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5. Oktober 2009, 12:32 Uhr

Kommen jetzt die niedrigen Steuern?

Koalitions-Check (4)

Schwarz-Gelb beginnt mit den Koalitionsverhandlungen. Für das größte Aufsehen sorgten im Wahlkampf die Steuerversprechen der FDP. Sind diese realistisch? Wer zahlt am Ende sogar drauf? stern.de klärt die wichtigsten Fragen. Von Axel Hildebrand und Sönke Wiese

Eine schwarz-gelbe Koalition übernimmt die Macht in Deutschland. Was steht den Bürgern bevor, wie wird sich das Land verändern? stern.de analysiert in einer regelmäßigen Serie, was Union und FDP auf den wichtigsten Politikfeldern vorhaben.

In der Steuerpolitik preschte die FDP besonders lautstark vor. "Mehr Netto vom Brutto" versprach sie. Die Bürger sollen massiv entlastet werden, auch die CDU will Entlastungen. In der Regierungsverantwortung werden aber auch die Liberalen nicht um gewisse Realitäten herumkommen: massive Steuerausfälle des Bundes, horrende Kosten für die Konjunkturprogramme und hohe Kosten für das größer werdende Heer der Arbeitslosen.

Wie ist die aktuelle Situation - wie viel Steuern zahlen wir eigentlich?

Verglichen mit anderen Ländern nimmt der Fiskus die Deutschen nicht übermäßig aus. 2008 lag die Steuer- und Abgabenquote bei 36,4 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Ein Deutscher muss demnach von seinem Einkommen ein gutes Drittel Steuern und Abgaben zahlen.

Andere europäische Länder verlangen mehr von ihren Bürgern - etwa Frankreich, Großbritannien, Spanien oder Dänemark. Aber wer in Deutschland wenig verdient oder Single ist, behält extrem wenig netto vom brutto. Der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zufolge summieren sich die Steuern und Sozialabgaben für allein stehende Geringverdiener auf 47,3 Prozent. Das ist nach Belgien der zweithöchste Wert in der OECD, die 30 Staaten umfasst. "Die Steuerbelastungen für Singles oder Familien unterscheiden sich exorbitant", sagt Steuerexperte Ralph Brügelmann vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft zu stern.de.

Den Spitzensteuersatz (42 Prozent) zahlen Singles heute ab 52 552 Euro (Ehepaare 105.104 Euro). An ihn will die Union ran. Die Schwelle soll stufenweise von 52.000 über 55.000 auf 60.000 Euro brutto im Jahr steigen. Für Steuerexperten wie Brügelmann ist das nachvollziehbar. Ausgehend von einem Durchschnittsverdienst in der Metall- und Elektroindustrie von 43.000 Euro findet er: "Das ist sehr nahe am Spitzenwert - und damit zu hoch." Der Normalverdiener sei damit - steuerlich betrachtet - fast ein Spitzenverdiener.

Was will die FDP?

Die Liberalen wollen das Steuersystem radikal umbauen - und das so schnell wie möglich. In ihrem Wahlprogramm schreibt die FDP: "Wir wollen einfache, niedrige, gerechte Steuern für mehr Netto vom Brutto." Tatsächlich schlagen die Liberalen eine massive Steuersenkung für fast alle Einkommensgruppen vor. Doch ob das neue System wirklich gerechter ist, lässt sich zumindest diskutieren. Denn nach den FDP-Plänen würden - absolut gesehen - am stärksten die Spitzenverdiener profitieren - die Geringverdiener hingegen nur in geringem Maße. Relativ gesehen profitieren die Spitzenverdiener jedoch am geringsten.

Nach Vorstellung der Liberalen soll es künftig nur drei Steuertarife geben: Bei Jahreseinkommen bis zu 20.000 Euro sollen 10 Prozent, für 20.000 bis 50.000 Euro sollen 25 Prozent und ab 50.000 Euro sollen 35 Prozent Steuern fällig werden. Der (steuerfreie) Grundfreibetrag soll auch für Kinder auf 8004 Euro erhöht werden.

Nach RWI-Berechnungen würden die FDP-Pläne zu Steuermindereinnahmen von 89 Milliarden Euro führen. Zur Gegenfinanzierung wollen die Liberalen zwar Staatsausgaben kürzen, trotzdem lautet das RWI-Fazit: "In Anbetracht der enormen Folgekosten der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise ist diese Steuersenkung wohl dennoch kaum finanzierbar."

Was wollen CDU und CSU?

Wie die FDP hat auch die Union eine Steuerentlastung der Bürger versprochen - allerdings in sehr viel geringerem Umfang und ohne konkrete Terminversprechen. Generell bleibt das Unionsprogramm sehr vage.

Was die Union plant: Der Eingangssteuersatz soll schrittweise von 14 auf 12 Prozent gesenkt werden, und die Einkommensgrenze für den Höchststeuersatz soll verschoben werden: von aktuell 52.552 auf zunächst 55.000, dann 60.000 Euro. Außerdem nimmt sich die Union noch die "Abflachung des Mittelstandsbauches" vor, sprich: Vor allem Bürger der mittleren Einkommensgruppen sollen durch eine andere Tarifgestaltung entlastet werden. Allerdings bleibt hier die Union konkrete Angaben und Zahlen schuldig.

Der Kinderfreibetrag soll auf 8004 Euro erhöht werden.

Was wird sich durchsetzen?

Realistisch sind kleinere Änderungen - etwa, indem eine schwarz-gelbe Koalition an die so genannte kalte Progression rangeht. Das ist eine Steuermehrbelastung, die dann eintritt, wenn Lohnsteigerungen lediglich zu einem Inflationsausgleich führen und gleichzeitig die Einkommensteuersätze nicht der Inflationsrate angepasst werden. Durch den progressiven Einkommenstarif wird für jeden über dem Grundfreibetrag verdienten Euro ein höherer Steuersatz fällig – das Realeinkommen sinkt.

Korrekturen an dieser kalten Progression hält Steuerfachmann Ralph Brügelmann vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft auch in der jetzigen Lage für möglich. Nach seinen Berechnungen kostet der Ausgleich von einem Prozent Inflation den Staat 1,25 Milliarden Euro im Jahr. Dieses Steuergeld geht ihm verloren. "Das halte ich für finanzierbar", sagt Brügelmann stern.de.

Auch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet damit, das Union und FDP "aus taktischen Gründen eine kleine Steuerreform machen". "Es wäre schon ein bisschen frech, wenn die beiden Parteien so kurz nach der Wahl ihre Versprechen brechen, und die Steuern erhöhen statt sie zu senken", sagte Zimmermann der "Thüringer Allgemeine".

Mittlerweile rücken erste Christdemokraten von den Wahlkampfversprechen ab. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich warnte vor übereilten Steuersenkungen. Er sehe bei der wirtschaftlichen Lage kaum Spielräume, dass 2010 und 2011 die Steuern sinken werden, sagte er der "Leipziger Volkszeitung".

Was heißt das für den Einzelnen?

Wer sich zu welchem Teil durchsetzt, ist noch unklar. Die Union hat das stärkere Gewicht in der Koalition, müsste also naturgemäß ihre Vorstellungen stärker einbringen können. Möglich ist aber auch, dass die Konservativen der FDP bei der Steuerpolitik stärker entgegenkommen, um bei einem anderen Themenfeld (zum Beispiel Innere Sicherheit) ihre Vorstellungen überproportional stark durchsetzten zu können.

An dieser Stelle zeigen wir aus diesem Grund, was die Parteien in ihren Wahlprogrammen versprochen haben - was sich letztlich wie durchsetzt, entscheiden die Koalitionsverhandlungen.

Union: Obwohl die Union das Ziel hat, die unteren und mittleren Einkommen zu entlasten, werden diese teilweise eher belastet.

Wer im Jahresdurchschnitt relativ wenig verdient (0 bis 26.049), bekommt dem Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) zufolge eine kleine Ersparnis: zwischen 8 und 27 Euro im Jahr.

Mittlere Einkommen haben im Unions-Modell dem RWI zufolge sogar weniger netto vom brutto. Wer 37.943 bis 45.929 Euro im Jahr verdient, hätte 63 Euro weniger im Geldbeutel. Verdienste von 57.231 bis 76.935 bekommen im Jahresschnitt sogar einen Abzug von 112 Euro.

Die großen Einkommen profitieren wieder: Wer über 76.935 Euro verdient, spart im Jahr durchschnittlich 149 Euro.

Relativ gesehen profitiert eine untere Einkommensgruppe (5762 bis 12495 Euro Jahreseinkommen) am meisten: Sie würde relativ um 17,43 Prozent entlastet.

Fazit Union: Die kleinen und die großen Einkommen profitieren - die Mittelschicht zahlt drauf.

FDP: Könnten sich die Liberalen zu hundert Prozent durchsetzen, würden alle Einkommensgruppen Steuern sparen. Das geht von den unteren Einkommensgruppen (Jahreseinkommen von 5762 bis 12495) bis zu den höheren Gruppen (57.231 bis 76.935). Sie würden 44 Euro, beziehungsweise 6241 Euro im Jahr sparen.

Der Durchschnittsverdiener hat in diesem Modell 43 Prozent mehr in der Tasche. Entgegen dem üblichen Klischee profitieren Großverdiener bei der FDP prozentual gesehen am wenigsten: Sie hätten einen Steuervorteil von 33,51 Prozent.

Fazit FDP: Würde sich das FDP-Modell durchsetzen, müssten alle Einkommensgruppen im Durchschnitt deutlich weniger Steuern zahlen.

Sind Steuersenkungen finanzierbar?

Wegen des Wirtschaftsabschwungs fehlt dem Staat Geld. Steuern brechen weg, dazu kommen höhere Ausgaben für Arbeitslose und die noch unklaren Kosten der Bankenrettung. 40 Milliarden Euro müssen von 2011 bis 2013 bei den Ausgaben im Bundeshaushalt gespart oder durch höhere Steuereinnahmen gedeckt werden, heißt es in einem Bericht des Kanzleramtes. Für 2010 geht das Finanzministerium von einer Neuverschuldung von 86,1 Milliarden Euro aus.

Die meisten Ökonomen rätseln, warum - auch vor dem Hintergrund der Schuldenbremse - Steuersenkungspläne gemacht werden. Ab 2016 darf sich der Bund im Regelfall nur noch bis zur Grenze von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts jährlich neu verschulden.

Dieser Hintergrund ist zu sehen, wenn die FDP nach eigenen Angaben dem Staat durch Steuerentlastungen 35 Milliarden weghebeln will, die Union rund 15 Milliarden. "Wie das gehen soll, weiß kein Mensch", sagte ein Koalitionsexperte der Nachrichtenagentur Reuters.

So rechnet die Mehrzahl der Ökonomen mittelfristig sogar mit Steuererhöhungen. Die Haushaltslage werde sich noch verschlimmern - "wenn wir dieses Loch stopfen wollen, müssen wir langfristig Steuern erhöhen", sagte etwa Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. In zwei Jahren, wenn das Defizit riesig sei, "kommen sie (Anm.: die Regierung) um eine Mehrwertsteuererhöhung nicht herum."

KOMMENTARE (10 von 29)
 
johnny_jones (07.10.2009, 22:40 Uhr)
re
ich würde gerne mal einen von diesen leuten, die so gerne gegen unsere ärmeren bevölkerungsschichten wettern, einen tag lang als altenpfleger arbeiten sehen, ich denke da kommt schnell die ein oder andere wahrheit ans tageslicht.
johnny_jones (07.10.2009, 22:19 Uhr)
viel arbeiten, heißt noch lange nicht viel geld verdienen.

im gegenteil: für die dreckigsten und unangenehmsten jobs gibt es am wenigsten geld.

ich finde diese selbstverliebte art der leute die den ganzen tag nur gespräche führen und rumreisen etwas komisch.

aber man kann viel geld verdienen, mit leuten die viel arbeiten.

es gibt nicht umsonst das sprichwort: wer arbeitet hat keine zeit geld zu verdienen.
basti77 (07.10.2009, 09:18 Uhr)
@auwei
ich rede nicht von entlassung oder "Ausweisung" von Menschen in einem Land. Das haben Sie warsch. hinein intepretiert. Was ich meine ist, dem Volk zu zeigen das es sich lohnt arbeiten zu gehen, und desshalb sollte jemand der arbeitet, viel arbeitet und viel Geld verdient auch vom Staat dafür belohnt werden. Das Problem ist, das arbeitsfähige Menschen in Deutschland nicht arbeiten gehen müssen, um ein angenehmes Leben zu führen. Sie bekommen eine Wohnung + 359 ? im Monat, meistens jedoch mehr. Sie haben keinen Grund arbeiten zu gehen. Der Ansporn etwas zu tun fehlt, denn es ist nicht nötig in unserem Land zu arbeiten. Und das weiß ich aus meinem Bekanntenkreis. Die Person wird nicht arbeiten gehen, denn sie hat genug zum Leben, laut ihrer Eigenen Aussage.

Und jetzt kommen Sie...
knilch_59 (06.10.2009, 17:40 Uhr)
@Kritiker-Kritiker
Dann denken wir noch mal darüber nach, was in unserem Grundgesetz steht: "Eigentum verpflichtet". Demnach müsste der (reiche) Vermieter dem Mieter, dem sein Job gekündigt wurde, bei der Miete entgegenkommen. Tut er aber nicht, sondern das erledigt das Wohngeld. Der Nachfolger des hippokratischen Eides, die Genfer Deklaration des Weltärztebundes, besagt: "Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder SOZIALE STELLUNG." Demnach müsste man Arbeitslose gegen weniger Geld behandeln als Gutverdiener, aber das übernimmt ja die Kasse. Auch die unterschiedliche Behandlung von Privat- und Kassenpatienten wäre demnach schon unethisch. Faktisch sorgen die staatlichen Sozialleistungen dafür, dass Bedürftige für Leistungen das Gleiche bezahlen können wie andere, sind also eine Umverteilung nach OBEN! Und reiche Gutverdiener profitieren davon, dass sie beim Arzt nur genauso wenig abdrücken müssen wie Arme.
.
q.e.d.
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Na ja, und dass ein Vermieter arbeitet, können sie mir gerne zu erklären versuchen. Vielleicht hat er das mal, aber jetzt lässt er sein Geld arbeiten.
auwei (06.10.2009, 15:22 Uhr)
@basti77
Haben Sie schon einmal über den entscheidenden Unterschied von Staaten und Autohäusern nachgedacht? Offenbar nicht - genau wie z.B. Silvio Berlusconi. Die aktuelle Lage Italiens ist die Quittung - so wie die aktuelle Lage der USA ebenfalls Ergebnis einer Ignoranz ist, die der Ihren in punkto Sozialstaat nicht unähnlich ist. Ein Unternehmen kann entlassen, ein Staat hat für ALLE seine Bürger zu sorgen, auch durch Ausgleichsmechanismen zwischen "oben" und "unten". Tut er es nicht, kann er sich gleich ganz auflösen und das gesellschaftliche Leben den Regulativen Geld und Gewalt überlassen.
basti77 (06.10.2009, 13:15 Uhr)
Kann denn niemenad verstehen das ein Sozialstaat welcher die sozial schwachen im Vordergrund hat keine Zukunft hat ?

Es ist doch so... das Ziel eines jeden, fast jeden, ist ein Lebensstandard aufzubauen und zumindest halten wenn steigern nicht möglich ist. Wenn ich mir das interaktive Steuerdiagram der CDU sowie FDP anschaue, dann seh ich sofort wer hier entlastet wird. Es kann doch nicht sein, das ein Wenigverdiener bis ca. 10000? im Jahr auch noch belohnt wird dafür das er dem Staat nicht viel einbringt.

Warum sollte er weniger Steuern zahlen, warum sollte er mehr Geld in der Tasche haben, derjenige welcher sich bemüht und 30T bis 60T im Jahr verdient sollte entlastet werden, denn er sollte belohnt werden.

Vergleicht einen Staat einfach mit einem Unternehmen, es ist nicht falsch.
Nochmal:
Ein Autohaus - zwei Verkäufer.
Einer Verkauft viel - wird gelobt, bekommt mehr Geld.
Der andere verkauft nichts - wird nicht gelobt, sogar ermahnt, und bekommt nicht mehr Geld. Und wenn er so weiter macht, wird er entlassen.
So einfach ist das, nur so kann das Autohaus funktionieren, und Gewinne erzielen.

Oder warum gibt es reiche Länder auf der Welt die nur reiche, bzw. Leistungsfähige Menschen mit Know How in ihr Land lassen ? Ein wenig mehr mehr Kapitalismus - und weinger Sozialstaat würde uns sehr gut tun.
Kritiker-Kritiker (06.10.2009, 12:18 Uhr)
@ knilch_59 (05.10.2009, 18:40 Uhr)
Wie meinen Sie Ihre Aussage, dass das Wohngeld an die Oberschicht fließt?
An den Immobilieneigentümer? Ja hoffentlich!
Und die Krankenversicherungsbeiträge? Dass diese an den behandelnden Arzt fließen? Ja hoffentlich!
Sozialleistungen sind eine Umverteilung nach unten, und das Geld wandert eben irgendwann wieder zu den Leuten, die Arbeiten und Geld verdienen.
dossene (06.10.2009, 10:13 Uhr)
Steuern: Strukturreform statt Senkung!
Vorrang vor einer Steuersenkung sollte eine Steuerstrukturreform haben. Die Vorschläge der FDP gehen da schon in die richtige Richtung, wenn sie insbesondere Steuerentlastungen für Familien mit Kindern fordern: das lässt denen mehr Geld im Portemonnaie, die es sofort wieder ausgeben (müssen) - und das ist gut für die Wirtschaft! Gegenfinanzieren kann man dass dann ja durchaus durch Steuererhöhungen für diejenigen, die keine Unterhaltsverpflichtungen (mehr) haben, sprich für diejenigen die ihr Geld lieber in Aktienfonds statt in Kinder investieren oder ihr Erspartes auf Mallorca und den Seychellen ausgeben - und damit eben nicht die deutsche Wirtschaft zusätzlich ankurbeln. Das wäre ökonomisch sinnvoll und sozial gerecht. Sicher gibt es in Deutschland mittlerweile leider auch arme Menschen - diese zahlen aber schon jetzt keine Steuern und wären daher bei Steuererhöhungen für nicht (mehr) unterhaltspflichtige Steuerzahler sowieso außen vor. Ansosntsen muss man einfach mal anerkennen, das Deutschland weltweit die reichsten Rentner und mit Abstand den prozentual höchsten Anteil (lebenslang) Kinderloser aufweist - und bei dieser Gruppe könnte und sollte der Staat einmal so richtig zugreifen.
knilch_59 (05.10.2009, 18:40 Uhr)
@basti77
Natürlich kann jeder ?Ingeniuer? sein ? schließlich heißt das richtig Ingenieur, und das kann eben nicht jeder. Ihr Irrtum liegt darin, dass es ausdrücklich nicht wahr ist, dass Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger Nichtleister sind. Schauen Sie sich die Armutsberichte doch mal genauer an: ja, wir haben auch jede Menge Drückeberger, aber das System lädt doch geradezu ein, sich hinter denen zu verstecken, die objektiv nicht können. Dazu kommen jede Menge Denkfehler: Erstens: Das Gros dessen, was als ?Sozialleistungen? bezeichnet wird, bekommen nicht die, die nur über wenig Einkommen verfügen, sondern die Einkommensschwachen dienen nur als Durchgangsstation zur Umverteilung nach oben. Wer profitiert denn wirklich von Wohngeld oder Krankenversicherungsbeiträgen ? dieses Geld fließt an die Oberschicht ? zig-Milliarden jedes Jahr! Zweitens: Gerade Ihre gepriesenen einkommensstarken Leistungsträger zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich jeder weiteren, nicht bezahlten, gesellschaftlichen Verpflichtung entziehen. Das sind nicht die, die den Sportverein am Laufen halten oder/und Kinder erziehen. Die verdienen nur Geld, wirklich leisten tun die meisten aber nicht mehr als diejenigen, die zwar auch die 60-Stunden-Woche haben, aber nur 30 bezahlt bekommen. Aber in Ihrer Welt sind die ja nur doof. Und deshalb ist es natürlich auch okay, dass die Geldverdiener weniger Steuern bezahlen, die die Arbeit machen aber gefälligst verzichten sollen.
nobodydu (05.10.2009, 17:37 Uhr)
Schlecht recherchiert und Stufensteuersystem nicht verstanden
Ist irgenwie schade, dass durch eine Zeitschrift wie dem Stern Falschinformationen verbreitet werden.
Der Stufensteuersatz funktioniert natürlich nicht, wie im Text und in den Abbildungen dargestellt:
Für die ersten 20.000 minus Freibetrag werden 10% fällig.
Nur für die darüber hinaus gehende Summe bis 50.000 Euro sollen 25 Prozent gezahlt werden und nur für den Betrag über 50.000 Euro sollen 35 Prozent gezahlt werden.

Hierdurch ergibt sich eine konvexe Verlaufskurve, wie beim aktuellen Steuersystem auch. Durch die Stufe wird nur der Grenzsteuersatz festgelegt, nicht der Realsteuersatz.
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