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14. März 2008, 08:21 Uhr

Deutsche rechnen mit Wortbruch der SPD

Das Vertrauen in die SPD sinkt: Mehr als die Hälfte der Deutschen glaubt, die Partei werde entgegen ihrer Ankündigungen bei der nächsten Bundestagswahl mit der Linkspartei koalieren. SPD-Chef Beck hat dies jedoch "eindeutig" ausgeschlossen. Auch ein alter Bekannter warnte vor einer solchen Zusammenarbeit.

Der SPD-Chef Kurt Beck versichert, die SPD werde zu ihrem Wort stehen, auf Bundesebene nicht mit der Linkspartei zu koalieren© Sean Gallup/Getty Images

Die SPD hat laut einer Umfrage im Streit mit der Linkspartei viel Glaubwürdigkeit verloren. Laut dem aktuellen "ZDF-Politbarometer" glauben 54 Prozent der Bürger, dass die SPD entgegen ihrer Zusagen nach der nächsten Bundestagswahl mit der Linkspartei koalieren würde. Dieser Auffassung sind auch 36 Prozent der Anhänger der SPD, deren Führung eine solche Koalition im Bund immer wieder ausschließt. Auch Parteichef Kurt Beck hat der Umfrage zufolge an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Dieser Auffassung sind 54 Prozent aller Befragten und 35 Prozent der SPD-Anhänger. In der "Sonntagsfrage" gab die SPD einen Punkt auf jetzt 29 Prozent nach; sie liegt damit klar hinter CDU und CSU, die auf 40 Prozent kommen.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat derweil eine Zusammenarbeit seiner Partei mit der Linken auf Bundesebene bis weit über das kommende Jahr hinaus ausgeschlossen. "Bei den Positionen dieser Partei auf Bundesebene sage ich eindeutig: keine Zusammenarbeit im Bund, auch weit über 2009 hinaus", sagte Beck der "Süddeutschen Zeitung". Die Positionen beider Parteien seien unvereinbar. Im Unterschied zur Linken wolle sich die SPD auf dem Weg zur Bundestagswahl 2009 beispielsweise auch um das Wohl der "Leistungsträger" kümmern. Diese Gruppe reiche vom kleinen Unternehmer über Selbstständige bis hin zu Facharbeitern und Krankenschwestern, sagte Beck, der zugleich dem Eindruck widersprach, er habe mit seinem Kurswechsel in Bezug auf die Linkspartei an Glaubwürdigkeit verloren und Wortbruch begangen.

"SPD ist absolut zuverlässig"

Ein Wortbruch wäre gewesen, wenn die SPD in Hessen von vornherein eine Koalition mit der Linken angestrebt hätte, sagte Beck. Beck widersprach auch der CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Zweifel an der Zuverlässigkeit der SPD geäußert hatte. "Die SPD ist absolut zuverlässig", sagte Beck. Merkel müsse dagegen sicherstellen, dass CDU und CSU beispielsweise in der Frage des Post-Mindestlohns zuverlässig blieben. Der SPD-Vorsitzende stellte zudem eine Einigung im Streit über die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn in Aussicht: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, einen verkehrspolitisch, für die Infrastruktur und die Entwicklungsmöglichkeiten der Bahn gleichermaßen sinnvollen Weg zu finden", sagte Beck.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder warnt angesichts der Schwäche des Koalitionspartners SPD vor "Weimarer Verhältnissen". "Wenn ich mir die SPD anschaue, mache ich mir Sorgen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Die Weimarer Republik ist nicht an zu vielen Nationalsozialisten, sondern an zu wenig Demokraten gescheitert." Die SPD solle sich deshalb an ihre Geschichte erinnern und klar nach links und von Kommunisten abgrenzen. Der Begriff "Weimarer Verhältnisse" bezieht sich auf die labile Demokratie der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten.

Schröder warnt SPD vor Linkskurs

Kauder sieht die große Koalition in Berlin durch das Verhalten Becks gegenüber der Linkspartei belastet. Dennoch gelte: "Solange er seine Zusagen aus den Koalitionsrunden hält, kann die große Koalition noch arbeiten." Die Union werde genau darauf achten, ob sie sich auf Becks Wort verlassen könne. Beck selbst und die SPD insgesamt haben durch den wochenlangen Streit über den Umgang mit der Linkspartei an Zustimmung bei den Wählern verloren.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat seine Partei indes vor einem Linkskurs gewarnt. "Die SPD kann nur dann mehrheitsfähig sein, wenn sie in der Mitte der Gesellschaft verankert ist und diese nicht verlässt", sagte Schröder bei einer Preisverleihung an den früheren SPD-Partei- und Fraktionschef Hans- Jochen Vogel in Berlin. Eine Ausrichtung auf die Mitte sei das Fundament für die sozialdemokratischen Wahlerfolge in den 70er Jahren sowie unter seiner Kanzlerschaft nach 1998 gewesen. "Dieses Fundament darf die Partei nicht verlassen, wenn sie erfolgreich bleiben will. Denn die SPD ist die Partei des aufgeklärten Bürgertums", fügte Schröder hinzu. Nach seinen Worten darf es sich die SPD nicht gefallen lassen, dass sich Union und FDP als "bürgerliches Lager" definierten. Dahinter stecke der Versuch, die Sozialdemokraten auszugrenzen. Mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit habe diese Einteilung nichts zu tun. Deshalb müsse sich die SPD solchen Versuchen entscheiden widersetzen.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Nursery (15.03.2008, 15:59 Uhr)
Wieder ein Versprechen
Die SPD sollte zukünftig Vorsichtig mit ihren Versprechungen umgehen.Gerade Zweckbündnisse mit den Linken sollte sie keinesfalls ausschließen.Denn noch eine "Große Koalition" dann kann sich die SPD gleich
komplett Verabschieden.Das selbst die Grünen mittlerweile an der SPD Zweifel hegen, ist nur zu Verständlich.Was kann die SPD den jetzt noch vor einem wiederholten Desaster retten?
Das komplett aneinandervorbeireden der verschiedenen Strömungen in der Partei wird sicher zum völligen
Vertrauensverlust der Wähler führen.
Daß sich Schröder kaum mehr als einsilbig der Kameras nähert hat wohl seine Berechtigung.Den die Zahlen des DIW über den Zustand der Mittelschicht müßen ihm förmlich um die Ohren fliegen.
Verheerenc (15.03.2008, 13:26 Uhr)
erstaunen
ergreift mich wenn ich höre das die SPD explizit eine Partei der bürgerlichen Mitte sein soll.Wie war das noch mit der Arbeiterpartei?
Haben dann hier alle ihre Orientierung verloren?Wenn viele Wähler,und das ist m.E. offensichtlich,eine Zusammenarbeit der Linken mit der SPD wünschen,dann muss dem auch Rechnung getragen werden ohne Rücksicht auf Pfründe derer mann dann vielleicht verlustig wird.Aber machen wir uns nichts vor-Industrie und Wirtschaft haben das Sagen im System.Traurig aber wahr,völlig egal welche Partei sich der Illusion hingibt,eine Regierungspartei werden zu können.
schichtarbeiter (15.03.2008, 12:38 Uhr)
Früher oder später
wird die SPD meken das sie erst Stimmen und Mitglieder verloren hat als sie sich der Mitte zuwendete. Und genau das hat die Linke stark gemacht. Das geheule von Münte und Co. ist reines wunschdenken.Die Linke wird immer stärker werden solange es den Menschen finnanziell immer schlechter geht.
Spocks_Kommentar (14.03.2008, 14:42 Uhr)
Wer im Glashaus sitzt.....
Die CDU sollte ganz ruhig sein.
Frau Merkel war Kreissekretärin der FDJ und hat die SED-Indoktrination der Jugend organisiert und sie ist Bundeskanzlerin für die CDU.
Die SPD wollte noch nicht einmal koalieren, nur sich tolerieren lassen.
Wer bricht also hier sein Wort und lügt und kungelt mit SED-nahem Personal? Wie immer die CDU (wie es auch schon bei den Nazis war mit Filbinger, Globke und co).
Wer im Glashaus sitzt.....
Salzsteuer (14.03.2008, 14:01 Uhr)
Gasprom-Gerd
möge in die CDU eintreten, in der SDP ist er doch nur der Karriere zuliebe.
Im Übrigen sollte die vorhandene Mehrheit links der CDU einfach nur zusammenhalten und sich nicht von Trojanern auseinander dividieren lassen und dadurch die derzeitige Politik erst ermöglichen.
Dieses Land gehört schließlich der Bevölkerung und nicht einigen multinationalen Konzernen und deren Hilfswilligen.
arniston (14.03.2008, 13:10 Uhr)
Schröder=turbokapitalist
sowas verlogenens wie den schröder
hat die republik noch nie gesehen.
erst die karre in den dreck fahren
und dann mit der kiste havana
und seiner xxxten frau in die schweiz übersiedeln. das herr schröder sich überhaupt noch nach deuschland traut.
schämen soll der sich und aus den geschichtbüchern gestrichen werden.
ich fasse es nicht.
Justizius (14.03.2008, 12:43 Uhr)
Der heftigste Brutschmarotzer...
...den die SPD hat, ist immer noch Gerhard Schröder, ein Pseudo-Sozialdemokrat, der sich als Turbo-Kapitalist und Volksverräter entpuppte. Mit der Agenda 2010 hat er der SPD endgültig den Todesstoß versetzt. Jetzt irrt die SPD blind im dunkeln herum und sucht nach ihrem sozialen Profil, welches der Schröder in die Tonne geworfen hat. Diesen Ball hat aber die Linkspartei bereits aus der Tonne geholt. Somit ist Schröder für die gesamt-politische Situation, die wir momentan sehen, verantwortlich. Da sollte der Kurt Beck lieber die Ostereier im eigenen Garten suchen gehen....da hätte er mehr Erfolg.
ecomoc4u (14.03.2008, 12:27 Uhr)
Ich gebe euch mein Ehrenwort.
Wann hat je ein verantwortlicher Politiker sein Wort gehalten. Ich kenne keinen. Also, das ist wohl eher zweitrangig. Das Problem ist eher die wachsende Linke.
.
Ich bin eigentlich kein Linker. Ich kann euch aber VERSPRECHEN, das die Linke am wachsen ist. Und damit werden wir lernen umgehen zu müssen.
schwedenelch (14.03.2008, 10:54 Uhr)
Karren vor die Wand gefahren!
Herr Becksylanti,
wer soll ihnen und Genossen jemals wieder trauen,es ist schon gigantisch wie sie sich selbst und diese einstmals ehrwürdige Partei heruntergewirtschaftet haben.
Meinen Glückwunsch das hat kein Parteivorsitzender, vor ihnen geschafft.Selbst die Rheinland-Pfälzer erkennen so langsam welches Prachtexemplar von Landesvater sie da in ihrem Nest haben,ich würde sagen ein Kuckuksei.
ganzbaf (14.03.2008, 10:24 Uhr)
Vollkommener Blödsinn...

Schröder hatte die Wahlen ´98 nicht mit der „Agenda" gewonnen, sondern mit klassischen Linksthemen! Schon vergessen...? ;-)
Typischer Fall von „links geblinkt und rechts abgebogen".
.
Schröder, der Verräter:
3 Millionen Arbeitslose statt zu halbieren, glatt verdoppelt! Und heute zusammen mit Merkel bei 4-5 Millionen Volksfeste feiern... *kopfschüttel* und *ausspuck*
;-PpP
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