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16. April 2008, 16:21 Uhr

Der Preis des Präsidenten

Mit seiner jüngsten Forderung nach weiteren Reformen hat Horst Köhler der Republik den Preis seiner Wiederwahl genannt. Zugleich liegt hier die Chance des Bundespräsidenten in seiner zweiten Amtszeit jenes Signal zu setzen, das er bisher vermissen ließ. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Zweite Amtszeit in Sicht: Bundespräsident Horst Köhler© Darko Bandic/AP

Es fällt schwer, an einen Zufall zu glauben. Seit einiger Zeit steht fest, dass Bundespräsident Horst Köhler eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht, so er nur will. Die FDP hat sich hellauf begeistert gezeigt für eine Verlängerung. Die SPD murmelt halblaut, sie könne damit einverstanden sein, wobei der eklatante Mangel an einem aussichtsreichen SPD-Kandidaten ein gewichtiges Motiv sein dürfte. Die Union wiederum ist zu Teilen aufgeschlossen, wobei auffällt, dass vor allem Kanzlerin Angela Merkel einen Mangel an Begeisterung erkennen lässt. Vermutlich deshalb, weil sie Köhler als Markenzeichen einer Reform-Kanzlerin ins Amt manövriert hat. Davon sind allenfalls nur noch politische Spurenelemente bei ihr sichtbar. Köhler ist einerseits noch immer auf dem Reformtripp, andererseits ist kaum denkbar, dass die Union die Kraft besitzt, den Widereinzug dieses bei den Bürgern überaus beliebten Mannes ins Präsidialamt zu verhindern.

Es ehrt Köhler, dass er die Offerte einer sicheren Verlängerung seiner Amtszeit nicht kommentarlos entgegennimmt. Denn mit seiner jüngsten Forderung nach einer Agenda 2020 hat er der Republik den Preis seiner Wiederwahl genannt. Alle müssen jetzt wissen, dass der Mann sich weiter dem Reformprogramm verpflichtet fühlt, für das er sich von Angela Merkel hat anwerben lassen. Im Mittelpunkt der Politik hat aus seiner Sicht der Dinge der Abbau der Arbeitslosigkeit zu stehen. Zweitens soll massiv investiert werden in Bildung, Forschung und Innovation - eine Position, die von der Großen Koalition bisher wortreich vertreten, aber nur mangelhaft durch Taten unterlegt worden ist. Die SPD darf jubeln, denn ausdrücklich beruft sich der Präsident lobreich auf Gerhard Schröders Agenda 2010 als dem entscheidenden Reformmotor, mit dem die Große Koalition bisher gefahren ist. Denn mit "fordern und fördern" hat es Merkel bislang nicht so sehr gehabt.

Zu viele Zumwinkels

Wenn Köhler - etwa Ende Mai - seine Bereitschaft verkündet, im Mai 2009 erneut zu kandidieren, so hat er mit dieser Mahnung zu weiteren Reformen auch einen Mangel seiner bisherigen Amtszeit behoben. Er kann nicht übersehen haben, dass die deutsche Gesellschaft sich in einer überaus schmerzhaften und bedenklichen Entwicklungsphase befindet: Sie driftet auseinander, die bürgerliche Mitte bröckelt. Das untere Drittel wächst und muss mit stetig wachsenden wirtschaftlichen Problemen leben. Die Eliten oben genießen in immer größerem Wohlstand und nicht wenige ihrer Mitglieder bereichern sich selbst dann schamlos, wenn sie als Vorbilder oder in ihrem Job kläglich versagt haben. Es gibt viele Zumwinkels.

Hier liegt die Chance Köhlers in seiner zweiten Amtszeit jenes Signal zu setzen, das er bisher vermissen ließ. Zuweilen konnte man der Eindruck haben, dass er mehr an den Nöten Afrikas leidet denn an den Missständen der Bundesrepublik. Richard von Weizsäcker hielt seine berühmte Rede über die Schuld der Deutschen. Roman Herzog profilierte sich mit seiner "Ruck"-Rede. Horst Köhler sollte sich in vergleichbar unmissverständlicher Weise zu jenen Reformen bekennen, die der weiteren Spaltung der deutschen Gesellschaft Einhalt gebieten. Zu diesem Zweck darf und sollte er sich nicht davor fürchten, den Parteien insgesamt und der Kanzlerin im Besonderen auch mal schroff zu kommen. Ein bisschen "unbequem" dürfte in diesem Fall allerdings kaum reichen.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Benkku (17.04.2008, 20:01 Uhr)
Der Mann weist alten Leuten falsche Wege.
Dem Feudalherren Köhler muß das Handwerk gelegt werden. Der Mann ist eine Zumutung für das deutsche Volk von Anfang an gewesen. Sein Kategorisieren - verbunden mit bösen Absichten - zu Feudalherren, ihren ökonomisch relevanten Kriechern und dem 'nichtsnutzigen' Prekaritat bedeutet Deklassierung der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes. Dieser Feind der produktiv arbeitenden Menschen hat sich genau so wie einer seiner berüchtigten Vorgänger verabschiedet. Wir brauchen auch keinen Repräsentanten, der im IWF zusammen mit der Weltbank die Dritte Welt gegängelt hat und sich jetzt plötzlich im Namen Deutschlands bei aus gewissen Gründen westlich orientierten Staaten der Dritten Welt anbändelt.
davidherzig (17.04.2008, 11:41 Uhr)
@romeodelta
Dann sollten wir anfangen, Deutschland zu verändern. Keine Wahlen, sondern Revolution. Wir haben schon zu lange italienische Verhältnisse... Hoffen wir, dass es gut kommt.
romeodelta (17.04.2008, 11:37 Uhr)
@davidherzig
das wäre ein echter Fortschritt und eine Maßnahme, die das Wort Reform verdienen würde!
romeodelta (17.04.2008, 11:35 Uhr)
Vielleicht
sollte der Bundespräsident "einer von uns" sein - er oder sie würde "das Volk" im wahrsten Sinne des Wortes repräsentieren. Ich habe nichts gegen Köhler aber meistens doch seinsegleichen aber fühle mich überhaupt nicht repräsentiert. Wie kann eine solche Person uns repräsentieren, wenn er von einem völlig anderen Planeten kommt? Ansonsten Asteriskina - Sie haben vollkommen recht!
davidherzig (17.04.2008, 11:32 Uhr)
viele politiker, keine pläne
Das wäre doch mal eine Agenda: Anzahl Politiker im Bundestag halbieren, Löhne und Bezüge der Politiker um 75% kürzen, die Steuern senken, die politische Souveränität auf das Volk übertragen (Volksrechte wie in der Schweiz) und aus der EU austreten (sind dort ja eh nur Zahlmeister, aber zu sagen haben wir nichts)...
mramorak (17.04.2008, 11:05 Uhr)
Noch nichts gelernt, herr Bundespräsident?
2020, ist das was anderes als ein marxistischer 5-jahres Plan unter anderem Namen? Leider fürchte ich, dass sich diese ideologisch blinden Verführer weiter durchsetzen werden. Und der Tag, nach meiner Lebenszeit, wird kommen, an dem wieder Menschen aufschreien müssen "wir sind das Volk". Und der Herr Köhler wird eine schöne Rente bekommen - er war ja nicht schud an dem Mist - schöner als ich und die meisten meines Alters. Er und seine Genossen werden wieder sagen, die Idee war gut, nur sie wurde nicht gut ausgeführt - wie man heute über die DDR in Deutschland spricht. Und die CDU und SPD werden nicht mehr in der Lage sein, das aufzuhalten. Denn schon zuviele ihrer eigenen stecken schon drin.
galonero (17.04.2008, 10:30 Uhr)
Köhler
Moment mal, welche Bürger wollen Köhler, also mich hat keiner gefragt, und ich möchte diesen Komiker auch nicht mehr als Präsidenten, dann doch lieber Richling, der ist besser als das Original...ggggg
PS: war gestern beim Arbeitsamt, soll 8 Bewerbungen pro Monat schreiben, ein EDV-Kurs, der mir weiterhelfen würde, wurde aber abgelehnt (bin zu alt, 53 Jahre): das bedeutet fordern und fördern!!!! Ich freue mich schon auf die Agenda 2020, dann bin ich 65, vielleicht gibt es dann einen EDV-Kurs!!!!
walhalla (17.04.2008, 10:15 Uhr)
Nichts dazu gelernt
Einen Spagat, für den man wohl ein wenig intelligenter sein muss, versucht Herr Köhler. Es allen wohl zu tun, hat schon die SPD ruiniert.Den Armen mit Wachstumsgequatsche zu kommen, das letzte Wachstum haben Sie noch in guter Erinnerung, ist schon ein Zeugnis von Hilflosigkeit.Da hilft mir ein Thomas Münzer mehr, "es machen die Herren selber, das der gemeyne Mann Ihnen Feyndt werde"!
figaroo (17.04.2008, 10:08 Uhr)
vielleicht sollte der autor..
dringend mal köhler interviewen und dann sein statement:
"Sie driftet auseinander, die bürgerliche Mitte bröckelt. Das untere Drittel wächst und muss mit stetig wachsenden wirtschaftlichen Problemen leben. Die Eliten oben genießen in immer größerem Wohlstand und nicht wenige ihrer Mitglieder bereichern sich selbst dann schamlos, wenn sie als Vorbilder oder in ihrem Job kläglich versagt haben. Es gibt viele Zumwinkels."..
..kommentieren lassen - diesen schablonenhaften blödsinn, würde unser bundespräsident ihm schnell um die ohren hauen... die gesellschaftliche spaltung wird vor allem von den medien und interessierten politikern betrieben und verläuft eher zwischen 95% und 5% der bevölkerung und bringt niemandem etwas..und da die wohlstandssituation unseres landes deutlich schwieriger ist als vor 20 jahren, wird an einer Agenda 2020 auch keiner (kurzfristig) spaß haben - aber langfristig ist es notwenidg und sinnvoll..
konsens statt polemik, trennung von moral und verstand - und das gilt übrigens auch für die rentenfrage.. jeder der heute 35 ist zahlt höhere beiträge an die rentenkasse als die vorherige generation, wird deutlich weniger ausgezahlt bekommen als die vorherige generation UND muss noch privat für sich vorsorgen.. da kann ich echt keinen rentner verstehen, der sich beklagt..
Clemens1964 (17.04.2008, 10:04 Uhr)
@Asteriskina
goldene plattform?, also ich wate derzeit eher hüfttief in der scheiße. ich glaube, jemand, der in den 60ern und 70ern sozialisiert wurde, kann sich überhaupt nicht vorstellen, was in der heutigen arbeitswelt los ist.
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