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29. Oktober 2009, 14:34 Uhr

Ohne klaren Kurs

Länder und Kommunen revoltieren zu Recht gegen die schwarz-gelbe Steuerpolitik aus Berlin. Denn sie müssen den Kopf hinhalten, wenn das Geld für Kindergärten, Polizei und Schulen fehlt. Von Hans Peter Schütz

Deutschland, Regierung, Koalition, Schwarz-Gelb, Merkel, Westerwelle, Schäuble, Schulden, Schuldenbremse, Schuldenabbau, Neuverschuldung, Durchregieren, Finanzpolitik, Landtagswahlen, Wachstum, Steuersenkungen, Staatshaushalt, Kanzlerin,

Will bis Mitte 2010 rumeiern: Finanzminister Wolfgang Schäuble© Robert Schlesinger/DPA

Ab wann wird denn jetzt schwarz-gelb regiert? Wenigstens irgendwie regiert, das Wörtchen durchregieren wagt man bereits nicht mehr zu gebrauchen. Vor der Wahl war allenthalben groß die Rede von überfälliger Belebung des Wachstums. Von Steuersenkungen, von energischen Anstrengungen zur Sanierung des Staatshaushalts.

Und jetzt wird rundum geeiert. Die Kanzlerin scheint sich kaum noch daran erinnern zu können, was zu diesen Themen im Koalitionsvertrag immerhin vage verankert wurde. Ihre neue finanzpolitische Wunderwaffe Schäuble verlegt den Handlungstermin erst mal auf Mitte 2010. Flugs verwandeln sich die versprochenen Reformen im Kampf gegen Wirtschafts- und Finanzkrise in wohlfeile Absichtserklärungen. Nur keine klare Linie erkennen lassen, sich ja nicht so festlegen, dass man irgendwann des Wortbruchs überführt werden könnte.

Aber die finanziellen Löcher sind unübersehbar da. Jenes der Arbeitslosenversicherung wird wachsen, das des Krankenversicherungssystems ebenfalls. Irgendwo im neuen Bundeshaushalt muss gespart werden. Dass jetzt erst einmal damit gewartet wird, um bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen keine Wähler zu vergraulen, liegt auf der Hand. Auf keinen Fall und um keinen Preis will Schwarz-Gelb die Bundesratsmehrheit gefährden. 2011 wird dann in Baden-Württemberg gewählt. Und so weiter, und so weiter.

Eine Hand spendiert, die andere Hand nimmt

Der politische Ansatz stimmt einfach nicht. Milliarden-Defizite vor allem mit Steuersenkungen bekämpfen zu wollen, ist ein finanzpolitisch unsinniger Weg. Geradezu von politischer Trickserei muss man sprechen beim Blick auf den Versuch der neuen Regierenden in Berlin, die lauthals versprochenen Steuersenkungen zu Lasten der Länder und Kommunen zu realisieren. Wird von Berlin die Einkommensteuer gesenkt, sinken auch ihre Einnahmen, denn die Länder bekommen 42,5 Prozent und die Kommunen 15. Und dabei stecken sie bereits jetzt tief in den roten Zahlen. Und die Tendenz für die nächsten Jahre ist eindeutig: Bergab bei den Steuereinnahmen. Wird die Erbschaftssteuer herunter gefahren, trifft dies die Länder sogar alleine. Die Gewerbesteuereinnahmen werden ebenfalls unter dem Druck der weit reichenden Kurzarbeit zurückgehen.

Schon jetzt befürchten Länder und Kommunen zu Recht, dass die politischen Aktionäre im Bundestag sich mit Steuersenkungen schmücken wollen, für die sie dann bei den Bürgern den Kopf hinhalten müssen. Dann nämlich, wenn das Geld nicht mehr für Kindergärten, Polizei, Schulen und Straßenbau in den Gemeinden reicht. Das gesamte öffentliche Auftragswesen würde durch die Umsetzung der versprochenen Steuerpläne blockiert. Sollen denn die kommunalen Unternehmen künftig tatsächlich Mehrwertsteuer bezahlen, um der vollen Pleite der Stadtkassen irgendwie vorzubeugen? Spätestens dann werden die Bürger merken, dass ihnen mit der einen Hand sofort wieder genommen wird, was die andere angeblich großzügig spendiert.

Zu dem Eindruck, dass die neue Koalition ihre Geschäfte in dieser wichtigsten politischen Frage der Zukunftsbewältigung nur matt und schlapp antritt, passt dann auch haarfein, dass der neue Finanzminister Schäuble offenbar mit all den Beamten weitermachen will, die die Republik zu Steinbrücks Zeiten so in die Schulden geführt haben. Von Schuldenabbau verstehen die nichts, aber vom Schuldenmachen.

Von Hans Peter Schütz
 
 
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Hans-Ulrich Jörges Kanzlerin
KOMMENTARE (9 von 9)
 
pitiplatsch (31.10.2009, 07:28 Uhr)
Lieber Herr Schütz
was ist an der Politik nicht glasklar ?? wir Sklaven werden verarscht die Steurn gehen nicht runter dafür die Gebühren und Abgaben rauf ! Also für mich ne glasklaren Politik der Verarsche und Lüge, wie gehabt Charakterlos Lobbyistenhörig und Mafiös also Glasklar.
utospatz (30.10.2009, 22:06 Uhr)
Hat jetzt endlich jeder sein Kreuzchen
überprüft? Die Flugbereitschaft der Bw hat Ausgangsverbot, denn das Mitteilungsbedürfnis von Angela ist der Weltenbürger frisches Brot! Da in diesem Lande nix zu schaffen ist, flieg mit Bw ins Ausland Ich. An meiner Seite Schwesters-Schwelle, der kann englisch gelle? Selbst chinesen weden mich nicht meiden, hab ich doch einen Gelben zu meinen Seiten!
Selbst dem letzten Hartz-Puff-Empfänger wird bewusst, unsere Angela schafft mit weiter Brust ganz unbewusst meine neue Arbeitsstelle Steuergelder für meine Babywindeln bringt per Luftpost mittels Bw
bringt sie locker unter, was soll das ganze Geschrei und sonstiger christlicher Plunder?
maxstuttgart (29.10.2009, 21:36 Uhr)
Willkommen im Schwarz-Gelben-Niemandsland
Vor der Wahl wurden die Banker und Zocker von den Börsen und Co. an den Branger gestellt! Jetzt haben wir eine Regierung die sich nicht wirklich anders verhält - Sie zockt mit der Zukunft unserer Jugend! Wenn sie sich verzocken dürfte der Schaden größer sein als nach dem 2. Weltkrieg lediglich in Friedenszeiten.
auwei (29.10.2009, 17:10 Uhr)
@Malt
...und 48 Prozent von 70 Prozent der Passagiere hätten "Go!" geschrieen. Was lehrt uns das? Dummheit bzw. Blindheit ist keine Frage von Hierarchie oder Demokratie, im Zweifel muss man da einfach durch - wir sehen uns auf dem Meeresgrund.
Malt (29.10.2009, 16:57 Uhr)
Die jetzige Regierung....
...hätte als Besatzung der Titanic bei der Sichtung des Eisbergs nicht versucht auszuweichen, sondern Merkel hätte dem Maschinenraum "Volldampf" befohlen....
knilch_59 (29.10.2009, 16:52 Uhr)
Die Beamten im Finanzministerium sind nicht das Problem,
sondern der fehlende POLITISCHE WILLE den Bürgern einen Weg aus der Schuldenwirtschaft aufzuzeigen. Dabei muss man Steinbrück und seinen Leuten eine Lanze brechen: die waren dem strukturell ausgeglichenen Haushalt näher als jede andere Mannschaft in den 35 Jahren zuvor. Nur deren Einschätzung, dass das noch nicht die fetten Jahre gewesen sein sollten, war falsch. So hat man eben nicht genug gespart, so dass die jetzt folgenden mageren Jahre voll durchschlagen.
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Der Fisch stinkt vom Kopf, also von unserem Kanzlerwesen (m/w). Immer noch gilt die Fiktion eines durchschnittlichen realen Wirtschaftswachstums von 2% p.a. als politische Marschrichtung, dabei liegt das durchschnittliche Wachstum, bereinigt um die zunehmende Staatsverschuldung, schon seit 30 Jahren unterhalb dieser Schwelle. Und Frau Dr. Merkel entblödet sich erneut als Allheilmittel herauszugeben, dass die deutsche Wirtschaft auf den Pfad des Wachstums zurückzuführen ist, um damit alle Probleme zu lösen.
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Anders herum wird ein Schuh daraus: würde diese unsinnige Vorgabe fallen gelassen und entsprechende Denkverbote beseitigt, würde dem Beamtenapparat durchaus etwas einfallen dürfen, wie man den Staat entschuldet. Aber so gilt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, denn das Volk hat gerade erst gesprochen: bei einer Wahlbeteiligung von rund 2/3 haben wir mehrheitlich beschlossen, dass unsinnige Konzepte zum Regierungshandeln zu werden haben.
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Im Gegensatz zu dem, was uns CSU und FDP glauben machen möchte, sind noch längst nicht alle Bürgerinnen und Bürger dieses Staates derart von der Steuer erwürgt, dass nur noch dünne Suppe auf den Tellern landet: Die Sparquote ist auf historisch hohem Niveau bei 11,2 %: trotz Abwrackprämie und anderen, angeblich Konjunktur belebenden Maßnahmen wird derzeit mehr gespart als vor der Krise. Bedeutet, dass die Bürgerinnen und Bürger trotz oder wegen alldem immer noch im Durchschnitt (!) von jedem Euro, den sie netto haben, weniger als 90 cent ausgeben MÜSSEN. Wenn die rund 10% im Dunstkreis von Hartz-IV nicht sparen dürfen und weitere 10% nicht sparen können, würde das bedeuten, dass die restlichen 80% der Bevölkerung eine Sparquote von 15% abbilden. Und die wollen jetzt gerne weniger Steuern zahlen? Gut 80% sind eine respektable Mehrheit. Aber es ist Zeugnis der Unfähigkeit unserer Politiker, dieser Mehrheit nicht ernsthaft ins Gewissen reden zu wollen.
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In der alten Feudalherrschaft ging das Volk in Lumpen, damit der Staat glänzen konnte. Wäre es wirklich eine Auszeichnung für die Demokratie, wenn es jetzt umgekehrt sein MUSS?
auwei (29.10.2009, 16:50 Uhr)
Ganz ehrlich
...ist mir lieber, schwarz-gelb (durch-)regiert NICHT wie im Artikel gefordert. Angesichts der (Wunsch-)Vorstellungen der Koalition, insbesondere der FDP, wie z.B. die Kopfpauschale, das Bürgergeld, die Steigerung der Sozialabgaben bei gleichzeitiger Steuerentlastung der Besserverdienenden und Schleifen von Arbeitnehmerrechten kann das Regieren nur noch unangenehmer werden als das Nicht-Regieren.
butcher99 (29.10.2009, 16:36 Uhr)
alles unter
dem Slogan: Chaos verlass mich nicht
hardius (29.10.2009, 16:11 Uhr)
Auch die neue Regierung ...
kann sich drehen und wenden wie sie will:
Der A..... (das Gesäß) bleibt immer hinten!
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