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2. Oktober 2009, 14:40 Uhr

Matschie entfacht Proteststurm in Thüringen

Nach seiner Absage an Rot-Rot-Grün steht Christoph Matschie heftig in der Kritik. Sowohl Genossen als auch Linkspartei greifen den SPD-Landeschef scharf an, Gregor Gysi meint sogar: "Matschie tickt ja nicht mehr richtig."

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SPD-Landeschef Christoph Matschie macht die Hoffnungen seiner linken Parteigenossen auf eine rot-rot-grüne Koalition zunichte© Martin Schutt/DPA

Thüringens SPD-Landeschef Christoph Matschie will in den kommenden Tagen in seiner Partei für die Vernunftehe mit der CDU werben. "Wir arbeiten zurzeit an einem Argumentationspapier, das allen Ortsvereinen zugehen soll", sagte der SPD-Landeschef. Außerdem stehe das Sondierungsteam bereit, in den Kreisverbänden die Entscheidung des Landesvorstandes für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der CDU zu erläutern.

Die Entscheidung sorgt unter der Parteilinken für Aufruhr. "Wir werben dafür, dass diese Koalition mit der CDU nicht zustande kommt", sagte Ex-Innenminister Richard Dewes dem "MDR aktuell". Er gilt als innerparteilicher Rivale Christoph Matschies. Die politische Entscheidung sei falsch, sagte Dewes, "es ist eine Entscheidung der Ängstlichkeit."

Zuvor hatte sich der SPD-Chef im Unstrut-Hainich-Kreis, Walter Pilger, für einen Sonderparteitag ausgesprochen, der über den sofortigen Abbruch der Koalitionsverhandlungen für ein schwarz-rotes Bündnis votieren sollte. Auch nach Ansicht des Erfurter Oberbürgermeisters Andreas Bausewein tendiert die Stimmung in der SPD der Landeshauptstadt "ziemlich eindeutig in Richtung Rot-Rot-Grün". Er habe am Freitag "schon einige daran gehindert, aus der SPD auszutreten". Nach dem Bundestagswahlkampf sei in Erfurt eine deutliche Stimmung für Rot-Rot-Grün gewesen. "Da herrscht jetzt eine unwahrscheinliche Enttäuschung", sagte Bausewein.

Dewes sagte, die Entscheidung für Koalitionsverhandlungen mit der CDU sei in einer solchen Geschwindigkeit getroffen worden, um zu verhindern, dass eine Persönlichkeit aus der Thüringer SPD in das Amt des Ministerpräsidenten komme. Das Verfahren könne er nicht billigen. Nach den Ergebnissen der Bundestagswahl "ist die SPD gezwungen, sich wieder neu aufzustellen". Das werde sie im Wesentlichen über die Länder tun müssen, sagte Dewes.

"Matschie tickt ja nicht mehr richtig"

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hat die Entscheidung unterdessen als Wählertäuschung kritisiert. Christoph Matschie trete für eine schwarz-rote Regierung ein, obwohl er damit nur 20 Prozent des sozialdemokratischen Wahlprogramms umsetzen könne, sagte Gysi. Matschie habe die Chance auf einen Politikwechsel verspielt.

Gysi war gegen den Verzicht des Linken-Spitzenkandidaten Bodo Ramelow auf das Ministerpräsidentenamt, weil er darin eine unnötige Schwächung der Linken sah. Matschies Forderung sei anmaßend, die bei der Wahl klar der Linken unterlegene SPD müsse alleine entscheiden, wer in einer rot-rot-grünen Landesregierung Ministerpräsident werde. "Der Matschie tickt ja nicht mehr richtig", sagte Gysi. An einer solchen Wählertäuschung hätte sich die Linke nicht beteiligt.

Linken-Chef Oskar Lafontaine hat der Thüringer SPD den Bruch von Wahlversprechen vorgeworfen. "Das ist eine Entscheidung die zeigt, dass die SPD mal wieder der Versuchung erlegen ist, nach der Wahl etwas anderes zu machen, als sie vor der Wahl versprochen hat", sagte Lafontaine. Die mögliche neue Thüringer Regierung werde nun in Fragen des Mindestlohns, der Hartz-IV-Reformen und der Steuergesetzgebung nicht die Positionen umsetzen, mit denen die SPD auch im Bundestagswahlkampf geworben habe.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
faculdoc (03.10.2009, 03:15 Uhr)
Matschies "MeisterBrief "
Was Matschie hier geboten hat,war eine reife Leistung für zuallererst politischer Un-fähigkeit,Vertrauensbruch und gegen Null gesunkene Glaubwürdigkeit incl.politisch fehlendem Instinkt. Ich staune auch über die SPD-Zentrale,wie selbige dieses SchmierenTheater zugelassen hat,geht es doch hier um die Einheit von Teil und Ganzes.Gysi hat Recht, da sind Probleme an der Waffel ! Es ist leider so, dass man dieser SPD nicht mehr seine Stimme geben darf,ich bekenne mich selbst zukünftig mit
dazu. Schade um die seelisch ausgegebene Energie. Das war es endgültig !
SethusCalvisius (03.10.2009, 00:02 Uhr)
@Watschdog39
"ich habe in meinem Leben doch schon einige SPD Regierungen mitgemacht, jede hat nichts Gutes für unser Land hinterlassen"
Da haben Sie völlig Recht. Schon 1933 hat die SPD die Zeichen der Zeit nicht erkannt und als einzige Partei dem Ermächtigungsgesetz nicht zugestimmt.
Dann hat sie in den 70ern die Aussöhnung mit dem Osten betrieben und damit mutwillig das herrschende Weltbild (Westen-gut, Osten-schlecht) zerstört. Letztendlich führte diese Politik Jahre später zur Öffnung der Mauer, die uns das Ossie-Problem bescherte.

Ach ja, ich vergaß, wie Rudi Carell schon richtig sang, am schlechten Wetter hat sie auch Schuld.
n8g8 (02.10.2009, 19:17 Uhr)
Wahl-Analyse
Ich finde die Matschie-Masche gar nicht so übel. Es kann doch wirklich niemand schlecht finden, wenn die SPD ihren politischen Stil und ihre Wahrhaftigkeit als die der Rosstäuscher und Hütchenspieler offenbart.
Jeder realitätsbezogene Mensch wird in Zukunft eine Koalition mit dieser SPD verweigern.
Watschdog39 (02.10.2009, 19:13 Uhr)
@Robbespierre
Das interessiert mich aber nun wirklich.
Auf welche Gesinnung wollen sie denn nun mit der Zahl "39" raus?
Diese Zahl wurde von mir willkürlich gewählt, da der Name in Yahoo schon zigmal vergeben war.
Übrigens, gegen ihren Frust habe ich ein gutes Mittel; kommen sie mal zu mir und ich lasse sie ein paar Runden Holz hacken, das klärt den Geist.
@FBaer
Wenn sie meine Beiträge gelesen haben; ich habe bereits gesagt, in jeder Regierungsform war auch etwas Gutes für die Menschen.
Wo liegt denn das Problem dieses zu erstreben? Muss denn da die ganze Sache wieder von Neuem anfangen?
Und wer mit solchem Populismus Wahlkampf betreibt wie die Linken ist für mich einfach nur auf Verarschen der Leute aus. Und ich habe in meinem Leben doch schon einige SPD Regierungen mitgemacht, jede hat nichts Gutes für unser Land hinterlassen. Es sprengt hier den Rahmen alle (Tat)Sachen aufzuführen. Ich denke,wenn jemand objektiv vom Start der BRD bis heute alle für und wider festhält wird er feststellen, das unser Land, ob bewusst oder nicht, an die Wand gefahren wurde.
In einem Forum wie diesem kann man auch nicht diskutieren, da einige einfach nur Frust und Egozentrik hier ausleben.
UR63 (02.10.2009, 18:59 Uhr)
@Robbespierre
Sie sind also linksliberal????
Selten so gelacht!
NEIN SIND SIE NICHT!
FBaer (02.10.2009, 18:33 Uhr)
Jetzt bleibt mal auf dem Boden der Tatsachen...
@raptor-xl: Fleischhauers Logik ist fehlerhaft. Schauen sie sich die Wahlkreisergebnisse mal an und stellen sie die Zahlen der HartzIV-Empfänger dem gegenüber.
@watschdog39: Sie mögen es nicht sehen, aber wenn sie sich einmal ernsthaft mit der LINKEN auseinandersetzen würden, dann stellten sie fest, wie groß ihre Scheuklappen sind. Andere als Postkommunisten hinzustellen, nur weil sie sozial wählen... Niemand hier will ernsthaft die DDR in Gänze zurück, aber wie es immer so ist, nicht alles war damals schlecht und nicht alles ist heute gut. In einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Erlebnissen der ehemaligen DDR-Bürger würden sie das auch erfahren haben.
Robbespierre (02.10.2009, 18:04 Uhr)
@Watschdog
Nun, nachdem wir ihr Alter nun geklärt hätten (damit sind Sie fast doppelt so alt wie ich, Respekt), entspricht die "39" wohl eher der Gesinnung ... Neben einem watschechten Rechten ist jeder linksliberale eben auch automatisch ein Linksextremist oder Rotfaschist... :-)
Bitte-sachlich (02.10.2009, 17:56 Uhr)
@raptor-xl und chatahootchee
Links und rechts sind keine bösen oder guten Zuordnungen, sondern der Sitzanordnung in einem früheren Parlament geschuldet. Aus links und rechts einen Kampfbegriff zu machen, ist der Verdienst von Politikern, die sich selbst gern verfälschend als Mitte (des Volkes) bezeichnen, um sich als was besseres oder nicht extremes zu verkaufen. Das ist reiner Budenzauber. Politische Entscheidungen oder Meinungen sind nicht schlecht oder gut, nur weil sie links oder rechts entstammen. Der Demokrat weiß, auf die Qualität der Entscheidung kommt es an. Ich bin mir sicher, dass Sie beide das wenig interessiert, denn Sie produzieren hier im Forum in schöner Regelmäßigkeit hasserfüllte, hämische, einseitige und sachbezogen nutzlose Kommentare.

Matschie hat nichts anderes getan, als den Beginn seines Wortbruches einzuleiten. Er versprach "das System Althaus" abzuschaffen. Da steckt als Botschaft drin, dass es nicht nur um Herrn Althaus geht, sondern um das Gebaren der ganzen CDU, solange sie noch die absolute Mehrheit hatte.
Dass Ihnen beiden das als Fans der Konservativen süß schmeckt, sei Ihnen gegönnt. Sich aber selbstherrlich in eine Diskussion reinzuhängen, die Sie nicht wirklich ernstnehmen und sachlich führen, sondern nur für die Befriedigung Ihrer Geltungssucht benutzen, ist schlicht undemokratischer Stil. Versuchen Sie es einmal auf die konstruktive Tour.
Tempelhofer (02.10.2009, 17:41 Uhr)
@ rockyciano
Kann es sein, dass Sie ein Problem mit Ihrer Shift-Taste haben. Vielleicht haben Sie diese Taste versehentlich festgestellt ?
Watschdog39 (02.10.2009, 17:36 Uhr)
Anstatt
hier persönliche Attacken zu reiten sollten ein paar Leute mal versuchen Argumente zu bringen. Doch gegen Tatsachen lassen sich schlecht (beweisbare) Gegenargumente bringen.
Und was die "Faschistenkeule" angeht; neben einem Linksextremen muss JEDER ein Rechter sein.*löl*
Kurz mal was persönliches; ich bin 65 und wenn ich mal merken sollte, das ich mit Scheuklappen herum laufe und andere Meinungen nicht mehr gelten lasse werde ich mich erschießen. Und ich habe in diesem Land mehr Politik erlebt als die meisten hier, daher weiß ich wovon ich spreche.
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