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26. August 2006, 15:11 Uhr

Der Mann mit der Tarnkappe

Er trug Jeans, trank gelegentlich Alkohol und erzählte, er hätte mit "Politik nichts zu tun" - aber heimlich bereitete der Syrer Fadi S., der in Konstanz festgenommen wurde, offenbar die misslungenen Attentate auf die Bahn mit vor. Von Rainer Nübel, Konstanz

Fadi S. wird zum Haftprüfungstermin in den Bundesgerichtshof in Karlsruhe gebracht© Uli Deck/DPA

Wie aus dem Umfeld des 23jährigen zu erfahren war, kam S. 2003 nach Deutschland und absolvierte an der Universität Konstanz einen Sprachkurs. Aufgrund einer körperlichen Auseinandersetzung mit einem marokkanischen Studenten, die offenbar eine Strafanzeige nach sich zog, soll S. im Jahr 2004 abgeschoben worden und ein Jahr später aufgrund einer neuen Aufenthaltserlaubnis wieder in die Bundesrepublik zurückgekehrt sein. Zu dieser Zeit begann er an der Uni Kiel das Ausländerkolleg zu besuchen - dasselbe Kolleg, das auch der mutmaßliche Bahn-Bombenleger Youssef Mohamad El Hajdib absolvierte. Fadi S. wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und das versuchte Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen.

Nach stern.de-Informationen hielt sich Fadi S. seit etwa vier Wochen in dem Konstanzer Studentenwohnheim in der Jacob-Burckhardt-Straße auf, wo er am Freitagmorgen von BKA-Beamten festgenommen worden war. Der junge Syrer habe vor kurzem von der Uni Konstanz eine Zulassung für das Studium der Mathematischen Finanzökonomie erhalten, berichten Mitbewohner des Studentenwohnheims, die Fadi S. seit 2003 kennen. "Er fragte mich, ob dieses Fach schwer sei", erzählt ein Kommilitone. In den vergangenen Wochen habe S. wiederholt mit "Freunden in Kiel" telefoniert, außerdem mit dem syrischen Konsulat - dorthin habe er seinen Pass geschickt, um ihn verlängern zu lassen, ihn bisher aber nicht zurückbekommen.

Fadi S. wird von arabischen Bekannten als junger Moslem beschrieben, der wenig gebetet und durchaus Alkohol getrunken habe. Als ihn libanesische Studenten vor kurzem auf den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah ansprachen, habe er gesagt: "Mit Politik möchte ich nichts zu tun haben." Fadi S. war Zwischenmieter in dem Studentenwohnheim, hatte das Zimmer vorübergehend von einem russischen Studenten übernommen. Dessen PC habe er intensiv genutzt, sagen Mitbewohner. Und ihnen fiel noch etwas auf: Vor wenigen Tagen habe der Bruder von Fadi S., auch ein Student, Kommilitonen einen Laptop zum Verkauf angeboten. Nach Medienberichten sollen Fahnder bei Fadi S. ein Laptop gefunden haben, das dem in Kiel verhafteten Terrorverdächtigen Youssef Mohamad El Hajdib zugeordnet werde.

In der Nacht von Donnerstagabend war Fadi S. unterwegs auf dem Gelände des Studentenwohnheims. Er besuchte andere arabische Studenten, gegen fünf Uhr morgens kam er zurück in sein Zimmer - kurze Zeit später griffen die BKA-Beamten zu.

Haftbefehl erlassen

Der Bundesgerichtshof hat am Samstag Haftbefehl gegen ihn wegen der fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschläge auf deutsche Regionalzüge erlassen. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft teilte in Karlsruhe mit, gegen den Studenten sei nach mehrstündiger Vernehmung der Haftbefehl ergangen. Ihm werde wie den anderen beiden Beschuldigten Verdacht auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Gruppe, versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und versuchte Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Über Einzelheiten aus der Vernehmung des Studenten beim Ermittlungsrichter sagte der Sprecher zunächst nichts.

In Berlin sitzt der vor einer Woche in Kiel festgenommene Libanese Youssef Mohamad E.H. in Untersuchungshaft. Ein zweiter Libanese, gegen den die Bundesanwaltschaft Haftbefehl erwirkt hatte, hat sich im Libanon den Behörden gestellt und nach deren Angaben ein Teilgeständnis abgelegt. Die Ermittler prüfen nun möglich Verbindungen der Attentäter zu Extremistenorganisationen wie die Al-Kaida. Auf dem Computer des im Libanon festgenommenen Jihad H. sollen sich Hinweise auf eine solche Verbindung befinden.

Von Rainer Nübel, Konstanz
 
 
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