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19. Dezember 2007, 18:53 Uhr

Kinderarzt-Besuch wird zur Pflicht

Der regelmäßige Besuch beim Kinderarzt wird bundesweit zur Pflicht. Nach den dramatischen Fällen von Gewalt gegen Kinder einigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch mit den Ministerpräsidenten der Länder auf einen entsprechenden Maßnahmenkatalog.

Zoom

Können verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen die Misshandlung und Tötung von Kindern verhindern? Kanzlerin Merkel meint, ja© Volker Hartmann/DDP

Danach sollen künftig alle Kinder verbindlich zu Vorsorgeuntersuchungen eingeladen werden. Zugleich soll die Familienhilfe verstärkt und der Datenabgleich zwischen den zuständigen Stellen erleichtert werden. Keine Einigung gab es über die Forderung von SPD-Chef Kurt Beck, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Merkel erklärte nach dem Treffen im Kanzleramt, die Länder hätten verabredet, über diese Frage noch einmal zu beraten. "Ich bin seit Jahren eigentlich sehr zurückhaltend, was Änderungen im Grundgesetz anbelangt", bekräftigte sie. "Ich sehe also im Augenblick den Handlungsbedarf in den praktischen Dingen."

Auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte: "Für Kinder ist es hilfreicher, wenn wir uns über Vorsorgeuntersuchungen unterhalten." Der Berliner Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betonte dagegen, aus Sicht der Sozialdemokraten wäre eine Grundgesetzänderung nicht nur "abstrakte Juristerei", damit seien vielmehr "konkrete Handlungsaufträge" verbunden. Man hoffe, dass die CDU in dieser Frage noch umdenke.

Datenabgleich soll erleichtert werden

Die Spitzenrunde verständigte sich darauf, dass Problemfamilien künftig stärker unterstützt, aber auch schärfer kontrolliert werden sollen. Um Risiken rechtzeitig erkennen zu können, soll unter anderem eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung im dritten Lebensjahr eingeführt werden. Alle Eltern sollen verbindlich zu den Kontrollterminen eingeladen werden. Reagieren die Familien nicht, sollen die Gesundheitsbehörden und notfalls die Jugendämter aktiv werden. Finanzielle Sanktionen für Eltern, die sich hartnäckig verweigern, wurden aber abgelehnt. Merkel sprach nach dem Treffen von einem "großen Erfolg".

Die Übereinkunft zwischen Bund und Ländern setze Maßstäbe. Man sei sich angesichts der schrecklichen Ereignisse um vernachlässigte und getötete Kinder einig, dass Risiken früher erkannt werden müssten. Dazu solle ein "Netz der Hilfe" aufgebaut werden, in dem Hebammen, Kinderärzte, Jugendämter und Polizei verstärkt zusammenarbeiten sollen. Um den Datenabgleich zwischen Ländern, Kommunen und zuständigen Behörden zu erleichtern, sollen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und Innenminister Wolfgang Schäuble mit den Ländern über eine Neuregelung des Datenschutzes reden.

AP/DPA/kbe

KOMMENTARE (10 von 13)
 
Final (20.12.2007, 11:13 Uhr)
Es trifft die Falschen
Wenn ich so einen Quatsch lese kommt in mir Wut hoch.
Ich selber habe einen 2 Jährigen Sohn, und ich werde alles in meiner Kraft stehende tun, mich diesen Kontrollmechanismen zu entziehen. Es trifft die falschen.
Wir haben uns bewusst für Kinder entschieden, und WIR sind verantwortlich für unser Kind, und eben nicht der Staat.
Jedes Kind, das misshandelt wird, ist ein Kind zu viel, und die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Aber das gelingt nicht durch Entmündigung aller größtenteils verantwortungsbewusster Eltern.
Wie sieht das Leben denn wirklich aus? Hier mal ein paar fragen:
Zwischen der U5 und U6 liegt fast 1 Jahr. DA kann einiges passieren, ohne das der Kinderarzt das Kind zu Gesicht bekommt. (Ich höre schon die Schreie, Abstände zu verkürzen.. )
Misshandlung ist nicht immer körperlich, mir tut jedes Kind leid, das nicht ausreichend gefördert wird und das keinen liebevollen Umgang kennengelernt hat. Wie will man das erkennen? Soll ich jetzt zusätzlich meinen Sohn beim Therapeuten „vorzeigen“ damit dieser mir eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellt?
Es gibt eine freie Ärztewahl. Geht doch mal spaßeshalber mit einem Kind und der Krankenkassenkarte zu einem Arzt. Wie will dieser feststellen, dass das Kind wirklich „das“ Kind ist? Als verantwortungsbewusste Eltern hat man einen Arzt, der den Verlauf der Entwicklung miterlebt hat, aber diese Vorschläge sollen ja Kinder schützen, die misshandelt werden. Ich denke, gerade diese Menschen finden Möglichkeiten, exakt diese Gesetze zu umgehen.

An alle Kinderlosen, die meinen diese Vorschläge zu kommentieren:
Schafft euch welche an, DANN könnt Ihr mitreden. Ihr seit der Meinung Gesetze beurteilen zu können? Ich sage euch was, nicht nur das wir ein Einkommen weniger haben, nicht nur, das das leben teurer geworden ist durch zusätzlichen „Verbrauch“ ;-) , nicht nur, das der Wiedereinstieg ins Berufsleben extrem schwierig ist, es gibt für uns Eltern Pichten die wir alle mit großen Ergeiz und stolz tragen: Erziehung, Pflege und viel liebe.
Wir sind es, die mitten in der Nacht Windeln wechseln, alle 2 Stunden im Krankheitsfall nach unserem Nachwuchs schauen, ob es Ihm gut geht. Trotzphasen überstehen und im Supermarkt schreiende und quengelnde Kinder vom Boden aufheben, meistens unter den strengen Blicken von Erwachsenden, die zu 95 % Kinderlos sind. (incl. Frau Merkel).
Ja, ich will keine Sekunde dieser fantastischen Zeit mit meiner Familie hergeben, und ich habe was, was Ihr nicht habt. Den Luxus, ein Kind zu haben, das ich mit allen in meiner Kraft stehenden Mitteln verteidigen und beschützen werde. Wir brauchen keine Grundgesetzänderung für Kinder, das zumindest unser Sohn ein Mensch ist, und für Ihn gilt immer noch der Artikel 2:

Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.
Gruß Final
romeodelta (20.12.2007, 09:25 Uhr)
Venünftige Eltern
nehmen ihre Kinder zu allen Vorsorgeuntersuchungen - das Problem liegt also nicht bei ihnen. Ich frage nur, ob dieser Zwang wirklich was ändert und sehe wieder eine weitere Entmündigung. Ich kann mich an die Diskussion in England vor ein paar Jahren erinnern, wo eine Ärztin mit ihrer Einschätzung einer Kindesmisshandlung völlig daneben lag - die Folgen für die Eltern und das Kind waren verheerend und es war kein Einzelfall. Leider regieren dieselben Schwachköpfe, wie hier in Deutschland. Bei allem Respekt vor unserem Kommentator, der Arzt ist, ich habe (wahrscheinlich) denselben akademischen Grad wie Sie, aber halte mich nicht deswegen für was besseres wie Sie scheinbar. Ich frage auch im allen Ernst, ob Ärzte wie Politiker die Richtigen sind, die solche Entscheidungen treffen sollen. Ich will ganz ehrlich sein -der deutschen Regierung sind unsere Kinder völlig egal. Wenn genug Geld für das Personal im Jugendamt, Schule und außerschuliche Aktivitäten nachhaltig zur Verfügung stände, dann gäbe es sehr wahrscheinlich viele Problem gar nicht. Eine Regierung, die sich selbst 10% mehr genehmigt, den Kriegseinsatz verlängert, die mickrige Kindergelderhöhung verschiebt, ist für mich einfach in allen wichtigen Sachen nicht ernst zu nehmen. Es ist sehr bedenklich, dass dieser Aktionismus wieder mit dem Beschneiden unserer Persönlichkeitsrechte verbunden sein soll - ich bezweifle, ob es wirklich was für die Kinder verbessert.
atetzlaf (20.12.2007, 08:55 Uhr)
gute Sache
nachdem man Millionen von Menschen stigmatisiert, beschimpft, erpresst, gängelt, gegen sie hetzt, sie erniedrigt, zu Zwangsarbeit verpflichtet und bespuckt, hierbei auf Menschenrechte und das Grundgesetz sch**, stellt man fest, dass auch Kinder unter diesen Repressionen und i.d.R haltlosen Sanktionen zu leiden haben. Aber anstatt die Ursache abzuschalten und mal drüber nachzudenken, warum Produktivität ein Segen ist, wird an den Auswirkungen herumgedoktert...
Mein Gott, diese Heuchler...
sportartmakler (20.12.2007, 08:14 Uhr)
schon seltsam
bei den artikeln der letzten wochen über getötete kinder war das geschrei groß, jugendamt versagt, umfeld nichts mitbekommen, mehr kontrolle schrien viele. und jetzt ist es wieder keinem recht, zumal keiner hier einen gegenvorschlag gebracht hat, außer den nutzlosen hartz4 zu erhöhen.
@deinemama: die schweigepflicht an dieser stelle existiert nicht, und es gibt tatsächlich meldungen durch ärzte an behörden.
also leute entscheidet euch, mehr kontrolle für einige wenige fälle ( muß an der stelle ragism völlig beipflichten zu der rolle der medien) oder alles lassen wie es ist, dann aber bei der nächsten schlagzeile nicht wieder mord und totschlag für die eltern predigen.
undjetztnochder (20.12.2007, 08:04 Uhr)
An meine werten Vorposter
@Josh67: So? Na, welche Grundgesetzänderungen hat es denn in den letzten 3 Jahren gegeben?
@gelegenheitsposter und @deinemama: Natürlich sind Vorsorgeuntersuchungen auch keine 100% Garantie vor Misshandlung. Aber erstens werden durch uns Ärzte (ja, ich bin selber einer!) regelmäßig Misshandlungsverdachte an das Jugendamt gemeldet. Wegen der Schweigepflicht gibt es hier keine Statistik, aber sicher ist auch, dass der Schutz des Kindes für fast alle Ärzte über der Schweigepflicht steht. Und erst recht, wenn einem das Kind mit dieser Fragestellung vorgestellt wird, wie jtzt geplant.
@Aurum: Kinder zahlen keine Praxisgebühren, und beim Thema Vorsorge fällt die Praxisgebühr sowieso nicht an - übrigens auch nicht für Erwachsene.
@jadawin: ich bin selbst Vater von 5 Kindern, und unsere Kinder haben an allen Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen - ich finde, das ist man seinen Kindern auch schuldig! Leider gibt es immer wieder unverantwortliche oder einfach nur schlecht informierte Eltern (beim Thema Impfen z.B. könnte man auch so eine Diskussion mal beginnen...), und ich finde es nicht in Ordnung, wenn dann die Kinder - wohlmöglich lebenslang - darunter gesundheitlich leiden müssen. Hier hat jeder Vater und jede Mutter eine Fürsorgepflicht. Und wer tatsächlich bloß wegen verpflichtender Vorsorgeuntersuchungen keine Kinder bekommen möchte - der sollte es vielleicht tatsächlich lieber bleiben lassen.
grossbuerger (20.12.2007, 07:04 Uhr)
Diktatur !!!
Schickt lieber die Eltern in Spe vor der Empfängnis zum Psychologen, wenn Kinder mißhandelt werden, ist es bereits zu spät und die Folgekosten (Heim etc.) noch größer ... diese Regierung ist UNFÄHIG !!!
Jadawin (20.12.2007, 06:36 Uhr)
Datenabgleich erleichtern
Es ist mittlerweile nicht mehr anzusehen, mit welchen Mitteln und Wegen versucht wird, mündige Menschen, erwachsene Menschen zu entrechten und ihnen alles vorzuschreiben. Wenn ich gewusst hätte, das so ein Schrott auf mich zukommt, dass ich demnächst wegen meines Kindes staatlich überwacht werde, ich hätte mir das mit der Schwangerschaft noch einmal überlegt.
Gruß, J.
Aurum (20.12.2007, 06:16 Uhr)
Ich lach mich krank....
Dann müssen die Kinderchen ihr Sparschwein schlachten, um die "Praxisgebühren" zu bezahlen. Und dann sofortiger "Datenabgleich" - Modell Schäuble. Am besten wäre es natürlich, allen Neugeborenen sofort einen Chip zu implantieren, um diese ihr leben lang überwachen zu können.
Ragism (20.12.2007, 01:26 Uhr)
Mäh, ihr Schafe...
Die Geschichte frustriert mich jetzt schon. Offensichtlicher kann man nicht sehen, wie Politik und Gesellschaft funktionieren.
Die BILD und Konsorten haben vor einigen Wochen entdeckt, daß sich mit Berichten über misshandelte und getötete Kinder viel Absatz machen lässt. Die übrige Presse ist mitgezogen, bis zu dem Moment, in dem vom letzten Hinterhofdeppen bis zum Anzugträger jeder meint, "die Situation" sei ja "so dramatisch" (Tatsächlich gibt es in der Statistik keineswegs mehr Kindestötungen in den letzten Jahren oder Jahrzehnten).
Flugs werden dämliche Fragen an Politiker gestellt, die sich natürlich erkenntlich zeigen für so viel Reportage über sie. Sätze wie "Da muss ein Gesetz her!" oder "Jemand muss dafür verantwortlich sein!" versteht jeder und wirken so, als würde der betr. Politiker mal wieder "etwas anpacken".
So wie ich das im Moment sehe, ist unsere Gesetzgebung mehr oder weniger direkt in der Hand von Medien. Ziemlich miesen Medien.
Ich zitiere einen alten Graffiti-Spruch: "Millionen von Lemmingen können nicht irren."
Kaleika (20.12.2007, 00:02 Uhr)
Ausreichend Sozialgeld statt Pseudohilfe durch mehr Kontrolle
Ich persönlich habe kein Problem mit Pflichtuntersuchungen für Kinder, so lange sich die Eltern noch den Arzt ihres Vertrauesns selbst aussuchen dürfen.
Doch bezweifle ich den Nutzen davon, denn mit dieser Pseudoprohylaxe wird zwar viel herumgepupt, doch leider gar nichts erreicht! Denn natürlich darf es ja nichts zusätzlich kosten; das dürfen nur Kriegszüge.
Als ob auf diese Weise all den Kindern von plötzlich an Psychose erkrankten Müttern, oder deren Persönlichkeitsstörung sich nun explosiv um sich greifen würden, helfend eingreifen würde, könnte.
Eltern, Mütter, werden besonders auch durch chronische Existenzangst zu Überreaktionen verleitet, dann meinen sie, nicht mehr anders zu können. Ein fester Untersuchungstermin würde nichts an elterlicher Durchgeknalltheit ändern.
Helfen könnte es, die finanzielle Not zu lindern, in dem endlich Hartz IV durch ein sozial annehmbares Existenzgeld ersetzt würde, das dem tatsächlichen Bedarf endlich entspräche!
Kaleika
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