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18. Dezember 2009, 10:31 Uhr

Ich kann es nicht mehr hören!

Täglich gibt es neue Kommentare, Studien und Horrorszenarien zum Klima. Ich kann kaum noch an etwas anderes denken, als an meine CO2-Bilanz. Ich verbrauche gar nicht viel und habe dennoch ein schlechtes Gewissen. Das muss ein Ende haben. Ein Hilferuf von Philipp Engel

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Unter anderem Schuld am Klimawahn des Autors: Eine von gefühlten zehntausend Klimagrafiken© Kay Nietfeld/DPA

Klimawandel allerorts. Die Bahn hat einen neuen Klimarechner, es gibt klimafreundliche Reisen, gefühlte tausend Klimasiegel und 100.000 Artikel zum Thema. Es ist ja sicherlich wichtig und sinnvoll und man muss die Menschen sensibilisieren. Und wenn in Kopenhagen grad die wichtigen Menschen wichtig über ein wichtiges Thema reden, dann muss auch drüber berichtet und gesprochen werden.

Aber ich kann nicht mehr. Mein Hirn hält dem Trommelfeuer der Klimarechner, Untergangsszenarien und Umweltverschmutzervergleiche nicht mehr stand. Ich merke, wie ich langsam abdrifte in einen Wahn. Bei allem, was ich tue, denke ich über die CO2-Kette nach. Ich stelle die seltsamsten Gedankengänge an.

Ist es ökologischer, eine Station mit der S-Bahn zu fahren oder zu Fuß zu gehen? Klare Sache, zu Fuß gehen natürlich. Und gesünder ist es auch. Aber die Bahn fährt ja eh. Mit Strom aus Kohlekraftwerken. Die emittieren CO2. Wenn ich nun also meine knapp 65 Kilos in die S-Bahn stelle, wie viel mehr Strom braucht die Bahn? Wie viel CO2 ist das? Wenn ich stattdessen zu Fuß gehe und dann abends die verbrauchten Kalorien in Form eines Käsebrotes wieder zu mir nehme, wie viel CO2 hat wohl die Kuh für diese Käsescheibe emittiert? Ist das mehr oder weniger?

Unbewusst klimafreundlich

So wird ein banaler Spaziergang zu einer existenziellen Frage. Denn natürlich möchte ich das Klima schützen. Nur komme ich mir bei jedem unvermeidlichen Gramm CO2 schon fast vor wie ein Schwerverbrecher. Dabei habe ich dazu keinen Grund. Ich dusche morgens nur zwei Minuten, einfach weil ich mal wieder zu spät aus dem Bett gekommen bin. Ich habe kein Auto, nicht einmal einen Führerschein. Und jeden Tag ein Steak ist allein wegen meiner Finanzen nicht möglich. Wenn auf dem Teller nur ein paar Brotkrümel liegen, wird er noch mal benutzt und dann erst abgewaschen. Ich bin durch meine Faulheit ein unfreiwilliger CO2-Vermeider. Und trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es mir von jeder Seite eingeredet wird.

Und es scheint so unbegründet. Da fliegen sie alle in Flugzeugen nach Kopenhagen, wohnen in beheizten Luxushotels und fahren in großen, angeberischen Autos zum Tagungsort. Da machen sie lächerliche 2,4 Milliarden für die Entwicklungsländer locker, nachdem sie gerade erst ein Vielfaches für nur eine einzige Bank ausgegeben haben. Da pendeln Abgeordnete zwischen Bonn, Berlin und Brüssel, mit dem Flugzeug natürlich. Und reden davon, neue Kohlekraftwerke zu bauen. Wenn ich das sehe, kommt mir der Gedanke, dass es ja so schlimm gar nicht sein kann.

Beendet den Wahnsinn!

Ich flehe hiermit um Gnade: Ich bin übersensibilisiert und ich möchte meine Gedanken endlich wieder auf andere, ebenfalls wichtige Dinge lenken können. Ich will keine Grübelorgien mehr darüber veranstalten, ob es legitim ist, eine Kaffeetasse schon nach zwei Tagen abzuwaschen. Oder ob ich in Zukunft mit den Fingern essen sollte, um die Energie zu sparen, die der Abwasch verbrauchen würde.

Ich will ja gern das Klima schützen und ich sehe die Notwendigkeit. Also einigt euch endlich, da in Kopenhagen, legt euch fest. Sagt mir, was ich tun soll, ich mache es! Aber hört bitte auf mit dieser Klimapenetration. Diesem Dauerbeschuss mit Studien, Erklärungen und Erkenntnissen. Ich kann nicht mehr.

Ein Hilferuf von Philipp Engel
 
 
KOMMENTARE (10 von 42)
 
Hans-Holger (19.12.2009, 07:52 Uhr)
Uebertreibungen und Pessimisten
cooler Artikel, Mr. Engel!

Wir neigen nun einmal zum Uebertreiben und Generalisieren:
- alle Gewalt dieser Erde kommt nur von Terroristen
- alle Probleme in Wirtschaft und Finanzwelt kann man mit einem Wort erklaeren - Krise
- Klimakatastrophe wir nun missbraucht fuer jedes staerkere Gewitter

Aber genau diese Generalisierungen verschliessen den Blick fuer die wirklichen Probleme, die sich dahinter verbergen!
SethusCalvisius (19.12.2009, 01:34 Uhr)
Eins ist sicher.
Ob es den menschengemachten Klimawandel nun gibt oder nicht, weiß in Wahrheit keiner, auch wenn Schlauberger wie vegefranz und co behaupten, mehr zu wissen als die Mehrzahl der internationalen Experten.
Sicher ist nur eins: Sollte es diesen Klimawandel wirklich geben, wird er mit Sicherheit nicht mithilfe dieser Klimakonferenzen gestoppt. Wenn die Sache so ernst ist, müsste jetzt radikal umgelenkt werden. Alles andere ist Kokolores.
Arkbird (18.12.2009, 18:30 Uhr)
0,000001104 %
Wenn Deutschland seine Ziele umsetzen könnte, würde es den Co2-Ausstoß in der Welt um stolze 0,000001104 % pro Jahr reduzieren.

http://werglaubtnochdiesesauce.wordpress.com/2009/12/17/floppenhagen-vs-co2-neues-von-den-klimawandlern/
jomimo (18.12.2009, 16:47 Uhr)
@hamskibamski
Sie sind kein Schwarzmaler, Sie sind ein unverbesserlicher Optimist, denn es gibt keinen Klimagipfel zugunsten des Planeten, sondern nur einen zugunsten von Personen, welche sich ungerechtfertigt profilieren möchten.
Und das gelingt auch, weil Völker verdummt und verblödet sind und weiterhin Bunte und Bild toll finden.
Es braucht keine teuren Gipfel ( eigentlich gar keine Gipfel, denn die Damen und Herren haben die Möglichkeit der Konferenzschaltung mit allem Komfort ) , jedoch sind sie autorisiert, unser Steuergeld auszugeben für nichts und wieder nichts und genau das sind sie leibhaftig.
Mal sehen, was die Hessen wünschen in wenigen Monaten, sie stehen in dem Ruf, sehr klug zu sein.
ramteid (18.12.2009, 15:30 Uhr)
Anmaßung für Gewinn
Da kann man noch soviel Schwindeln um Geld zu verdienen und trotzdem wird der Mensch weder das Erdklima beeinflussen, ändern und schon gar nicht rettten können. Spätere Generationen werden über diesen Gierwitz lachen, sofern es sie überhaupt gibt. Wir sind nun mittlerweile 7 Milliarden auf dieser Kugel und sollten uns alle wie Gäste aufführen, weil wir das nun bloß mal sind. Das heißt ein bißchen verantwortungsvoller, die Natur schützen und pflegen und der Gier bzw. der Gruppe der Gierigen den Kampf ansagen.
nightmare_online (18.12.2009, 13:32 Uhr)
@vandog
Svensmark ist eine Sache, Miersch's lächerliche Interpretation in der Welt eine andere. Svensmarks Annahmen sind zwar noch nicht Bestandteil des IPCC-Konsens, werden es aber mit ziemlicher Sicherheit beim nächsten Bericht sein.
Nur: Sie erschüttern gar nichts bezüglich der Theorie.
Mierschs Interpretration ist die übliche Desinformation die er und die Skeptiker treiben. Weistestgehend völliger Mumpitz.
nightmare_online (18.12.2009, 13:22 Uhr)
@fredyma
Sie haben das Recht die Realität zu negieren, sie haben das Recht überall Verschwörungen zu sehen. Sie haben das Recht jeden noch so albernen Mumpitz zu vertreten.
Dies beinhaltet aber nicht das ihre Meinungen einen Bezug zur Realität haben.
FeydRautha (18.12.2009, 13:03 Uhr)
Zu dem auf uns zukommenden Wandel ...
Zu dem auf uns zukommenden Wandel auf vielen gesellschaften Gebieten infolge des Klimawandels ist nur noch ergänzend anzumerken, daß die Saurier der Industrialisierung im 21. Jahrhundert sterben werden, ja vielmehr sterben müssen, um ein Weiterleben der Menschheit auf dem Planeten zu garantieren.

Dahinter steht als Auftrag nicht mehr und nicht weniger als ein Umbau der Wirtschaften und den hochnotwendigen Einzug der Rationalität ins Wirtschaften.

Rationalität in der Wirtschaft ist das Gegenteil dessen, was konstituierend für den Wahnwitz der letzten 30 Jahre ist und der immer noch ungebrochen tobt ...

Feyd-Rautha
Hamskibamski (18.12.2009, 12:51 Uhr)
Ich bin bestimmt kein Schwarzmaler, aber ich wette:
Der zukünftig letzte Mensch auf diesem Planeten ist schon geboren.
georgeus08 (18.12.2009, 12:49 Uhr)
an die redaktion!
hallo-beim schreiben eines kommentars gibt es hier leider ein problem:es lässt sich nichts korrigieren, jedes nachträglich eingefügte zeichen löscht das nachfolgende.mit der bitte um kenntnisnahme,ihr leser.
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