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5. Oktober 2009, 06:57 Uhr

Jetzt geht's los!

Der Poker beginnt: Eine Woche nach der Bundestagswahl starten Union und FDP ihre Verhandlungen über eine Koalition. Im Mittelpunkt: die Themen Steuern und innere Sicherheit.

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Wollen schnell, aber auch gründlich verhandeln: CDU-Vorsitzende Angela Merkel und ihr designierter Koaltionspartner Guido Westerwelle© Steffen Kugler-Pool/Getty Images

Gut eine Woche nach der Bundestagswahl starten CDU, CSU und FDP am heutigen Montag ihre Koalitions-Verhandlungen. Unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer sowie FDP-Chef Guido Westerwelle nehmen an den Gesprächen jeweils neun Spitzenpolitiker der drei Parteien teil. Am ersten Tag sollen alle wichtigen Themen angesprochen und Aufträge an zehn gemeinsame Arbeitsgruppen verteilt werden.

Offenbar haben sich CDU und CSU darauf verständigt, dass die neue Regierung unbedingt bereits mit der ersten Sitzung des neuen Bundestages am 27. Oktober ins Amt kommt. Darauf habe sich die Vorbereitungsrunde der Union geeinigt, berichtet die "Bild-Zeitung". Würden die Mitglieder der künftigen schwarz-gelben Bundesregierung schon zu diesem Zeitpunkt vereidigt, könnte der wahrscheinliche neue Außenminister Guido Westerwelle (FDP) dann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits zum EU-Gipfel am 29./30. Oktober nach Brüssel begleiten.

Westerwelle will "Maximum an liberaler Politik"

FDP-Chef Guido Westerwelle will in den Verhandlungen ein "Maximum an liberaler Politik" durchsetzen. Die Steuersenkungspläne der FDP bis zu 35 Milliarden Euro werden allerdings angesichts von Finanzlöchern in Höhe von 40 Milliarden Euro gebremst. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel beharrte in der "Rhein-Neckar-Zeitung" auf einer Steuerstrukturreform. Allerdings machte er deutlich, seiner Partei sei klar "dass wir unsere Vorstellungen nicht zu 100 Prozent umsetzen können". Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) warnte vor übereilten Steuersenkungen. Er sehe bei der wirtschaftlichen Lage kaum Spielräume, dass 2010 und 2011 die Steuern sinken werden, sagte er der "Leipziger Volkszeitung".

Bundesbankpräsident Axel Weber forderte Union und FDP auf, eine Steuerreform nicht auf die Einkommensteuer zu verengen. "Es muss um alle Abgaben gehen, direkte Steuern wie die Einkommensteuer, indirekte wie die Mehrwertsteuer und auch die Sozialabgaben", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Für den Bürger sei es keine Entlastung, wenn er zwar weniger Einkommensteuer zahlen müsse, dafür aber an anderer Stelle mehr.

Niebel hält es für "Geplänkel", dass die Union bereits vor Beginn der Koalitionsgespräche Themen wie den Gesundheitsfonds oder den Kündigungsschutz als nicht verhandelbar deklariert. Er ist sicher, "dass wir nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen ein Papier als Agenda für die nächsten vier Jahre auf den Tisch legen, das deutlich macht, dass Deutschland einen Aufbruch erleben wird." Zwar bereiten sich die Liberalen auf harte Verhandlungen mit der Union vor, ein Platzen der Gespräche schloss Niebel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" aber aus.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder hatte am Sonntag in der ARD noch einmal unterstrichen, der Gesundheitsfonds habe sich bewährt und werde nicht zur Disposition gestellt. Über weitere Verbesserungen könne man reden. "Aber er wird bleiben." Die FDP will den Fonds abschaffen. Zu der Forderung der FDP, den Kündigungsschutz zu lockern, sagte Kauder: "Das werden wir nicht machen."

Rüttgers bringt Änderung der Erbschaftssteuer ins Spiel

Der stellvertretende CDU-Chef und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers dringt unterdessen auf eine Änderung der Erbschaftssteuer. In ihrer jetzigen Form sei die Erbschaftssteuer "in der Praxis nicht anwendbar und ein großes Problem für kleine und mittlere Betriebe", sagte Rüttgers der "Bild-Zeitung". Das rege den Mittelstand zurecht auf.

Der CDU-Politiker plädierte ferner in der Familienpolitik für eine Anhebung des steuerlichen Kinderfreibetrags, wenn es wieder Spielraum im Staatshaushalt gebe. Rüttgers fügte jedoch hinzu: "Das geht aber nur, wenn auch gleichzeitig das Kindergeld steigt, damit die Lösung sozial ausgewogen ist." Die Union sei sich mit der FDP einig, das Schonvermögen bei Hartz-IV deutlich zu erhöhen. "Wer für sein Alter vorgesorgt hat, dem darf die Arbeitslosigkeit diese Vorsorge nicht kaputtmachen", sagte Rüttgers.

Er wandte sich strikt gegen Überlegungen, dem Bund wieder mehr Zuständigkeiten in der Bildungspolitik zu geben. "Die Föderalismusreform wird nicht zurückgedreht. Die Zuständigkeiten von Bund und Ländern sollten bleiben wie sie sind."

Streitthema innere Sicherheit

Mit Verärgerung reagierte die FDP auf Ankündigungen aus CDU und CSU, es werde im Bereich der inneren Sicherheit keinen Kurswechsel geben. "Es bringt überhaupt nichts, wenn die CDU/CSU jetzt sagt, was alles nicht geht", sagte die bayerische FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger der "Süddeutschen Zeitung". Mehrere Unions-Innenminister aus den Ländern hatten der FDP unter anderem vorgeworfen, sie wolle mit ihrem Eintreten etwa gegen Online- Durchsuchungen die jetzigen Sicherheitsstandards untergraben. "Es gibt keine Untergrabung der Sicherheitsstandards. Das lässt die FDP sich nicht vorwerfen", sagte Leutheusser-Schnarrenberger, die als Justizministerin im Gespräch ist.

Die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger hielt im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag) an der Forderung fest, die Wehrpflicht abzuschaffen. "Wir werden über die Aussetzung der Wehrpflicht reden, denn sie ist nicht mehr zeitgemäß", sagte sie.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
dreicon (05.10.2009, 11:58 Uhr)
Entlastung der Bürger
über Senkung der Sozialbeiträge ist wohl eine der übelsten Mogelpackungen der rechtskonservativen Regierungsmehrheit. Bedeutet dies doch, daß nur die Arbeitgeberseite entlastet wird. Der Bürger muß die fehlenden, einstmals paritätisch geleisteten Beiträge nun alleine, über Zusatzkranken- und Rentenversicherungen bezahlen. Wo bitte ist hier dann seine Entlastung zu finden?
dreicon (05.10.2009, 11:50 Uhr)
Hallo @Testsieger, wodurch unterscheiden sich
bei Ihnen Unter- und Oberschicht? Ihrem Kommentar entnehmbar wohl nur durch unterschiedliche verfügbare Geldmengen! Ich vermute, Sie können über angenehm ausreichende Geldmengen verfügen. Was aber nicht unbedingt eine angenehm ausreichende Bildungsnähe garantiert.
Administrator (05.10.2009, 11:43 Uhr)
@vombromsberg
Ihr Beitrag wurde gelöscht. Bitte argumentieren Sie sachlich.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Tom3 (05.10.2009, 11:16 Uhr)
...wer wirklich so blöd war...
...und die Steuersenkungsversprechen geglaubt hat, dem ist einfach nicht mehr zu helfen.

Stattdessen wird uns bald 1/4 auf alles was wir kaufen draufgeschlagen, der Kündigungsschutz wird Geschichte sein, soetwas wie einen Spitzensteuersatz werden wir auch nicht mehr haben u. das Steuerrecht wird so kompliziert sein, dass selbst der einfache AN nicht mehr ohne Steuerfachmann seinen Jahresausgleich machen kann, Arztbesuche werden sich nur noch die oberen 25% leisten können, der Rest muss sehen wie er zurecht kommt... im Ausland wird man über uns nur noch lachen ("das hier... äh....ist Deutschland") u. im Inland wird weiter fleißig Atommüll vergraben...

...das sind die eigentichen schwarz-gelben Visionen, nur werden die uns nicht angekündigt sondern einfach umgestetzt!
Sandygirl (05.10.2009, 11:06 Uhr)
Steuergeschenke...
...sind Diebstahl am Volk. Sie bedeuten, dass sich das Volk noch mehr verschuldet und die noch mehr hohe Zinsen in Zukunft zahlen muss. Auf der einen Seite arbeiten wir "für unsere Kinder" - auf der anderen Seite werden deren Schulden immer Größer.
derSchmu (05.10.2009, 10:42 Uhr)
@ArchEnemy
darueber diskutieren schon die Oekonomen, dass dafuer ja ueberhaupt kein Geld da ist...ganz im Gegenteil da sind noch diverse Loecher zu stopfen...

Jaja, ein wenig weit aus dem Fenster gelehnt...ich werd dann ma spaeter mit Traenen in den Augen gruendlich ablachen, wenn es heisst, mehr Steuern bzw. mehr Abgaben und so gut keine Entlastungen, es ist ja halt einfach nicht drinn...


Nich, dass ich vorher drann geglaubt haette...aber es scheinen wohl viele Menschen in der Bevoelkerung daran geglaubt zu haben...
ArchEnemy (05.10.2009, 10:07 Uhr)
Nach der Wahl
sieht auch die FDP ein, dass sie ihre Ziele nicht zu 100 % durchsetzen kann und bald werden auch die liberalen Labersäcke nicht mehr von Steuersenkungen reden. Aber was soll's? Die Stimmen von ein paar naiven Bürgern hat man ja damit eingefangen und Hauptsache Guido und die FDP dürfen auch mal wieder ein bisschen regieren. In diesem Sinne: auf ins Verderben. Deutschland, es wird dunkel...
ganzbaf (05.10.2009, 10:02 Uhr)
Warum...

überweist die "Oberschicht" dann das Kindergeld nicht zurück, testnieser ;-?
kabelmann (05.10.2009, 09:04 Uhr)
@testsieger
Die in der Föderalismusreform auf Schulen ausgeweitete Kulturhoheit als Begründung für die Kulturhoheit auch bei Schulen heranzuziehen lässt sich wohl am ehesten mit der Katze, die sich in den Schwanz beißt vergleichen.
cybertanne (05.10.2009, 09:03 Uhr)
"der Gesundheitsfonds habe sich bewährt"
Der Kauder ist ein Dummschwätzer sondersgleichen. Was hat sich denn da wo bewährt? Mit einer bürokratischen Regulierung und Umverteilung will man Wettbewerb schaffen? Vorher gab es Wetbewerb durch unterschiedich hohe Kassenbeiträge. Die Gesundheitspolitik von SPD und CDU ist einfach unerträglich. Wann werden die Biotpe für Apotheker und Pharmaindustrie endlich ausgetrocknet? Dann kann man auch diese Praxisgebühr wieder abschaffen. Warum werden die überflüssigen Krankenkassenverbände nicht endlich aufgelöst? Warum sitzen im Gemeinsamen Bundesausschuss keine Patienenvertreter mit Stimmrecht? Alles Murx aber zumindest ist Ulla endlich Weg von Fenster!
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