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Ein Heimspiel für Mutti Merkel

Sie gab 75 Minuten die brave Politikberaterin. Angela Merkel kam unbeschadet durch die ARD-Sendung "Wahlarena" und tat das, was sie am besten kann: ihre Politik gelassen und selbstbewusst erklären.

Von Hans Peter Schütz

  Angela Merkel - natürlich mit der Rauten-Haltung ihrer Hände - mit Andreas Cichowicz (NDR, l.) und Jörg Schönenborn.

Angela Merkel - natürlich mit der Rauten-Haltung ihrer Hände - mit Andreas Cichowicz (NDR, l.) und Jörg Schönenborn.

Wer sich am Montagabend vor den Fernseher setzte, um die Bundeskanzlerin zu beobachten, wie sie sich im Frage-Antwort-Spiel mit ihren Wählern schlug, durfte die Augen nicht schließen: Er hätte sonst leicht auf den Gedanken kommen können, versehentlich nicht die Übertragung aus der Mönchengladbacher "Kunstwerkhalle" eingeschaltet zu haben, sondern das Aktuelle Sportstudio mit dem bekannten Schießen auf die Torwand.

Aber nicht der ihr gut bekannte Uli Hoeneß von Bayern München war aktiv, sondern Angela Merkel selbst erzielte jede Menge Treffer. Nach jeder Frage klatschten die dort versammelten 200 Wahlbürger fleißig Beifall, und jede ihrer Antworten wurde ebenso mit Applaus bedacht. Fußballerisch betrachtet hat die Bundeskanzlerin das Spiel haushoch gewonnen: Sagen wir etwa 20 zu 1.

In argumentative Nöte bei der Erklärung ihrer bisherigen politischen Entscheidungen kam sie so gut wie nie bei dieser Befragung durch den politischen Otto Normalverbraucher - mit einer einzigen Ausnahme. Da ging es um die Frage, warum gleichgeschlechtliche Paare nicht ebenso Kinder adoptieren dürften wie ein Ehepaar aus Mann und Frau. Zunächst stammelte Merkel leicht verlegen den Satz: „Ich bin gegen Diskriminierung“. Dann schien ihr bewusst zu werden, dass sie damit die Erwartungen ihrer konservativen Zuhörer enttäuschte und bezog klar und deutlich Stellung: „Ich tue mir schwer mit der völligen Gleichstellung.“ Und fügte in aller Klarheit hinzu: „Ich bringe keinen Gesetzentwurf mit der völligen Gleichstellung in der Frage von Adoptionen ein.“

Der Name Peer Steinbrück fiel nicht

Bis auf diese Frage war alles andere ein politisches Kinderspiel für die Kanzlerin, die sich in einem magenta-roten Jackett und einer Schland-Halskette wie im TV-Duell mit Peer Steinbrück präsentierte. Die Fragen der Zuschauer waren auch sehr viel angenehmer als die, die der SPD-Konkurrent der Kanzlerin gestellt hatte. Der kam im Übrigen in den 75 Minuten nicht vor. Merkel erwähnte nur ein einziges Mal indirekt die SPD, als sie darauf hinwies, dass die Agenda 2010 "von meinem Vorgänger" verabschiedet worden sei.

Schon mit der ersten Frage war klar, dass Merkel in diesem Forum keinen ernsthaften Angriff auf ihre politische Linie befürchten musste. Weshalb sie nicht beim Endspiel der deutschen Fußballerinnen bei der Europameisterschaft gewesen sei, wurde sie gefragt. Wenn "Schweini oder Poldi" irgendwo kickten, sei sie doch auch stets anwesend. Sie habe im Fernsehen das Spiel gesehen, gestand Merkel und fügte unter heftigen Beifall hinzu:"Ich verspreche Besserung".

So brav blieb die Sendung durchgehend. Was halte sie von einer Frauenquote, wurde sie gefragt. Und ihre Antwort lautete: Wir brauchen in allen Gremien Frauen. Was unternimmt sie politisch gegen die Leiharbeit? Ihre sanfte Antwort war: Es sei besser, solch eine Arbeit zu haben als gar keine. Noch sanfter zeigte sich Merkel, als sie darauf angesprochen wurde, dass sie in Ländern wie Griechenland in den Medien mit SS-Uniform dargestellt wurde. Ihre Antwort: "Meinungsfreiheit ist eine gute Sache!" Daher nehme sie die SS-Uniform auch hin. Denn in der Politik sollte "man ein weiches Herz haben". Und es folgte ihr grundsätzliches politisches Rezept: "Politik ist, die Herzen der Menschen zu erreichen." Und ihre Europapolitik erklärte sie mit dem Geständnis: "Mein Herz schlägt für alle in Europa."

Autofahren auf Waldwegen in Meck-Pomm

Merkel gab an diesem Abend die Mutti der deutschen Politik. Ja nur keinen Streit anzetteln, ja nur immer die schwäbische Hausfrau geben. Da antwortete sie auf die Frage, wann sie zuletzt einmal allein im eigenen Auto gefahren sei. Nein, sagte sie, das wage sie nicht mehr, "und wenn ja, dann allenfalls auf einsamen Waldwegen in Mecklenburg-Vorpommern". Zu Syrien und der jüngsten Entwicklung gab es nur den Kommentar, man höre ja jetzt "interessante Vorschläge" aber die deutsche Position sei unverändert: "Die Bundesrepublik werde sich dort unter keinen Umständen militärisch engagieren."

Mehr war von Mutti Merkel nicht zu hören. Schon gar nichts von der ganz anderen Angela Merkel, die sich in ihrem politischen Leben schon mehrfach durchsetzen musste und auch durchgesetzt hat.

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