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11. März 2009, 06:52 Uhr

"Mein Mann ist wieder der Alte"

Wochenlang schwieg sie - jetzt hat sich Katharina Althaus im stern das erste Mal öffentlich geäußert: Ihr Mann wolle "zu 100 Prozent in sein Amt zurück", sagt die Frau von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus. Sie berichtet vom Ski-Unfall des CDU-Politikers, seinen Fortschritten bei der Heilung und dem Halt, den sie im christlichen Glauben findet. Von Tilman Gerwien

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"Wir beten sehr viel miteinander": Katharina Althaus mit ihrem Ehemann, dem thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus© Jens Kalaene/Picture-Alliance

Sie ist nicht von seiner Seite gewichen, sie wohnt mit ihm zusammen in einem kleinen Appartement in der Reha-Klinik, sie hat ihn seit Wochen abgeschirmt: Katharina Althaus, die Frau des bei einem Ski-Unfall schwer verletzten Ministerpräsidenten von Thüringen, Dieter Althaus (CDU). Jetzt spricht die Gattin des Politikers erstmals in der Öffentlichkeit: Im Interview mit dem stern sagt Katharina Althaus, dass ihr Mann spätestens zum Wahlkampf im Sommer "wieder voll einsatzfähig" sein werde. "Erfreulicherweise hat sich sein Gesundheitszustand in den letzten zwei Wochen erheblich verbessert", berichtet Frau Althaus weiter und zeigt sich optimistisch über den weiteren Heilungsverlauf: "Mein Mann wird das Amt des Ministerpräsidenten wieder ausüben können. Er will zu 100 Prozent in sein Amt zurück."

Der 50 Jahre alte Politiker erholt sich derzeit in den Schmieder-Kliniken in Allensbach von seinen Verletzungen. Er war am Neujahrstag auf einer Ski-Piste in Österreich nach einem Fahrfehler mit der 41 Jahre alten Beata Christandl zusammengeprallt. Christandl starb bei dem Unfall, Althaus erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Jetzt nimmt er schon wieder sehr viel intensiver am Geschehen teil als noch vor ein paar Wochen, berichtet Katharina Althaus. "Besonders ausgeprägt ist sein Wunsch, sich jetzt wieder sportlich zu betätigen. Wir joggen jeden Tag, circa vier Kilometer. Das macht er mit großer Freude. Er liest auch wieder gern." Inzwischen habe ihr Mann auch mit Angela Merkel telefoniert. Bis zum Zeitpunkt des juristischen Verfahrens habe er dagegen kaum Telefonate geführt. "Wenn, dann mit unseren Kindern und seiner Mutter", so Frau Althaus. "Seit es ihm besser geht, kann man sagen: Er ist wieder der Alte."

Althaus soll die Reha-Klinik am Bodensee demnächst verlassen können, geplant ist danach eine ambulante Behandlung in der thüringischen Heimat. "Wann das der Fall sein kann, müssen die Ärzte entscheiden. Es gibt dazu noch kein festes Datum", sagt Katharina Althaus. Für den bevorstehenden Landtagswahlkampf in Thüringen wünscht sich Frau Althaus, dass die gegnerischen Politiker das Unglück und seine Folgen nicht für sich ausnutzen. "Ich erwarte Fairness und dass alle zu ihrem Wort stehen, dass der Ski-Unfall keine Rolle im Wahlkampf spielen wird. Das haben mehrere Spitzenpolitiker der Opposition klar und deutlich erklärt."

Das Unfallgeschehen in den Bergen Österreichs ist im Gedächtnis von Dieter Althaus ausgelöscht. "Er hat überhaupt keine Erinnerung an den Unfall und konnte erst mal für sich gar nicht begreifen, was geschehen war", erzählt Katharina Althaus. Auf die Frage, wie stark ihren Mann seine persönliche Schuld an dem Unfall bewege, sagt die Ehefrau: "Es war ein Unglück, das jedem hätte passieren können. Trotzdem hat mein Mann die volle Verantwortung für sein Handeln übernommen. Damit hat er auch Größe gezeigt." Halt findet das Ehepaar im christlichen Glauben. Katharina Althaus: "Wir beten sehr viel miteinander, auch für die verstorbene Frau Christandl. Wir haben immer auf die Hilfe unseres Herrgotts vertraut. Unser Glaube hat uns die nötige Kraft und Zuversicht gegeben."

Althaus, Ministerpräsident, Ski-Unfall, Dieter Althaus, Katharina

© stern-Infografik

Die Entscheidung ihres Ehemannes, nach seiner Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung erneut für das Amt des Ministerpräsidenten Thüringens zu kandidieren, stößt in der Bevölkerung auf große Zustimmung. Laut einer Umfrage des stern befürworten 59 Prozent der Deutschen er die Kandidatur. 34 Prozent der Befragten halten die Entscheidung für falsch. Mit "weiß nicht" antworteten 7 Prozent.

Lesen Sie das komplette Interview mit Katharina Althaus im neuen stern

Lesen Sie das komplette Interview mit Katharina Althaus im neuen stern

Von Tilman Gerwien
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
pillowystar (11.03.2009, 11:43 Uhr)
@Sportartmakler
Wo es geschrieben steht, dass so jemand kein Bundesland regieren und repraesentieren darf? Dort, wo sich bei jedem normalen Menschen das Gewissen befindet.
gmathol (11.03.2009, 10:40 Uhr)
Mein Mann ist wieder der Alte...
...er hat sich damals auch nicht ueber die Mauerschuetzen aufgeregt und diese sogar ausgezeichnet.
Schafft uns diese DDR-Blockfloeten endlich vom Hals. Liebe ehemalige DDR-Buerger waehlt solche Typen nicht.
felice4711 (11.03.2009, 10:39 Uhr)
Blitzgenesung
Ein Tag vor der Verhandlung noch arg krank, quasi dement vor lauter Gedächtnislücken. Dann schnelles wohltätiges Urteil und jetzt wieder ganz fit und munter. Ein Schuft, der Arges dabei denkt.
Nursery (11.03.2009, 09:45 Uhr)
Widerwärtig
Na klar es ist alles beim "Alten".Es ist keine Familie zerstört worden keine Person getötet kein Kind Waise geworden.Mir wird infach nur schlecht bei dieser Art der Selbstdarstellung.
vita (11.03.2009, 09:45 Uhr)
Unglaublich, überheblich und schamlos....
... anders kann man dieses Verhalten eines prominenten Politikers, der die Konsequenzen seines persönlichen Handelns scheut und sich nicht stellt, um seine Karriere nicht zu gefährden, nicht nennen. Und sein Umfeld stützt diese Farce auch noch.
Aber vermutlich zählt Wiederwahl und Machterhalt mehr als ein aufrechter Gang und Courage im Umgang mit eigenen Fehlern.
Schlimm, einfach nur schlimm.
balldurian (11.03.2009, 09:42 Uhr)
Organisationen, deren generalsekretäre einst rentner von der autobahn weg ...
...direkt in den tod schubsen durften, müssen auch gute listenplätze für totalabfahrer freihalten. Das ist nur gerecht, da beißt die maus kein' faden ab ...
derweltbuerger (11.03.2009, 09:34 Uhr)
Danke Frau Althaus
... für diesen Offenbarungseid. Endlich wissen wir mehr über den wahren Gesundheitszustand von Herrn Althaus. Schien er bis vor kurzem - will heißen bis zum eilig anberaumten Gerichtstermin - noch so geschädigt zu sein, dass er nicht öffentlich Stellung nehmen, geschweige denn am Verfahren teilnehmen, konnte, kann er plötzlich 4 (in Worten: VIER) Kilometer joggen. Man sollte doch annehmen, dass Jogging ein wenig anspruchsvoller ist, als ein paar Worte in einem Gerichtssaal zu sagen.
Was Herrn Althaus passiert ist, ist tragisch und auch wenn er eine Schuld daran trägt, ist es etwas das vermutlich jedem von uns hätte passieren können. Doch bleibt ihm meiner Meinung nach nun allein noch der Rücktritt, denn was sich hier abspielt, lässt darauf schließen, dass sich Herr Althaus absichtlich so lange wie möglich nicht öffentlich geäußert hat. Das jedoch wäre von einem Ministerpräsidenten, der in Kürze wiedergewählt werden möchte, zu erwarten.
Knuffiman (11.03.2009, 09:29 Uhr)
da hat
die pr abteilung ein schlechtes zeitfenster gewählt. alles ein bißchen knapp, daher unglaubwürdig. ging aber wohl nicht anders, wegen der anstehenden wahl! PFUI DEIBEL
bmpost (11.03.2009, 09:24 Uhr)
Pah! Diese CDU-Hansels sind...
doch von Haus aus absolut schmerz- und schamfrei! Althaus passt bestens in diese "Christen"-Partei! Darüberhinaus fahren die CDU-Granden doch eh lieber mit der ganzen Bevölkerung Schlitten (siehe Sozialreformen), als nur einzelne von der Piste zu klitzen!
sportartmakler (11.03.2009, 09:20 Uhr)
@pillowystar
"Herr Althaus ist rechtskraeftig verurteilt worden, den Tod eines Menschen verursacht zu haben. So jemand kann einfach nicht einem Bundesland vorstehen, so leid es mir persoenlich auch fuer ihn tut." warum? wo steht das geschrieben? warum sollte es unmoralisch sein?warum steht solch ein tragischer unfall im widerspruch zu einem politischen amt?
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