. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
4. April 2008, 07:12 Uhr

Beck hält Steinmeier für einen Gewinner

Seit Monaten sinken die Umfragewerte der Sozialdemokraten, seit Monaten quält sich die Partei mit der Frage, ob sie mit einem Kanzlerkandidaten Kurt Beck eine Chance bei den Bundestagswahlen 2009 hätte. Nun hat Beck gesagt, wer Wahlen gewinnen könnte: Steinmeier. Von Lutz Kinkel, Wiesbaden

Beck (re.) kann sich Steinmeier wohl auch als Kanzlerkandidaten vorstellen© Tim Brakemeier/DPA

Seine Hände zittern. Er knetet sie, steckt sie zwischen die Beine, umklammert die Tischkante, zwirbelt seine Lesebrille. Erst im Laufe des Abends wird Kurt Beck ruhiger. Tom Buhrow hilft ihm. Der Tagesthemen-Moderator soll den SPD-Parteivorsitzenden auf dieser Diskussionsveranstaltung am Donnerstagabend im noblen Firmensitz der Wiesbadener Sektkellerei Henkell-Söhnlein befragen. Das tut er auch. Aber er fragt nicht nach. Buhrow ist ein Charmebolzen, mitunter listig, aber kein Mann, der Kreuzverhöre führt. Beinahe verschämt, als müsste es ihm selbst peinlich sein, notiert Buhrow die schlechten Umfragewerte Becks: Gäbe es eine Direktwahl zum Kanzler, könnte Beck nur mit zehn bis 16 Prozent der Stimmen rechnen. "Glauben Sie, dass Steinmeier Wahlen gewinnen könnte?", fragt Buhrow.

Steinmeier, immer wieder Frank-Walter Steinmeier. Der Außenminister, der Rivale. Ein Mann, der zum konservativen Flügel der Partei gehört und für die Agendapolitik steht. Ein Mann, der im Vergleich zu Beck wesentlich höhere Sympathiewerte in der Bevölkerung genießt. Der aber nie Bürgermeister war, nie Ministerpräsident, der keine Erfahrung besitzt, wie er missmutige, skeptische Menschen begeistern könnte. Wäre dieser Mann also in der Lage, die SPD als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl 2009 zu führen?

"In vino veritas"

Seit Monaten quält sich die SPD mit der K-Frage. Die offizielle Sprachregelung ist, dass Kurt Beck als Parteivorsitzender den ersten Zugriff auf die Kandidatur hat. Dass Kurt Beck seine Entscheidung Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres bekannt geben wird. Währenddessen sinken die Umfragewerte der SPD ins Bodenlose. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa sieht die Sozialdemokraten nur noch bei 23 Prozent, ein katastrophaler Wert, der die SPD des Charakters einer Volkspartei berauben würde. Also verschieben sich die Aussagen von SPD-Spitzenpolitikern zur K-Frage. Zwar nur in Nuancen, aber so, dass neue Perspektiven aufblitzen. Beck werde seine Entscheidung davon abhängig machen, "mit wem die SPD zu diesem Zeitpunkt die größten Chancen hat", sagte Fraktionschef Peter Struck. Hamburgs Spitzenkandidat Michael Naumann brachte eine Urwahl ins Spiel.

Eigentlich muss Beck Buhrows Frage grob abbügeln oder so beantworten, dass die Antwort im Ungefähren verschwindet. Er könnte sagen, dass er seine Entscheidung rechtzeitig bekannt geben werde. Er könnte auch sagen, dass die SPD viele herausragende Führungspersönlichkeiten habe. Er könnte Buhrow für seine List zurechtweisen und die Debatte um die K-Frage gegenstandslos nennen. Aber Kurt Beck macht all das nicht. Er sitzt unter einem riesigen Kronleuchter, der den Marmor und die roséfarbene Galerie dieses Firmenschlosses in einen warmen Schimmer taucht. Auf einem Wappenschild an der Brüstung steht "in vino veritas". Im Wein liegt die Wahrheit.

Beck (nur) für die Seele

Buhrow fragt also, ob Steinmeier Wahlen gewinnen könnte. "Ganz sicher", antwortet Beck. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, laut und vernehmlich. "Die Tatsache, dass man das [also Wahlen, Red.] noch nicht gemacht hat, heißt ja nicht, dass man es nicht kann." Das Publikum, überwiegend Wiesbadener Honoratioren im dunklen Dreiteiler, wirft sich ungläubige Blicke zu. War das wieder so ein spontaner Ausdruck seiner Überlegungen wie seinerzeit auf jenem denkwürdigen Hamburger Abend, als Beck erstmals über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei in Wiesbaden sprach? Hat er wieder, gleichsam en passant, eine Grundsatzentscheidung der Sozialdemokratie kundgetan? Warum spricht er Steinmeier, seinem Konkurrenten, in aller Öffentlichkeit die Fähigkeit zu, Wahlen zu gewinnen?

Führende Sozialdemokraten denken nicht nur darüber nach, mit einem Duo in die Bundestagswahlen zu gehen: Beck für die linke Seele der Partei, Steinmeier für die Wähler in der Mitte. Sie gewöhnen sich bereits an den Gedanken, dass es wohl so kommen wird. Nur diese Kombination verspricht der SPD die höchsten Wahlchancen, nur so lassen sich die Flügel ausbreiten, um endlich wieder abzuheben.

Ein diskretes Geschenk

Buhrow fragt nicht nach. Er lässt die Sätze im Saal stehen. Nach gut eineinhalb Stunden ist alles vorbei. Während des Gesprächs tranken Beck und Buhrow Mineralwasser. Nun stoßen sie mit Sekt an. Zwei Kisten davon laden Bedienstete im Dunkel der Nacht diskret in den Kofferraum eines grauen Audis mit Mainzer Kennzeichen. Es ist Becks Wagen. Womöglich hat er bald Gelegenheit, etwas zu feiern.

Von Lutz Kinkel, Wiesbaden
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
hevosenkuva (05.04.2008, 12:44 Uhr)
B1LD ist beliebter als stern

Jedenfalls laut (verkaufter) Auflagenhöhe.
;-)
ganzbaf (04.04.2008, 12:51 Uhr)
Wowereit ist beliebter als Steinmeierle.

Jedenfalls laut letzter Stern-Umfrage.
;-)
diahel (04.04.2008, 11:45 Uhr)
TYPISCH Beck
Ja das passt ja wieder ganz genau ins charakterliche Bild von Herrn Beck. Bevor er sang und klanglos 2009 nach gescheiterter Kanzlerkandidatur von der politischen Bühne verschwindet, läßt er die anderen den von ihm verbockten Mist auslöffeln. Steinmeier wird genauso scheitern gegen Merkel, dafür ist Sie zu gut etabliert. Steinmeier ist, wie man im Fall Kurnaz gesehen hat auch ein Mensch ohne Rückgrat und ein jemand, der die Dinge so dreht wie er sie braucht. Außerdem ist Steinmeier völlig profillos. Er ist halt kein first sondern immer nur der second gewesen und das merkt man. Wann begreift die SPD endlich, dass Sie von Luschen (Beck) und Augenwischern (Steini) geführt wird. Ich denke, dass der Tod der großen Volkspartei nicht mehr abwendbar ist, auch weil die Geierzwillinge Gysi und Lafontaine schon lange nicht mehr über der Beute kreisen, ondern schon aktiv das Aas für sich beanspruchen ;-)
manesse (04.04.2008, 11:03 Uhr)
Beck soll gefälligst
selbst die Suppe auslöffeln, die er der SPD mit seinem Linksschwenk und seiner Nahles-Hörigkeit eingebrockt hat, und nicht absehbare, von ihm verschuldete Niederlagen dem Herrn Steinmeier anhängen wollen. Beck ist der Kanzlerkandidat, der haargenau das abbildet, was die SPD heute ist: eine provinzielle, miefige, verspießerte, rückwärts gewandte, ideologisch verknöcherte Veranstaltung ohne jeden Sinn für Weltläufigkeit und Kultur.
hevosenkuva (04.04.2008, 10:36 Uhr)
Ergänzung:
da fehlt ein "@nightmare_online" vor dem "Da haben Sie leider in allen drei Punkten völlig recht."
hevosenkuva (04.04.2008, 10:35 Uhr)
Kai Diekmann for Kanzler!
Da haben Sie leider in allen drei Punkten völlig recht. Wenn Angela Merkel eins in der DDR gelernt hat (neben Physik), dann ist es die Umgehung von Entscheidungen und die körperliche Präsenz bei gleichzeitiger Nichtanwesenheit. Oder hat sie das Aussitzen von wichtigen Entscheidungen und Reformen etwa doch von ihrem Ziehvater Helmut Kohl gelernt, dem sie sich auch sprachlich immer weiter annähert? (Hört mal genau hin!)
@kaffeesatz: Auch wenn Sie mit den fehlenden "Vollblutpolitikern" vermutlich recht haben: vielleicht sollten Sie sich die Geschichte des FJS nochmal genauer anschauen, bevor Sie ihn in den Himmel loben. Der hatte mehr Dreck am Stecken als alle anderen zusammen.
Allerdings ist Frank-Walter Steinmeier auch keine gute Alternative, er ist durch seine Zeit als Koordinator der Geheimdienste nicht ganz unbelastet. Auf der anderen Seite, Russland hat ja seinen lupenreinen Demokraten auch aus dem Geheimdienst rekrutiert...
Ich plädiere für Kai Diekmann (B1LD) als neuen deutschen Kanzler. Er hat mit seiner Partei (B1LD) und der CDU gemeinsam schon in den letzten 7 Jahren verzweifelt versucht, seine Schattenregierung (Redaktionskonferenz) durchzuboxen, mit den bekannten Methoden. (vgl.: bildblog.de)
auwei (04.04.2008, 10:29 Uhr)
warum nicht
Beck und Steinmeier - warum nicht? Die Doppelspitze hat mit Schröder und Lafontaine schon einmal zum Erfolg geführt. Die notorische Union wird von der SPD 2009 nicht geschlagen werden können, aber ein geschicktes Abdecken des rechten und linken Flügels kann die Sozen immerhin so stark machen, dass sie schwarz-gelb auch künftig verhindern können. Und das ist definitiv das Wichtigste. Dass Frau Merkel ein an Beliebigkeit kaum zu überbietender Ausfall ist, kann nicht ewig verborgen bleiben - dann ist es gut, wenn personelle Alternativen beim (einzig verfügbaren) Koalitionspartner zur Verfügung stehen.
TR.ISK (04.04.2008, 10:13 Uhr)
Besser nicht...
Wenn man Ehrlich ist so ist die Bundestagswahl 2009 klar eine schwarze Angelegenheit. Die SPD wird wieder nur zweitstärkste Kraft und hinten dran die anderen drei. Ich würde Steinmeier nicht als Kanzlerkandidaten vorschlagen, der jenige der die Kandidatur annimmt wird verlieren.
Bevor ein Kandidat aufgestellt wird sollten vorab Koalitionsvereinbarungen getroffen werden und eine gewisse Rückendeckung für potenzielle Kandidaten. Es ist eine Verschwendung der Energien und der Kosten sich auf eine 40% zu verlassen die, in meinen Augen, benötigt werden zum Gewinn.
Ansonsten gilt nur die Frage Schwarz-Gelb, Jamaica oder Schwarz-Grün.
vegefranz (04.04.2008, 10:01 Uhr)
kein Bedarf für einen neuen Bundeskanzler
ich habe sie nicht geählt, aber Merkel sollte den Job weitermachen. Niemand wird ernsthaft behaupten, daß mit Steinmeier mehr Qualität ins Amt kommt (vom Wahlbetrüger Beck mal ganz zu schweigen)
agaleos (04.04.2008, 09:52 Uhr)
x=B+S=0
Eine passende Formel für für die SPD-Witzfiguren. Bringt nix, kostet den Steuerzahler Milliarden €uronen.
MEHR ZUM ARTIKEL
SPD-Analyse Banges Hoffen auf Franz Müntefering

Die SPD ist entzweit. Die Stimmung in der Partei nahe Null. Die Großen belauern sich. Da sorgt die Spekulation um Franz Münteferings Rückkehr in eine führende Position für noch mehr Unruhe. Kehrt er zurück, könnten die Karten für die K-Frage neu gemischt werden. mehr...

SPD in der Krise Mit uns zog die neue Zeit

Die SPD reiht Wahlniederlage an Umfragetief und erstarrt dabei vor der Linken von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi. Die Krise seiner Partei lässt auch den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement nicht kalt. Er fordert eine Sozialdemokratie mit Mut und Zuversicht. mehr...

stern-Umfrage Beck und Merkel, das ungleiche Duell

Egal, wer für die SPD als Kanzlerkandidat ins Rennen geht: Die Chance, gegen Angela Merkel zu gewinnen, bleibt gering. Nach der neuesten Forsa-Umfrage im Auftrag des stern legt die SPD zwar um einen Prozentpunkt auf 23 Prozent zu. In einer Direktwahl zwischen Parteichef Kurt Beck und der Kanzlerin würde sich jedoch nur noch jeder zehnte Deutsche für ihn entscheiden. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe