CDU-Fraktionschef Volker Kauder macht sich für mehr Transparenz bei der Manager-Entlohnung stark. Im stern.de-Interview fordert er Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf, sein wahres Gehalt zu offenbaren und kritisiert das Vorgehen von Klaus Zumwinkel bei der Post.

CDU-Fraktionschef Volker Kauder© Markus Schreiber/AP
Es war ein sehr guter Parteitag. Wir haben gezeigt, dass wir die führungsstarke Partei der Großen Koalition sind. Dass wir geschlossen hinter dieser Koalition und hinter der Kanzlerin stehen. Das war beim Hamburger Parteitag der SPD gerade nicht der Fall.
Wer die ganze Rede der Kanzlerin gehört hat, kann zu einem solchen Urteil nicht kommen. Sie hat wichtige Perspektiven für unser Land entwickelt. Zu einer Parteitagsrede gehört auch die Abgrenzung vom politischen Gegner. Das hat mit Populismus nichts zu tun. Es ging der Kanzlerin auch nicht um eine generelle Managerschelte, sondern darum, einmal deutlich zu sagen, dass schlechten Managern nicht auch noch hohe Abfindungen gezahlt werden sollten. Und im Übrigen musste die deutsche Wirtschaft wieder einmal an ihren Selbstverpflichtungskodex erinnert werden. Dort wird eine angemessene und keine maßlose Vergütung gefordert.
Er ist auch nicht gemeint. Aber auch so erfolgreiche Männer wie Herr Wiedeking sollten darauf schauen, dass ihre Entlohnung einigermaßen angemessen ist.
Dass Wiedeking angeblich an die 50 Millionen Euro Gewinnbeteiligung bekommen hat, halten Sie für unangemessen? Das kann ich nicht bewerten. Er hat selbst ja nicht gesagt, es sei so viel. Er hat gesagt, wenn die Zahl bekannt würde, könnte das deutsche Volk das nicht ertragen. Aber wenn die Vergütung angemessen ist, weshalb traut er sich nicht, vor seine Mitarbeiter zu treten und zu sagen, was er für seine Leistung bekommt? Die Politik könnte ja durch eine entsprechende Gesetzgebung dafür sorgen, dass bei Aktiengesellschaften den Aktionären nicht nur die Gesamtsumme der Ausschüttung für die Führung mitgeteilt wird, sondern die einzelnen Manager-Gehälter. Diese Überlegung wird zurzeit bei uns diskutiert. Mehr Transparenz ist auf jeden Fall notwendig - auch um die Aktionäre, also die Eigentümer der Unternehmen, zu stärken.
Aktienoptionen sind eingeführt worden, um bei den Managern ein Eigeninteresse dafür zu wecken, dass es mit ihrer Firma vorwärts geht und nicht dafür, mit diesen Aktien der eigenen Firma mal schnell ein Schnäppchen in Millionenhöhe zu machen. Das ist ein sehr problematisches Verhalten. Dem Ansehen der Post hat Herr Zumwinkel damit keinen Gefallen getan.
Diese Entwicklung beobachten wir sehr genau und mit Sorge. Die Einführung von Mindestlöhnen über das Entsendegesetz muß die Ausnahme sein und nicht die Regel.
CDU und CSU haben sich darauf verständigt, dass zur Wahlfreiheit bei der Erziehung Kinderkrippen und Betreuungsgeld gehören. Deshalb hat die Parteivorsitzende sich auf dem Parteitag dafür ausgesprochen. Mit Angst vor unserer Schwesterpartei hat das nichts zu tun, sondern mit Überzeugung.
Es wird vor allem für junge Menschen mit Migrationshintergrund und geringer Qualifikation weiterhin Probleme geben, Arbeit zu bekommen. Für sie ist das von uns vertretene Kombilohnmodel, eine Mischung aus Lohn und Arbeitslosengeld genau der richtige Weg. Dieser Weg darf durch Mindestlöhne nicht verschlossen werden, sonst haben gerade diese Menschen keine Chance mehr.
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verdient rund 16 000 Euro im Monat.
(lacht) Ich bin unbezahlbar!
Interview: Hans Peter Schütz