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29. März 2007, 19:29 Uhr

Zur Terror-Anklage reicht es nicht

Zwei sind ein Paar, drei sind eine Gruppe - auch wenn es um eine terroristische Vereinigung geht. Weil der "dritte Mann" fehlt, wird deshalb gegen die Kofferbomber auch "nur" noch wegen "versuchtem vielfachen Mord" ermittelt. Von Gerd Elendt

Die beiden mutmasslichen Kölner Kofferbomber Youssef el Hajdib (li.) und Jihad Hamad© BKA/ddp

Gegen den in Berlin in Untersuchungshaft sitzenden Kofferbomber Youssef el Hajdib wird nicht mehr als Mitglied einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Dies hat der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs nach Anhörung des Generalbundesanwalts sowie des Beschuldigten und seines Verteidigers beschlossen.

Es bleibt bei versuchtem "vielfachen Mord"

Der 22jährige ehemalige Student aus Kiel steht weiter unter Verdacht zusammen mit seinem im Libanon in Haft sitzenden Freund Jihad Hamad (21) im Juli vergangenen Jahres einen Anschlag auf zwei Regionalzüge geplant zu haben. Die Explosion sollte zeitgleich in den Zügen von Köln nach Hamm und von Köln nach Koblenz erfolgen, und "zu einer unbestimmten, möglichst großen Anzahl von Toten und Verletzten führen". Nur durch einen technischen Fehler beim Bau der Bomben kam es nicht zum schlimmsten Terror-Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.

Der Tatverdacht wegen des "versuchten vielfachen Mordes" bleibe deshalb auch bestehen, betonten die Richter. Nur der Paragraph 129a des Strafgesetzbuches sei nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Anhaltspunkte, dass sich die Beschuldigten mit einer dritten Person zu einer terroristischen Vereinigung zusammengeschlossen haben könnten, reiche "für die Annahme eines entsprechenden dringenden Tatverdachts nicht aus".

Offenabr doch kein dritter Täter

Den von der Generalbundesanwaltschaft im vergangenen Jahr als möglichen dritten Täter verdächtigten Syrer Fadi al-S. erwähnen die BGH-Richter gar nicht erst in ihrem Beschluss. Auch die vor einer Woche bekannt gewordenen Ermittlungen gegen den Bruder des Hauptverdächtigen, Kahled el Hajdib (38) halten die Bundesrichter nicht für stichhaltig genug.

Als Kofferbomber Youssef el Hajdib im August vergangenen Jahres festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt wurde, begründetet dieser seinen Haftbefehl damit, "dass der Beschuldigte dringend verdächtig sei, sich an einer terroristischen Vereinigung als Mitglied beteiligt zu haben".

Kein Nachweis einer "terroristischen Vereinigung"

Doch die ermittelnde Karlsruher Bundesanwaltschaft hatte schon bald Probleme, den Vorwurf der Bildung einer "terroristischen Vereinigung" gegen die Kofferbomber zu belegen. Um den Strafgesetzbuch-Paragrafen 129a zu erfüllen, bedarf es des Hinweises auf mindestens drei Personen, die sich für eine "gewisse Dauer" zusammengeschlossen haben. Die Ermittler hatten zwar zunächst von drei verschiedenen DNA-Spuren berichtet, die sie bei den Beweisstücken gefunden hätten. Doch laut einem internen Bericht des Bundeskriminalamtes vom Herbst vergangenen Jahres wurden an den Kleidungsstücken, mit denen die Gasflaschen in den Koffern abgepolstert waren, nur "zwei Spurenverursacher festgestellt". Weitere so genannte "Mischspuren" schienen keine Bedeutung zu haben. Auch die Auswertung von Fingerabdrücken brachte den Fahndern nicht den Eindruck, dass an der Vorbereitung und Ausführung der Tat mehr als zwei Personen beteiligt waren.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Inzwischen haben die Ermittler 22 Objekte durchsucht und mehr als 1000 Asservate sichergestellt. Viele Schriftstücke sind in arabischer Sprache verfasst und noch längst nicht alle übersetzt. Die Bewertung des E-Mail-Verkehrs der beiden Kofferbomber ist noch lange nicht beendet. Ein abschließendes kriminaltechnisches Gutachten zur Beurteilung der beiden Sprengsätze liegt auch noch nicht vor. Mit der Anklage gegen Youssef el Hajdib wird deshalb erst frühestens im Sommer gerechnet.

Von Gerd Elendt
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
misramsahim (30.03.2007, 10:34 Uhr)
Gebe dem Vorredner Recht - die Gefahr liegt woanders
Der deutsche Rechtsstaat ist hilflos gegenüber der Entschlossenheit der Islamisten. Zwar werden Attentate verhindert - ob diese nun von einer Gruppe (also 3 Menschen) oder weniger Tätern verübt werden - aber das eigentliche Problem bleibt der Weltherrschaftsanspruch des Islam, wie er von vielen Fundamentalisten gesehen wird. Und diese werden in Deutschland immer mehr und mehr, jede Moschee hat auch ihre extremen Elemente. Für gemässigte Moslems ist das ein wirkliches Problem, denn sie wehren sich zu wenig gegen die Hardliner.
Rosenengel (30.03.2007, 09:36 Uhr)
Diese Spitzfindigkeiten können Menschenleben fordern!
Da führen Spitzfindigkeiten dazu, Urteile Milde ausfallen zu lassen. Anstatt davon auszugehen, wieviel Menschenleben die versuchten Anschläge gefordert hätten. Jeder von uns, möge sich mal vorstellen, er sitzt in der Bahn und irgendwelche Idioten haben Bomben gelegt. Und diese Bomben machen keinen Unterschied, zwischen Christen und Muslimen, Rechten oder Linken. Soldaten oder Kindern. Wieviel Menschenverachtung gehört dazu, Bomben zu legen, in Bahnen, wo es möglichst viele Unschuldige treffen soll. Und Richter sprechen von keiner terroristischen Vereinigung? Für die möglichen Opfer, hätte es da eine Rolle gespielt, wie das Ding nun genannt wird? Es ist Schade, das verantwortliche Politiker und Richter nicht mit der Bahn fahren.
Die Angeklagten werden Milde erfahren. Vieleicht gibt es ja wieder einen Richter/in die eine entsprechende Sure aus dem Koran zitieren. Sie werden sie bald wieder freilassen und sie werden in Deutschland ihr Studium fortführen, bezahlt von dem Volk, das sie in die Luft bomben wollen.
Anscheinend lernt man in Deutschland nichts dazu.
Auch die neuesten Drohvideos gegen Deutschland, in denen radikale Muslime in fast akzentfreiem Deutsch Deutschland mit Terror - Anschlägen drohen, scheinen niemanden zu mehr Wachsamkeit aufzumuntern. Nur, man kann nicht immer auf ein technisches Versagen der Bomben hoffen. Auf jeden Fall scheinen einige in Deutschland immatrikulierter muslimischer Studenten zu wissen, wie man Deutschland bedroht, das von Deutschland finanzierte Wissen im Bau von Bomben anlegt.
hevosenkuva (29.03.2007, 22:57 Uhr)
Terror ist nicht unbedingt Terrorismus
So ist das nun mal. Auch wenn die Medien gerne beides vermischen, damit es mehr Sprengkraft bekommt. Ups...
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