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13. November 2007, 06:36 Uhr

SPD wirft Merkel Wortbruch vor

Union und SPD haben bei einem Treffen der Koalitionsspitzen keine Einigung über einen Mindestlohn für die Postbranche erzielt, sich jedoch auf eine längere Zahlung des Arbeitslosengeldes I für Ältere verständigt. Nach dem Treffen attackierte die SPD Kanzlerin Merkel - ihre Verweigerung sei "höchst unerfreulich".

SPD-Fraktionschef Struck (links) und Parteichef Beck attackieren nach dem Koalitionstreffen die CDU© Tim Brakemeier/dpa

Einen Mindestlohn für Briefzusteller wird es vorerst nicht geben. Union und SPD konnten auch nach rund sechsstündigen Verhandlungen ihren Streit in dieser Frage nicht beilegen und hielten sich anschließend gegenseitig mangelnden Kompromisswillen vor. Eine Einigung erzielten beide Seiten am frühen Dienstagmorgen dagegen beim Arbeitslosengeld. Für Erwerbslose, die 58 oder älter sind, soll die Bezugsdauer auf 24 Monate angehoben werden, für 55-Jährige auf 18 und für 50-Jährige auf 15 Monate, wie Unions- Fraktionschef Volker Kauder erläuterte. Zudem soll der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung zum 1. Januar von 4,2 auf 3,3 Prozent reduziert werden. Zuletzt war eine Senkung auf 3,5 Prozent im Gespräch gewesen.

Keine Einigung bei Bahn-Privatisierung

Nicht näher kamen sich Union und SPD beim Thema Bahn- Privatisierung. Die unterschiedlichen Modelle sollten jetzt genau geprüft werden, sagte CSU-Chef Erwin Huber. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee werde dazu im Dezember einen Bericht abgeben. Laut SPD-Chef Kurt Beck soll der Minister das seit einigen Tagen debattierte Holding-Modell untersuchen, zugleich aber auch einen Vorschlag zum Volksaktien-Modell seiner Partei erarbeiten. Kauder betonte, die Grundsätze der Koalition zur Bahnreform seien klar. "Wir wollen die Teilprivatisierung der Bahn." Diese werde man zu einem Erfolg führen.

Beck und SPD-Fraktionschef Peter Struck zeigten sich über das Scheitern beim Post-Mindestlohn schwer enttäuscht. CDU und CSU hätten seiner Partei Vorschläge unterbreitet, die nicht akzeptabel gewesen seien, monierte Beck. Die Union habe offenbar dem Druck der Interessen-Lobby nicht standgehalten. Er sei völlig überrascht von der Kehrtwende. Als Begründung hätten CDU/CSU angeführt, der von der Post und Verdi ausgehandelte Mindestlohn erfasse nicht 50 Prozent der Beschäftigten. "Es wird jetzt keinen Mindestlohn bei der Post geben", bedauerte Beck. Die Stimmung in der Koalition sei durch das Scheitern in dieser Frage "sicherlich nicht besser geworden". SPD-Fraktionschef Peter Struck warf Kanzlerin Angela Merkel vor, Zusagen nicht eingehalten zu haben. "Die Verweigerung der Kanzlerin in dieser Frage ist ein höchst unerfreulicher Vorgang."

Auch CDU greift Koalitionspartner an

Kauder sagte dagegen, die Union habe angeboten, diejenigen in das Entsendegesetz aufzunehmen, die überwiegend als Postdienstleister tätig seien. Von der SPD sei dieses Angebot "völlig unverständlich abgelehnt" worden. Die Ausweitung des Entsendegesetzes werde daher für diese Woche von der Tagesordnung des Bundestages genommen. Beck unterstrich, für die SPD bleibe das Thema auf der Tagesordnung. Er hoffe, dass die letzte Tür für einen Mindestlohn in diesem Bereich noch nicht zugeschlagen sei. Wie beide Seiten betonten, soll auch ohne Mindestlohn das Briefmonopol wie geplant am 1. Januar fallen.

Die Einigung beim Arbeitslosengeld bezeichnete Beck als großen Erfolg. Zudem sei erreicht worden, dass eine Milliarde Euro aus dem BA-Haushalt für zusätzliche Vermittlungsanstrengungen eingesetzt würden. Mit 200 Millionen Euro sollten zudem Kinder aus armen Familien mit Bundesmitteln gefördert werden. Kauder sagte, das Gesetz zur Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Ältere werde "so schnell wie möglich" verabschiedet werden. Huber kündigte zur Finanzierung der längeren Bezugsdauer unter anderem Änderungen bei den Vorversicherungszeiten an, die Voraussetzung für den Erhalt der vollen Leistung sind. Diese sollten auf bis zu 48 Monate ausgedehnt werden.

Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Oetker333 (13.11.2007, 19:50 Uhr)
Mindestlohn
Alle wollen sie Mindestlohn. Aber warum haben die Union und die FDP eine Mehrheit nach den Umfragen? Diese Parteien wollen den Mindestlohn nicht. Da sieht man wieder die Logik mancher Bürger!
testsieger2006 (13.11.2007, 15:53 Uhr)
@ postit

doch, es ist eine Subvention. Wenn ich eine "teuer-Hamburg-Stadtwohnpauschale" geltend machen kann, dann sollen meinetwegen auch Pendler Geld für billig wohnen und weit fahren bekommen. Und wer in der teuren Stadt lebt und dann auf´s Land zum arbeiten fährt... naja, selbst schuld. "Sich in seinen Kindern zu verwirklichen ist auch Privatsache!" aber hallo! Hier geht´s nicht um 68´ger Selbstverwirklichungsträume, sondern um der Fortbestand unserer Gesellschaft. Als Förster wären Sie mit der Kahlschlagmethode ohne Neuanpflanzung wohl eher eine Fehlbesetzung. Hauptsache immer das Maximum für sich herausholen.
romeodelta (13.11.2007, 13:20 Uhr)
@RomanTicker
mag sein, dass Sie recht haben - nun aber ich habe zusammen mit meiner Frau insgesamt fast 60 Jahre in das System BEREITS bezahlt und kein einziges Mal in Anspruch genommen! Ich habe den Generationsvertag nicht gemacht aber verdammt nochmal VERLANGE ICH, dass ich mit 55 nicht im Regen stehen gelassen werde – KAPIERT? nicht ich habe diese Misere verursacht! Das gespart werden muss, kapiere sogar ich aber wo ist die Gerechtigkeit Ihrer Meinung nach, wenn genau die Leute, die dieses Problem herbeigeführt haben, sich bereits fürstlich entlohnen lassen und schlagen noch 10% drauf? Wenn sie zumindest Arbeit schaffen würden aber nein - diese Enddarmausscheidungsorgane meinen wir sind alle schuld, und das nur weil wir zu dumm sind, und werden älter! Wo haben Sie Ihr Gehirn gelassen?
AdmiralCrunch (13.11.2007, 11:52 Uhr)
@RomanTicker
..klagen.. ?? lol... du meinst eher randale.. aber vom feinsten !!!
RomanTicker (13.11.2007, 11:40 Uhr)
Inakzeptabel
Die Bevorteilung der alten Bevölkerung ist vollkommen inakzeptabel. Die jüngeren Generationen dürfen erst später in Rente gehen, müssen zusätzlich Geld investieren, um sich privat abzusichern, da die staatliche Rente für sie nicht reichen wird. Und jetzt sollen die jungen Generationen noch dafür bezahlen, dass ältere Menschen länger Arbeitslosengeld beziehen können. Das ist ein Skandal. Ich habe kein Vertrauen mehr in den Generationenvertrag und ich habe kein Vertrauen in die Stabilität der gesetzlichen Grundlagen. Die heute jungen Generationen werden nicht in den Genuß des länger gezahlten Arbeitslosengeldes kommen, so wie es jetzt für aktuell Alte beschlossen werden soll. Wie lange sollen die jungen Generationen sich noch betrügen lassen? Ich hoffe, dass es massenhaft Klagen gegen ein solches verfassungsfeindliches Gesetz geben wird, wenn es denn jemals beschlossen werden sollte!
Fox59Fire (13.11.2007, 11:10 Uhr)
Frohe Weihnachten mit den Sterntalern!
Na, das ist doch schön! Die älteren ALG I-Bezieher erhalten ihr Geld bis zu 6 Monate länger. Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer und deren Arbeitgeber können sich auch freuen, denn ihre Beiträge zur Arbeitslosenversicherung reduzieren sich um jeweils 0,45 Prozent. Da sinkt tatsächlich die Lohnnebenkostenbelastung der Arbeitgeber und die Arbeitnehmer habe netto etwas mehr in der Lohntüte. Um es mit dem Kaiser zu sagen: "Ja is denn etwa scho Weihnachten?" Auch an die Kinder armer Familien hat unsere Regierung gedacht: Sie lässt 200 Millionen Sterntaler regnen, die die armen Kinder mit ihren Schürzchen auffangen dürfen. Oder wie soll man sich die Auszahlungsmodalitäten vorstellen? Ob sich unsere Regierung zu Weihnachten wohl auch ein Geschenk machen wird? Eine Überraschung wird es ja nun nicht mehr werden, denn der Begriff "Diätenerhöhung" ist schon durchgesickert. Alle werden bedacht und beschenkt! Alle? Aber nein ... nicht alle! Da gibt es in unserer Gesellschaft noch eine so genannte "Unterschicht", die unsere Regierung irgendwie mal wieder übersehen hat. Das sind Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen auf das ALG II und auf eine Grundsicherung angewiesen sind. Für diese spezielle Gattung Mensch fällt Weihnachten - wie jedes Jahr - ins Wasser, denn 347 Euro monatlich reichen weder zum leben noch zum sterben. Aber trotz allem werden sie versuchen, im Glanze der Kerzen ihres kleinen Weihnachtsbaumes, bei einem sparsamen Festmahl und im Kreise ihrer Liebsten zu vergessen, dass das Christkind sie auch in diesem Jahr nicht auf seiner Liste hatte. Sie werden Gebete gen Himmel schicken ... in der Hoffnung, das unsere Regierung sie vielleicht im nächsten Jahr erhören möge, denn das Aufbringen der stetig steigenden Lebenshaltungskosten ist nur noch durch Verzicht auf Sparbeträge, auf kulturelle Events, auf jedweden Luxus und mit eiserner Zurückhaltung beim Konsum im Allgemeinen möglich. Sie wollen aber nicht jammern und undankbar sein: Man gibt ihnen schließlich auch eine warme Unterkunft und auf Antrag sogar den kostenfreien Blick in die weite Welt per Television.
.
Ich würde mir wünschen, dass Frau Merkel, Herr Beck und alle diejenigen, die uns regieren dürfen, an Weihnachten auch einmal an jene denken, denen es nicht so gut geht in unserem Land. Und ich würde mir wünschen, dass unsere Regierung diese Menschen spätestens im nächsten Jahr auf ihrer Liste haben wird, wenn es wieder einmal um die Verteilung der Sterntaler geht. Frohe Weihnachten!
romeodelta (13.11.2007, 10:40 Uhr)
@undjetztnochder
welche Zukunft meinen Sie denn?
UThome (13.11.2007, 10:32 Uhr)
Das Poltbüro der Regierungsparteien.....

Das Politbüro der Regierungsparteien hat entschieden, der Bundestag darf nur noch abnicken, Koalisationszwang nennt man das wohl und die Demokratie bleibt draußen.
Es ist an der Zeit das sich die SPD aus dieser Formation verabschiedet und wieder klare Kante zeigt. Wenn nicht, läuft auch noch der letzte Wähler zur LINKEN über und Beck mit Gefolge bleiben im Regen stehen.
Die Häme ihrer politischen Gegner können sie sich nach dieser Vorführung durch die CDU/CSU letzte Nacht sicher sein.
Anmerkung: Wie bei den Briefzustellern werden in Zukunft bei den Bäckern alle Hausfrauen. -männer die Sonntags ihre Brötchen selber backen und alle Kioskbesitzer die über einen Automatikbackofen für Brötchen verfügen mit eingerechnet.
Bei der Autoindustrie auch alle Hobbyschrauber und bei der IT-Industrie jeder User der schon mal ne Karte gewechselt hat.
Schöne neue Tarifwelt......
postit (13.11.2007, 10:30 Uhr)
Pendler
@testsieger:
Die Herumfahrerei anderer finanzieren? Hier handelt es sich um diejenigen, die unsere solzialen Sicherungssysteme finanzieren!
Es ist keine Subvention - es ist einfach so, dass man den Menschen, die die sozialen Sicherungssysteme tragen, etwas von den zuviel bezahlten Steuern für den Liter Benzin zurückgibt! Benzin ist kein Genussmittel wie Zigaretten! Überhaupt gibt es viele Menschen, die auf dem Land arbeiten und die teure Mietswohung in der stadt haben. Soviel nur zur allgemeinen Polemik! Auch Zeitarbeiter können nicht bei jedem neuen Einsatzgebiet umziehen. Und deren Geld langt gerade für das Existenzminimum!
Mit Ihrer Argumentation könnte man sich aber eher fragen, wieso die Soledargemeinschaft die Kinder anderer Leute finanzieren soll? Erziehungsgeld dafür, dass Mütter Ihren Kinder etwas zu Essen geben und dann das Geschirr spülen? Sich in seinen Kindern zu verwirklichen ist auch Privatsache! Ob die später mal unsere Rente zahlen ist schliesslich sehr spekulativ! Aber solange für diese nicht beitragszahlende Menschen Geld da ist, sollte man die Fleissigen unserer Gesellschaft nicht bestrafen!
bR4iNST0RM (13.11.2007, 10:04 Uhr)
*lol*
Ein Politiker wirft dem Anderen Wortbruch gegenüber dem Volk vor…. *muhahahahaha* Wenn das nicht Wehtut, was dann?!
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