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Wowi feiert Abschied in Regenbogenfarben

"Ich bin schwul; und das ist auch gut so." Mit diesem Satz erregte Klaus Wowereit einst Aufsehen. Nun gibt Berlins "Regierender" sein Amt ab. Einen Abschied in Regenbogenfarben hat er schon bekommen.

  Klaus Wowereit und sein Lebensgefährte Jörn Kubicki umrundet von Vertretern der Berliner schwul-lesbischer Szene

Klaus Wowereit und sein Lebensgefährte Jörn Kubicki umrundet von Vertretern der Berliner schwul-lesbischer Szene

Es war ein Abschied, wie ihn sich Klaus Wowereit kaum schöner hätte vorstellen können. Zahllose Vertreter von Berlins schwul-lesbischer Szene schwenkten im Roten Rathaus Regenbogen-Fahnen, um dem Regierenden Bürgermeister wenige Stunden vor dem Ausscheiden aus dem Amt für sein Engagement der vergangenen Jahre zu danken. "Ihr steht dafür, dass dies eine Stadt der Vielfalt ist", rief der sichtlich bewegte Bürgermeister den Besuchern bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Amt zu.

Der SPD-Politiker wird an diesem Donnerstag nach mehr als 13 Jahren Regierungsjahren zurücktreten. Mit viel Applaus verabschiedeten Lesben und Schwule ihn und seinen Lebensgefährten Jörn Kubicki. Vertreter von 40 Organisationen des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg (LSVD) hatten sich auf dem roten Teppich im Foyer des Roten Rathauses ein. Regenbogenfahnen wehten von der Balustrade, ein Männerchor sang "Somewhere over the Rainbow".

"Ikone zu sein, ist was Schönes"

"Wir haben viel vorangebracht in den vergangenen Jahren", sagte LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert. "Und das ist auch gut so." Mit den Worten "Ich bin schwul, und das ist auch gut so" hatte Klaus Wowereit kurz vor seiner ersten Wahl zum "Regierenden" im Jahr 2001 den Schwulen und Lesben nicht nur in Berlin Mut gemacht. "Du hast den Menschen Kraft gegeben", konstatierte Jörg Steinert beim Empfang. Regelmäßig ließ sich Wowereit während seiner Amtszeit bei den einschlägigen Events sehen, war immer wieder Gast beim "Christopher Street Day" oder dem schwul-lesbischen Straßenfest im Stadtteil Schöneberg. Die Szene dankte es ihm: In Friedrichshain eröffnete einst sogar die "Wowereiz-Bar".

Wenige Tage vor Wowereits Ausscheiden aus dem Amt eröffnete im Schwulen Museum sogar eine Ausstellung zu Ehren des Bürgermeisters, in der das Motto von 2001 abgewandelt wurde: "Und das war auch gut so", lautet der Titel. Die Ausstellung macht freilich auch deutlich, dass der lockere Umgang mit Wowereits Homosexualität nicht immer eine Selbstverständlichkeit war. 2002 brachte die "Neue Revue" ein Küsschen-Foto des Bürgermeisters mit der TV-Moderatorin Sabine Christiansen, dazu die Schlagzeile: "Kann sie ihn umdrehen?" Das habe ihn "zum Lachen gebracht", erinnerte sich Ausstellungskurator Chris Rudolph, der die Zeitschrift jetzt im Museum zeigt, bei der Eröffnung der Schau. Rudolphs Fazit: "Er hat viel erreicht, deshalb ist er jetzt für uns eine schwule Ikone."

Zwar gestand Wowereit bei der Ausstellungseröffnung: "Da muss man sich erst mal dran gewöhnen, dass man jetzt schon ins Museum gehört." Doch ebenso betonte er: "Ikone zu sein, ist erst mal was Schönes." Er fühle sich geehrt, wenn er anderen Schwulen mit seinem Auftreten helfen könne.

Michael Müller ist Wowereits Nachfolger

Im August hatte der 61-jährige Wowereit angekündigt, die politische Bühne zu verlassen und das Amt des Bürgermeisters von Berlin abzugeben. Damit geht in der Hauptstadt eine Ära zu Ende, was zuletzt selbst von den Parteifreunden herbeigesehnt worden war. Als Wowereit den Rücktritt ankündigte, galt es als extrem unbeliebt. Das Desaster um den Hauptstadtflughafen wird mit seinem Namen in Verbindung bleiben.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat nun knapp zwei Jahre vor Ende der Legislaturperiode einen neuen Regierenden Bürgermeister gewählt: Wowereits Nachfolger ist der einstige Stadtentwicklungssenator Michael Müller. Der 50-Jährige erhielt am Donnerstagmorgen 87 Stimmen, mit "Nein" votierten 58 Abgeordnete, es gab eine Enthaltung.

jen/DPA/DPA
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