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8. Mai 2007, 06:58 Uhr

FDP wirft Söder Nötigungsversuch vor

Ex-RAF-Terrorist Christian Klar wird nicht begnadigt, doch die Debatte geht weiter: SPD, FDP und Grüne kritisieren die CDU/CSU, vor allem CSU-Generalsekretär Markus Söder, der sich öffentlich gegen eine Begnadigung Klars ausgesprochen hatte. Auch innerhalb der Union geht die Diskussion weiter.

CSU-Generalsekretär Markus Söder setzte Bundespräsident Köhler unter Druck, indem er sich öffentlich gegen eine Begnadigung aussprach© Roberto Pfeil/AP

Das Gnadengesuch des früheren RAF-Terroristen Christian Klar sorgt auch nach seiner Ablehnung weiter für heftigen Streit. Mit scharfer Zurückweisung reagierten Politiker aus SPD, Grünen und FDP auf Äußerungen aus der Union zum Verhalten von Bundespräsident Horst Köhler in dem Fall. Unter Beschuss steht vor allem CSU-Generalsekretär Markus Söder, der einem "Spiegel"-Bericht zufolge eine Begnadigung Klars als eine "schwere Hypothek" für die Wiederwahl Köhlers im Jahr 2009 bezeichnet hatte.

Das "war der unverhohlene Versuch, das Amt des Bundespräsidenten zu beschädigen", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, der "Berliner Zeitung". FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sprach von einer versuchten Nötigung Köhlers, der "ein Schandfleck auf der Weste der Konservativen" bleibe. Erste Rücktrittsforderungen an Söder wurden laut. Köhler hatte die Ablehnung von Klars Gnadengesuch bekannt gegeben, nachdem er sich mit dem früheren Terroristen getroffen hatte.

Amt des Bundespräsidenten beschädigt

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele sieht wegen der Debatte sogar das Amt des Bundespräsidenten beschädigt: "Ich glaube, dass diese Töne vor allem von CSU und der 'Bild'-Zeitung dem Bundespräsidenten Schaden zugefügt haben und zwar sowohl der Gnadeninstanz Bundespräsident als auch der institutionellen Machtbalance in Deutschland", sagte Ströbele der "Frankfurter Rundschau". Der Grünen-Politiker Volker Beck sprach sich trotz der Debatte für den Erhalt des Gnadenrechts aus: "Ich sehe keinen Anlass, das Amt des Bundespräsidenten hier zu schwächen und ihm diese Kompetenz zu nehmen, zumal er vom Gnadenrecht auch nicht inflationär Gebrauch macht", sagte der Grünen-Fraktionsgeschäfsführer "Netzeitung.de". Das Gnadenrecht sei eine Art humanitärer Rettungsanker, gedacht für Situationen, in denen das Gesetz manchmal keine adäquate Antwort parat habe.

Die Entscheidung Köhlers selbst stieß auf ein positives Echo. Köhler habe die schwierige Entscheidung mit großer Umsicht vorbereitet, sagte der SPD-Politiker Wiefelspütz der "Berliner Zeitung". Auch der Unions-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl erklärte, er könne Köhler nur unterstützen. "Wenn Klar aus alter Kumpanei zu seinen Mordgesellen geschwiegen hat, ist für Gnade kein Raum", sagte der CSU-Politiker. Ebenso begrüßte FDP-Generalsekretär Niebel Köhlers Entscheidung.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
WolfgangWiebke (08.05.2007, 17:27 Uhr)
Söder und Köhler
Mir fällt immer wieder auf, daß die politischen Parteien, egal wie sie auch heißen, immer nur den Andersdenkenden und Andermeinenden populistisch und polemisch attackieren müssen,speziell eine unheilige Allianz aus SPD,FDP und Grünen.Weder sind deren Aussagen sachdienlich oder sachförderlich,noch galube ich,daß die Position des Bundespräsidenten beschädigt worden ist, in Deutschland herrscht nach meinem Wissen noch immer die Meinungsfreiheit!Ich meine allerdings,daß sich der Gnadenakt überholt hat und abgeschafft werden sollte!
MrPommeroy (08.05.2007, 13:29 Uhr)
Danne
Die CSU ist eine bayerische Partei, die an der Bundesregierung beteiligt ist. Söder gehört der Partei an, ist jedoch nicht in einer bundespolitischen, sondern Landespolitischen Funktion.
Zudem: ich fürchte, die CSU ist die einzige Partei in Gesamt - Deutschland, die noch eine "bürgerliche" "wertkonservative" Schicht anspricht, die man im übrigen auch nicht quantitativ unterschätzen sollte. Ich denke weiterhin, dass die Äußerungen Beckstein und Söder inhaltlich (in der Sache Klar) vielen aus dem Herzen gesprochen haben und auch einen Gesellschadts-strukturellen, gerechtfertigten Gegenpol zur linksliberalen, medienwirksamen Bildungselite unseres Landes darstellt.
Diaula (08.05.2007, 12:26 Uhr)
Aber zuddi,
Sie begrüssen den Entscheid Köhlers, halten aber die Aeusserungen Söders zu Klar für unerträglich.
Es ist Ihnen aber schon klar, dass Köhler genau das entschieden hat, was Söder verlangte.
Also, was ist denn unerträglich ?
zuddi (08.05.2007, 11:10 Uhr)
Peinlich...
ich finde diesen Herrn Söder nur noch peinlich. Wann immer er den Mund auftut, kommt unerträgliches Geschwätz. Als in Bayern geborene und lebende Bürgerin würde ich sagen, dieser Mann ist untragbar!
Allerdings begrüße ich das Entschluss unseres Bundespräsidenten.
hevosenkuva (08.05.2007, 10:14 Uhr)
öder söder
Wenn der Bundespräsident ein Gnadengesuch von jemand bekommt, sollte man schon erwarten dass er sich damit auch beschäftigt. Ein Gespräch mit dem Antragsteller ist vollkommen in Ordnung, auch wenn der Bayrische Stammtisch das nie verstehen wird.
Aber was will man schon von einem gewissen Herrn Söder erwarten... Schaf im Wolfspelz.
Danne (08.05.2007, 10:10 Uhr)
MrPommeroy
Sind denn die Bayern ausschlaggebend für die Entscheidung unseres Bundespräsidenten? Herr Köhler ist unser aller Bundespräsident und hat bewiesen, dass er sein Amt sehr ernst nimmt! Das dieses von einem kleinem Wichtigtuer, namens Söder, mißachtet wird und dieser Söder sich anmaßt, solch eine Drohung, ja sogar einen Erpressungsversuch von sich gibt, sollte seine sofortige Entfernung aus der Politik bewirken! Jeder anständige Bayer sollte dieses befürworten, sich gegen Söder stellen und seinen Ausschluß fordern! Jetzt könnten die Bayern beweisen, dass sie nicht nur Demokraten, sondern stolze Demokraten sind!
Da bin ich mal gespannt!
areopag (08.05.2007, 10:01 Uhr)
Wer war nochmal....
... die FDP? Ach so ja, die sitzen in der Opposition. Gut, dass sie sich wenigstens nochmal in solchen Fällen zu Wort melden, in denen es nicht wirklich um konstruktive Inhalte geht, ansonsten hätte ich sie doch fast vergessen.
swiss02 (08.05.2007, 09:42 Uhr)
Unverständlich,
Ein Mensch wie Herr Klar, der eindeutig an Morden beteiligt war, solche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Ist es nicht schon genug,wenn er Millionen von Steuergeldern für seine Inhaftierung verbraucht hat ? Er sollte das Geld auf Jedenfall wieder abarbeiten müssen ! Abgesehen davon sollte es für Mörder keine Begnadiging geben. Wer das Lebensrecht Anderer nicht achtet kann auch keine Gnade erwarten.
Klingt etwas hart,ist aber so.
MrPommeroy (08.05.2007, 09:25 Uhr)
Söder hat in der Sache recht
Vorab: ich bin kein Söder Freund, mir geht sein opportunistisches, Gefasel und seine Phrasendrescherei auf die Nerven, aber in der Sache hat er nun mal recht: Der absoluten Mehrheit der Bayern, die er nun mal vertritt, wäre ein Bundespräsident, der Klar begnadigt hätte, zur Wiederwahl schwer zur erklären gewesen. Jeder Politiker wird wiedergewählt durch Mehrheiten. Auch der Bundespräsident.
Selbstverständlich stimme ich zu, dass der Stil und Zeitpunkt der Einflußnahme typisch Söder war und eigentlich untragbar, aber in der Sache hat Söder aus Sicht des CSU nun mal recht. Auch ein Bundepräsident braucht Mehrheiten hinter sich. Allerdings braucht er Söders Selbtherrlichkeit nicht.
tagora-sagittara (08.05.2007, 09:13 Uhr)
Er hat zwar den amtierenden Bundespräsidenten...
öffendlich genötigt, hierfür hätte man, wenn das der SPD passiert währe, den politischen Kopf des Verursachers gefordert,...aber sonst ist Herr Söder ein lupenreiner Demokrat....oder doch nicht??...
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