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30. Oktober 2009, 06:45 Uhr

FDP pocht auf Steuersenkungen ab 2010

Die FDP hält im Steuerstreit mit der Union dagegen: Die Bürger müssen bereits ab 2010 mehr netto vom Brutto haben, fordert Fraktionsvize Thiele. Heftig kritisiert er die CDU-Ministerpräsidenten.

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"Mehr netto vom Brutto ab 2010": FDP-Vizefraktionschef Carl-Ludwig Thiele (r.), hier mit seinem Parteikollegen, Gesundheitsminister Philipp Rösler© Holger Hollemann/DPA

Die FDP verlangt im Streit um den Zeitpunkt für Steuersenkungen die Einhaltung des Koalitionsvertrages. "Wir müssen sofort an die Gesetzgebungsarbeit gehen, damit die Bürger bereits von Beginn 2010 an mehr netto vom Brutto haben und die steuerlichen Rahmenbedingungen für Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen verbessert werden", sagte der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Carl-Ludwig Thiele dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Scharf kritisierte der FDP-Politiker die Warnung der CDU-Ministerpräsidenten vor Steuersenkungen. Ihm sei "völlig unverständlich", wie stellvertretende CDU-Vorsitzende anscheinend vergessen könnten, dass sie im Wahlprogramm ihrer Partei und in der Verhandlungskommission bei den Koalitionsgesprächen eine umfangreiche Entlastung der Bürger beschlossen hätten. "Ich wünsche mir Vertragstreue auch von den Ministerpräsidenten", betonte Thiele.

Zum "steuerpolitischen Sofortprogramm" gehören nach Auffassung des Finanzexperten an erster Stelle die Erhöhung des Kinderfreibetrags auf 7008 Euro und die Erhöhung des Kindergeldes pro Kind und Monat um 20 Euro.

"Unverhandelbares Top-Thema im Koalitionsvertrag"

Auch der FDP-Politiker Otto Fricke warnte die CDU und die Ministerpräsidenten vor einer Verschiebung der Entlastungen. Steuersenkungen und -vereinfachungen "waren und sind unverhandelbares Top-Thema im Koalitionsvertrag von FDP und Union. Und Verträge werden eingehalten", erklärte Fricke auf Bild.de.

An die Adresse der Ministerpräsidenten appellierte der Haushaltsexperte und Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, auch sie wollten "sicher Wachstumskräfte freisetzen und damit die Voraussetzungen für mehr Arbeitsplätze stärken".

Böhmer schließt Verfassungsklage nicht aus

Dagegen machte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer erneut seine Bedenken gegen die schwarz-gelben Steuersenkungspläne deutlich und schloss sogar eine Verfassungsklage nicht aus. Er sei sich nicht sicher, ob die geplanten Entlastungen der Bürger mit dem Grundgesetz vereinbar seien, sagte der CDU-Politiker dem "Hamburger Abendblatt". "Wenn ein Bundesland durch Steuergesetze des Bundes gezwungen wird, gegen die Schuldenbremse zu verstoßen, sollte man über eine juristische Überprüfung nachdenken."

Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine Verfassungsklage aber noch kein Thema, schränkte Böhmer ein. "Im Koalitionsvertrag stehen ja vor allem Absichtserklärungen." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) werde sorgfältig prüfen müssen, was davon sich umsetzen lasse und was nicht. Mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht hatte der schwarz-gelben Koalition im Bund bereits der parteilose Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum gedroht, der einer rot-roten Landesregierung angehört.

mad/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
kalaehne (01.11.2009, 01:27 Uhr)
Lösung der FDP : Neue Gemeindesteuern !
Haushaltslöcher des Bundes kann man auf verschiedene Weise stopfen. Folgt man der FDP, so sollen Städte und Gemeinden, denen durch eine Einkommensteuersenkung des Bundes anteilig Gelder zur Finanzierung ihrer Aufgaben vor Ort fehlen werden, durch ein neues Hebesatzsystem notwendige Finanzmittel vor Ort von ihren Bürgerinnen und Bürgern eintreiben.

Wer das nicht glaubt, der möge sich die entsprechende Passage auf Seite 8 des FDP - Programmes ansehen . Der vom angesehenen Handesblatt kürzlich wegen offensichtlicher Defizite bei der Prozentrechnung als " Rechenkünstler " gescholtene FDP - Bundestagsabgeordnete C. - L. Thiele , hat mir diese Absicht der FDP noch am Tag vor der Wahl in Osnabrück persönlich bestätigt und hinzugefügt, daß auf diesem Wege Städte und Gemeinden mehr Handlungsspielraum und Eigenverantwortung gewinnen würden.

Für mich ist damit auch klar, daß Steuersenkungen des Bundes für " Besserverdienende " durch neue gemeindliche Steuern für die breite Masse ausgeglichen werden sollen. Damit aber würden Wahlversprechen zu Mogelpackungen, um nicht von Wahlbetrug zu sprechen ... Diplomkaufmann Juergen Kalaehne, Bgm a. D.
AttaTroll (31.10.2009, 08:07 Uhr)
alles auf Pump
Steuersenkungen auf Pump sollten eigentlich tabu sein. Wohlgemerkt: eigentlich.
Denn in diesem Bundeshaushalt ist ja inzwischen das meiste auf Pump, weil für die Finanzierung enorme Schulden gemacht wurden und noch werden: Bundeswehreinsätze in diversen Ländern - auf Pump. Horrende Zahlungen an die EU - auf Pump, Banken-Schutzschirme -auf Pump, Zahlungen an GM/Magma -auf Pump, Diäten und Pensionszahlungen an Bundestagsabgeorrdnete - auf Pump. Finanzierung eines maroden Gesundheitswesens - auf Pump....Ist alles kein Thema für diese Bundesregierung, nur bei Steuererleichterungen sieht sie "keinen Spielraum".
Also mir persönlich ist eine Steuererleichterung auf Pump allemal lieber als ein Krieg in Afghanistan auf Pump oder Zahlung des Löwenanteils in den EU-Topf auf Pump. Von Millionengeschenken an Kriegsgerät für Israel auf Pump ganz zu schweigen.
Aquarius2 (30.10.2009, 19:54 Uhr)
Leistungsträger müssen entlastet werden
30% der Deutschen verfügen über 90% aller Einkommen (http://volkszustandsbericht.files.wordpress.com/2009/01/diw1.jpg).
Diese Leistungsträger müssen unbedingt finanziell entlastet werden.
Deshalb:
Steuerreform ab sofort!
Koste es, was es wolle.
Corazito3333 (30.10.2009, 18:50 Uhr)
Sozialmißbrauch
da setzt man eine Beamtin für 4.000.-- Euro monatlich ein, damit die Hartz4 das Sparen lernt........ sehr sinnvoll!!! Kostet die Beobachtung/Verwaltung wieder mal mehr als würde man den Menschen die Würde wiedergeben und Hartz4 abschaffen
Corazito3333 (30.10.2009, 18:48 Uhr)
Sozialmißbrauch wie lächerlich
mal lieber oben ansetzen - den Mißbrauch, bei den Bankern, Politikern - wie wars denn mit unserem Herrn Zumwinkel...... also nur weil einer "schwarz" arbeitet für 6.-- Euro die Stunde, um mal ins Kino zu gehen oder Billig-Urlaub zu machen - ist doch lächerlich
auwei (30.10.2009, 13:26 Uhr)
Herrje
...können diese gelben Nervensägen nicht einfach mal die große Klappe halten? Sie sitzen doch jetzt an den Fleischtöpfen der Macht, reicht das nicht? Das ist das erste Mal, dass ich Schäuble die Daumen drücke - wenn er sich denn anschickt, dem frechen Guido und seiner Gang of Besserverdieners deutliche Grenzen zu setzen.
nightmare_online (30.10.2009, 11:57 Uhr)
Stuerreform wäre locker zu finanzieren!
Lt. Bund der Steuerzahler entgehen dem Staat jedes Jahr rund 30 Mrd. Euro, weil die Finanzbehörden nicht genug Personal haben. Jede extrner Kontrolle bringt im Durchschnitt 120.000 Euro, wenn man Bund der Steuerzahler glauben darf.
Nur - und das ist mal so sicher wie das Amen in der Kirche - an DER Stelle wird die FDP mit Sicherheit nicht ansetzen!
endbenutzer (30.10.2009, 10:59 Uhr)
@walhalla:
"...Nach Ansicht von Fachleuten gibt es beim "Sozialmißbrauch" eine Größenordnung von ein paar Millionen. Voraussetzung ist allerdings die Erhöhung von Prüfpersonal...."+++Wobei ich es für dringender halte, mehr Steuerprüfer einzustellen als Prüfer für Sozialmissbrauch. Bei den Steuerfahndern stapeln sich die Akten. Hier liegen die Millionen vergraben..
meriva (30.10.2009, 10:32 Uhr)
Endlich!
Endlich Steuererleichterungen! Beim "Normalverdiener" oder "Kleinverdiener"
werden das wohl 2 ? im Monat sein. Bei den "Großverdienern" wird das wohl richtig zu Buche schlagen. Dafür dürfen die erste Gruppe aber das Ganze finanzieren (KK - Beiträge erhöht, Pflegeversicherung....). Hoffentlich merken dies die Arbeitnehmer endlich (wenn auch zu spät).
Styx2007 (30.10.2009, 10:14 Uhr)
Warum wohl will die CDU erst Mitte 2010 darüber reden??
Warum wohl will das Mädchen und Schäuble erst Mitte 2010 über mögliche Steuersenkungen reden??? Natürlich weil im Mai noch die wichtigste Wahl in NRW ansteht!!!!!! danach kommt das AHA-Erlebnis, dass gar keine Steuern gesenkt werden, sondern es zu vielfachen Mehrbelastungen kommen wird - von wegen mehr Netto vom Brutto! Diese Wahllüge wird natürlich erst wieder aufgedeckt, wenn der dämliche Wähler sein Kreuzchen beim Mädchen und Spitzkinn Rüttgers gemacht hat!
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