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23. Oktober 2009, 09:31 Uhr

Sorgenkind Guttenberg

Es gibt kaum ein unbedeutendes Amt, für das Karl-Theodor zu Guttenberg nicht genannt wurde - für wichtige fehlt es ihm an Fürsprechern. Das ist bitter für den Mann, der das Aushängeschild der Union sein sollte. Von Timo Pache, Nikolai Fichtner und Peter Ehrlich

CSU, Koalitionsvwerhandlungen, Guttenberg

Unsichere Zukunft: Der bisherige Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hofft auf einen prominenten Ministerposten© Jörg Koch/DDP

"Warum nicht Umweltminister?", fragt ein Freund in der CSU-Landesgruppe freudig erregt, das wäre doch was. Klimaretter, erneuerbare Energien, lauter schöne Zukunftsthemen, genau richtig für Karl-Theodor zu Guttenberg. Da könne er sein Image als Hoffnungsträger der Union pflegen und ausbauen.

Ob er das wohl auch so sieht, der Hoffnungsträger? Wohl kaum. Karl-Theodor zu Guttenberg erlebt in den letzten Tagen der Koalitionsverhandlungen einen leisen, aber erbarmungslosen Niedergang. Kein anderer Minister ist seit dem 27. September für so viele Posten gehandelt worden, inzwischen wirken die Vorschläge vollkommen beliebig - Hauptsache, man findet was für den Mann, der ein Dreivierteljahr Wirtschaftsminister war.

Dabei schien vor einem Monat alles möglich. Massen jubelten ihm im Wahlkampf zu, bisweilen hingen von ihm mehr Plakate im Land als von Merkel. Selbst als nächster Kanzler wurde der 37-Jährige gehandelt, manche erkannten einen deutschen Obama in ihm.

Keine Freunde unter den Entscheidern

Und nun? Nun kann Guttenberg nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm ausgeht, wie die wildesten Spekulationen befürchten lassen. Als neuer Chef der CSU-Landesgruppe wurde er gehandelt. Als Außenminister war er ebenfalls im Gespräch - für den unwahrscheinlichen Fall, dass FDP-Chef Guido Westerwelle sich freiwillig in einem Superressort für Finanzen und Wirtschaft verschleißen lassen wollte.

Für viele in Union und FDP wäre er auch als Verteidigungsminister gut vorstellbar, wegen der großen Familiengeschichte, und weil er so schneidig auftrete. Oder, so das jüngste Gerücht, als EU-Kommissar, er könne doch so gut Englisch. Vor allem diese Spekulation ist an Boshaftigkeit kaum zu überbieten: Als lasse sich der Erststimmenkönig des Bundestags einfach wegloben nach Brüssel, getreu dem Motto: Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa.

Unzweifelhaft hat Guttenberg ein Problem: Sein Schicksal liegt in der Hand von zwei Männern und einer Frau, denen er bestenfalls egal ist. FDP-Chef Westerwelle sowieso, der muss seine eigenen Leute versorgen. Auf Angela Merkel kann Guttenberg auch nicht zählen. Zu renitent verhielt er sich in ihren Augen im Fall des Autobauers Opel, zu offensiv hat er immer wieder erklärt, er lasse sich nicht verbiegen. Es sind gerade solche Aussagen, die ihn zwar populär, in Berlin aber verdächtig gemacht haben.

Der Dritte, an dem sein politisches Schicksal hängt, ist Horst Seehofer - und das ist keine gute Aussicht. Der CSU-Chef ist enttäuscht von dem Mann, den er glaubt, entdeckt und groß gemacht zu haben.

Kalte Schulter vom CSU-Chef

Der 28. September war so ein Tag, an dem die Loyalitäteninhaber in Berlin und München aufhorchten. Da saß Guttenberg in der ARD-Sendung "Beckmann" und sollte erklären, warum die Union trotz seiner Popularität so schlecht abgeschnitten habe. "Dann rechnen Sie doch den Guttenberg weg", entgegnete er, "was bleibt dann?" Niemand hat das kommentiert. Aber da haben sie geraunt: "Holla, ist da jemandem der Erfolg zu Kopf gestiegen?"

Am Donnerstag begegneten sich Seehofer und Guttenberg vor den Koalitionsverhandlungen. Seehofer war gerade vor einer Ansammlung Kameras stehen geblieben, als sich Guttenberg zaghaft danebenstellte und unsicher um sich schaute. Seehofer würdigte ihn erst keines Blickes, dann nickte er Guttenberg einmal kurz zu. Kein nettes Wort, schon gar kein Handschlag. Das Bild passt: Weder Merkel noch Seehofer haben sich je vor ihn gestellt, wenn wieder mal über den möglichen neuen Landesgruppenchef oder EU-Kommissar spekuliert wurde.

Nüchtern betrachtet bleiben drei Ministerien übrig, die er übernehmen würde, wenn man ihn bittet: Das Verteidigungsministerium liegt ihm wahrscheinlich wirklich, es gilt aber parteiintern als riskant. Für das Finanzressort würde er sich in die Pflicht nehmen lassen, aber das will angeblich Merkel für die CDU. Und mit dem Wirtschaftsressort hat er sich angefreundet. Das würde ihm vermutlich auch am besten gefallen: Einfach bleiben, was er ist.

Dieser Artikel... ist erschienen in der Financial Times Deutschland.

Von Timo Pache, Nikolai Fichtner und Peter Ehrlich
 
 
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