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Posing-Fotos - harmlos oder kriminell?

Bei Kinderpornos gibt es zwei Kategorien: Posing-Fotos sind nicht strafbar. Hier werden "nur" nackte Kinder und keine Genitalien gezeigt. Soll man solche Fotos unter Strafe stellen? Viele fordern das.

  Hier ist wohl mehr als "nur" Posing gespeichert: Ein Fahnder des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt in Magdeburg hält eine CD mit kinderpornografischem Material in der Hand.

Hier ist wohl mehr als "nur" Posing gespeichert: Ein Fahnder des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt in Magdeburg hält eine CD mit kinderpornografischem Material in der Hand.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat eine Verschärfung der Gesetze gegen Kinderpornografie gefordert. "Der Fall Edathy zeigt klar, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt", sagte Rörig der Tageszeitung "Die Welt". Diese Lücke müsse geschlossen werden: "Wenn Darstellungen von Kindern erzeugt werden, um sexuelle Interessen von Erwachsenen zu befriedigen, muss dies im Sinne eines besseren Kinderschutzes strafrechtlich sanktioniert werden."

Im Strafrecht wird bei Kinderpornografie zwischen Kategorie eins und Kategorie zwei unterschieden. Bei Kategorie zwei sind nackte Kinder, aber nicht explizit ihre Genitalien im Fokus. Solche Aufnahmen sind nach derzeitiger Gesetzeslage nicht strafbar. Bei Kategorie eins handelt es sich um strafbares kinderpornografisches Material.

Hinter jedem Foto steckt das Schicksal eines Kindes

Auch der Deutsche Kinderschutzbund dringt darauf, die Gesetze zum Schutz vor Kinderpornografie zu überprüfen. "Die massenhafte Verbreitung und kommerzielle Verwertung sogenannter Posing-Fotos sind ein Alarmsignal", sagte Bundesgeschäftsführerin Paula Honkanen-Schoberth der "Neuen Osnabrücker Zeitung" . "Denn man muss immer bedenken, dass dahinter Gewalt und Missbrauch von Kindern stehen können."

Die Strafen im Bereich Kinderpornografie seien zu niedrig, monierte der BDK-Bundesvorsitzende Andre Schulz im Gespräch mit "Handelsblatt.com". "Es kann nicht sein, dass in den überwiegenden Fällen von Kinderpornografie eine Einstellung oder eine kleine Geldstrafe erfolgt." Der Opferschutz sei hier besonders wichtig, zumal sich hinter jedem Bild ein Schicksal verberge. Die Kinder würden teilweise schwer traumatisiert.

Auch Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers plädierte dafür, den Kauf und Verkauf von Fotos mit nackten Kindern generell unter Strafe zu stellen. Es handle sich um einen schweren Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn mit solchen Bildern Geschäfte gemacht würden, sagte Hilgers dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Schließlich würden die Opfer nicht nach ihrem Einverständnis gefragt. Man müsse aber darauf achten, dass die Politik nicht Dinge kriminalisiere, die zum alltäglichen Leben gehörten - etwa wenn Eltern im Urlaub ihre Kinder am Strand fotografierten.

Ministerin Schwesig hat das Thema auf der Agenda

Familienministerin Manuela Schwesig hat bereits angekündigt, eine Verschärfung der Gesetze gegen Kinderpornografie prüfen zu wollen. Gegen den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Edathy wird wegen Kinderpornografie-Verdachts ermittelt. Er soll Filme und Bilder unbekleideter Jungen bei einem kanadischen Versand bestellt haben. Unklar ist aber, inwieweit das Material auch strafrechtlich relevant ist. Edathy bestreitet illegales Verhalten und geht mittlerweile juristisch gegen die Staatsanwaltschaft vor.

Der Skandal hat die Koalition in ihre erste Regierungskrise gestürzt. Wegen des Vorwurfs des Verrats eines Dienstgeheimnisses war der ehemalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Freitag von seinem Amt als Landwirtschaftsminister zurückgetreten. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hatte zuvor ein Gespräch zwischen Friedrich und SPD-Chef Sigmar Gabriel vom Oktober 2013 öffentlich gemacht. Darin warnte der damalige Innenminister den SPD-Vorsitzenden, dass Edathys Name bei Ermittlungen im Ausland aufgetaucht sei. Die CSU wirft nun Oppermann und damit dem Koalitionspartner SPD Vertrauensbruch vor.

anb/dpa/Reuters/Reuters
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