7. April 2012, 17:10 Uhr

Schäuble bleibt geizig

Auch zu Ostern ärgern sich Millionen von Autofahrern über die exorbitant hohen Spritpreise. Finanzminister Schäuble hat eine höhere Pendlerpauschale jedoch erneut abgelehnt - gegen Widerstände in seiner eigenen Partei.

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Hohe Benzinpreise nerven deutsche Autofahrern schon seit Monaten©

Kein Oster-Ei aus Berlin, der Herr der Finanzen gibt sich trotz neuer Rekord-Spritpreise weiterhin stur: Trotz anhaltender Forderungen aus FDP und Union erteilte Wolfgang Schäuble (CDU) den Hoffnungen der deutschen Autofahrern eine erneute Abfuhr: "Steuerlich sehe ich keine Möglichkeit, den Spritpreis zu senken", sagte der Bundesfinanzminister der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Spielräume in den Haushalten von Bund und Ländern seien "eng begrenzt".

Auch eine Erhöhung der Pendlerpauschale von derzeit 30 Cent pro gefahrenem Kilometer kommt laut Schäuble nicht infrage: "Die Entfernungspauschale ist kein Instrument, um Benzinpreisschwankungen aufzufangen." Der kriselnde Koalitionspartner FDP hatte wegen der hohen Spritpreise eine höhere Pendlerpauschale verlangt. Wie erwartet hatten zum Beginn der Oster-Reisezeit die Benzinpreise ein Niveau von mehr als 1,70 Euro für einen Liter Super-Benzin erreicht. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) forderte erneut eine Anhebung der Pauschale. Er schlug vor, zunächst einmal zu erheben, welche Mehreinnahmen der Staat durch die gestiegenen Benzinpreise erziele. "Das könnte dann eine Grundlage für die Neuberechnung der Pendlerpauschale sein", sagte der FDP-Chef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Eine Erhöhung der Pendlerpauschale um zehn Cent würde den Staat Schätzungen zufolge rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr kosten.

Merkel gegen, Röttgen für höhere Pendlerpauschale

Auch in der Union-Spitze selbst gibt es zu möglichen Entlastungen der Autofahrer unterschiedliche Positionen. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuletzt eine Erhöhung der Pendlerpauschale abgelehnt hatte, sprach sich der stellvertretende CDU-Vorsitzende Norbert Röttgen erneut dafür aus. Der Staat müsse als Wirtschaftsordnungsmacht einschreiten, wenn ein Missbrauch von Marktmacht vorliege, sagte der Bundesumweltminister und nordrhein-westfälische CDU-Spitzenkandidat der "Welt am Sonntag". Sollte es in nächster Zeit zu keiner Verbesserung kommen, müsse man darüber diskutieren, die Pendlerpauschale zu erhöhen. "Der Staat darf die Bürger nicht im Regen stehen lassen."

Natürlich meldete sich auch die Opposition in Sachen Benzin wieder zu Wort: SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte eine gezielte Entlastung für Pendler mit kleineren Einkommen. "Die Pendlerpauschale muss endlich sozialer werden", sagte Gabriel der WAZ-Mediengruppe. Bislang funktioniere sie so, dass Bezieher sehr hoher Einkommen - die dafür viel Steuern zahlen - auch sehr viel herausbekämen, während Arbeitnehmer mit geringen Einkommen - und entsprechend geringer Besteuerung - häufig gar nichts absetzen könnten, obwohl die Benzinpreise sie viel härter träfen.

Grüne kritisieren fehlenden Wettbewerb

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn äußerte Kritik an den Konzernen: "Es gibt keinen Wettbewerb, und deshalb können die Mineralölkonzerne insbesondere vor Ostern dreist abkassieren", sagte sie den Dortmunder "Ruhr Nachrichten".

Höhn verwies auf eine von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegebene aktualisierte Studie. Demnach müssen die Autofahrer an der Tankstelle deutlich mehr bezahlen, als es durch die hohen Ölpreise gerechtfertigt wäre. Die Belastung sei allein im März rund insgesamt 167 Millionen Euro zu hoch gewesen, errechnete der Energie-Experte Steffen Bukold. Demnach sind die zusätzlichen Gewinne der Mineralölindustrie beim Superbenzin nicht primär an den Tankstellen angefallen, sondern in deren Raffinerien.

Kritiker werfen den Mineralölkonzernen vor, die Preise auch unabhängig von der Entwicklung der Rohölpreise im Gleichschritt zu erhöhen, um mehr Profit zu machen. Die Unternehmen weisen dies zurück.

rk/DPA
 
 
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