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Ein Skandal zu viel

In seiner Amtszeit hat der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers schon einige Skandale überstehen müssen. Die katastrophale Kommunikation nach der Übergriffen an Silvester hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Wolfgang Albers ist in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden

Wolfgang Albers ist in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers hat ein ungewöhnliches Hobby: Er sammelt Hüte. Jetzt musste der 60-Jährige auch im übertragenen Sinne seinen Hut nehmen. Nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht, dem offenkundigen Einsatzdesaster und der Informationspolitik der Polizei muss er als Chef der größten Polizeibehörde in Nordrhein-Westfalen seinen Platz räumen.

Dem Polizeipräsidenten wird unter anderem vorgeworfen, die Öffentlichkeit nach den Übergriffen nicht rechtzeitig informiert zu haben und Informationen unter anderem über die Herkunft der Verdächtigen zurückgehalten zu haben. Der Polizeieinsatz in Köln war von vielen Seiten scharf kritisiert worden, auch von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Doch noch am Mittwoch versicherte Albers, er werde auf jeden Fall Polizeipräsident bleiben. "Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt", sagte er.

Rund 1000 Männer hatten sich nach Polizeiangaben in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof versammelt und mit Feuerwerkskörpern um sich geworfen. Kleinere Gruppen spalteten sich ab, sie sollen Frauen umzingelt, sexuell bedrängt und bestohlen haben. Bis zum Freitag wurden rund 170 Anzeigen erstattet. 

"Grenze zur Frustration"

Viele Opfer und Augenzeugen berichten, die Polizei habe die Lage nicht im Griff gehabt. Ein interner Einsatzbericht der Bundespolizei beschrieb es so: Frauen sollen einen Spießrutenlauf erlebt haben, die Beamten wegen der vielen Vorfälle "an die Grenze zur Frustration" gekommen sein. Die Kölner Polizei dagegen hatte die Stimmung in einer Pressemitteilung am Neujahrsmorgen als "friedlich" bezeichnet und die Öffentlichkeit erst zwei Tage später über die Übergriffe informiert.

Es war nicht die erste Panne seit Albers' Amtsantritt im Jahr 2011. Damals hatte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) seinen Parteifreund zum Kölner Polizeipräsidenten gemacht. Der Jurist Albers war 1988 in den Landesdienst bei der Bezirksregierung Köln eingetreten und später ins NRW-Innenministerium gewechselt. 1994 wurde er persönlicher Referent des damaligen Ministers und ging drei Jahre später zur Bezirksregierung Düsseldorf. 2002 wurde Albers Polizeipräsident in Bonn.

Doch in der Metropole Köln war alles eine Nummer größer als in der eher beschaulichen Nachbarstadt: Albers war nun verantwortlich für mehr als 5000 Polizeibeschäftigte und für die Sicherheit von rund 1,2 Millionen Menschen in Köln und Leverkusen.

Erste Bewährungsprobe: Hogesa

Die erste große Krise für Albers kommt im Oktober 2014: Eine Demonstration der "Hogesa" - Hooligans gegen Salafisten - läuft völlig aus dem Ruder. Hooligans und Rechtsextremisten liefern sich am Kölner Hauptbahnhof Straßenschlachten mit der Polizei. Rund 50 Beamte werden verletzt. Wochenlang muss sich Albers Vorwürfe gefallen lassen, die Situation falsch eingeschätzt zu haben.

Auch bei einem Skandal um demütigende Aufnahmerituale in einer Kölner Spezialeinheit (SEK) im vergangenen Jahr macht Albers keine gute Figur. Der Polizei-Chef ist schnell mit Konsequenzen bei der Hand - zu schnell, wie die Gewerkschaft der Polizei und andere Kritiker meinen: Er löst die Einheit auf, obwohl die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellt und Disziplinar-Untersuchungen noch laufen. 

Unsouverän wirkt Albers' Handeln auch, als er Pläne für einen Umzug der Verkehrspolizei von Köln nach Leverkusen präsentiert - obwohl die Beamten ihren Einsatzschwerpunkt in Köln haben. Erst nach heftiger Kritik aus Lokalpolitik und Medien nimmt er Abstand von der Idee.

Doch am Ende waren es die Vorfälle in der Silvesternacht und seine Informationspolitik, die Albers den Job gekostet haben. Er hat viele Skandale überstanden - diesen nicht.

Petra Albers, DPA
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