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10. November 2009, 13:38 Uhr

Worthülsen en masse

Wie sieht die Politik von Schwarz-Gelb aus? Wer sich von der Regierungserklärung konkrete Antworten erhofft hatte, wurde enttäuscht. Angela Merkel bleibt bei ihrer Vernebelungstaktik. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Sprach und sagte wenig: Kanzlerin Angela Merkel bei ihrer Regierungserklärung© Axel Schmidt/DDP

Der Kanzlerin zu applaudieren, fiel vielen offenbar nicht leicht. Als Angela Merkel ihre Regierungserklärung beendet hatte, leisteten viele Abgeordnete von CDU, CSU und FDP erkennbar eine Pflichtübung. Wieder einmal hatten sie eine Kanzlerin erlebt, erleben müssen, die sie seit langem kennen: Eine Stunde geredet, wenig gesagt.

Weshalb denn nur? Weshalb erfuhr man nichts Neues über die große Linie ihrer Politik der nächsten vier Jahre? Und weshalb wurde von ihr dem Bundestag nichts geboten, was über die Blässe und Vagheit der Koalitionsvereinbarung hinausreicht?

Angela Merkel ist doch überzeugend als Kanzlerin wiedergewählt worden; nicht so mit Ach und Krach wie 2005. Mit der FDP hat sie den erklärten Wunschpartner an ihrer Seite. Aus der Union heraus drohen ihr keine inneren Machtkämpfe mehr; die CDU-Ministerpräsidenten sind auf brave Gefolgschaft geknüppelt. Die Wiederwahl hat ihre Autorität in der Union erheblich gestärkt. Die CSU muss sich künftig mehr an ihrem Vorsitzenden reiben, denn die CDU-Vorsitzende ist mittlerweile aus der realpolitischen Reichweite der bayerischen Schwesterpartei entrückt. Es gibt somit keinen Grund, weshalb die Kanzlerin sich so konsequent darüber ausgeschwiegen hat, wie die Wege konkret aussehen werden, auf denen sie zu den in ihrer Regierungserklärung genannten Zielen kommen will.

Regierungserklärung ohne Präzision

Gut, sie hat uns die bei früheren Kanzlern üblichen Machtworte erspart, mit denen der Republik mitgeteilt wurde, entscheidend sei doch nur, "was hinten rauskommt". Wohltuend auch, dass sie ohne das Wörtchen "Basta" in der Politik auskommt. Und zu loben ist Merkel dafür, dass sie auf jegliche Schönfärberei bei der Beschreibung der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Gesamtlage verzichtet hat. Insofern gab sie die pragmatische Kanzlerin, wie wir sie kennen. War die Regierungschefin der kleinen Schritte.

Aber: Die Wähler haben sie vor allem im Vertrauen auf ihre bedachtsamen Blicke in die Zukunft gewählt. Weil sie beim Blick auf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise nicht in programmatische Philosophie geflüchtet ist. Umso enttäuschender ist, dass sie jetzt an keinem Punkt über die vernebelnd geschriebene Koalitionsvereinbarung hinausging. Die einleitend in ihrer Rede versprochene schonungslose Analyse der Lage des Landes blieb beim Blick auf die zu erwartenden Konsequenzen ohne jede Präzision.

Nichts Neues von der Kanzlerin

Nichts war dazu zu hören, wie die versprochenen Steuergeschenke auf Pump irgendwann bezahlt werden sollen. Nichts Genaues erfuhr man, wie die Kanzlerin die Banken wieder in eine dienende Funktion für die Wirtschaft zwingen will. Die Einführung einer Börsenumsatzsteuer kam über eine vage Andeutung nicht hinaus. Was wohl ihre Wähler mit dem hohl dröhnenden Versprechen anfangen, sie werde jedem Bürger die Chance auf ein selbst bestimmtes Leben eröffnen? Das vom sich rapide verändernden Altersaufbau der Gesellschaft bedrohte soziale Sicherungssystem soll entwickelt werden. Wie genau, darüber erfuhr man nichts.

Und vollends in den Untiefen unehrlicher politischer Behauptungen lief die Kanzlerin auf, als sie die "Bildungsrepublik" Deutschland propagierte. Wer Eltern eine Geldprämie bezahlt, damit sie ihre Kinder zuhause halten, vernichtet den Kindern die Chancen auf eine Bildung, von deren Erträgen sie künftig vernünftig leben können. Nichts Neues war zu hören, wie künftig ein Gesundheitssystem aussehen und finanziert werden soll, das weiterhin das Prinzip der Solidarität aller Bürger hoch hält. Und wie kann das versprochene "nachhaltige Wachstum, das die Umwelt im Blick hat", erreicht werden, wenn man als Erstes die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängert?

"Freiheit in Verantwortung" verspricht diese Regierungserklärung. Diese Überschrift ist so rätselhaft wie ihr gesamter Text, der aus Worthülsen en masse besteht.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
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Frau Merkel Krise
KOMMENTARE (10 von 27)
 
VolkerRockel (11.11.2009, 14:05 Uhr)
Statt barrierefreier Politik, wiedern nur eine Luftnummer!
Jeder rational und verantwortlich handelnde Politiker müßte in der jetzigen Phase der Finanz- u. Wirtschaftskrise, Auge in Auge mit der nun zwangsläufig folgenden Sozialkrise, doch eigentlich sagen:

"Deutschland, wir haben ein Problem! Wir sind als Politiker nicht ganz unbeteiligt daran, dass die Finanz- u. Wirtschaftskrise in unserem Land so eskaliert ist. Wir müssen leider zugeben, dass wir bestimmte Entwicklungen nicht hinreichend überschaut haben und daher in der Vergangenheit auch nicht, wie wir jetzt wissen, immer die richtigen Entscheidungen getroffen haben!- Um eine weitere Verschärfung der Krise auszuschließen und absehbar die Folgen der Finanz- u. Wirtschaftskrise bewältigen zu können, bedarf es nicht nur der Ausschöpfung aller unserer zur Verfügung stehenden Möglichkeiten um die Konsequenzen für die Menschen in diesem Land abzufedern, sondern - ob der erkannten Ursachen - einer grundsätzlichen tiefgreifenden Neuausrichtung unserer sozialen Marktwirtschaft.

Die damit verbundenen Fragen können absehbar nicht allein durch die Politik beantwortet werden. Für das weitere Vorgehen brauchen wir einen Konsens auf allen Ebenen der Gesellschaft in diesem Land!- Wir brauchen daher eine informierte Öffentlichkeit, eine breite Diskussion der möglichen Handlungsalternativen und eine Mitwirkung aller Bürger zur der anstehenden Entscheidungsfindung!"


Das kann doch in einem demokratischen Gesellschaftssystem, wie dem unseren, eigentlich nicht so schwierig sein,- oder?


Die Politik selbst mahnt die fehlende Glaubwürdigkeit der Politik zunehmend an!- Jeder vernünftig denkende Bürger würde das als Selbstkritik der Politik verstehen und als Aufforderung für die Politik, sich diese Glaubwürdigkeit nun auch selbst wieder gegenüber dem Bürger erarbeiten zu müssen!

Nicht aber so die Politik in unserem Lande in ihrer Gesamtheit! Die versteht scheinbar unter dieser Kritik nicht, dass sie selbst das Objekt der Kritik ist, sondern der Bürger der Ihr (der Politik) nicht glaubt!- Mithin ist der Bürger selbst schuld daran, dass die Glaubwürdigkeit der Politik gegenüber ihren Bürgern sich weiter dem Punkte Null nähert!


Und diese verquere Denke führt scheinbar nun, in den Köpfen eines Teils der Politiker, zu gleichsam irrationalem Handeln der Politik gegenüber ihren Bürgern.

Statt nun Offenheit und Ehrlichkeit, im Umgang mit der jetzigen Krisensituation, als Chance zu begreifen um die eigene politische Glaubwürdigkeit gegenüber dem Bürger wieder herzustellen, wird weiter verschleiert und gedeckelt was das Zeug hält.

Bloß nicht zuviel Information an den Bürger, der könnte anfangen selber nachzudenken; der könnte sich tatsächlich ein eigenes reales Bild von der Situation machen. Schlimmer noch, der Bürger könnte begreifen, dass die Politik Fehler gemacht hat?

Mithin könnte der Bürger in die Lage versetzt werden konkrete Fragen zu stellen und konkrete schlüssige und nachvollziehbare Antworten abzuverlangen. Also das abzuverlangen, was die Politik derzeit geneigt ist - scheinbar aus der Furcht - dem Bürger vorzuenthalten: Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit der Krisensituation!


Der Bürger könnte, im Wissen um die Sachzusammenhänge, damit - offensichtlich der Super Gau für einen Teil der Politiker - zum mündigen Bürger werden, der wieder begreift, dass er der Souverän in diesem Staat ist und die Politiker seine Interessen zu vertreten haben;- und sonst gar nichts! (Ich denke, der Begriff "Volksvertreter" hat damit schon noch etwas zu tun!?)


Offenheit und Ehrlichkeit der Politik gegenüber den Bürgern - in der Konsequenz gar ein mündiger Bürger, der seine zukünftigen Wahlentscheidung wieder als konkrete Möglichkeit der aktiven Mitgestaltung von Politik in diesem Lande verstehen würde - dieses wäre gut für dieses Land und für das Demokratieverständnis in diesem Land allemal!


Ich stelle daher auch wieder nach dieser Regierungserklärung fest: Politiker kennen keine Angst! Sie fürchten nur, dass der mündige Bürger vom Himmel fällt oder sie ihr Mandat verlieren könnten!
MBALZ (11.11.2009, 13:58 Uhr)
November-Nebel am Tag nach dem Mauerfallgeschmuse

Mutti der Nation plus Koalition Angie Merkel (Terminologie der Jungen Union) nennt alle Stichworte, die Greenhorns like Westerwelle & Co hören wollten, um nicht in November-Depressionen und unter Traumata des Liebesentzugs zu verfallen. 'Kindergeburtstag für die Wunschkoalitionäre von der FDP', wie das Handelsblatt zutreffend kommentiert. In der Debatte bleibt da aber kein Platz für FDP-Lautsprecher Guido, der übt sich jetzt hingegen in dem, was er für seriöse Diplomatie hält, und in internationalem Small Talk bzw. TV-Talkshows, um us-amerikanisch bestehen zu können. Am besten trifft der Satz von SPD-Steinmeier: "Das war keine Regierungserklärung, sondern ein Rätsel. Und Sie, Frau Merkel, kennen die Antwort auch nicht!"
Max45 (11.11.2009, 11:37 Uhr)
Regierungserklärung
Was haben Sie denn anders von Frau.... Merkel erwartet.!
Wer nichts hat und kann, kann auch nichts sagen!
Und dann verlangen Abgeordnete der Union, dass Reden im Parlament mehr in den Sendern ARD und ZDF übertragen werden.
Nur für schlaf- und verstandgeschädigte nach 22:00 Uhr.
OttoB (10.11.2009, 18:54 Uhr)
Allen Wähler von schwarz/gelb
und den Nichtwählern war das klar und gewollt, ich habe darum anders gewählt.
jps-mm (10.11.2009, 18:25 Uhr)
Untersuchungsausschuss gegen Merkel
Der Schäuble schafft bewußt - mit Billigung der Merkel - ein Klima von Angst und Einschüchterung. Seit 2005 hat sich die Menschenrechtslage in Deutschland - nicht zuletzt durch das BKA-Gesetz - drastisch verschlechtert, die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art werden - mit Billigung der Merkel - unverändert fortgesetzt. Hinzu kommt, dass die Merkel systematisch die Strafverfolgung der dafür verantwortlichen Rechtsbrecher hintertreibt.

In Deutschland sind die Bürgerrechte schon vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt. Und immer noch leugnet die Merkel - wider besseren Wissens - die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen schwerster Art. Dafür sind die Bürger in Leipzig 1989 nicht auf die Strasse gegegangen. Dafür nicht!

Es muss daher sofort ein Untersuchungsausschuss über die Verstrickung der Merkel in die drastische Verschlechterung der Menschenrechtslage eingesetzt werden. Die Merkel hat die Bürger lange genug zum Narren gehalten.
starmax (10.11.2009, 18:20 Uhr)
Es wird fürchterlich
weil die auf uns zukommenden Probleme anwachsen werden bis zum Crash (Goldkaufen! Schreibe ich seit 3 Jahren hier).
Und wir haben eine "Führungs"-Mannschaft von Leugnern, Debattierern, Schönrednern und Statistikfälschern.
Also Camouflage par Excellence. Das Erwachen wird um so schlimmer - nicht umsonst möchte Herr Schäuble die Soldaten gegen das eigene Volk einsetzen (können).
laeppe (10.11.2009, 18:09 Uhr)
Köstlich aber falsch am Platz
auch die Fraktionsführerin der FDP.
Im Gesundheitswesen könnte man sämtliche Schlafmittel
einsparen - es reicht die Übertragung der Rede jeden Abend.
chatahootchee (10.11.2009, 18:07 Uhr)
FORUM DER VERLIERER
Ich darf es wohl sagen, da ich nicht in D zur Wahl gehe: die Mehrheit in D hat anders gewaehlt. Basta.
Der Rest redet sich nur den Frust von der beleidigten Seele.
laeppe (10.11.2009, 18:04 Uhr)
Eine leidenschaftliche überzeugende Rede
sieht etwas anders aus.
Offensichtlich weiss die Murks Truppe selber nicht wie es weitergeht. Beruhigend - es soll Analysiert werden - 15 Ausschüsse sind beschäftigt und es gibt jetzt ein
Wachstumsbeschleunigungsgesetz.
Lafontaine traf den richtigen Ton und
überzeugte.
stern09 (10.11.2009, 17:59 Uhr)
...schonungslose Analyse bedeutet
nicht dass die alten Minister der großen Koaltion etwas zu befürchten hätten, sondern dass alle Bürger, die nicht zu den wachstumsfördernden Schichten gehören, sich auf harte (schonungslose) Einschnitte einstellen müssen.
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