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"Es spricht vieles für den Zerfall von Pegida"

Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel ist von allen Ämtern zurückgetreten. Während einige den Zerfall prophezeien, sind Anhänger davon überzeugt, dass Pegida auch ohne Führungsspitze überleben kann.

Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel ist am Dienstagabend von allen ihren Ämtern und Funktionen zurückgetreten

Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel ist am Dienstagabend von allen ihren Ämtern und Funktionen zurückgetreten

In einer Sitzung des sogenannten Organisations-Teams der Pegida-Führungsspitze haben am Dienstagabend Kathrin Oertel und mindestens drei weitere Mitglieder der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" alle Funktionen und Ämter niedergelegt. Nach stern-Informationen spielte bei dem Rücktritt der ehemalige Pegida-Vorsitzende Lutz Bachmann eine Rolle, der sich offenbar entgegen seinen Ankündigungen doch nicht ganz zurückziehen will.

Inzwischen hat die Organisation auf ihrer Facebook-Seite die Meldung vom Oertel-Rückzug bestätigt.

Allerdings ist nicht von internen Streitigkeiten, sondern von "massiven Anfeindungen" und "Drohungen" gegen Oertel die Rede. Von Pegida-Anhängern bekommt Oertel dort großen Zuspruch "Ja, wenn der Staat nicht mehr weiter weiß, werden Existenzen zerstört... Dafür ist denen jedes Mittel recht...Lasst euch nicht unterkriegen - nicht nur Dresden braucht Pegida...", schreibt einer. Und: "Macht weiter - das Land braucht euch. Die moderne Hexenjagd der staatlich geführten Medien darf keinen Erfolg haben..." Auch auf Twitter bekunden die Pegida-Fans ihre Loyalität.

"Oertel verlässt das sinkende Schiff"

Es gibt aber auch Stimmen, die in dem Rücktritt Oertels das Ende der islamkritischen Bewegung sehen und sprechen davon, dass Oertel nun auch "das sinkende Schiff " verlässt.

Der Extremismus-Experte Timo Reinfrank sieht hingegen die Führungskrise nicht als Ende für das Bündnis. "Ich glaube noch nicht, dass dies das Aus ist", sagte der Koordinator der Amadeu-Antonio-Stiftung, die Initiativen gegen Rechtsextremismus unterstützt. Das Bündnis hänge nicht an einzelnen Personen. Mehrere Mitglieder, die sich nun aus der Pegida-Spitze zurückgezogen hätten, seien bislang ohnehin so gut wie gar nicht in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten. Entscheidend sei nun, ob es dem Bündnis gelinge, sich organisatorisch neu aufzustellen, um weitere Demonstrationen zu veranstalten.

"Das ist der Anfang vom Ende"

Ganz anders sieht das hingegen der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke. "Das ist der Anfang vom Ende der Pegida-Bewegung". Derart viel Chaos könne das Bündnis nicht ertragen. "Man kann keine Bewegung erhalten, die in sich zerstritten ist und nicht weiß, was sie will." Funke betonte: "Es spricht viel dafür, dass die Bewegung in dieser Form bald zerfallen wird."

Für diesen Montag hat Pegida jedenfalls seine nächste Kundgebung in Dresden erst Mal abgesagt. Zu den Gründen wurden keine Angaben gemacht. Am 9. Februar soll jedoch wieder eine Demonstration stattfinden.

jek/DPA/DPA

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