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21. Oktober 2009, 08:05 Uhr

Schwarz-Gelb plant Zusatzbeitrag für die Pflege

Union und FDP wollen Erwerbstätigen und Rentern ans Portemonnaie: Weil die Zahl der Pflegebedürftigen immer weiter steigt, plant Schwarz-Gelb die Einführung eines Zusatzbeitrages. Bezahlen müssen diesen aller Voraussicht nach alleine die Versicherten.

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Weil die Menschen in Deutschland im Schnitt immer älter werden, steigen die Pflegekosten seit Jahren unaufhörlich© Bernd Wüstneck/DPA

Die Bürger müssen sich auf höhere Kosten für die Pflegeversicherung einstellen. Union und FDP planen zusätzliche Pflichtbeiträge für Erwerbstätige und Rentner, um einen Kapitalstock aufzubauen, wie es am Mittwoch aus Unionskreisen hieß. Damit soll die Versorgung der künftig rasch steigenden Zahl von Pflegebedürftigen gesichert werden.

Dementiert wurde aber ein Bericht der "Berliner Zeitung", dass der bislang prozentual auf das Einkommen bezogene Beitrag der bisherigen Pflegeversicherung Schritt für Schritt auf eine Pauschale umgestellt werden solle. Das Blatt bezog sich auf eine Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Unionsfraktions-Sitzung. Aus den Kreisen hieß es, Merkel habe nur die Optionen dargelegt, sich aber nicht auf eine davon festgelegt. "Frau Merkel war sehr vage", hieß es. Die Möglichkeiten müssten nun genau durchgerechnet werden.

Die zusätzlichen kapitalgedeckten Elemente will die Union schon lange. Bereits in den Koalitionsvertrag mit der SPD von 2005 schrieb sie dieses Ziel. Es wurde nur nicht umgesetzt. Während bisher die Einnahmen der Pflegeversicherung direkt in die Versorgung fließen und nur kleine Rücklagen bleiben (Umlageverfahren), würde damit systematisch eine Reserve für die Zeit ab etwa 2027 aufgebaut. Dann werden viele zusätzliche Pflegefälle erwartet, weil die geburtenstarken Jahrgänge alt werden. In den Kapitalstock einzahlen müssen aller Voraussicht nach die Versicherten alleine.

Koch unterstützt Wulff beim Thema Steuern

Strittig ist in den Koalitionsverhandlungen hingegen nach wie vor die Höhe der geplanten Steuerentlastungen. Hier sprang Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) seinen Kollegen aus Niedersachsen, Baden-Württemberg und Sachsen bei. Koch sei "äußerst besorgt über die Vorstellungen von FDP und CSU", berichtet die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf Kochs Umfeld. Massive Steuersenkungen würden "tiefe Löcher in die öffentlichen Haushalte reißen".

Unterdessen stößt der von Union und FDP geplante Schattenhaushalt zur Finanzierung der Sozialkassen auf scharfe Kritik. Der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl (SPD) bezeichnete das Vorhaben in der "Süddeutschen Zeitung" als "eine neue Qualität finanzpolitischer Trickserei". Wie die Zeitung in einer Vorabmeldung berichtet, sprach der parteilose Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum von Bilanzfälschung. "Wenn ich in meinem Unternehmen auf diese Weise bilanzieren würde, wäre ich wegen Konkursverschleppung dran." Auch bei den Grünen stoßen die Pläne auf Protest. "Das ist der größte haushaltspolitische Betrug in der deutschen Geschichte", sagte der Grünen-Haushaltspolitiker Alexander Bonde. "Union und FDP umgehen die Schuldenbremse mit äußerst schmutzigen Tricks."

chs/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 54)
 
knilch_59 (22.10.2009, 20:20 Uhr)
@ecomen - das ist leicht zu erklären:
Um 8 Patienten 7 Tage die Woche zu betreuen, benötige ich rund um die Uhr einen Pfleger. Das Jahr hat 8.760 Stunden, um die abzudecken, benötige ich 6 Vollzeit-Kräfte (38-Stunden-Woche, 6 Wochen Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Weiterbildung) und für die 6 Leute natürlich noch einen Overhead für Personalverwaltung.
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Wenn jeder der 6 Pfleger 1.500 Euro Netto monatlich verdienen soll, kostet das Brutto (+ 13. Gehalt + einbehaltende Lohnsteuer + AG-Anteile zur Sozialversicherung) über 35.000 Euro, insgesamt für alle 6 über 210.000 Euro. Dazu noch mal 10% für den Overhead ergeben Kosten von 230.000 Euro, die von 8 Patienten aufzubringen sind.
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Das ergibt alleine Pflegerkosten von 2.400 Euro / Patient und Monat. Dazu kommt natürlich noch die Vollpension, die Zimmermiete ... Und wenn dann das nach erwerbswirtschaftlichen Regeln geführte Heim am Ende auch noch so etwas ekliges wie Profit haben möchte, dann sind wir eben bei 3.500 Euro + x
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Die von Ihnen zitierte Pflegeheimbesitzerin riskiert mehrere Millionen an Kapital, die die Ausstattung des Heims gekostet hat. Würde sie dieses Geld einfach nur bei der Bank sparen, würde sie für jede Million mindestens 40.000 Euro Zinsen kassieren. In einen Betrieb sein Geld riskieren sollte sich deutlich besser rentieren als Sparen. Insofern ist auch gegen einen Profit, alleine aus dem Heim, in Höhe von 80.000 Euro nichts zu sagen. Dazu kommt natürlich noch der Unternehmerlohn - irgendwas wird die Frau ja auch arbeiten (evtl. im o.g. Overhead) Also hat sie locker 130.000 Euro Brutto im Jahr. Und warum soll man sich nicht davon Häuser kaufen und bar bezahlen?
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Das Erschütternde ist dabei doch nur, dass häusliche Pflege derart mickrig bezahlt wird. Selbst bei Pflegestufe 3 ist der Höchstsatz nur 685 Euro. Würden die Sätze auf den Wert angehoben, den es kostet ...
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Nein, Nein ... diese Neiddebatte gegen die Pflegeheimbetreiber löst das Problem auch nicht. Leider ist es nicht ganz so einfach.
ecomen (22.10.2009, 16:48 Uhr)
hmm
Was sich alle hier jedoch mal fragen sollten:
Wieso ist ein PflegePLATZ (ich red` jetzt nur vom Heim) überhaupt so teuer (3,5 TE+X)??? Bei einem Betreuer/in auf 5-8 Patienten (im besten Fall), 3-5 Mahlzeiten + Medikamenten (welche die Krankenkasse bezahlt!) scheinen mir die Kosten unheimlich hoch, soviel verbrauche ich ja nicht mal mit meiner Familie inkl. Finanzierung ...
An der Bezahlung der MA kanns ned liegen, wenn ich meine Schwester anguck, die für weniger als 1,5 TE Netto ne 50,Std.-Woche hat ...
Wo das meiste Geld zum Teil landen könnte, daß weiß ich allerdings schon, weil gesehen: Pflegeheimbesitzerin, welche bnnen 5 Jahren ihr 2tes Einfamilienhaus Cash kauft ...
Nur mal so ... :)
knilch_59 (21.10.2009, 22:09 Uhr)
Die Pflege-Pflichtversicherung ist keine Sozialversicherung
Sondern eine Subvention an die Mittel- und Oberschicht.

Deshalb gehört sie abgeschafft!

Zur Sozialversicherung fehlt nämlich das Merkmal der Armutsvermeidung für die Unterschicht. Weil die Lesitungen nicht ausreichen, um die tatsächlichen Kosten zu decken, vermeidet ihre Inanspruchnahme bei der unteren Hälfte eben nicht die Armenfürsorge, sondern reduziert nur deren Leistungen. Für die untere Hälfte kann es aber egal sein, ob die notwendige Pflege vom Sozialamt oder von der Pflegekasse bezahlt wird. Nur für die oberhalb von 2.000 Euro sonstiger Einkünfte wirken sich Leistungen der Pflegeversicherung so aus, dass nicht ergänzende Sozialleistungen in Anspruch genommen werden müssen.

Also - liebe Juristen: Wie wäre es mit einer Klage vorm BVerfG gegen die Pflegeversicherung im Ganzen?! Es winkt zwar kein Geld, aber Ruhm und Ehre!
Sternchen2020 (21.10.2009, 18:20 Uhr)
Pflegeversicherung privatisieren
Ich glaube, die Aufregung findet zu früh statt. Denn wenn die Pflegeversicherung tatsächlich privatisiert wird, darf sie nicht als Solidarbeitrag direkt vom Lohn abgezogen werden. Dann muss es zusätzlich auch Wahlfreiheit geben.

Denn der gesetzliche Abzug ist nur legitimiert, wenn der Betrag solidarische Verwendung findet. Andere Formen der Enteignung sind verfassungsrechtlich gar nicht zulässig.

Mich wundert, dass die FDP ebenfalls mit so heißen Nadeln strickt. Sie tut doch immer so, als wüßte sie alles.

Es ist sicher keine gute Idee, die Unternehmen nun einseitig entlasten zu wollen und sich Zug um Zug aus der Solidargemeinschaft zu verabschieden. Das aber konnte die Wähler-Klientel durchaus vorab gut einschätzen, nun muss sie da durch.

So ganz klar wird mir aber noch nicht, wie man darauf kommt, dass die demographische Kurve so steil nach unten bleiben wird. Entweder gibt es irgendwann wieder mehr Kinder (wenn diese unerträgliche Familienpolitik endlich die Kurve bekommt) oder wir haben ausreichend Einwanderer. Die (wenn gut ausgebildet) kann man aber auch nicht mit Dumpinglöhnen anwerben, dann ziehen sie lieber ein Land weiter.

Sternchen2020 (21.10.2009, 18:11 Uhr)
@Dudu: Gewerkschaften
Ganz einfach, weil in der BRD auch dei Gewerkschaften (wie vieles anderes auch) ebenfalls komplett aus dem Ruder gelaufen ist. Dort findet keine wirkliche Vertretung der Arbeitnehmerrechte statt (und das sage ich als Selbständige).

ich will gar nicht die damaligen Machenschaften des VW-Konzerns als Paradebeispiel anführen, als sich die kompetente Vertretung fleißiger Leute in Brasiliens Puff wiederspiegelte als Dank für die freundliche (und nicht legtime) und äußerst profitable Zusammenarbeit der Gewerkschaft mit der Geschäftsleitung. Würde es so niemals geben in den skandinavischen Ländern, weil alles transparent gestaltet ist. Die Bürger sind die Auftraggeber der Politik, das weiß man dort.

Inzwischen gibt es krude Gewerkschaften ohne Ende, manche nennen sich sogar christlich. Hört sich beeindruckend an, doch dahinter verbergen sich Auftragsgewerkschaften von Arbeitgebern.

Und auch die etablierten Gewerkschaften tun alles, um Mitglieder zu verscheuchen. Da findet sich kaum noch jemand wieder. Jüngstes Beispiel: Quelle. Die Leute haben über Jahre auf alles verzichtet, gestern gab es als Dank den Tritt. Versprochen aber wurde für den Verzicht ganz etwas anderes. Ich nenne das Betrug auf ganz hohem Niveau.

Allerdings muss man immer wieder betonen, dass unsere Politiker für solche drastischen Fehlentwicklungen gesorgt haben udn auch dafür, dass die BRD inzwischen als eines der Schlusslichter auf der Liste steht, die von Ländern spricht, in denen es nennenswerte Lebensqualität gibt.
laui (21.10.2009, 17:59 Uhr)
Pauschalen, private Vorsorgen ...
So etwas kann nur jemandem einfallen, der über ein gutes und sicheres Einkommen verfügt. Ich frage mich, wie eine Ein-Eurokraft (diese können durchaus qualifizierte Fachkräfte sein, nach BenQ, Nokia und jetzt Quelle gibt es genügend, welche innerhalb 2 Jahren KEINE neue Stelle gefunden haben)
Und eine festangestellte Reinigungskraft dürfte mit dem momentanen (seit der Tarif ausgelaufen ist) Lohn kaum eine Pauschale aufbrigen können, was bei einem Herrn Ackermann, einem der bonieinklagenden Commerz-Banker oder auch einem FDP-Wähler sicherlich nicht mal ein Wimperzucken bei der Abbuchung vom Gehaltskonto verursachen würde.
laui (21.10.2009, 17:48 Uhr)
Und wer wirklich Pflege benötigt ...
Anstelle die Arbeitnehmer ständig mehr zu belasten, sollte man endlich mal am System etwas ändern.
Es kann doch wirklich nicht sein, dass ein Angehöriger der 24 Std. und 7 Tage in der Woche einen schwer Pflegebedürftigen betreut nicht mal 1 Euro die Stunde (ca. 700?/Monat) erhält.
Ein häuslicher Pflegedienst, der am Tag 3x30 Minuten beim Pflegebedürftigen verbringt rund 1400 Euro erhält und der Angehörige der die Übrigen 22,5Stunden die Betreuung übernimmt gar nichts erhält.
Und in einer Pflegeeinrichtung bei einem schwerpflegebedürftigen rund 5000 Euro anfallen, obwohl der Pflegebedürftige nur gewaschen, mit Windeln versorgt und über einen Automaten per Sonde ernährt wird. Wobei rund die Hälfte der Kosten auch noch vom Pflegebedürftigen oder dessen Angehörigen aufgebracht werden müssen (bzw. wenn das Amt die Kosten übernimmt, der Lebenspartner oder Familienangehörige kaum mehr als mit dem HartzIV-Satz auskommen muss)
Und im Falle einer Unterbringung in einer spezialisierten Pflegeeinrichtung kann nicht mal gewährleistet werden, dass nahe Angehörige, Lebenspartner, Eltern oder Kinder, in direkter Nähe unterkommen können, so dass die Sozialen Kontakte ebenfalls oft kaum noch, oder im Alter gar nicht mehr, aufrecht erhalten werden können ? vor allem dann nicht, wenn der schwerstbehinderte Pflegebedürftige nicht mit Telefon etc. kommunizieren kann, wenn z.B. eine Person in einer für die Behinderung spezialisierten Pflegeeinrichtung befindet und der Angehörige in einer Altersgerechten Wohnung oder einem Altersheim kilometerweit entfernt wohnt ? Fahrtkosten, egal ob, wenn möglich mit dem eigenen PKW, oder dem öffentlichen Verkehr sind, wenn beide Personen in Einrichtungen leben, nicht mehr finanzierbar, selbst wenn dadurch die Lebensqualität des Schwerstpflegebedürftigen alleine dadurch enorm gesteigert werden könnte, wenn der Angehörige regelmässig anwesen und den herauslaufenden Speichel von den Lippen tupfen könnte, sowie beim Füttern oder Getränke verabreichen behilflich sein könnte.
OttoB (21.10.2009, 17:43 Uhr)
@Administration
Wenn ich jemanden beleidigt habe,so tut es mir echt leid.
Aber ich war wirklich sehr erregt wie ich lesen mußte man solle die Pflegeversicherung abschaffen weil ein Rentnerehepaar 4000? bekommt.
ich als 100% Behinderter der nicht allein aus dem Bett bzw. auf die Toilette kann, werde wie 1000 andere durch die Pflegeversichrung vor dem Heim bewahrt.
Ich sah diesen Bericht von Knilch auch als Beleidigung an.
Die Pflegeversicherung bezahlt jeder zu 100% selber.
50% bar und für die anderen 50% wurde ein Feiertag gestrichen. Als Rentner bezahlt man 100%.
Ich würde es toll finden wenn der Stern einmal über den Hintergrund der Streichung informieren würde, leider haben das wohl viele bereits vergessen.
Mein Vorschlag wäre, jeder zahlt ab sofort die Pflegeversicherung allein und dafür wird der Feiertag wieder eingeführt. Dann wären klare Verhältnisse und es würde nicht immer so getan als würden die Arbeitgeber die Hälfte bezahlen.
facilidad_de_ser (21.10.2009, 16:42 Uhr)
Jetzt wißt Ihr auch....
... wieso das Thema "Pflege" im Wahlkampf komplett ausgeklammert wurde.

Dieses war der Erste Streich, und der nächste....
Administrator (21.10.2009, 15:15 Uhr)
@OttoB
Ihre Empörung in allen Ehren, aber bitte argumentieren Sie bitte, ohne andere Leser zu beleidigen - wir mussten Ihren Beitrag leider löschen.
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