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13. Februar 2007, 08:04 Uhr

Toyota - powered by Renate Künast

Das Auto ist des Deutschen heiliges Blechle, da grenzt es schon an Blasphemie, zum Kauf einer japanischen Marke aufzurufen, wie es Renate Künast tat. Dafür wird sie nun heftig kritisiert, doch auch Bundeskanzlerin Angela Merkel haut in die gleiche Kerbe.

Sicherlich kein sparsames und umweltfreundliches Gefährt: Bundeskanzlerin Merkel thront auf einem BMW-Formel-1-Wagen© Christian Charisius/Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach Informationen der "Passauer Neue Presse" Kritik an der deutschen Automobilindustrie geübt. Wie das Blatt aus Teilnehmerkreisen erfuhr, beklagte Merkel im CDU-Präsidium, die Autokonzerne hätten wichtige technologische Entwicklungen im Bereich Benzinverbrauch und Schadstoffemissionen versäumt. Die deutschen Autobauer seien zuletzt "nicht immer an der Spitze der Innovation" gewesen.

Im Streit um Maßnahmen für mehr Klimaschutz haben führende Politiker von Union und SPD in dem Blatt den Vorstoß von Grünen-Fraktionschefin Renate Künast zurückgewiesen, auf japanische Hybrid-Autos umzusteigen. "Ein Verbraucher-Boykott gegen deutsche Autos ist eine billige und populistische Forderung", wird Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Dienstag in der "Passauer Neuen Presse" zitiert. Es sei vernünftig, von der Automobilindustrie wesentlich mehr Engagement beim Umweltschutz zu verlangen: "Aber Frau Künast schießt weit über das Ziel hinaus."

"Nichts als Effekthascherei"

SPD-Chef Kurt Beck kritisierte den Künast-Vorstoß ebenfalls. "Ich halte nichts von spektakulären Effekthaschereien", sagte Beck dem Blatt. Deutschland sei ein Automobilland, dem man mit Kaufempfehlungen für ausländische Wagen wahrlich keinen Gefallen tue.

Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) kritisierte:"Mit ihrem Aufruf, japanische Autos statt Pkws von deutschen Herstellern zu kaufen, leistet Frau Künast der deutschen Industrie und den Arbeitsplätzen hierzulande einen Bärendienst." Gerade die bayerischen und deutschen Autohersteller seien technologisch führend und hätten in den letzten 20 Jahren viel für geringere Schadstoffemissionen und einen effizienten Kraftstoffverbrauch getan. Die Kfz-Industrie sei zu wichtig, als dass man vorschnell auf vermeintlich bessere ausländische Fahrzeuge verweisen sollte: "Solche populistischen Forderungen sind ökonomisch schädlich und ökologisch nicht zielführend."

Verwundert über eigene Forderung

Künast hatte in der "Financial Times Deutschland" gesagt, solange die deutschen Autohersteller nicht umsteuerten und klimaverträglichere Fahrzeuge mit niedrigen Abgaswerten herstellten und auch entsprechend bewerben würden, könne sie nur raten: "Leute, kauft Hybrid-Autos von Toyota!" Anschließend sagte sie "Spiegel Online", sie habe nicht damit gerechnet, dass ihre Äußerung als Boykott-Aufruf gewertet werden würde.

Ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA) sagte der "Augsburger Allgemeinen: "Frau Künast hat offenbar noch Informationsbedarf, denn es ist beileibe nicht so, dass deutsche Hersteller keine umweltfreundlichen Fahrtzeuge im Angebot haben." Laut "Berliner Zeitung" fuhr Künast während ihrer Amtszeit als Bundesverbraucherministerin selbst einen Audi A8 TDI. Das Auto habe zwar einen Dieselrußfilter gehabt, sei aber mit 326 PS nicht besonders umweltschonend ausgestattet gewesen.

Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
MasterMorpheus (13.02.2007, 11:18 Uhr)
Grundsatz Auto
Ich persönlich fahre ein Öko-Toyota, und kann nur, sagen wer Heute keine Verantwortung übernimmt brauch sich nicht wundern wenn es kein mehr Morgen gibt! Innovationsstandort Deutschland? Weit gefehlt! Die deutsche Automobillobby hat es über viele Jahre versäumt innovativ zu sein! Warum? Absichtlich? Zu sehr verbunden mit den Ölmultis? Warum auch immer! Auf jedenfall scheint der Trend zu "vernünftigen" Autos auch mal langsam in Deutschland angekommen sein. (sh. aktuelle Verkaufszahlen BMW -7% und Daimler -9%)! RICHTIG SO!!!
tagora-sagittara (13.02.2007, 10:41 Uhr)
Zeit wird`s...
der deutschen Automobillobby die rote Karte zu zeigen.
Nicht Umwelt und Rohstoff schonende, sondern Benzin- Saufboliden mit Leistungsauslegungen von 30 Tonnern werden proklamiert,...weil`s der Kunde so will, blah,blah,..Blödsinn. Die ganze "Benzin - Diesel" Debatte ist für die Katz. Wenn Hybrid der erste Schritt ist, ist`s halt ein erster Schritt. In technischer Stagnation sind wir eh schon Weltmeister. Anstatt die Motoren und den Antrieb zu verbessern, basteln wir allemöglichen Schnickschnack in die Auto`s, die mit autofahren nicht im mindesten zu tun haben. (Bin mal gespannt wann der erste Hersteller eine serienmäßige Playstation verbaut).
Leute die ein innovative Lösung anstreben müssen dann eben ins Ausland zur Konkurenz gehen, siehe Toyota.
Die deutschen Automobilbauer haben hier jahrelang eine Entwicklung verpennt, der sie jetzt nicht mehr hinterher kommen,...aber das kennen wir ja schon, gell,..
Burner (13.02.2007, 10:15 Uhr)
Hybrid nur eine fauler Kompromiss !
Sicherlich ist der Ansatz des Hybridautos nicht falsch, aber es kann keine endgültige Lösung sein. Es wird dabei immer noch Benzin verbraucht ! Auf lange Sicht gesehen verspricht dabei die Brennstoffzelle oder ein Erdgasauto mehr Potenzial.
Es muss ein Umdenken erfolgen, dass ist außer Frage, nicht nur was das Auto angeblangt, aber es kann auch nicht sein, dass Deutschland meint, es allein, müsse der Retter der Menschheit sein, was die Umweltverschmutzung angeht. Man sollte sich mal um Dreckschleudern wie China und die USA kümmern, in den sich die Leute einen Dreck um Abgase und Energieverschwendung scheren.
dachauerthomas (13.02.2007, 09:10 Uhr)
Streit um sparsame Autos
Zu der von Toyota aus Werbezwecken angeheizten Hybrid-Hype will ich nur folgende Fakten festhalten:
- wer wirklich ein sparsames Auto fahren will sollte einen gebrauchte 3l-Lupo kaufen.
- Die Gesamt-Ökobilanz der Hybridautos ist alles andere als glänzend, E-Motoren, große Hochvolt-Batterien, Leistungselektroniken, die über 200A (Haushalt ist mit 16A abgesichert) steuern können benötigen viel Energie und Rohstoffe.
- Ein Hybrid-FZG ist immer schwerer als ein normales FZG der gleichen FZG-Klasse.
- der Verbrauchsvorteil begrenzt sich auf Stadtverkehr, im Überlandverkehr ist jeder (leistungsmäßig vergleichbarer) TDI sparsamer.
Daher sollten sich Politiker, die meist keine Techniker sind, es sich dreimal überlegen ob sie sich vor den Werbekarren von Toyota spannen lassen.
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