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18. Oktober 2009, 20:45 Uhr

Taschen leer, Westerwelle gereizt

Allen Gute-Laune-Sprüchen zum Trotz: Die schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen sind hakelig. Auch dieses Wochenende gab es keine Einigung über Steuersenkungen.

Koalitionsverhandlungen, Pofalla, Niebel, FDP, Union, Steuern,

Optimismus hoch drei: Die Generalsekretäre von CSU, CDU und FDP, Alexander Dobrindt, Ronald Pofalla und Dirk Niebel (v.l.n.r.)© Rainer Jensen/DPA

Der zeitliche Fahrplan steht: Am Montag tagt noch einmal die wichtige Verhandlungsgruppe Finanzen, am Mittwoch trifft sich die Große Koalitionsrunde, am Donnerstag möglicherweise nochmal. Dabei soll auch der Zuschnitt der Ministerien und deren Besetzung geregelt werden. Für Sonntag 25. beziehungsweise Montag den 26. sind kleine Parteitage von CDU, CSU und FDP angesetzt. Sie sollen den dann fertigen Koalitionsvertrag absegnen.

Das ist, kurz gesagt: sportlich.

Wullf und Westerwelle geraten aneinander

Natürlich beteuerten die Koalitionäre auch an diesem Wochenende gebetsmühlenartig, wie toll die Zusammenarbeit und die Fortschritte sind. Kostproben aus dem schwarz-gelben Zitatenkästchen? "Wir haben die Nebelwand jetzt durchschritten", erklärte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. "Das Gipfelkreuz ist klar erkennbar." FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms sagte: "Es gibt große Fortschritte, aber wir sind noch nicht am Ziel". Ursula von der Leyen, CDU-Verhandlungsführerin für Gesundheitspolitik, bemerkte: "Wir haben in vielen Schritten jetzt auch Gemeinsamkeiten gefunden."

Tatsächlich ist vieles - sehr vieles - unklar. Zum Beispiel auf dem zentralen Gebiet der Finanzen. Am Samstag hatte CDU-Vize Christian Wulff noch das FDP-Steuerkonzept in der großen Verhandlungsrunde mit 27 Teilnehmern massiv abgekanzelt. Er verlangte eine solide Gegenfinanzierung und Sparvorschläge, um die geplanten Mehrausgaben zu kompensieren. Der Vorstoß war offensichtlich mit den anderen Ministerpräsidenten der Union abgestimmt, die befürchten, ihre Haushalte könnten in Schulden untergehen. FDP-Chef Guido Westerwelle hatte daraufhin zum bislang zweiten Mal gedroht, die Gespräche abzubrechen. Für die FDP seien Steuerentlastungen und eine Steuerreform Bedingungen für eine Koalition, erklärte er. Die FDP will eine Entlastung im Volumen von 35 Milliarden Euro, die Union hält aber nur 20 Milliarden für machbar.

Streitpunkte ohne Ende

Weitere Streitpunkte gibt es noch zuhauf. Unklar ist, wie mit dem Gesundheitsfonds verfahren werden soll, den die FDP am liebsten kippen würde. Eine Lockerung des Kündigungsschutzes hat Kanzlerin Angela Merkel zum Ärger der Liberalen abgelehnt, und die Bundesagentur für Arbeit wird es wohl auch weiterhin geben. Aber wie soll das Finanzloch gestopft werden, dass die steigenden Arbeitslosenzahlen bei der Behörde reißen? Niemand weiß es. In der Familienpolitik blockiert die FDP die von der CSU dringlich geforderte Herdprämie.

Selbst in der Außen- und Verteidigungspolitik, dem Steckenpferd von Guido Westerwelle, gibt es noch gravierende Meinungsunterschiede. Westerwelle will, dass die USA die verbliebenen Atomwaffen aus Deutschland abziehen - die Union nicht. Auch die Frage der Wehrpflicht ist strittig. Allein auf dem Gebiet der Inneren Sicherheit sind alle offenen Fragen geklärt. Das hat dem Ansehen von CDU-Verhandlungsführer Wolfgang Schäuble gut getan. Will er Innenminister bleiben, ist ihm dieser Wunsch wohl kaum abzuschlagen.

Keine Detailregelungen

Wie unter diesen Bedingungen bis Mittwoch ein Rohentwurf für den Koalitionsvertrag stehen soll, ist rätselhaft. Unionsfraktionschef Volker Kauder deutete an diesem Sonntag indes eine Lösung an: Es müsse ja nicht alles bis ins kleinste Detail geregelt sein (so wie es 2005 der Fall gewesen sei).

Das dürfte auch im Sinne Angela Merkels sein. Mit einigen wolkigen Zielvorgaben könnte sie die Zeitspanne bis nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen besser rumbringen. Wer konkret wird, macht sich angreifbar - diese Lektion hat die Kanzlerin im Wahlkampf 2005 nachdrücklich gelernt.

DPA/AFP/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
ice-t (19.10.2009, 09:47 Uhr)
Bundesagentur für Arbeit
@Redakteure

Macht gefälligts eure Hausaufgaben und schreibt nicht so einen Käse!

Welche steigenden Kosten für die BA?
Es gibt keine steigenden Kosten für die BA durch steigende Arbeitslose! Mal auf die Idee gekommen, wieviele Mrd. die BA in Zeiten der Abnahme von Arbeitslosen eingespart hat? Das sind Beträge im zweistelligen (!!) Mrd.-Bereich, die die BA nun als SparPolster hat. .NUR dadurch war es zum Bsp. möglich Beiträge zur Arbeitslosenversicherung im letzten Jahr zu senken o.ä....
WO also soll die BA mehr Geld als vorher erhalten? Das ist pure Quark! So werden Menschen fehlinformiert, dass man wieder schön auf jemanden schimpfen kann....Die böse, böse BA...Ja...wir müssen ungeheure Kosten im öffentlichen Dienst einsparen...Man muss nicht alles nachlabern, was die FDP erzählt. Das ist nämlich schlicht FALSCH! Aber Hauptsache die üblichen Klischees werden bedient...Also echt. Da fehlen mir die Worte...
Johann58 (19.10.2009, 02:22 Uhr)
Der Kapitalismus als solcher ist ja nicht gescheitert
gescheitert ist der unbaendige Glaube an staendiges ungebremstes Wachstum welches ueber alle Gesellschaftschichten hinweg eine staendige Vermoegenserweiterung schaffen soll. Das ging in Deutschland ein paar Jahrzehnte gut weil man nach dem Krieg bei Null angefangen hat. Das geht in den USA gut weil es alle 10 - 20 Jahre richtig kracht und man sich dann wieder bis zum naechsten Crash berappelt. Ausserdem sind die USA nach wie vor ein Einwanderungsland mit wachsender Bevoelkerung die Nachfrage erzeugen. Die Laientruppe von CDU und FDP will uns aber irgendwie weismachen, dass die Nachfrage ohne Bevoelkerungswachstum und vor allem ohne wachsendes Einkommen gemacht werden kann. Geht auch, aber nur wenn man sich wie in den USA permanent bis zum Sankt Nimmerleinstag verschuldet. Die FDP ist auf dem Holzweg etwas zu verspechen was nicht finanzierbar ist und die CDU ist auf dem Holzweg weil sie um der Macht Willen in das gelbe Horn stoesst. Deutschland wird nicht untergehen aber im Moment werden die Weichen dafuer gestellt, dass der Mittelstand verschwindet und dass es eine Zweiklassengesellschaft gibt.
Corazito3333 (19.10.2009, 01:48 Uhr)
schwarz gelb...
und jetzt wird der karren so richtig in den dreck gefahren....oder glaubt jemand allen Ernstes, daß die Typen fähig sind die Probleme zu lösen!!! Von jetzt ab gehts bergab - nur für die Reichen gehts rapide bergauf
Fakten (19.10.2009, 00:12 Uhr)
Beendet endlich die Kriegsspiele in Afghanistan...
...dann fehlen euch auch keine Mittel mehr.

Deutschland muss neu geteilt werden! In Reich und Arm! Die Reichen bekommen ihre eigene Republik und koennen sich dann auch sicher selbst versorgen.

Diesen Mist von dem Mut zu den Wahrheiten kann man nicht mehr hoeren! Das einzige was helfen wuerde ist die juristische Behandlung der Korruptionsstraftaeter.
n8g8 (19.10.2009, 00:01 Uhr)
@rockyciano
Jupp, zweifelsohne. Sie haben völlig Recht.
Nur: Nen Volksauftstand zu seiner Zeit hat bislang auch die beste Propaganda nicht aufgehalten ... :-)))
rockyciano (18.10.2009, 23:39 Uhr)
@n8g8
Warum das so ist - wissen doch die meisten von uns : Die Medien - schlachten doch nicht den " Garant " für ihre Arbeitsplätze!!!- Es gäbe keine grosse Auflagen mehr- die Talkrunden wären leer......... uvm. Und letztendlich sind die Medien dann auch noch die von der FDP viel gepriesene Leistungsträger!
knilch_59 (18.10.2009, 23:26 Uhr)
Scheingefechte
Es ist doch egal, was bei den Verhandlungen rauskommt. Der Notausgang jeder Absprache ist der "Finanzierungsvorbehalt". Hauptsache, die Posten sind schon verteilt und man hat den Anschein erweckt, hart zu verhandeln.
.
Dann kommen so böse, unvorhersehbare Ereignisse wie Winter, Frühjahr, Sommer, neue Steuerschätzung, ... und schon geht es doch nicht mehr. Die FDP wird zwar keine Steuersenkung bekommen, aber dafür werden Investitionshemmnisse beseitigt, die der armen, siechen Wirtschaft das Wachstum verweigern: Also wird in den Lohnsteuerrichtlinien am Dienstwagenprivileg geschnitzt, die Absetzbarkeit von Haushaltshilfen verbessert, ... Na ja, keine Steuererleichterung, aber wer bisher pro Jahr 20.000 ? Steuern zahlen musste, bekommt eben 1.000 Euro zurück. Ähnliches bei der Krankenversicherung: Dann wird die JAEG eben etwas weniger angehoben, dafür die Zuzahlungen erhöht. Wer den Höchstbeitrag zahlt, spart dann, solange er gesund ist. Die Klientel weiß das zu schätzen, bei denen kann das politische Versprechen auch sinngemäß eingelöst werden
.
Das Tolle ist ja, das man nicht mehr diskriminieren muss, um auszugrenzen. Das geht heute viel subtiler, äh - liberaler.
n8g8 (18.10.2009, 23:16 Uhr)
@Johann58
Und wetten, dass Sie in der Presse niemanden finden werden, der den Hund als wedelnden Schwanz und Wahllügner bezeichnet?!?
Naja, ich lass das Wetten mal besser, das wäre ja total unfair! Und ausgerechnet Ihnen als einen Menschen mit Weitblick will ich dett ja nüscht zumuten. Viele Grüße! :-)))
rockyciano (18.10.2009, 23:14 Uhr)
@Bienban
Es wird erstmal - wohlgemerkt erstmal - keine Rebellion geben. CDU und FDP "bedienen" ja ihr Klientel!!! - Der Rest muss zwingend erst die Auswirkungen spüren und begreifen.SCHAUEN wir dann mal ........
Robbespierre (18.10.2009, 23:14 Uhr)
@Tempelhofer
Es alles ist eine Frage der Zeit. Gelingt es dem Kapitalismus, die Leute ruhig oder gar zufriedenzustellen, dann behalten Sie Recht. Noch haben die Menschen offensichtlich mehr Hoffnung auf den Kapitalismus als in irgendeine Alternative. Dieses Vertrauen muß der Kapitalismus durch die massive Verschlechterung der Lebensbedingungen erst selbst vernichten. Wohlgemerkt: Die Krise hat noch keinen echten und irreparabel erscheinenden Notstand hervorgerufen. Scheitert der Kapitalismus mit der nächsten oder übernächsten Krise radikal und großflächig (wovon ich ausgehe) wird sich dies ziemlich bald ändern und es könnte genügend brodeln. Dann bedarf es natürlich noch des agitativen Funken, der das Gemenge zündet und zwar in Form des klar formulierten Zieles einer neuen Gesellschaft. Das liefert die Linke noch nicht ansatzweise und solange sie dazu schweigt, ist eine Revolution auch keine Option. Aber auch dies kann sich sehr schnell ändern. Es gilt wie immer: Wer zuletzt lacht, lacht am besten...!
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