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13. Oktober 2009, 18:32 Uhr

Schwarz und Gelb legen sich quer

Der Ton zwischen den künftigen Koalitionspartnern wird rauer. Nicht nur über das Thema Gesundheit diskutieren Union und FDP heftig. Auch bei vielen anderen Streitpunkten gibt es keine Annäherung.

Zoom
Schwarz-Gelb, Union, FDP, Koalitionsgesprä,che

Hier geht's lang! Oder gar doch nicht? Angela Merkel und Guido Westerwelle und ihre Verhandlungspartner rücken von ihren Vorstellungen nur wenig ab© Herbert Knosowski/AP

Gut eine Woche nach ihrem Start sind die schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen ins Stocken geraten. Vor dem für Mittwoch geplanten neuen Spitzentreffen von Union und FDP zeichneten sich vor allem bei den Themen Gesundheit, Bürgerrechte und Kündigungsschutz keine Kompromisse ab. Lediglich bei den versprochenen Steuererleichterungen kamen sich die Verhandlungspartner am Dienstag etwas näher. Insgesamt wurden die Gespräche von Teilnehmern als "zäh" beschrieben. Dennoch wollen beide Seiten einen Durchbruch bei der Klausurtagung am Wochenende erreichen.

Eines zeichnet sich deutlich ab: Gesundheit wird zu einem der strittigsten Themen der Koalitionsverhandlungen. Bislang ist völlig unklar, wie Union und FDP das drohende 7,5-Milliarden-Euro-Loch bei den gesetzlichen Krankenkassen stopfen wollen und was genau aus dem Gesundheitsfonds wird.

Klar ist nur, was es alles nicht geben soll - allerdings nur, aus Sicht der einzelnen Verhandlungspartner. Die Bürger sollen etwa von höheren Beiträgen verschont werden, sagt Bayerns CSU-Gesundheitsminister Markus Söder. "Ich wehr mich dagegen, dass am Ende die kleinen Leute mögliche Defizite tragen müssen."

Hinter den Kulissen sind sich Parteien nicht grün

Bei der FDP wächst der Unmut über die Verhandlungsvielfalt der Union in der Arbeitsgruppe Gesundheit. Als Unions-Verhandlungsführerin Ursula von der Leyen (CDU) gefragt wird, ob die Union eine einheitliche Linie verfolge, kann ihr FDP-Gegenpart Philipp Rösler ein süffisantes Lächeln nur schwer unterdrücken. Auch von Unionsseite dringt vor die Türen der niedersächsischen Landesregierung, dass man sich im Verhandlungsraum drinnen nicht immer grün ist.

CDU-Expertin Annette Widmann-Mauz bringt eine sozial flankierte Gesundheitspauschale der Arbeitnehmer ins Spiel, die FDP will sowieso die Gesundheitsprämie - wogegen der auf größtmögliche Solidarität pochende NRW-Ressortchef Karl-Josef Laumann argumentiert. Die Wähler an Rhein und Ruhr sollen vor der Landtagswahl im Mai 2010 keineswegs verschreckt werden.

Keine Einigung beim Kündigungsschutz

Unversöhnlich stehen sich die Unterhändler auch beim Kündigungsschutz gegenüber - die Union will ihn nicht antasten, die FDP fordert eine Lockerung. "Wir haben praktisch keine Einigung", bilanzierte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU). Allerdings sollen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer anstelle des Kündigungsschutzes künftig auf eine Abfindungsregelung verständigen können.

Hartz IV steht auf der Abschussliste der FDP: Die würde Hartz IV gerne durch ein Bürgergeld von monatlich 662 Euro ersetzen, das pauschal alle Sozialleistungen einschließlich der Heizkosten abdecken soll - doch damit beißt sie bei CDU und CSU auf Granit. Auch die vom Verfassungsgericht geforderte Umorganisation der Hartz-IV-Verwaltung sorgt für Streit. Einig ist man sich immerhin, dass bei Langzeitarbeitslosen das Schonvermögen und die Hinzuverdienstgrenzen angehoben werden sollen. Auf konkrete Beträge im Koalitionsvertrag will man jedoch verzichten.

Wehrpflicht und Sicherheitsgesetze bleiben Konfliktherd

Auch die Sicherheitsgesetze bleiben ein Zankapfel: Während die FDP gegen Online-Durchsuchungen und die sogenannte Vorratsdatenspeicherung vorgehen will, fürchtet die Union Nachteile für die Terrorbekämpfung. Da derzeit keine Einigung in Sicht ist, hat Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) vorgeschlagen, die Themen vorerst auszuklammern. Die FDP dringt hingegen auf eine Entscheidung in den Koalitionsverhandlungen.

Die Zukunft der Wehrpflicht bleibt ebenso ein Konfliktpunkt zwischen Schwarz-Gelb. Die Arbeitsgruppe wird sich nach Teilnehmerangaben nicht einigen können, sondern die Frage der großen Koalitionsrunde vorlegen.

zen/DPA
KOMMENTARE (6 von 6)
 
tatanuna (14.10.2009, 01:01 Uhr)
Tigerentenvisionäre
Die Wahversprechen der CDU/FDP haben ihre Wähler für Ernst genommen.Mangelnder IQ?Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche packen. Aber den FDP Slogan`Mehr Netto vom Brutto`läßt sich evtl verwirklichen dur neue Steuern z.B. Einführung einer Börsenumsatzsteuer, Einführung einer Singlesteuer, Einführung einer Abartigkeitssteuer (westerwele und wowi) kapieren.
Broeselbub (14.10.2009, 00:13 Uhr)
ach ja noch eins
frage mich immer wieder wie so eine Kasperlepartei (FDP) überhaupt sich seit Jahren behaupten kann. Die haben nur ein wichtiges Thema. Wie kann ich den Wohlstand der Wohlhabenden vermehren. Und da die gewählt wurden gibt es wohl genügend Wohlhabende in unserem Land. Oder zuviele Dumme.
Broeselbub (14.10.2009, 00:04 Uhr)
die haben sich
doch gesucht und gefunden. Nach außen hin tut man so als man nicht auf einen Nenner kommt und in Wahrheit ist doch schon alles abgesteckt. Der Bürger muß geschröpft und die Wohlhabenden entlastet werden. Sonst werden die doch unglaubwürdig. CDU und FDP als Wohltäter (für den Normalbürger) ist doch wohl ein Witz. Der sich auskennt weiß das. Nur die Wähler leider nicht.
knilch_59 (13.10.2009, 22:19 Uhr)
@Volker.Rockel - Zu Risiken und Nebenwirkungen ...
Für mich stellt sich die Situation völlig anders dar: Unserer Nation sind die gemeinsamen Ziele schlichtweg abhanden gekommen: die echte Armut ist überwunden, die politische Einheit wiederhergestellt. Es fehlt die gemeinsame Aufgabe, die alle eint = unser Mondlandeprogramm. Also bleiben nur Partikularinteressen, die sich aber nicht durchsetzen lassen, ohne die Interessen der anderen zu beeinträchtigen. Also gilt es Ziele zu formulieren, ohne die Zielkonflikte (?Dilemmas) zu sehr auszuleuchten.
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Ich kann mir mein Leben in einer "liberalen Welt" prima vorstellen. Mir geht es gut, ich käme auch mit einer weiter "gesteigerten Eigenverantwortung" zurecht. Für viele Millionen wäre das ein materieller Abstieg, glauben jedenfalls viele und wählen deshalb nicht FDP. Beispiele für die anderen Parteien auf Anfrage.
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In der Demokratie ist Politik natürlich zuallererst die Kunst, wieder (!) gewählt zu werden. Dies führt dazu, dass man seine Ziele nicht zu offen formulieren darf, die Gegenseite kontert sofort mit den Konflikten: Ökologie gefährdet das Wirtschaftswachstum, soziales Denken erhöht die Steuerlast für Leistungsträger, ... Und niemals gibt es eine ausreichende Mehrheit, die sagt "okay, das Risiko nehmen wir in Kauf". Unsere föderale Ordnung tut ein Übriges: Wenn sich jetzt die Marktliberalen in CDU/CSU und FDP durchsetzen, verliert Rüttgers NRW und die Tigerente die Mehrheit im Bundesrat. Dann wird es fast unmöglich weitere Schritte durchzusetzen.
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Wir haben keine Politikerkrise, sondern eine nationale Identitätskrise: Starke Politiker ertragen wir nicht aufgrund gewisser schlechter Erfahrungen der Vergangenheit, schwache Politiker können uns nicht mitreißen zu einem neuen Ziel. Also regiert jeder sein Land von der Couch aus, Gesellschaft im Sinne von Wertegemeinschaft findet nicht mehr statt.
Johann58 (13.10.2009, 21:36 Uhr)
man bekommt den Eindruck,
dass die beiden potentiellen Koalitionpartner irgendwie nicht gewusst haben worauf sie sich da einlassen. Da wurde gegenseitig von Wunschpartnern geredet und darueber wiohl vergessen, dassman schon mal vorab ausloten muss was geht und was nicht geht. Irgenwo sind da jetzt zwei, die meinen jeder muss nach meiner Pfeiffe tanzen. Wer gibt den Ton letztendlich an? Angela Merkel wird sich durchsetzen und die Politik die sie 4 Jahre mit der SPD gemacht hat mit der FDP fortsetzen. Die FDP wird wohl zaehneknirschend einknicken und treudoof hinter Angela herdackeln. Die Dummen sind das Volk, sie werden mit Steuererhoehungen, Verschlechterung der Sozialleistungen und sonstigen Einschraenkungen dafuer bestraft, dass sie vorher den Spruechen Glauben geschenkt haben.
VolkerRockel (13.10.2009, 21:07 Uhr)
Stellen wir uns doch allesamt mal der Situation so wie ist!
Wir haben derzeit in Deutschland quer durch alle Parteien niemanden von dem wir mit Überzeugung sagten könnten: Das ist die politische Lichtgestalt an der sich alle Bürger orientieren können; eine Persönlichkeit der man ein konkrete Vorstellung von der Lösung der Problem der Gegenwart zutraut; eine Persönlichkeit die eine nachvollziehbare Vorstellung von einer zukunftsorientierten Politik hat, an der Kinder und Enkelkinder noch partizipieren können; eine Persönlichkeit die die Fähigkeit hat, diese Vorstellungen in konkretes politisches Handeln umzusetzen!

Was wir derzeit haben, quer durch alle Parteien, sind überwiegend Politiker denen der Blick für das Ganze abgeht, deren Handeln zum Teil von sehr persönliche Zielen geprägt ist und die allenthalben die Befähigung mitbringen, dedizierte politische Themen zu behandeln Schlichtweg Politiker, die sicherlich nicht unwichtig sind für das Funktionieren unser demokratischen Systems, die aber gemessen an einer zukunftsorientierten Politik für Deutschland, weitestgehend ohne jede Bedeutung sind!


Und wer es mir dieses nicht abnimmt, den darf ich einfach auf die lfd. Koalitionsverhandlungen zwischen den Tigerenten-Koalitionären verweisen und bitten, sich selbst die Frage zu beantworten: Was wollen diese Koalitionäre eigentlich konkret politisch erreichen; was ist der konzeptionelle Ansatz für eine Lösung der derzeitigen Problemstellungen; was ist die Vorstellung von einem Deutschland der Zukunft, dem doch eigentlich das nun diskutierte politische Handeln folgen müßte; was...

Das was ich persönlich derzeit zu erkennen glaube, sind irgendwelche Ideen von Maßnahmen (die auch aber morgen schon wieder verschwunden sein können oder durch neue ersetzt werden) ohne jedes erkennbare dem Bürger vermittelbare Ziel, ohne jede nachvollziehbare Strategie!- Im Grunde genommen aber auch nicht überraschend, den bereits vor der Wahl war man ja nicht in der Lage nach vorne gerichtete politische Zielsetzungen, nachvollziehbar für den Bürger, zu kommunizieren!?


Oder glaubt jemand ernsthaft, dass das was jetzt durch die Beteiligten der Tigerenten- Koalition verhandelt wird, dieses Land auch nur einen Deut nach vorne bringt?- Das was sich derzeit dort offensichtlich abspielt, ist ein Verwalten der Ratlosigkeit nach dem Motte: ?Hoffentlich fällt es keinem aus!?.


D.h., wir haben in Deutschland derzeit eine ausgemachte Politik(er)krise, die mehr oder weniger alle Parteien erfasst hat! Und dieses ist keine Erkenntnis, die einen als Bürger hoffnungsfroh nach vorne schauen läßt!
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