Ein bisschen Betrieb am Pannenairport

16. August 2013, 20:30 Uhr

Weniger als Paderborn: Mit höchstens 1500 Passagieren am Tag soll der Berliner Pannenflughafen zunächst in Betrieb gehen. Airportchef Mehdorn holt sich dafür einen erfahrenen alten Bekannten an Bord.

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Langsam, langsam! Airportchef Mehdorn (l.; mit dem scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Platzeck) will erstmal einen Mini-Betrieb für den Pannenflughafen.©

Der Berliner Airportchef Hartmut Mehdorn will den Hauptstadtflughafen auf Sparflamme in Betrieb nehmen - mit einem Testbetrieb, der möglichst im März oder April 2014 beginnen soll. Maximal zehn Maschinen sollen dann pro Tag dort starten und landen, kündigte Mehdorn am Freitag in Schönefeld an. Später sollen zuerst die Fluggesellschaften aus Tegel zum Neubau umziehen, anschließend Schritt für Schritt die Airlines vom bestehenden Schönefelder Flughafen.

Einen Terminplan für die Gesamtfertigstellung will Mehdorn in den nächsten zwei bis drei Monaten dem Aufsichtsrat vorlegen. "Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können", sagte er. Das Gremium stimmte dem Konzept Mehdorns am Freitagabend grundsätzlich zu, wie Aufsichtsratskreise bestätigten.

Zuvor war der Machtkampf mit Technikchef Horst Amann fortgesetzt worden. Mehdorn setzte im Aufsichtsrat durch, dass zwei Bauleiter seines Technikchefs ausgewechselt werden. Amanns Mitarbeitern folgen laut Branchenkreisen die bisherige Arbeitsschutzleiterin des Flughafens, Regina Töpfer, und der Architekt Hany Azer, mit dem Mehdorn schon den Berliner Hauptbahnhof baute. Mehdorn sagte nur, es gebe personelle Veränderungen, um Verantwortlichkeiten klarer zu setzen.

Technikchef Amann legt eigenes Konzept vor

Nicht verhindern konnte Mehdorn, dass Amann dem Aufsichtsrat ein eigenes Konzept für eine Teileröffnung des Neubaus vorlegte. Das Gremium diskutierte am Abend beide Vorschläge. "Wir werden uns die Argumente - auch kontrovers - vortragen lassen", sagte der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor der Beratung. Der Vorschlag Ammans fand erwartungsgemäß am Abend keine Zustimmung, wie es hieß.

Wowereit übernahm die Sitzungsleitung, nachdem Matthias Platzeck (SPD) wie angekündigt seinen Rücktritt vom Aufsichtsratsvorsitz erklärt hatte. Der brandenburgische Ministerpräsident legt seine Ämter nach einem leichten Schlaganfall im Juni nieder. Brandenburg werde im Oktober einen Nachrücker für Platzeck präsentieren, sagte Wowereit. Wer Vorsitzender wird, entscheidet der Aufsichtsrat danach.

Wowereits Rückkehr "ein Treppenwitz"

"Es ist nicht die Frage, welche Personen hier jetzt in welche Position kommt", sagte Wowereit auf die Frage, ob er wieder Aufsichtsratschef werden wolle. Platzeck hatte ihn im Januar abgelöst, nachdem der vierte Eröffnungstermin für den Flughafen wegen Baumängeln, Fehlplanungen und Technikproblemen geplatzt war.

"Wowereits Rückkehr an die Spitze des Aufsichtsrates ist ein Treppenwitz der Geschichte", sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring "Handelsblatt Online". Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann sagte: "Die Rückkehr von Herrn Wowereit kann nur eine zeitlich sehr eng begrenzte Notlösung sein."

Auch "Kleinst-Eröffnung" kostet Millionen

Mehdorn, der seit Monaten beim Flughafenbau aufs Tempo drückt, sagte nun: "Qualität geht vor Schnelligkeit." In den nächsten vier Wochen will er Siemens unter Vertrag nehmen, damit das Unternehmen die Frischluftzufuhr für das Hauptterminal im Brandfall umbaut. "Siemens glaubt, im Frühherbst nächsten Jahres fertig zu sein. Wir glauben, dass das schneller gehen kann."

Die Teileröffnung des Flughafens ist umstritten. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), nannte die "Kleinst-Eröffnung" unwirtschaftlich und warnte vor noch größeren finanziellen Schwierigkeiten. Die Berliner Grünen sprachen von einem "Ablenkungsmanöver", die Piratenpartei von einem "Hirngespinst".

Der für die Genehmigung zuständige Landrat Stephan Loge hatte von einer Teileröffnung abgeraten und vor weiteren Verzögerungen für das Gesamtvorhaben gewarnt. Mehdorn plant, in dem als Wartehalle gebauten Nordflügel des Terminals vorübergehend Gepäckbänder und Check-In-Schalter für 5,9 Millionen Euro aufzustellen.

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