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30. Januar 2009, 07:42 Uhr

Koch gibt FDP drei Ministerposten

Regierungsbildung im Rekordtempo: Weniger als zwei Wochen nach der Wahl in Hessen haben CDU und FDP ihren Koalitionsvertrag präsentiert. Demnach erhält die CDU sieben Ressorts und die erstarkte FDP drei. Die künftige Landesregierung stellte auch die Schwerpunkte ihrer Politik vor.

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Sind sich einig: Jörg-Uwe Hahn von der FDP und Roland Koch von der CDU werden Hessen gemeinsam regieren© Fredrik von Erichsen/DPA

Knapp zwei Wochen nach der Landtagswahl in Hessen steht das schwarz-gelbe Regierungsbündnis. Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und der FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn (FDP) haben den Koalitionsvertrag am Freitag in Wiesbaden vorgestellt. Die FDP bekommt wegen ihrer starken Zugewinne bei der Wahl drei Ministerien, die bislang alleinregierende CDU nur noch sieben. Die Besetzung einiger Kabinettsposten ist allerdings noch unklar. Als einen Schwerpunkt ihrer Politik kündigten Koch und Hahn an, mehr Polizisten und Lehrer einzustellen.

"Exzellente Grundlage für eine bürgerliche Regierung"

"Wir wollen gemeinsam ein Land gestalten, das vor großen Herausforderungen steht", erklärte Koch. Der Koalitionsvertrag, auf den sich Vertreter von CDU und FDP im Rekordtempo geeinigt hatten, sei eine "exzellente Grundlage für eine bürgerliche Regierung". "Das ist einmalig in der Geschichte eines Bundeslandes, dass in nicht einmal 14 Tagen zwei Parteien, zwei Fraktionen, eine Vereinbarung für eine fünfjährige Legislaturperiode treffen“, ergänzte Hahn.

An diesem Samstag sollen die Parteigremien den Vertrag absegnen. Schon bei der konstituierenden Sitzung des Landtags am kommenden Donnerstag könnte die neue Regierung dann ins Amt kommen.

Im Landtag hat die CDU 46, die FDP 20 Mandate. Zusammen kommen sie auf eine deutliche Mehrheit der 118 Sitze. Die letzte schwarz-gelbe Koalition in Hessen gab es zwischen 1999 und 2003.

Die FDP bekommt das Ressort Wirtschaft und Verkehr, das Kultusministerium sowie das Ressort für Justiz, Europa und Integration. Die CDU behält die Zuständigkeit für Inneres, Finanzen, Wissenschaft und Kunst, Soziales sowie Umwelt, ländlicher Raum und Verbraucherschutz. Außerdem hat der Chef der Staatskanzlei Ministerrang. Die Namen der Minister wollten Koch und Hahn noch nicht bekanntgeben.

Als Wirtschaftsminister haben die Liberalen aber bereits ihren Vize-Landesvorsitzenden Dieter Posch nominiert. Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident soll Hahn selbst werden. Für das Kultusressort steht die FDP-Abgeordnete Dorothea Henzler bereit. Die drei bisherigen CDU-Minister Alois Rhiel (Wirtschaft), Jürgen Banzer (Justiz/Kultus) und Volker Hoff (Europa) verlieren ihre Zuständigkeiten. Rhiel und Hoff kündigten bereits ihren Rückzug an. Ob Banzer im Kabinett bleibt, ist noch ungewiss. Er wird für den Posten des Umweltministers gehandelt.

Mehr Lehrer und Schuldenverbot

Die künftige Landesregierung will in den kommenden fünf Jahren mehr Polizisten und Lehrer einstellen. Hahn sprach von 2500 neuen Stellen für die Schulen. Noch in diesem Jahr solle es 150 zusätzliche Wachpolizisten geben. Diese Stellen müssten aber anderswo in der Landesverwaltung eingespart werden, da dies sonst neue Schulden für das Land bedeuten würde, sagte Koch. Außerdem planen CDU und FDP, ein Schuldenverbot in der Landesverfassung festzuschreiben. Angestrebt werde ein "Paradigmenwechsel" in der Finanzpolitik, sagte Hahn.

Die Vorschulbildung soll dem Koalitionsvertrag zufolge grundsätzlich im Kindergarten belassen werden. Die FDP hatte ursprünglich eine verpflichtende Vorschule für alle Fünfjährigen gefordert. Man habe sich auf ein Schulvorbereitungsjahr mit speziellen sprachlichen Fördermaßnahmen geeinigt, sagte Koch.

Die SPD kritisierte den Koalitionsvertrag als "Programm ohne Ambitionen". Der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sagte, für ihn stehe das Regierungsprogramm unter der Überschrift "Verwalten statt Gestalten".

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
SethusCalvisius (31.01.2009, 01:38 Uhr)
Danke
für die Korrektur, das hatte ich übersehen. Diese Zahl ist aber eine weitere Bestätigung dafür, dass Hartz IV der Auslöser des SPD-Abwärtstrends war und nicht Yps.
februarkind (31.01.2009, 00:37 Uhr)
@ SethusCalvisius
Korrektur: Die SPD lag 2007 NICHT erstmals bei 24 %, sondern schon 2003 bei 23 %, also vor der letzten Bundestagswahl.
http://www.wahlrecht.de/umfragen/forsa/2003.htm
http://www.wahlrecht.de/umfragen/emnid/2003.htm
Laut Forsa lag die SPD noch 6 Wochen vor der Wahl 8 % unter dem eigentlich erzielten Ergebnis. Da sind 8 Monate vor der Wahl noch ein paar %te nach oben drin!
SethusCalvisius (30.01.2009, 22:50 Uhr)
@Aaron71
Leider muss ich Ihre Freude ein wenig trüben. Sie schreiben, Schröder habe 2005 "für damalige Verhältnisse" ein fulminantes Wahlergebnis erzielt. Was waren das denn für "damalige Verhältnisse"? Die SPD war nach Bekanntwerden von Hartz IV gegenüber dem Wahlergebnis von 2002 in den Umfragen um bis zu 12 % abgesackt. Tatsächlich schaffte Schröder durch seine persönliche Ausstrahlung noch ein respektables Ergebnis, nichtsdestotrotz wurde er abgewählt und das sicher nicht wegen eines "Linkkurses". Nach Inkrafttreten von Hartz IV im Jahr 2005 ging der Abwärtstrend weiter. Im Jahr 2007 lag die SPD erstmals in Umfragen bei nur noch 24 %; die verlorenen Stimmen waren fast alle bei den Linken gelandet. Warum wohl? Von der Eierei um die Regierungsbeteiligung der Linken in Hessen war damals jedenfalls noch nicht die Rede.
Ypsilanti hat ihr, wie Sie schreiben, "sensationelles Ergebnis" bei der Hessen-Wahl übrigens mit einem Programm eingefahren, das so links war, dass z.B. Clement von der Wahl Ypsilantis abgeraten hat. Insofern muss Ihre Theorie irgendwo einen Fehler haben.
vegefranz (30.01.2009, 21:17 Uhr)
Studentendemos in Berlin
gab es doch letztens. Da sind diese gehirnakrobaten in die Humboldt-Uni eingedrungen und haben randaliert. dabei ist auch die Holocaust-Austellung im Eingangsbereich in Stücke gegangen. Die dachten, Holocaust sei ein neues Anlageprodukt der Deutschen Bank und müsse zerstört werden
Aaron71 (30.01.2009, 21:17 Uhr)
...im Übrigen
darf ich Kralli 19 und alle anderen, die sich hier jetzt zahnlos über eine mit breiter demokratischer Mehrheit gewählte Landesregierung, die noch nicht einen Tag im Amt ist, ergeifern und damit ein recht verqueres Demokratieverständnis beweisen, an eines erinnern: Nachdem sich 2008 alle Parteien eingegraben hatten, die Grünen Jamaika und die FDP die Ampel abgelehnt hatten, kam von der CDU das Angebot einer großen Koalition ohne Koch. Wollte Frau Y aber nicht, weil sie dann nicht MP geworden wäre (nicht etwa wegen inhaltlicher Differenzen). Die SPD ist in Hessen und weit darüber hinaus der Instinktlosigkeit einer einzigen Person zum Opfer gefallen.
Aaron71 (30.01.2009, 21:12 Uhr)
@sethus
Freut mich doch immer wieder, wenn es mir gelingt, Ihnen eine Freude zu machen. Machen Sie doch anderen mal eine Freude, indem Sie auf so sinnlose Märchen wie dem Beginn des Niedergangs der SPD durch Hartz 4 verzichten. Ich halte Sie für intelligent genug, zu wissen, dass dies nicht stimmt. 2005 war Hatz 4 längst bekannt, und Schröder hat für damalige Verhältnisse ein fulminantes Wahlergebnis erzielt. Der Niedergang begann exakt mit dem Schlingerkurs gegenüber der Linkspartei. Eine Wiederholung dieses Phänomens ist in Hessen zu beobachten: Ypsilanti distanziert sich klar von Linkspartei = sensationelles Ergebnis - Ypsilanti bricht Wort = Schwupps in den Keller. Na, was bemerkt?
SethusCalvisius (30.01.2009, 20:00 Uhr)
@Aaron71
Ich werde es mir verkneifen, Sie auf Ihren Grammatik-Fehler aufmerksam zu machen, aber irgendiwe find ich's witzig.
@MMSterling
Sie übersehen, dass der Abwärtstrend der SPD 2003 mit Hartz IV begonnen hat. Glauben Sie im Ernst, Schröder wäre 2002 gewählt worden, wenn er vorher gesagt hätte, was er vorhat?
dippegucker (30.01.2009, 19:01 Uhr)
Vollgefressen Hamsterbäckchen...
...glaubt er regiert, während vollgefressen Doppelkinn weiß, er regiert...
Armes Hessen!
MMSterling (30.01.2009, 18:17 Uhr)
@nursery
"...ist die Schwäche der SPD und Grünen"
Die SPD hat keine Schwäche, sie hat schlicht und ergreifend kein Profil mehr. Schröder hatte sich die Mitte erobert. Seine Agenda hatte ja eigentlich mal den Untertitel "Fordern und Fördern" und hat den Staat vermutlich vor dem Kollaps des Sozialsystems bewahrt. Leute wie Nahles, Ypsilanti und Co. versuchen der Partei nun ein linkes Gewissen zu verpassen, was zwangsläufig dazu führt, daß die SPD ihr eigenes Konzept Agenda 2010 aus erfolgreichen Tagen in Frage stellt. Damit nicht genug, versucht man nun Gysi und Lanfontaine am linken Rand Konkurrenz zu machen. Man will die Stimmen der Verlierer des letzten Aufschwungs und verläßt die Mitte, die die SPD immerhin 3 mal in die Bundesregierung gewählt hat. Da an die Spitzenverdiener ohnehin keiner rangeht, kann sich der Durchschnittsverdiener an 10 Fingern abzählen, wer so ein linkes Programm bezahlen darf...
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Andererseits gibt es aber allen Horrormeldungen zum trotz noch nicht genug Hartz IV-Bezieher unf Geringverdiener, um daraus eine demokratische Mehrheit zu formen. Und viele von denen dürften auch noch zur Gruppe der Nichtwähler zahlen. Und so zerreibt sich die SPD zur Splitterpartei.
Ums mal mit Herbert Wehner zu sagen: "Sie müssen sich schon entscheiden, ob sie mit dem Kopf nicken oder wackeln wollen". Wobei das dsamals H. Kohl galt :-)
Nursery (30.01.2009, 17:54 Uhr)
@MMSterrling Geld für Sinnlose Dinge ausgeben eine Sinnvollere?
Klar ist Geld was nicht da ist kann nicht ausgegeben werden.Doch teure Repräsentanzen in Brüssel ,Berlin und Inkompetente Aufsichträte in den Banken wie IKB sind mehr als Indiz der Unfähigkeit. Die Stärke der FDP in unserem Bundes land ist die Schwäche der SPD und Grünen die kaum noch wahrgenommen werden.Opposition sollte sich anders atikulieren und diesem Wendebettleger Rüttgers endlich die Kante zu zeigen.Eben Parteien der Besserverdienenden.
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