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25. Februar 2008, 16:08 Uhr

Merkel wirft Beck Wortbruch vor

Der Flirt von SPD-Chef Kurt Beck mit der Linkspartei belastet die Arbeit der großen Koalition offenbar doch stärker, als es bisherige Stellungnahmen vermuten lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht Koalition stark belastet, die CSU spricht von einem "gewissenlosen Wählerbetrug".

Die Bundeskanzlerin ist "not amused": Die vorsichtige Öffnung der SPD zur Linkspartei bereitet der Unionsführung wenig Freude© Gero Breloer/DPA

Nach der SPD-Richtungskorrektur zugunsten der Linken in Hessen sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Arbeit der großen Koalition stark belastet. Die Parteivorsitzende warf am Montag nach einer CDU-Vorstandssitzung in Berlin SPD-Parteichef Kurt Beck ein "gebrochenes Wort" vor, weil von ihm der Richtungsschwenk für Hessen ausgegangen sei. Ähnlich äußerte sich in München auch CSU-Chef Erwin Huber, der im Verhalten der Sozialdemokraten einen "gewissenlosen Wählerbetrug" sah. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust erhielt nach seinem Wahlsieg von der CDU-Spitze freie Hand, außer mit den Sozialdemokraten auch mit den Grünen Gespräche über eine Koalition zu führen.

Es wäre die erste Koalition zwischen Union und Grünen in einem Bundesland. Nachdem zuvor CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla Sympathien für ein solches Bündnis gezeigt hatte, äußerte sich Merkel wesentlich reservierter. "Die Tatsache, dass mit Grünen gesprochen wird, ist ein neuer Zustand." Die Hamburger CDU betrete damit Neuland. "Ich sage trotzdem, dass wir das nicht überhöhen sollen", fügte die Kanzlerin hinzu. Es herrsche zwischen Union und Grünen "nicht eitel Sonnenschein".

Die CDU war am Sonntag in Hamburg trotz Verlusten wieder klar stärkste Kraft in der Hansestadt geworden. Die Christdemokraten könnten mit den Grünen, aber auch mit den Sozialdemokraten koalieren. Beust kündigte baldige Gespräche an. "Ich buhle um niemanden", sagte er mit Blick auf die Grünen. "Ich denke an die Zukunft Hamburgs. Es geht darum, dass Beste für die Stadt zu tun."

Union will um Positionen kämpfen

Die Union wird nach den Worten Merkels zwar an der großen Koalition im Bund festhalten, den Sozialdemokraten in der Koalitionsarbeit aber mit größerem Misstrauen begegnen. "Wir werden schärfer darauf gucken, ob das, was verabredet wird, auch eingehalten wird." Die Union werde nun jedenfalls "klar" für ihre "Position kämpfen".

Vor Beginn der Sitzung hatten führende Unions-Politiker wegen des Richtungsschwenks der Sozialdemokraten eine dauerhafte Zusammenarbeit mit der SPD infrage gestellt. "Auf die Dauer kann eine CDU logischerweise nicht mit einer Partei, die sich in Richtung Kommunisten bewegt, arbeiten", sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff sagte, im CDU- Präsidium werde darüber gesprochen werden, "wie man die SPD, vor allem Kurt Beck, zur Vernunft bringen kann".

Keine Spielereien mit Neuwahlen

Merkel stellte die nähere Zukunft der großen Koalition zwar nicht infrage. "Wir spielen jetzt nicht mit irgendwelchen Neuwahlen und machen keine Spielereien auf dem Rücken der Wähler." Mehrfach hob sie jedoch hervor, wie sehr sie die Haltung von Beck missbillige. Er habe "in kleiner Runde" die "Marschrichtung" vorgegeben, dass sich in Hessen Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti zur Spitzenkandidatin mit Hilfe der Linken wählen lassen kann. Das sei "ein Vorkommnis". Das "gebrochene Wort" von Beck werde auch "nicht ohne Folgen für das Verhalten der Wähler bei der Bundestagswahl bleiben", sagte die Kanzlerin.

"Komplettes Versagen bei der Bekämpfung der Linkspartei"

Huber sprach in München von einer "Kapitulation der SPD und das Eingeständnis kompletten Versagens bei der Bekämpfung der Linkspartei." Die CSU werde aber zur großen Koalition stehen. Zu den schwarz-grünen Überlegungen nach der Hamburger Bürgerschaftswahl sagte Huber, eine Zusammenarbeit von CDU und Grünen habe keine Signalwirkung über die Hansestadt hinaus. "Für die Bundes- und Landespolitik ist Schwarz-Grün kein Zukunftsmodell."

DPA/spi
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Oetker333 (26.02.2008, 20:06 Uhr)
@manesse
Sagen sie doch wie es in Hessen weitergehen soll?
ganzbaf (26.02.2008, 16:56 Uhr)
Schöner Propagandabeitrag...
aus dem Ministerium zur Förderung von Aktionären und Millionären... ;-D
Die Linke will nur Artikel 14/15 Grundgesetz verwirklicht wissen.
Geh du doch in ein Land mit einer schönen Militärdiktatur, wenns dir hier nicht passt... ;-P
kaisergarten (26.02.2008, 01:13 Uhr)
die LINKEN an die Macht!
Natürlich sind die Linken = PDS = SED Kommunisten, vor allem nach dem Motto „was Dir gehört, gehört auch mir, aber lass von meinen Sachen die Finger weg“. Was soll das Gequatsche ,die jetzt als „normale“ Partei hinzustellen. Für mich sind das die Gleichen Hohlbirnen wie NPD, REP, etc. Intolerante Spinner die mit schwachsinnigen Programmen vor allem die Dummen und Erfolglosen (Faulen) unter uns ansprechen. Was sie fähig sind zu leisten, sieht man ja an Mc Pomm, Berlin, Brandenburg… echte Erfolgstorries (ha, ha, ha….). Ich bin schon seit der Hessenwahl dafür, dass RotRotGrün kommen soll – so hat der Wähler entschieden, die Suppe muss er dann auch auslöffeln. Aber dann heulen ja wieder alle und Schuld sind für alles ja die Politiker. Stimmt zwar, aber meiner Meinung sind die Politiker, Manager, Gewerkschaftler, usw. nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und die ist doch nicht gerade ein Ausbund an Ehrlichkeit und Fairness. Wenn man die Kommentare der letzten Wochen und Monate hier liest, dann muss ich annehmen, dass es nur noch Jammerlappen in diesem Land gibt. „Ich verdiene zu wenig“ – „Die anderen verdienen alle mehr“ – „Ich arbeite so viel“ – „Wie werden ausgebeutet“ – „bla, bla, bla…..“. Schon mal im Ausland gewesen? Ihr habt keine Ahnung! Wir wohnen hier im Paradies! Krankenversicherung, Arbeitslosengeld, Witwen- & Weisenrente, Rente, etc….. Geht doch mal in die letzten soz./ kom. Länder dieser Welt…..hmmm, wo sind die eigentlich alle hin? Ach eines gibt es noch, Nordkorea. Also viel Spaß dort. Aber für Jammerlappen gibt es da auch nix zu holen. Ach ja und immer schön gaaanz links wählen, dann kommt das Paradies, für alle und für umsonst.
ganzbaf (25.02.2008, 20:37 Uhr)
Na, vielleicht...

weil es gar kein erstzunehmendes "Proletariat" mehr gibt?
Oder weil Lafontaine und Co. mitnichten eine "Diktatur" anstreben...?
.
Fragen über Fragen.... ;-p
manesse (25.02.2008, 20:28 Uhr)
Warum
die Aufregung? Warum soll man diese Proll-Truppe, deren Stimmen für eine Ministerpräsidentinnen-Mehrheit für Frau Ypsilanti notwendig sind, nicht als Kommunisten bezeichnen? Während des Wahlkampfes waren die Leute an den Ständen dieser Partei immer stolz darauf, wenn man ihre kommunistische Gesinnung unterstrich. Die sehen das selber auch so, dass sie in der Nachfolge von Thälmann und Honegger stehen.
manesse (25.02.2008, 20:20 Uhr)
@julian,@johann
Warum soll denn ausgerechnet die FDP umfallen? Inhaltlich gibt es kaum Schnittpunkte mit den Projekten, die Grüne und SPD in Hessen betreiben wollen. Und deshalb könnte die FDP durch einen Wortbruch nichts gewinnen. Frau Ypsilanti aber schon. Durch Verrat am Wähler kann sie sich den Posten einer Ministerpräsidentin sichern. Also soll sie dafür auch einen Preis zahlen: Und der Preis ist der Verlust ihrer Glaubwürdigkeit.
Koch hingegen waltet gemäß der Landesverfassung seines Amtes. Er hat danach geschäftsführend im Amt zu bleiben, bis ein neuer Ministerpräsident vom Landtag gewählt ist. Jetzt könnte er zwar noch zurücktreten und vom alten Landtag einen neuen Ministerpräsidenten aus den Reihen der CDU wählen lassen: Aber das sähe ja noch übler aus, als eine geschäftsführende Regierung, die sich lediglich verfassungstreu verhält.
Es ist eben die Aufgabe und die Pflicht des neuen Landtags, einen neuen Ministerpräsidenten zu wählen. Und es gibt eine Kandidatin, die von sich behauptet, die notwendige Mehrheit auf sich vereinen zu können. Soll sie es eben machen. Es könnte freilich sen, dass sie wie Frau Simonis von den eigenen Leuten hinterrücks im Stich gelassen wird. Das fürchtet Frau Ypsilanti. Denn dann stünde sie als doppelte Verliererin da. 1. Hätte sie Wählerverrat begangen, indem sie auf die Stimmen der Kommunisten setzte, und zweitens hätte sie dann obendrein noch die Wahl verloren. Der Imageverlust wäre schwerwiegend.
ganzbaf (25.02.2008, 20:08 Uhr)
manesse...

jetzt hast du ja ganz tapfer 12 Mal das Wörtchen "Kommunisten" in deinem glorreichen Beitrag untergebracht, ohne tot umzufallen... ;-P
Trotzdem ist "Die Linke" eigentlich wenger kommunistisch(=Diktatur des Proletariats) als sozialistisch.
Genauer gesagt sogar "demokrat-sozialistisch"... ;-)
chatman53 (25.02.2008, 20:05 Uhr)
Die Linken - ausnahmslos alles Kommunisten?
An all diejenigen, die in den Parteien mit dem „C“ (mit welcher Berechtigung eigentlich noch???) am Anfang all diejenigen, die sich in der Linken engagieren, ausnahmslos als Kommunisten diffamieren sei folgender Tipp gegeben: Eine intensive Lektüre des Buches „Blockflöten – Wie die CDU ihre realsozialistische Vergangenheit verdrängt“ von Christian von Ditfurth!
Es gab damals nicht die geringsten Probleme, diese Blockflöten in die „West-CDU“ zu integrieren – stand ja auch ein „C“ vorn dran! Dass sie aber keinen Deut besser waren in ihrer zum Teil schon widerlichen Anbiederung an die SED, davon will heute von den CDU-Schreihälsen nicht mal mehr einer auch nur ansatzweise etwas wissen.
Hier sei insbesondere ein gewisser Herr Profala – wohl besser als Profala-lallalalla-tralalla-tralalla zu bezeichnen – genannt, dessen Geschwafel und perfides Dauergrinsen fast schon den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen.
Wer wie gesagt, die Linke ausnahmslos mit Kommunisten gleichsetzt, sollte besser erst mal den eigenen S...ustall ausmisten, dann darf er auch das Maul aufreißen – aber auch nur dann!!
Julian2225 (25.02.2008, 19:07 Uhr)
Wer denn nun?
Sie haben schon recht Manesse, BLOSS der Herr Koch hat auch kein Mandat erhalten was auch auf Waehler zurueckzufuehren ist. Und wer soll den nun Hessen regieren?
Grosse Koalition, come on, give me a break? Da waere selbst mir eine SPD Minderheitsregierung lieber. Oder eine Minderheitsregierung unter Koch? Das braucht man allerdings nicht weil der Herr Koch seine Chance hatte und sie offensichtlich nicht nutzen konnte. Also wer denn nun?
Neuwahlen bis es passt??? Ist das wirklich die einzige Loesung in einer Demokratie? Sind alle grundsaetzlich so stur das sie keine VON DEN WAEHLERN GEWOLLTE Kompromissloesung eingehen wollen?
Fazit:
NAchdem die Waehler ihre Stimmen abgegeben haben sollten die Politiker und ich meine ALLE Politiker Diskussionen aufnehmen damt ein Bundesland regierbar ist. Siehe Hamburg wo die CDU in den saureren Apfel beisst und mit den Gruenen diskutiert. Fuer mich eigentlich undenkbar, aber der Waehler wollte es so. Ob es gefaellt oder nicht!
kralli19 (25.02.2008, 19:02 Uhr)
Wortbruch...
LOL - loyale und glaubwürdige Politiker...wovon reden sie bitte ? Doch wohl nicht etwa von hier in Deutschland ?
Und Wortbruch...ist klar, für jeden Politiker ein völlig neues Phänomen.....
Wenn´s nicht so traurig wäre.......
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