Mitte und lehnt das Elitewesen ab.
FlyingDutchman (21.02.2008, 11:28 Uhr)
Der Staat sollte sich an die eigene Nase fassen.
Erst durch die Spendenaffaire sind doch Schwarzgeldkonten richtig in das öffentliche Bewusstsein getreten. Die muntere Verwendung von Ander- Neben- und Schwarzgeldkonsten durch Staatsvertretern, die schliesslich alle in diesen Parteien organisiert sind, hat ausser einem blauen Auge keine Konsequenzen für die Politiker gehabt. Wundert sich denn dann wirklich noch ein Politiker wenn konsequenterweise dieses Handeln in weite Gesellschaftsschichten einzieht und fast schon zum Regelfall wird.
Ist von damals einer von denen ins Gefängniss gegangen. Wird heute auch nur ein im Aufsichtsrat einer Landesbank sitzender Politiker für die dort herrschende Inkompetenz und Verschwendungssucht belangt werden? Aber all das wird keinen unserer Politiker nicht davon abhalten den ersten Stein zu werfen.
Clemens1964 (21.02.2008, 11:26 Uhr)
wenn auch nur einer
der steuerhinterzieher in dieser affäre ins Gefängnis wandert, fresse ich 15 besen.
undjetztnochder (21.02.2008, 11:25 Uhr)
Verhältnismäßigkeit
Also, ich findes es nicht in Ordnung, dass man bei jedem erdenklichen Vergehen gleich nach Gefängnis ruft, auch wenn´s populär klingt. Heute die Steuerhinterzieher, morgen die Schwarzfahrer, übermorgen die Falschparker... irgendwann wir alle. Natürlich müssen Gesetzesübertretungen bestraft werden, aber eben verhältnismäßig. Und so lange bei uns Vergewaltiger, Schläger, Triebtäter, Räuber und Einbrecher mit Bewährungsstrafen davon kommen (vor diesen Typen fühle ich mich persönlich viel mehr bedroht als von Steuerhinterziehern, Schwarzfahrern oder Falschparkern), finde ich es reichlich übertrieben Steuerhinterzieher gleich in den Knast zu stecken. Besser Steuer nachzahlen + saftige Geldstrafe, dann haben wir alle etwas davon.
ThomasA (21.02.2008, 11:14 Uhr)
wirkliche Strafe
atetzlaf den Beginn deines Beitrages finde ich gut, dann leidet aber leider etwas die Wortwahl.
Grundsätzlich sollte jeder nach dem Gesetz gelich behandelt werden.
Ein freikaufen finde ich auch nicht gut.
Es wäre gewiß eine Strafe in das Gefängnis einzurücken und zwar
- ohne offenen Vollzug
- in einer Zelle wie jeder Ottonormalverbraucher
- und vielleich sogar noch ein bisschen Tütenkleben
Das würde bestimmt zum nachdenken anregen
atetzlaf (21.02.2008, 11:03 Uhr)
Relativitäten
Die aktuelle Handhabe führt zu dem Paradoxon, dass Subjekte die aus reiner Gier dem Fiskus Geld vorenthalten, jedoch genug hiervon haben, sich duch die Selbstanzeige und nachträgliche Begleichung von jeder Schuld freikaufen können.
Während Schummler aus Not, oder auch Unwissenheit bei Bruchteilen des absoluten Wertes in den Bau wandern.
Diese Art der Gesetzgebung können sich nur Schmarotzer ausgedacht haben.
Kapitalismus halt...
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