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18. Oktober 2009, 12:25 Uhr

FDP und CDU streiten über Steuern

Die Nerven liegen blank – zumindest bei einigen: In den Koalitionsverhandlungen zwischen FDP und Union wird der Ton zunehmend schärfer. Auch, weil es um ein Prestigeprojekt der Liberalen geht: die große Steuerreform.

Koalitionsverhandlungen, FDP, Union, Steuern, Gesundheitsfonds

In Streitlaune: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wullf© Gero Breloer/AP

Die Stimmung in den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen ist gereizt. Es geht immerhin am heutigen Sonntag um die Steuer- und Haushaltspolitik der kommenden vier Jahre. Dieser Bereich ist inzwischen das Hauptstreitthema zwischen den drei Parteichefs Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Guido Westerwelle (FDP). Von der Klärung dieser Frage hängen die meisten anderen noch ungelösten Konfliktpunkte der geplanten Koalition ab.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel äußerte sich am Sonntag in einer Verhandlungspause zuversichtlich. "Heute können alle drei Parteien und die Bürger zu echten Wahlsiegern werden", sagte er. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sagte: "Ich sehe das Gipfelkreuz und sehe den Weg bis dahin."

Am Samstag - in der großen Verhandlungsrunde mit 27 Teilnehmern - hatte der niedersächsische Regierungschef Christian Wulff (CDU) für einen Eklat gesorgt. Er griff die Steuersenkungspläne der FDP heftig an und verlangte eine solide Gegenfinanzierung. Er könne als Ministerpräsident Steuerentlastungen nur zustimmen, wenn die fehlenden Einnahmen ausgeglichen werden. Als "inakzeptabel" oder "steuerpolitischen Blindflug" kritisierte Wulff die liberalen Pläne. Als Ministerpräsident könne er im Bundesrat so etwas nicht mittragen. FDP-Chef Guido Westerwelle verwies nach Angaben von Teilnehmern auf die Vorschläge der Liberalen zur Gegenfinanzierung. Für die FDP seien Steuerentlastungen und eine Steuerreform Bedingungen für eine Koalition. Strittig ist der Umfang von Entlastungen. Die Union hat ein Volumen von 20 Milliarden Euro angeboten, die FDP strebt 35 Milliarden Euro an.

Merkel muss moderieren

Kurze Zeit nach dem Streit, als ein Großteil der künftigen Koalitionäre den Tagungsort verließ, ging Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auffallend deutlich auf die Steuerpolitik ein. Der CDU-Vize sprach von seriöser Finanzierung und nicht beantworteten Fragen. "Wir wollen ja auch keine Steuersenkungen, die nicht gedeckt sind." Es war nicht das erste Mal, dass es in der Union Warnungen gibt vor überzogenen Steuerplänen.

Die FDP-Forderung nach Entlastungen und großer Steuerreform liegt seit langem auf dem Tisch. Der Warnschuss des CDU-Vizes Wulff sei eigentlich an die Adresse von Kanzlerin Angela Merkel gerichtet gewesen, in den anstehenden Runden mit dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer und Westerwelle nicht zu nachgiebig zu sein, mutmaßten manche aus der Runde. Merkel löste den unerwarteten Konflikt auf ihre Art: Sie habe Stellvertreter im Parteivorsitz, die sich offenbar in Partei- und Ministerpräsidenten-Amt spalteten. Dass es Steuerentlastungen geben müsse, sei nicht strittig, gaben Teilnehmer wieder.

Teilnehmer verbreiten Optimismus

Dass die Nerven der schwarz-gelben Unterhändler nach den stundenlangen Verhandlungen in vielen kleineren und größeren Runden inzwischen blank liegen, zeigte sich an diesem Klausurwochenende auch an anderer Stelle. Selbst der sonst eher friedlich wirkende FDP-Unterhändler Philipp Rösler, der mit der Union über den Gesundheitsfonds stritt, verlor die Geduld. Im Autoradio hörte er, dass Verhandlungspartnerin Ursula von der Leyen (CDU) verkündet habe, der Gesundheitsfonds bleibe. In Berlin angekommen, stellte der hannoversche Vize-Ministerpräsident die Noch-Familienministerin lautstark zur Rede. Von der Leyen ruderte zurück: Was längerfristig aus dem Gesundheitsfonds werde, sei noch nicht sicher. Die erklärte Bereitschaft der "Wunschpartner", bald eine Koalition zu bilden, steht aber nicht in Frage.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel ist sicher, dass die - wie er es formulierte - "Mund-zu-Mund-Beatmung" in den Chefgesprächen an diesem Wochenende letztlich zum Erfolg führe. Der Fahrplan dafür steht. Möglichst bis kurz vor den geplanten Parteitagen von CDU, CSU und FDP in rund einer Woche sollen die letzten Streitpunkte noch offen bleiben, damit die Ergebnisse öffentlich nicht zerredet werden. Die neue Koalition - so der Plan der Parteistrategen - soll von Anfang an Handlungsfähigkeit demonstrieren. Die Rempeleien würden nur Episode bleiben - die neuen Koalitionäre seien schließlich Profis, wurde am Wochenende allenthalben versichert.

msg/DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
omaha (19.10.2009, 12:57 Uhr)
merkel und k.t
das g.t keinen angemessenen ministerposten bekommt, war klar.
oder glaubt jemand im ernst, merkel duldet jemand an ihrer seite, der beliebter ist als sie.
sie sägt jeden ab, der ihr den ja so geliebten kanzlerposten streitig machen könnte.
und der doofe seehofer schaut tatenlos zu.
armes deutschland.
ESELSDRIEVER (18.10.2009, 14:58 Uhr)
VolkerRockel (18.10.2009, 13:09 Uhr)
Ich habe noch nie einen so sachlichen und treffenden Kommentar gelesen.
Hut ab Herr Rockel.
VolkerRockel (18.10.2009, 13:09 Uhr)
Mit welchem Ziel verhandelt man eigentlich?
Wenn man nunmehr die Koalitionsverhandlungen der Tigerenten-Koalitionäre verfolgt, hinterlassen diese zunehmend den Eindruck einer vornehmlich politischen geprägten Show-Veranstaltung. Wobei scheinbar einige wenige, noch nicht einmal besonders politisch begabte Akteure, den Ablauf der Show zu bestimmen scheinen!

Es gilt augenscheinlich offensichtlich einigen der Akteure derzeit auch nur noch darum den wählenden Bürger darin zu bestätigen, dass er seine Stimme nicht nutzlos einer Partei gegeben hat und diesem Wähler nun irgendwie auch noch ein individueller Vorteil zukommen muss!?


Und wenn man den jetzigen Stand der Koalitionsverhandlungen Revue passieren läßt, ist auch ein irgendwie geartetes nachvollziehbares zukunftsweisendes Konzept für dieses Land nicht erkennbar!

Das Ganze erweckt eher den Eindruck als wenn man es durch geschicktes Politikmarketing nun zwar durch Wahl zu einer Tigerenten-Koalition geschafft hat, aber die Tigerenten-Koalition nun auf dem Niveau der Eigenschaften verharrt, mit der die Tigerente von ihrem Schöpfer Janosch so trefflich beschrieben wurde (Quelle: stern.de, Janosch-Interview ?Die Tigerente, Schlämmer und Merkel? v. 19.09.2009): "Sie ist eine Holzente. Sie redet nicht, sie bewegt sich nicht. Sie ist unbeteiligt, also taubstumm, eigentlich handlungsunfähig."


Und wer es mir dieses nicht abnimmt, den darf ich einfach auf die lfd. Koalitionsverhandlungen zwischen den Tigerenten-Koalitionären verweisen und bitten, sich selbst die Frage zu beantworten: Was wollen diese Koalitionäre eigentlich konkret politisch erreichen; was ist der konzeptionelle Ansatz für eine Lösung der derzeitigen Problemstellungen; was ist die Vorstellung von einem Deutschland der Zukunft (dem doch eigentlich das nun diskutierte politische Handeln folgen müßte?); was...

Das was ich persönlich derzeit zu erkennen glaube, sind irgendwelche Ideen von Maßnahmen (die auch aber morgen schon wieder verschwunden sein können oder durch neue ersetzt werden) ohne jedes erkennbares dem Bürger vermittelbares Ziel, ohne jede nachvollziehbare Strategie!
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